Übersicht Stornokosten x-Veranstalter, indi Reiseveranstalter: Übliche Stornokosten und warum sie höher sind

In der Fachsprache ist die Rede vom dynamic packaging der Reisen, beziehungsweise dem "dynamischen Paketieren". Im Gegensatz zum klassischen Reiseveranstalter, der in der Regel ein Jahr im Voraus seine Pauschalreisen für die Reisenden zusammengestellt und anteilig bezahlt hat, arbeiten x-Veranstalter oder indi-Veranstalter ausschließlich tagesaktuell:

Seit gut fünf Jahren gibt es unter den 2.500 Reiseveranstaltern in Deutschland – darunter den 75 bis 100 größten, die auch auf Online-Reiseportalen gelistet sind - sogenannten x-Veranstalter, beziehungsweise x-Reiseveransalter (X-VA), auch bekannt als indi Reiseveranstalter. Darunter versteht man Reiseanbieter, deren Prinzip darauf beruht, dass sie häufig aus einer Art Restposten-Reisekontingent versuchen kurzfristig Pauschalreise zu schnüren, mit dem Ziel diese möglichst günstig anzubieten.

Das heißt, mit der Buchungsanfrage auf einem Reiseportal würfelt ein x-Veranstalter oder indi-Veranstalter aus einer Vielzahl an noch aktuell zur Verfügung stehenden Linienflügen und Hotel- oder Resort-Übernachtungen ein Paket, eine Pauschalreise zusammen. Das kann billiger sein, als andere Reiseveranstalter, muss es aber nicht:

Der Preis für die variablere und spontane Zusammenstellung ("Paketierung") von noch ad hoc verfügbaren Linienflugreisen und Hotel-Übernachtungen, beziehungsweise der Verköstigung im Urlaubsresort, hat allerdings auch einen Preis: Die Stornogebühren sind bei x-Veranstaltern oder indi-Reiseveranstaltern in aller Regel höher, als bei normalen Reiseveranstaltern. Das hat gute Gründe. So schreibt der Deutsche Reiseverband (DRV):

"Wer Leistungen zu bestmöglichen Preisen tagesaktuell einkauft und seinem Kunden dadurch den bestmöglichen Verkaufspreis anbietet, hat möglicherweise dadurch restriktivere Konditionen. Das kennt jeder, der einen Flug selbst bucht. Denn der flexibelste Tarif ist naturgemäß teurer als der, der nicht umbuchbar ist. Aus diesem Spektrum bedienen sich auch die dynamischen Reiseveranstalter."

Die höheren Stornokosten bei x-Veranstaltern erklärt der DRV folgendermaßen:

"Die AGB (Allgemeine Geschäftsbedingungen) weichen oft von denen "klassischer" Veranstalter ab. Sowohl der Anzahlungsbetrag, als auch die Stornostaffeln sind meist höher. Begründet ist dies in den extern eingekauften Leistungen: Der zugesteuerte Flug muss vom X-VA fast immer direkt nach der Buchung und zu 100 % bezahlt werden. Sonderpreise der Hotels sind häufig mit einer Vorauszahlung an den Hotelier verbunden. Diese, direkt nach Buchung entstehenden Kosten, werden in der Regel durch eine erhöhte Anzahlung abgefedert. Ähnlich verhält es sich mit den Stornostaffeln: Bei den eingekauften Flügen handelt es sich um Sondertarife, die fast ausschließlich nicht stornierbar / erstattbar sind."

