Hohe Industriestrompreise, US-Zölle und schwache Margen verschärfen den Standortwettbewerb. Warum Audi-Chef Gernot Döllner die Einladung von Donald Trump annehmen durfte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Audi-Chef Gernot Döllner hat das geplante US-Werk gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump (Republikaner) vorgestellt – nach Angaben von Audi ausschließlich im Unternehmensinteresse.
  • Das Werk im US-Bundesstaat Georgia soll rund vier Milliarden US-Dollar kosten, etwa 4.500 Arbeitsplätze schaffen und bis zu 200.000 Fahrzeuge pro Jahr bauen.
  • US-Zölle von 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2025, rund doppelt so hohe Industriestrompreise wie in Georgia und sinkende Margen erklären, warum Audi in den USA produzieren will.

Audi-Chef Gernot Döllner hat auf Einladung der US-Regierung Audis geplantes Werk in Georgia gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump (Republikaner) vorgestellt. Das war richtig – und kein politisches Gütesiegel für Trump.

Es ging um viel: rund vier Milliarden US-Dollar Investition, etwa 4.500 geplante Arbeitsplätze und eine Kapazität von bis zu 200.000 Autos pro Jahr – in einem Markt, in dem Audi langfristig wachsen will (Quelle: Audi-Pressemitteilung zur Investition in Georgia). Dieser Kommentar ordnet die Details zum geplanten Werk und zur Zollbelastung ein und zeigt, unter welchem Kostendruck die Autobauer stehen.

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Nach Darstellung von Audi reiste die Delegation nach Georgia, um die Gespräche über das Werk voranzubringen. Dabei sei das Unternehmen gebeten worden, die Pläne gemeinsam mit dem US-Präsidenten vorzustellen. Audi habe die Einladung „ausschließlich im Interesse des Unternehmens“ angenommen (Quelle: Audi-Stellungnahme vom 26. Oktober 2026).

Genau darum geht es: Ein Vorstandschef muss die wirtschaftlichen Interessen seines Unternehmens vertreten. Audi bezifferte die Belastung durch US-Zölle für 2025 auf 1,2 Milliarden Euro und bezeichnet sein US-Geschäft derzeit als nicht profitabel. Eine eigene Fertigung vor Ort soll die Wettbewerbsfähigkeit stärken sowie Handels- und Währungsrisiken verringern (Quelle: Audi-Geschäftszahlen 2025). Wer die Einladung in dieser Lage ausschlägt, nur um Abstand zu einem umstrittenen Gastgeber zu halten, setzt zwar ein Zeichen – womöglich aber eines zulasten des Unternehmens und seiner Beschäftigten.

Döllners Entscheidung lässt sich deshalb nicht allein mit PR-Kalkül erklären. Sie ist die Folge des wirtschaftlichen Drucks, unter dem die deutsche Autoindustrie steht. Warum der US-Markt für Audi und seine Wettbewerber so wichtig geworden ist, zeigen die Kennzahlen: Margen, Strompreise und Zölle.

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Kosten je Auto und Margen im Vergleich

Umsatzkosten sind die Aufwendungen, die ein Konzern im Geschäftsbericht den verkauften Produkten zurechnet. Bei Autobauern sind das vor allem Material und Bauteile, Produktionspersonal, Fertigungsgemeinkosten und Abschreibungen – je nach Konzern auch Logistik, Garantien, Rückrufe, Wertminderungen oder Kosten des Finanzgeschäfts. Die Umsatzkosten geteilt durch die verkauften Fahrzeuge sind deshalb nur ein grober Orientierungswert, keine geprüfte Herstellkostenrechnung pro Auto.

Die Ampeln in der Tabelle bewerten die operative Marge, also den Anteil des operativen Gewinns am Umsatz: 🟢 ab 5 Prozent, 🟡 von 2 bis unter 5 Prozent, 🔴 unter 2 Prozent oder Verlust. Das ist eine redaktionelle Einordnung, keine Branchennorm. Ein Stern (*) kennzeichnet eine bereinigte Marge ohne Sondereffekte. H1 steht für das erste Halbjahr, Q1 bis Q3 für das erste bis dritte Quartal, EBIT für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Weil noch nicht alle Konzerne ihre Zahlen zum dritten Quartal 2026 veröffentlicht haben, unterscheiden sich die Berichtszeiträume. Auf dem Smartphone lässt sich die Tabelle seitlich wischen.

