Der Stuttgarter Autobauer kappt den Jahresausblick wegen China-Schwäche und höherer Kosten im vierten Quartal
Das Wichtigste in Kürze
- Mercedes-Benz hat am 27. Oktober 2026 per Pflichtmitteilung die Gewinnprognose für 2026 gesenkt: Die bereinigte Umsatzrendite im Pkw-Geschäft soll nur noch 2 bis 3 statt 3 bis 5 Prozent erreichen.
- Als Grund nennt der Konzern ein „zunehmend herausforderndes Marktumfeld in China“ sowie höhere Kosten im vierten Quartal, vor allem für Material.
- Im dritten Quartal 2026 stieg der Gewinn nach Steuern auf 1,52 Milliarden Euro – mehr als am Markt erwartet worden war, aber nur, weil das Vorjahresquartal durch Sonderkosten für einen Stellenabbau stark belastet war.
- Der weltweite Pkw-Absatz sank um 8 Prozent, in China um 31 Prozent. Elektroautos legten dagegen weltweit um 61 Prozent zu, in Europa um 78 Prozent.
Mercedes-Benz erwartet 2026 nur noch eine Pkw-Rendite von 2 bis 3 Prozent statt der bisher angepeilten 3 bis 5 Prozent. Grund ist laut Konzern ein zunehmend schwieriges Geschäft in China sowie höhere Kosten im vierten Quartal.
Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz hat am Dienstag, 27. Oktober 2026, per Pflichtmitteilung nach Artikel 17 der europäischen Marktmissbrauchsverordnung seinen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigiert. Am Mittwoch, 28. Oktober 2026, folgte der vollständige Zwischenbericht zum dritten Quartal.
Dieser Beitrag ordnet ein, was sich an der Prognose geändert hat, warum China weiterhin die größte Baustelle ist und wie sich das dritte Quartal tatsächlich entwickelt hat – einschließlich des deutlichen Wachstums bei Elektroautos in Europa. Stand aller Angaben: 28. Oktober 2026.
Die gesenkte Prognose im Detail
In der Pflichtmitteilung vom 27. Oktober 2026 passt Mercedes-Benz Group AG drei Kennziffern für das Gesamtjahr 2026 an. Die bereinigte Umsatzrendite der Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars soll demnach nur noch 2 bis 3 Prozent erreichen, nachdem der Konzern zuvor 3 bis 5 Prozent in Aussicht gestellt hatte.
Auch beim Konzern-EBIT wird die Latte niedriger gelegt: Es soll 2026 nur noch auf dem Niveau des Vorjahres liegen, nachdem bislang ein Ergebnis „deutlich über dem Niveau des Vorjahres“ erwartet worden war. Der industrielle Free Cashflow – also die Barmittel aus dem eigentlichen Fahrzeuggeschäft, ohne die Finanzsparte – soll nun deutlich unter dem Vorjahreswert ausfallen, zuvor war nur ein leichter Rückgang angekündigt.
Unverändert bleiben dagegen die Ziele für die anderen beiden Sparten: Mercedes-Benz Vans soll weiterhin eine bereinigte Umsatzrendite von 8 bis 10 Prozent erreichen, die Finanzsparte Mercedes-Benz Financial Services eine bereinigte Eigenkapitalrendite von 12 bis 14 Prozent. Die Schwäche sitzt also konzentriert im klassischen Pkw-Geschäft.
Warum China das größte Problem bleibt
Als Begründung für die gesenkte Prognose nennt der Konzern in seiner Mitteilung das Geschäftsumfeld in China:
„Zunehmend herausforderndes Marktumfeld in China“
Mercedes-Benz Group AG, Pflichtmitteilung vom 27. Oktober 2026
Die Zahlen stützen diese Einschätzung: Nach dem Absatzbericht von Mercedes-Benz Group AG vom 7. Oktober 2026 verkaufte der Konzern im dritten Quartal 2026 weltweit 407.200 Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz – ein Rückgang von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. In China allein brach der Absatz um 31 Prozent auf 86.800 Fahrzeuge ein. Außerhalb Chinas legte der Absatz dagegen leicht zu, um 1 Prozent.