Deshalb sollte jeder, der eine Pauschalreise online bucht oder im Reisebüro, darauf achten: Handelt es sich um einen x-Veranstalter oder einen indi-Reiseveranstalter oder einen normalen Reiseveranstalter? Wer ein "x" oder ein "indi" in den AGBs (Allgemeine Geschäftsbedingungen) oder dem Namen sieht, auch beim Reiseangebot, der sollte sich die Stornokosten genauer anschauen. Netz-trends.de zeigt, wie hoch die Stornokosten bei den führenden x-Veranstaltern, beziehungsweise indi-Reiseveranstaltern in Deutschland sind:

Fakt ist: Liegen übliche Stornokosten beim frühzeitigen Stornieren von üblichen Pauschalreisen nicht selten bei 20 Prozent, können im Falle von x-Veranstaltern oder indi-Veranstaltern Storngebühren die Grenze von 40 bis 70 Prozent je Reise erreichen. Wer aber gar die gebuchte Reise unmittelbar am geplanten Reisetag erst storniert, der muss sogar mit bis zu 95% Reise-Stornokosten kalkulieren.

x-Veranstalter müssen Linienflüge sofort komplett zahlen - bei Stornierung ist ein Weiterverkauf zu gleichen Konditionen eher unmöglich

Die wesentlichen Kriterien von x-Veranstaltern, beziehungsweise indi-Veranstaltern, sind also: Dynamische Paketierer erstellen (und kaufen) die Reise bei Buchung des Kunden, halten also keine Kontingente vor wie die klassischen Anbieter. Dabei müssen Low Carrier und Linienflüge sofort vom X-Veranstalter, beziehungsweise indi-Veranstalter bezahlt werden. Daher sind auch die Stornokosten höher. Dieses gilt, je näher der Reisetag heranrückt, da zum Beispiel ein Linienflug komplett vom Reiseveranstalter, also dem x-Veranstalter oder indi-Veranstalter zu bezahlen ist.

Zudem: Klassische Anbieter, also Reiseveranstalter, kaufen Reise-Kontingente (Flug, Hotel) und können einen Reise-Platz (Flugzeug, Hotel) bei Stornierung unter Berücksichtigung der Einnahmen aus der Stornogebühr erneut weiterverkaufen - verdienen also bei Stornierungen nicht selten zusätzliches Geld. Doch das können x-Veranstalter auf Grund dessen, dass sie keine Reisekontingente (Flug, Hotel) bereits monatelang im Voraus einkauften nicht und müssen stets zum tagesaktuellen Kurs einkaufen. Doch gerade bei Linienflugreisen gilt:

Auf beliebten Strecken kann ein kurzfristiger Kauf teurer sein, als ein längerfristiger kauf. Heißt: Storniert ein Kunde eines x-Veranstalters eine Pauschalreise für zwei Personen, in welchem zwei Flugtickets zu je 1.100 Euro enthalten sind (also 2.200 Euro), müsste der Reiseveranstalter diesen Betrag komplett kompensieren - selbst die 40% Stornokosten bei Stornierung 6 Monate vor Flugantritt würden die Kosten nicht decken. Das Ziel kurzfristig dennoch eine günstige Reise zusammenzustellen, funktioniert deshalb primär über den Hoteleinkauf, da selbst in der Urlaubs-Hochzeit (Winter, Sommer), häufig nicht jedes Zimmer ausverkauft ist.

Eine Stornierung hat deshalb hier viel stärkere betriebswirtschaftliche Auswirkungen auf das Unternehmen. Einige x-Veranstalter, beziehungsweise indi-Reiseveranstalter, beziehen aber nicht nur Restplätze in Hotels oder Linienflugzeugen, sondern kaufen teils auch von Incoming Agenturen, welche in den Urlaubsregionen vor Ort sind, ein. Einige Incoming Agenturen sind also eine Art Zwischenhändler. Das bietet sich vor allem deshalb an, da sie am ehesten vor Ort – zum Beispiel in Spanien oder Griechenland – wissen, welches Hotel oder Flugzeug noch Buchungs-Kapazitäten aufweist.

Ein Streit gibt es darum, wie hoch eine Anzahlung bei Buchung einer x-Reise zu sein hat. Einige Reiseveranstalter verlangen auf Grund des höheren bilanztechnischen Risikos 40% vom Reisepreis. Normale Reiseveranstalter – die aber auch ein erheblich geringeres bilanziertes Risiko zu tragen haben – berechnen lediglich 20%. X-Veranstalter, beziehungsweise Indi-Veranstalter, berechnen in der Regel ab dem 45. Tag vor Reisebeginn 100% des Reisepreises.