Konzern/Bereich Umsatzkosten¹ je Fahrzeug Marge 2025 Ampel 2025 Neueste Marge 2026 Ampel 2026 Jüngster verfügbarer Finanzstand
Audi, Brand Group Progressive ca. 34.600 € 5,1 %, Konzern 🟢 3,8 %, H1 Konzern 🟡 H1: operatives Ergebnis 1,1 Mrd. €. Q3-Bericht angekündigt für 30. Oktober. Audi H1
Volkswagen Group ca. 30.100 € 2,8 %, Konzern 🟡 3,8 %, H1 Konzern 🟡 H1: operatives Ergebnis 5,9 Mrd. €, 11,6 % unter Vorjahr. Q3-Bericht angekündigt für 29. Oktober. VW H1
BMW, Automotive ca. 41.900 € 5,3 %, EBIT-Marge Auto-Segment 🟢 3,6 %, H1 EBIT-Marge Auto-Segment 🟡 H1: im Q2 allein betrug die Marge 2,3 %. Q3-Finanzbericht angekündigt für 4. November. BMW H1
Mercedes-Benz Cars ca. 44.200 € 5,0 %*, Cars 🟢 2,5 %*, Q3 Cars 🟡 Q3: bereinigte Marge 2,5 %, nach 4,8 % im Vorjahresquartal; bereinigtes EBIT der Sparte sank. Mercedes Q3
Porsche, Umsatzkosten Automotive; Marge Konzern ca. 103.800 € 1,1 %, Konzern 🔴 6,9 %, Q1–Q3 Konzern 🟢 Q1–Q3: 1,74 Mrd. € operativer Gewinn; Auslieferungen 16 % niedriger. Der Vorjahresvergleich ist durch 2,7 Mrd. € Kosten für die strategische Neuausrichtung im Vorjahreszeitraum beeinflusst. Porsche Q3
Stellantis ca. 28.400 € −0,5 %*, Konzern 🔴 0,7 %*, Q3 Konzern 🔴 Q1–Q3: bereinigte Marge 1,7 %. Im Q3 weiterhin ein Nettoverlust von 453 Mio. €. Stellantis Q3
Tesla ca. 30.900 € (34.900 US-$) 4,6 %, Konzern 🟡 2,6 %, Q3 Konzern 🟡 Q3-Umsatz rund 28,0 Mrd. US-$; operative Marge nach 5,8 % ein Jahr zuvor. Tesla Q3
General Motors ca. 37.100 € (41.900 US-$) 6,9 %*, Konzern 🟢 8,2 %*, Q3 Konzern 🟢 Q3: 4,1 Mrd. US-$ bereinigtes EBIT bei 50,0 Mrd. US-$ Umsatz; die ausgewiesene bereinigte Marge beträgt 8,2 %. GM Q3
Ford ca. 35.100 € (39.700 US-$) 3,6 %*, bereinigte EBIT-Marge 🟡 5,2 %*, Q2 bereinigte EBIT-Marge 🟢 Ford wies für 2025 zusätzlich eine operative Marge von −4,9 % nach Sondereffekten aus. Q3-Bericht war für 28. Oktober, 17 Uhr US-Ostküstenzeit, angekündigt; zum Stand dieser Übersicht noch nicht veröffentlicht. Ford Q2, Ford Finanzkalender

¹ Rechenweg: Umsatzkosten des jeweiligen Konzerns oder Geschäftsbereichs 2025 geteilt durch die gemeldeten Verkäufe, Auslieferungen oder konsolidierten Fahrzeuglieferungen. US-Dollar-Werte sind zum Jahresdurchschnittskurs 2025 der Europäischen Zentralbank (EZB) von 1 Euro = 1,13 US-Dollar umgerechnet. Kosten und Margen beziehen sich nicht überall auf denselben Geschäftsbereich: Der VW-Wert enthält Kosten des Finanzdienstleistungsgeschäfts; bei Porsche stammen die Umsatzkosten aus dem Automobilsegment, die Marge bezieht sich auf den Konzern, und die Kosten 2025 waren von außergewöhnlichen Belastungen geprägt. Die Kostenwerte sind deshalb keine Rangliste der tatsächlichen Werkskosten.

