Der EZB-Rat lässt alle drei Leitzinsen unverändert: Inflation 3,8 Prozent, Tagesgeld im Schnitt 1,84 Prozent, Festgeld 2,34 Prozent.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der EZB-Rat hat am 29. Oktober 2026 beschlossen, den Einlagesatz bei 2,50 Prozent, den Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent und den Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 Prozent zu belassen.
  • Die Inflation im Euroraum lag im September 2026 laut Eurostat bei 3,8 Prozent – fast doppelt so hoch wie das mittelfristige EZB-Ziel von 2,0 Prozent.
  • Bauzinsen in Deutschland liegen laut Dr. Klein mit Stand 29. Oktober 2026 für zehn Jahre Zinsbindung bei 4,09 Prozent Sollzins (4,20 Prozent effektiv).
  • Tagesgeld bringt im Marktdurchschnitt laut Biallo-Index rund 1,84 Prozent, Festgeld über zwölf Monate rund 2,34 Prozent – beide Werte sind seit Jahresbeginn gestiegen.

Der EZB-Rat lässt die Leitzinsen am 29. Oktober 2026 unverändert. Für Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer sowie Sparerinnen und Sparer in Deutschland bewegen sich die Zinsen trotzdem weiter.

Nach zwei Zinserhöhungen seit Juni hält die Europäische Zentralbank (EZB) zunächst still: Der Einlagesatz bleibt bei 2,50 Prozent. Grund ist laut eigener Mitteilung ein Energiepreisschock, der die Inflation zusätzlich anheizen könnte und gleichzeitig das Wachstum im Euroraum bremst.

Anzeige

Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland bedeutet das keinen Stillstand: Bauzinsen und Sparzinsen reagieren weiter auf die Erwartungen der Finanzmärkte – nicht nur auf den aktuellen Leitzins selbst.

Die EZB-Entscheidung im Detail

Der EZB-Rat hat auf seiner Sitzung am 29. Oktober 2026 beschlossen, alle drei Leitzinsen unverändert zu lassen. Die folgende Übersicht zeigt die aktuell gültigen Sätze im Euroraum.

Leitzins Satz ab 29.10.2026 Unverändert seit
Einlagefazilität (Einlagesatz) 2,50 % 16. September 2026
Hauptrefinanzierungsgeschäfte 2,65 % 16. September 2026
Spitzenrefinanzierungsfazilität 2,90 % 16. September 2026

Quelle: Europäische Zentralbank (EZB), geldpolitische Erklärung vom 29. Oktober 2026; EZB-Übersicht der Leitzinsänderungen (Stand 29.10.2026).

Anzeige

Der Einlagesatz ist der Zins, zu dem Banken überschüssiges Geld bei der EZB parken – er gilt als der wichtigste der drei Sätze für die Geldpolitik. Seit Jahresbeginn hat der EZB-Rat ihn zweimal angehoben: am 17. Juni 2026 von 2,00 auf 2,25 Prozent, am 16. September 2026 von 2,25 auf 2,50 Prozent. Am 29. Oktober 2026 blieb er erstmals seit dem Frühjahr unverändert.

Warum die EZB die Zinsen hält

In ihrer Erklärung nennt die EZB die Energiepreise als zentralen Unsicherheitsfaktor. Sie steigen laut EZB-Rat weiter, und der sogenannte Energieschock habe seine volle Wirkung noch nicht entfaltet. Eine genaue geopolitische Ursache benennt die Mitteilung selbst nicht; das Finanzportal Leinetal24 bringt die gestiegenen Ölpreise seit dem Sommer 2026 mit der Lage im Nahen Osten in Verbindung.

„Das größere Ausmaß und die längere Dauer des Energieschocks sowie die Auswirkungen auf indirekte Effekte und Zweitrundeneffekte dürften die Inflation in die Höhe treiben und das Wachstum schmälern.“

EZB-Rat, geldpolitische Erklärung vom 29. Oktober 2026

Gleichzeitig beobachtet die Notenbank, dass die sogenannte Kerninflation – also die Teuerung ohne schwankende Energie- und Lebensmittelpreise – bislang weitgehend stabil geblieben ist und die Löhne kaum auf den Preisschub reagiert haben. Der EZB-Rat legt sich deshalb nicht auf einen weiteren Zinsschritt fest, sondern will von Sitzung zu Sitzung anhand neuer Daten entscheiden. Die Inflation im Euroraum lag im September 2026 nach endgültigen Zahlen des Statistikamts Eurostat bei 3,8 Prozent.

Anzeige

Tagesgeld und Festgeld: Was Sparer bekommen

Für Sparerinnen und Sparer in Deutschland sind die Zeiten der Niedrigzinsen vorerst vorbei. Der Biallo-Tagesgeldindex für 10.000 Euro liegt bei 1,84 Prozent und damit 0,47 Prozentpunkte höher als zu Jahresbeginn 2026. Beim Festgeldindex für 25.000 Euro über zwölf Monate sind es 2,34 Prozent, ein Plus von 0,82 Punkten seit Januar.

Bei Neukundenaktionen liegen die Topkonditionen deutlich darüber: Tagesgeld-Angebote mit befristet hohem Zins reichen laut Biallo aktuell bis 4,50 Prozent für die ersten Monate, danach fallen sie auf den regulären Zins zurück. Bei klassischem Festgeld über ein Jahr nennt der Vergleich bis zu 3,60 Prozent, über zehn Jahre bis zu 3,75 Prozent. Wer sich für längere Laufzeiten entscheidet, bindet sein Geld allerdings auch dann, wenn der Leitzins später wieder sinken sollte.

