Familie Peugeot verliert zum zweiten Mal in 83 Jahren Mehrheit

Bereits im Sommer 2013 hatte der Automobilhersteller aus Frankreich, Peugeot, den französischen Staat um Hilfe gebeten. Auch hatte die einflussreiche kreditgebende PSA Banque sich für externe Hilfe stark gemacht. Unter anderem ist im Gespräch, wonach die Peugeot-Finanztochter PSA Banque rund 50 % der Anteile an die spanische Bank Santander verkaufen könnte.

Für Frankreich ist es ein historisches Datum: Zum zweiten Mal seit 1931 - also in einem Zeitraum von 83 Jahren - verliert die Familie Peugeot, Namensgeber des Automobilkonzerns PSA Peugeot Citroën, ihre Stimmmehrheit an Peugeot. Neue Anteilseigener sind der französische Staat sowie der chinesische Autobauer Dongfeng.

Keine Frage: Der Automobilhersteller PSA Peugeot Citroën gilt als angeschlagen. Deshalb sind nun sowohl der französische Staat wie die chinesische Firma Dongfeng bei Peugeot über eine 3-Milliarden-Euro umfassende Kapitalerhöhung eingestiegen. Bereits in den vergangenen Monaten musste Peugeot Fabriken schließen und 10.000 Stellen streichen. Peugeot geht eine ähnlich schwierige Zeit durch, wie der zu GM gehörende deutsche Autobauer Opel.

Künftig wird die Familie Peugeot über die Holding FFP statt über 19 % des Kapitals (Chart unten) und 38 % der Stimmrechte zu verfügen, nur noch über 14 % der Stimmrechte verfügen können. Das bedeutet: Sowohl der französische Staat wie der chinesische Konzern Dongfeng hätten künftig in etwa jeweils genauso viel Einfluss.

Damit möchte man Peugeot zumindest vorübergehend mehr Spielraum geben. Doch ob das relativ überschaubare Investment genügt, um in der Automobilbranche des 21. Jahrhunderts dauerhaft mitspielen zu können, haben Beobachter ihre Zweifel.

Vor allem in wichtigen Automobilabsatz-Märkten, wie Deutschland, spielt Peugeot schon seit Jahren keine wirklich große Rolle mehr. Legendär ist allenfalls die "Ente", welche neben dem "Käfer" von VW zu den weltbekanntesten Autos gehört.

Mit dem Einstieg des französischen Staates sowie des chinesischen Konzerns Dongfeng verliert die Familie Peugeot zum zweiten Mal seit 1931 erheblich an Einfluss bei Peugeot. Allerdings soll es im Vorfeld der jetzt öffentlich gewordenen Entscheidung über die Abgabe der Stimmmehrheit innerhalb der Peugeot-Familie erhebliche Differenzen darüber gegeben haben.

Einer der dagegen war, war beispielsweise Peugeot-Cousin Thierry Peugeot. Bereits am 27. Januar 2014 hatte er seinem Cousin und Präsidenten der FFP, der Holding, über die die Familie Peugeot ihren Einfluss auf den Autobauer seit Jahrzehnten steuert (Zitat Holding bislang: "It is the main shareholder of PSA Peugeot Citroën Group"), einen Brief geschickt.

Darin hatte er vor dem Einstieg des französischen Staates gewarnt und dieses versucht in letzter Sekunde zu verhindern. In dem Brief soll er geschrieben haben, wonach die Familie Peugeot versuchen hätte sollen, den Automobilhersteller weiterhin "zu begleiten" und zwar "im Umfang ihrer Möglichkeiten durch eine Kapitalerhöhung". Das Szenario scheint in der Mehrheit der Familie Peugeot keinen Rückhalt gefunden zu haben. Selbst Thierrys Schwester, Marie-Hélène Roncoroni, soll sich nicht den Plänen von Thierry Peugeot angeschlossen haben, wird in französischen Medien behauptet.

Die Diskussionen in der Peugeot-Familie sind verständlich, schaut man sich die Bilanz der Familienholding FFP näher an. So war bereits 2012 zu lesen: "The market value of the Peugeot SA shares amounted to €522 million, down €124 million over the period". Insgesamt umfasste das Investment-Portfolio der Familie Peugeot im Jahr 2011 rund 1,2 Milliarden Euro ("The gross value of FFP’s Diversification assets was €1,245 million, versus €1,210 million as at 31 December 2011").

Die erste Peugeot-Fabrik war vor rund 200 Jahren im französischen Örtchen Doubs gegründet worden - damals allerdings noch nicht als Automobil-Werkstatt. Erst dem Deutschen Gottlieb Daimler war es bei Stuttgart Ende des 19. Jahrhunderts gelungen, erstmals ein Automobil zu bauen.

Für die Familie Peugeot gilt es als "schreckliches Eingeständnis des Scheiterns" (Zitat französische Zeitung "Le Monde"), dass man auch 12 Jahre nach der 200-Jahrfeier von Peugeot es nicht geschafft habe, als Familie den Automobilkonzern Peugeot SA in eine sichere Zukunft zu führen.