Die jüngsten Berichte zeigen, wie unterschiedlich sich die Konzerne entwickeln. Bei Audi sank die Marge im ersten Halbjahr 2026 auf 3,8 Prozent, BMW meldete für sein Autosegment 3,6 Prozent im Halbjahr und nur 2,3 Prozent im zweiten Quartal. Mercedes-Benz Cars kam im dritten Quartal auf 2,5 Prozent, Stellantis auf 0,7 Prozent.

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Besser lief es bei Porsche mit 6,9 Prozent in den ersten neun Monaten – auch, weil der Vorjahreszeitraum durch hohe Sonderkosten belastet war. General Motors erreichte im dritten Quartal eine bereinigte Marge von 8,2 Prozent. Die Unterschiede zeigen: Ein einzelner Wert „Kosten pro Auto“ sagt nicht, ob ein Hersteller gut oder schlecht wirtschaftet. Mehr zur aktuellen Lage bei Mercedes: Mercedes-Benz senkt Gewinnprognose 2026.

Industriestrom: Deutschland rund doppelt so teuer

Ein großer Kostenblock, den die Hersteller kaum selbst steuern können, ist Energie. Große Industriekunden in Deutschland zahlten 2025 je nach Verbrauchsgruppe durchschnittlich etwa 14,5 bis 15,8 Cent je Kilowattstunde. Im US-Bundesstaat Georgia lag der durchschnittliche Industriestrompreis bei 7,88 US-Cent, umgerechnet rund 7 Euro-Cent. Deutscher Industriestrom war damit etwa doppelt bis 2,3-mal so teuer.

Der Vergleich ist eine Orientierung, kein konkreter Audi-Liefervertrag: Die deutschen Werte gelten für bestimmte Großverbrauchergruppen, die Zahl für Georgia ist ein Durchschnitt über alle Industriekunden des Bundesstaats. Verbrauchsgruppen und Erhebungsmethoden sind nicht identisch (Quellen: Strompreise großer Industriekunden laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Strompreise nach US-Bundesstaat der U.S. Energy Information Administration (EIA), EZB-Jahresdurchschnittskurs 2025).

Fünf Cent Industriestrompreis: Entlastung mit Grenzen

Die deutsche Bundesregierung will gegensteuern und hat 2026 einen Industriestrompreis mit einem Zielwert von fünf Cent je Kilowattstunde angekündigt. Die Entlastung gilt aber nur für bestimmte beihilfefähige Branchen, nicht automatisch für jede Autofabrik. Beantragen lässt sie sich für das Verbrauchsjahr 2026 erst im Nachhinein, ab 2027 (Quelle: Bundeswirtschaftsministerium zum Industriestrompreis).

Was die Energiekrise je Auto kostete

Wie empfindlich die Branche auf Strompreise reagiert, zeigte die Energiekrise. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), bezifferte die Stromkosten je in Europa gebautem Auto auf rund 300 Euro im Jahr 2021 und etwa 800 Euro im Jahr 2022. Für 2023 erwartete sie bis zu 1.200 Euro – eine damalige Branchenprognose, kein bestätigter Jahreswert und keine Audi-Kostenrechnung. In den USA stiegen die Stromkosten je Fahrzeug nach Müllers Angaben im selben Zeitraum nur von 130 auf 250 US-Dollar (Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) über Müllers Angaben).

CO₂-Kosten: nicht doppelt rechnen

Wer Energiekosten vergleicht, darf den CO₂-Preis nicht doppelt zählen. Der EU-Emissionshandel gilt seit 2005 für Stromerzeugung und bestimmte Industrieanlagen: Betroffene Betriebe müssen für ihre direkten Emissionen Zertifikate abgeben, Teile der Industrie erhalten sie kostenlos. Der nationale deutsche Emissionshandel für Brennstoffe wie Heizöl, Erdgas und Kraftstoffe startete 2021.

Keines der beiden Systeme ist ein pauschaler Aufschlag auf jede verbrauchte Kilowattstunde. Die CO₂-Kosten der Stromerzeugung stecken in der Regel bereits im Strompreis – sie zusätzlich auf den Stromtarif aufzuschlagen, hieße, sie doppelt zu rechnen (Quellen: EU-Kommission zum EU-Emissionshandel, Umweltbundesamt zum nationalen Emissionshandel).

Acht Milliarden Euro für die deutschen Werke

Das Werk in Georgia bedeutet nicht, dass Audi Deutschland aufgibt. Der Konzern hat zugesagt, bis 2029 rund acht Milliarden Euro in seine deutschen Werke zu investieren. Gleichzeitig sollen dort bis 2029 etwa 7.500 Stellen wegfallen; die Beschäftigungssicherung für die Belegschaft gilt bis Ende 2033.