Zusätzlich zur China-Schwäche nennt der Konzern für das vierte Quartal 2026 höhere Kosten als Belastungsfaktor, insbesondere für Material. Beide Effekte zusammen sind der Grund, warum die Jahresprognose trotz eines soliden dritten Quartals gesenkt wurde.
Das dritte Quartal im Überblick
Der am 28. Oktober 2026 veröffentlichte Zwischenbericht zeigt für das dritte Quartal 2026 einen Umsatz von 30,7 Milliarden Euro, ein Rückgang von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das Konzern-EBIT stieg dagegen deutlich auf 1,77 Milliarden Euro, nach nur 750 Millionen Euro im Vorjahresquartal – und lag damit über der am Markt erwarteten 1,6 Milliarden Euro.
Der starke Anstieg täuscht teilweise: Das Vorjahresquartal war durch hohe Sonderbelastungen für einen Stellenabbau stark gedrückt worden. Der Vergleich fällt deshalb günstiger aus, als es die eigentliche operative Entwicklung widerspiegelt. Der Gewinn nach Steuern (Konzernergebnis) stieg von 1,19 auf 1,52 Milliarden Euro, ein Plus von rund 28 Prozent.
Schwächer als am Markt erwartet fiel dagegen der industrielle Free Cashflow aus: Mit 172 Millionen Euro blieb er klar unter der Erwartung von 422 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten 2026 erzielte der Konzern ein EBIT von 5,2 Milliarden Euro nach 4,3 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum; der Pkw-Absatz sank in diesem Zeitraum um 7 Prozent auf 1.244.400 Fahrzeuge.
| Kennzahl | Q3 2025 | Q3 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 32,15 Mrd. € | 30,7 Mrd. € | −4,5 % |
| Konzern-EBIT | 0,75 Mrd. € | 1,77 Mrd. € | +136 % |
| Konzernergebnis (nach Steuern) | 1,19 Mrd. € | 1,52 Mrd. € | +28 % |
| Pkw-Absatz weltweit | rund 442.600 | 407.200 | −8 % |
| davon China | rund 125.800 | 86.800 | −31 % |
| Elektroauto-Absatz (BEV) weltweit | rund 42.500 | 68.400 | +61 % |
Werte für das dritte Quartal laut Mercedes-Benz Group AG (Pflichtmitteilung vom 27. Oktober 2026, Zwischenbericht vom 28. Oktober 2026, Absatzbericht vom 7. Oktober 2026). Die Werte für Q3 2025 in den Zeilen Absatz sind aus den vom Konzern genannten Veränderungsraten gerundet zurückgerechnet.
Lichtblick: Elektroautos in Europa und Deutschland
Während das China-Geschäft schwächelt, wächst der Absatz von Elektroautos (BEV) bei Mercedes-Benz weltweit kräftig: Im dritten Quartal 2026 verkaufte der Konzern laut eigenem Absatzbericht 68.400 vollelektrische Fahrzeuge, ein Plus von 61 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. In den ersten neun Monaten 2026 waren es 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Besonders deutlich fällt der Zuwachs in Europa aus: Dort legte der Elektroauto-Absatz im dritten Quartal um 78 Prozent zu. Mittlerweile ist nach Angaben des Konzerns in Europa etwa jedes dritte verkaufte Mercedes-Fahrzeug vollelektrisch. Der Gesamtabsatz in Europa stieg im dritten Quartal um 5 Prozent, in Deutschland um 13 Prozent auf 58.300 Fahrzeuge.
Das europäische und deutsche Geschäft gleicht die China-Schwäche damit zwar an, aber nicht aus: Der weltweite Rückgang in China ist mengenmäßig deutlich größer als der Zuwachs in Europa. Für die Gesamtjahresprognose bleibt China deshalb der entscheidende Faktor.