Unterm Strich kann gesagt werden: x-Veranstalter oder indi-Veranstalter beleben den Reisemarkt und machen den traditieren Platzhirschen Konkurrenz, was im Sinne der Verbraucher ist. Das hörere bilanztechnische Risiko rechtfertigt deshalb auch eine höhere Stornogebühr. Allerdings sollte man sich eben genau das vor Abschluss einer Buchung bewusst machen. Netz-trends.de hat sich die Branche einmal vorgenommen und sagt, wie die Stornokosten bei den x-Veranstaltern derzeit sind (die genannten Zahlen sind auch in der Tabelle am Textanfang einsehbar).

Stornokosten bei x-Veranstaltern oder indi-Veranstaltern 6 Monate vor der Reisebeginn:

Anmerkung - alle Angaben ohne Gewähr, Stand: 28. Mai 2014: FTI (XFTI, 25%), ITS Indi (XITS, 25%), Tjaereborg Indi (XTJA, 25%), V-Tours (VTO, 30%), ARG viel Ferien (XARG, 35%), LMX Touristik (XLMX, 35%), Alltours-X (40%), 1-2-Fly (XFLY, 40%), Urlaubstours (ULT, 40%), TUI (XTUI, 40%), 5 vor Flug (X5VF, 50%), Air Marin (XAIR, 55%), Neckermann (XNEC, 55%), Thomas Cook (XTOC, 55%), X-Öger (XOGE, 60%), Go Bucher (XBU, 70%).

Stornokosten bei x-Veranstaltern oder indi-Veranstaltern exakt am 30. Tag vor Reisebeginn:

Anmerkung - alle Angaben ohne Gewähr, Stand: 28. Mai 2014: FTI (XFTI, 25%), ITS Indi (XITS, 25%), Tjaereborg Indi (XTJA, 25%), ARG viel Ferien (XARG, 35%), LMX Touristik (XLMX, 35%), V-Tours (VTO, 40%), Alltours-X (40%), Urlaubstours (ULT, 40%), 5 vor Flug (X5VF, 50%), 1-2-Fly (XFLY, 55%), TUI (XTUI, 55%), Air Marin (XAIR, 60%), Neckermann (XNEC, 60%), Thomas Cook (XTOC, 60%), X-Öger (XOGE, 60%), Go Bucher (XBU, 70%).

Stornokosten bei x-Veranstaltern oder indi-Veranstaltern exakt am 15. Tag vor der Reise:

Anmerkung - alle Angaben ohne Gewähr, Stand: 28. Mai 2014: FTI (XFTI, 40%), ITS Indi (XITS, 40%), Tjaereborg Indi (XTJA, 40%), ARG viel Ferien (XARG, 40%), Alltours-X (40%), Urlaubstours (ULT, 50%), 5 vor Flug (X5VF, 50%), V-Tours (VTO, 60%), X-Öger (XOGE, 60%), LMX Touristik (XLMX, 65%), Air Marin (XAIR, 70%), Neckermann (XNEC, 70%), Thomas Cook (XTOC, 70%), Go Bucher (XBU, 70%), 1-2-Fly (XFLY, 75%), TUI (XTUI, 75%).

Stornokosten bei x-Veranstaltern oder indi-Veranstaltern direkt am Reisetag:

Anmerkung - alle Angaben ohne Gewähr, Stand: 28. Mai 2014: FTI (XFTI, 85%), ITS Indi (XITS, 90%), Tjaereborg Indi (XTJA, 90%), ARG viel Ferien (XARG, 90%), Alltours-X (90%), Urlaubstours (ULT, 90%), V-Tours (VTO, 90%), X-Öger (XOGE, 90%), Air Marin (XAIR, 90%), Neckermann (XNEC, 90%), Thomas Cook (XTOC, 90%), Go Bucher (XBU, 90%), 5 vor Flug (X5VF, 95%), LMX Touristik (XLMX, 95%), 1-2-Fly (XFLY, 95%), TUI (XTUI, 95%).

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