Das ist schmerzhaft, aber kein Abschied: Audi hält an seinen deutschen Standorten fest und baut parallel seine Präsenz in Nordamerika aus (Quelle: Audi-Geschäftszahlen und Angaben zu den deutschen Standorten).

Der Kapitalmarkt als Warnsignal

Wie skeptisch Anleger die Branche sehen, zeigt der Börsenwert. Die fünf Auto- und Zulieferkonzerne im Deutschen Aktienindex (DAX), die NETZ-TRENDS verglichen hat, kamen 2026 zusammen auf rund 157,6 Milliarden Euro – inflationsbereinigt 54 Prozent weniger als 2021. Zum Vergleich: NVIDIA allein war zum Börsenschluss am 27. Oktober 2026 rund 5,26 Billionen US-Dollar wert, Microsoft rund 3,95 Billionen US-Dollar.

Börsenwerte spiegeln Erwartungen, keine Produktionskosten. Sie zeigen aber, dass Investoren ihr Geld derzeit lieber auf Wachstum in anderen Branchen setzen (Quellen: NETZ-TRENDS-Auswertung zum DAX-Börsenwert, NVIDIA-Börsenwert am 27. Oktober, Microsoft-Börsenwert im Oktober 2026).

Warum Döllner die Einladung annehmen durfte

Hohe Energiepreise, Zölle und schwache Margen – vor diesem Hintergrund ist die Kritik am gemeinsamen Auftritt mit Trump zu kurz gedacht. Wer Döllner zum Sündenbock macht, lenkt von der eigentlichen Frage ab: Warum sind die Rahmenbedingungen so, dass Audi die Zollbelastung mit einer eigenen Produktion in den USA verringern will? Ein öffentlicher Auftritt ist keine Zustimmung zu jeder Politik des Gastgebers, sondern Teil unternehmerischer Interessenvertretung.

Und was wäre die Alternative gewesen? Audi bleibt der Bühne fern, während andere Hersteller dort ihre Investitionen präsentieren. Ein chinesischer Konzern steht nicht automatisch als Nächster neben Trump – aber China konkurriert längst um Märkte, Technologie und Produktionsstandorte. Wenn deutsche Unternehmen solche Gelegenheiten aus Prinzip ausschlagen, dürfen sie sich nicht wundern, wenn andere ihre Präsenz in den USA ausbauen.

Döllner hat die Einladung angenommen, weil Audi in den USA investieren und wachsen will. Das war richtig – und verdient Rückendeckung statt Empörung.

Wie beurteilen Sie Döllners Auftritt – pragmatische Interessenvertretung oder ein falsches politisches Signal? Schreiben Sie Ihre Einschätzung in die Kommentare.

Häufige Fragen

War die Annahme der Einladung eine politische Unterstützung für Trump?

Audi erklärt, die Einladung ausschließlich im Interesse des Unternehmens angenommen zu haben. Ein gemeinsamer Auftritt ist deshalb nicht automatisch eine Zustimmung zu jeder politischen Position des US-Präsidenten.

Was plant Audi in Georgia?

Audi will im US-Bundesstaat Georgia sein erstes US-Werk bauen: rund vier Milliarden US-Dollar Investition, etwa 4.500 Arbeitsplätze und eine Kapazität von bis zu 200.000 Fahrzeugen pro Jahr.

Gilt der angekündigte Industriestrompreis von fünf Cent automatisch für Audis Werke?

Nein. Die geplante Entlastung gilt nur für bestimmte beihilfefähige Branchen; eine pauschale Zusage für jede Autofabrik ergibt sich daraus nicht.

Waren die 1.200 Euro Stromkosten je Auto 2023 ein bestätigter Wert?

Nein. Die Zahl war eine damalige Prognose des VDA von bis zu 1.200 Euro, kein bestätigter Jahreswert und keine Audi-Kostenrechnung.

Quellen und Stand

Alle Kennzahlen und Einordnungen sind im Text direkt mit Unternehmensberichten sowie Quellen von Behörden und der EU verlinkt. Der NETZ-TRENDS-Bericht zum Audi-Werk und die aktuelle Mercedes-Prognose sind ebenfalls verknüpft.

Recherche- und Datenstand: 28. Oktober 2026.

Transparenz: KI-Unterstützung

Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel verlinkt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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