Bauzinsen: 4,09 Prozent für zehn Jahre

Baufinanzierungen folgen nicht direkt dem Leitzins, sondern den Renditen langlaufender Staatsanleihen und den Erwartungen der Finanzmärkte. Laut Dr. Klein liegen die Konditionen für ein Beispieldarlehen von 350.000 Euro mit Stand 29. Oktober 2026 wie folgt:

Zinsbindung Sollzins p. a. Effektivzins p. a.
5 Jahre 4,16 % 4,29 %
10 Jahre 4,09 % 4,20 %
15 Jahre 4,24 % 4,35 %
20 Jahre 4,30 % 4,41 %

Quelle: Dr. Klein, aktuelle Bauzinsen, Beispielrechnung für ein Nettodarlehen von 350.000 Euro, Stand 29. Oktober 2026.

Auffällig ist, dass die zehnjährige Zinsbindung günstiger ist als die fünfjährige. Der Markt erwartet damit kurzfristig weitere Zinsschritte, rechnet mittelfristig aber wieder mit sinkender Inflation und fallenden Zinsen. Wer sich jetzt für eine kürzere Zinsbindung entscheidet, zahlt dafür einen Aufschlag.

Modellrechnung: Was das konkret bedeutet

Modellrechnung, keine Prognose und keine individuelle Finanzberatung

  • Beispiel Baufinanzierung: 300.000 Euro Darlehen, 10 Jahre Zinsbindung bei 4,09 Prozent Sollzins, 2,0 Prozent anfängliche Tilgung. Monatliche Rate: (4,09 % + 2,0 %) ÷ 12 × 300.000 € ≈ 1.522,50 Euro.
  • Beispiel Sparen: 10.000 Euro Festgeld für 12 Monate bei durchschnittlich 2,34 Prozent. Zinsertrag vor Abgeltungsteuer: 10.000 € × 2,34 % ≈ 234 Euro.

Beide Rechnungen sind vereinfachte Beispiele ohne Bearbeitungsgebühren, Sondertilgungen oder Steuerabzüge und ersetzen keine individuelle Beratung durch Bank oder unabhängige Finanzberatung.

Der Unterschied zeigt, warum derselbe Zinsentscheid je nach Situation ganz unterschiedlich wirkt: Wer baut oder eine Anschlussfinanzierung plant, zahlt bei den aktuellen Sätzen spürbar mehr als noch vor eineinhalb Jahren. Wer Geld anlegt, profitiert dagegen von den höheren Zinsen – muss aber die Inflation von 3,8 Prozent gegenrechnen, die die reale Kaufkraft der Zinserträge schmälert.

Checkliste: Jetzt Zinsen vergleichen

  • Bei Baufinanzierungen mehrere Anbieter vergleichen – schon 0,1 Prozentpunkte machen bei 300.000 Euro über zehn Jahre mehrere Tausend Euro aus.
  • Vor einer Anschlussfinanzierung die Möglichkeit eines Forward-Darlehens prüfen, um sich aktuelle Zinsen für später zu sichern.
  • Bei Tages- und Festgeld Lockangebote für Neukunden von dauerhaften Zinssätzen unterscheiden und das Kleingedruckte zur Folgeverzinsung lesen.
  • Die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Bank und Kunde im Blick behalten, besonders bei Banken im EU-Ausland.
  • Freistellungsauftrag für Kapitalerträge bei der Bank hinterlegen, um Zinserträge bis zum Sparer-Pauschbetrag steuerfrei zu halten.

Die nächste Zinsentscheidung des EZB-Rats folgt nach dem üblichen Rhythmus von rund sechs Wochen. Ob die EZB dann erneut pausiert oder die Zinsen anpasst, hängt laut eigener Erklärung vor allem davon ab, wie sich der Energiepreisschock weiter auf Inflation und Wachstum im Euroraum auswirkt.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der EZB-Leitzins aktuell?

Der EZB-Rat hat am 29. Oktober 2026 den Einlagesatz bei 2,50 Prozent, den Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent und den Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 Prozent belassen. Alle drei Sätze gelten unverändert seit der Zinserhöhung vom 16. September 2026.

Warum steigen die Bauzinsen, obwohl die EZB die Leitzinsen nicht erhöht hat?

Bauzinsen orientieren sich vor allem an den Renditen langlaufender Staatsanleihen und an den Erwartungen der Finanzmärkte für die kommenden Jahre, nicht direkt am aktuellen Leitzins. Steigende Energiepreise und Inflationssorgen treiben diese Renditen zusätzlich nach oben.

Wie hoch ist die Inflation im Euroraum derzeit?

Nach endgültigen Zahlen des Statistikamts Eurostat lag die Inflation im Euroraum im September 2026 bei 3,8 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie das mittelfristige Ziel der EZB von 2,0 Prozent.

Lohnt sich jetzt noch Tagesgeld oder Festgeld?

Die Marktdurchschnitte sind seit Jahresbeginn 2026 gestiegen: Tagesgeld bringt laut Biallo-Index im Schnitt 1,84 Prozent, Festgeld über zwölf Monate rund 2,34 Prozent. Neukundenaktionen bieten zeitweise deutlich mehr, fallen danach aber meist auf den regulären Zins zurück.

Quellen und Stand

Recherche- und Datenstand: 29. Oktober 2026.

Transparenz: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz recherchiert und formuliert und ist zur menschlichen redaktionellen Prüfung vorgesehen.

Kommentar schreiben