Was Anlegende jetzt wissen können
Wer Mercedes-Benz-Aktien hält oder über Fonds, ETF-Sparpläne oder die betriebliche Altersvorsorge indirekt investiert ist, kann die folgenden Punkte einordnen, ohne dass dies eine Anlageempfehlung ist.
Checkliste: Die gesenkte Prognose richtig einordnen
- Das dritte Quartal war gemischt: Beim Ergebnis (EBIT) lag es über der Markterwartung, beim industriellen Free Cashflow klar darunter. Die gesenkte Prognose betrifft vor allem die Erwartungen an das vierte Quartal.
- Die Schwäche ist auf Pkw und China konzentriert: Die Ziele für das Nutzfahrzeuggeschäft (Vans) und die Finanzsparte bleiben unverändert.
- Europa und Deutschland wachsen, vor allem bei Elektroautos: Das mildert die China-Schwäche, kompensiert sie aber laut den vorliegenden Zahlen nicht vollständig.
- Weitere Details folgen: Der vollständige Zwischenbericht und die Kapitalmarktpräsentation vom 28. Oktober 2026 enthalten weitere Angaben, etwa zur Entwicklung einzelner Modellreihen.
Wer sich grundsätzlich für die Entwicklung der deutschen Autoindustrie interessiert, findet weitere Einordnungen in der laufenden Berichterstattung von NETZ-TRENDS zu Rückrufen, Modellen und Kosten rund ums Auto.
Wie bewerten Sie die gesenkte Prognose – eine vorübergehende China-Schwäche oder ein strukturelles Problem? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Häufige Fragen
Warum hat Mercedes-Benz die Gewinnprognose für 2026 gesenkt?
Der Konzern nennt ein zunehmend herausforderndes Marktumfeld in China sowie höhere erwartete Kosten im vierten Quartal, vor allem für Material, als Gründe. Die bereinigte Umsatzrendite im Pkw-Geschäft soll 2026 deshalb nur noch 2 bis 3 statt 3 bis 5 Prozent erreichen.
Ist der Gewinn im dritten Quartal 2026 gestiegen oder gesunken?
Der Gewinn nach Steuern stieg auf 1,52 Milliarden Euro, ein Plus von rund 28 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der starke Anstieg kommt aber vor allem daher, dass das Vorjahresquartal durch hohe Sonderbelastungen für einen Stellenabbau stark belastet war.
Wie entwickelt sich das Geschäft mit Elektroautos bei Mercedes-Benz?
Der weltweite Absatz von Elektroautos stieg im dritten Quartal 2026 um 61 Prozent, in Europa um 78 Prozent. In Europa ist inzwischen etwa jedes dritte verkaufte Mercedes-Fahrzeug vollelektrisch.
Was genau wurde an der Jahresprognose 2026 geändert?
Die bereinigte Umsatzrendite der Pkw-Sparte wurde von 3 bis 5 Prozent auf 2 bis 3 Prozent gesenkt, das Konzern-EBIT wird nun nur noch auf Vorjahresniveau statt deutlich darüber erwartet, und der industrielle Free Cashflow soll deutlich statt nur leicht unter dem Vorjahreswert liegen. Die Ziele für Nutzfahrzeuge und die Finanzsparte bleiben unverändert.
Quellen
- Mercedes-Benz Group AG: Ad-hoc-Mitteilung nach Artikel 17 der EU-Marktmissbrauchsverordnung: „Mercedes-Benz Group passt den Ausblick für das Gesamtjahr 2026 … an“, 27. Oktober 2026
- Mercedes-Benz Group AG: Zwischenbericht und Kennzahlen zum dritten Quartal 2026, veröffentlicht 28. Oktober 2026
- Mercedes-Benz Group AG: Absatzbericht drittes Quartal 2026, berichtet von mbpassion.de, 7. Oktober 2026
Recherche- und Datenstand: 28. Oktober 2026.
Transparenz: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz recherchiert und formuliert und ist zur menschlichen redaktionellen Prüfung vorgesehen.