Die Wunden der deutschen nationalsozialistischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg sieht man Warschau auch heute noch an (auch: Warsaw oder Warszawa). Egal ob man aus dem 20. Stock des Westin-Hotels – einem der besten in Warschau – schaut oder mit dem Auto durch die Stadt fährt: Es gibt so viele Bauschanden der Nachkriegszeit, des real existierenden Sozialismus, dass auch der weniger geschichtlich interessierte Reisende oder Tourist merkt: Diese Stadt ist nicht natürlich gewachsen, sondern in weiten Teilen am Reißbrett entstanden. Auch stechen an vielen Plätzen und Straßen Mahnmale oder Erinnerungstafeln ins Auge. Trotz der Wunden aus der Vergangenheit ist Warschau allemal eine Reise wert. Die Stadt verfügt über viele schöne Ecken und Parks und besticht durch eine pulsierende Kraft wie wenige Metropolen. Hinzu kommen die auffällig sympathischen Polen.

Warschau zu bereisen ist von Deutschland aus gar nicht so einfach. Direktflüge gibt es fast nur von Frankfurt am Main oder von Berlin aus. Schwieriger wird die Anreise beispielsweise aus Leipzig. Hier muss man umständlich 90 Minuten von Leipzig nach Berlin fahren und von dort entweder den Zug oder das Flugzeug nehmen. Dafür ist das erheblich günstiger als die Flugreise. Die polnische Fluglinie Lot fliegt in circa 90 Minuten von Berlin nach Warschau. Wer erst einmal in Warschau landet, für stellt sich – wie auf allen Flughäfen der Welt – die Frage: In die Innenstadt mit dem Taxi oder den Öffentlichen Verkehrsmitteln?

Zwar gibt es die Möglichkeiten mit Bussen vom Flughafen Warschau in die Innenstadt von Warschau zu fahren, aber letztlich lohnt sich das nicht, da man gut und gerne zwischen 60 und 90 Minuten unterwegs wäre. Am besten man besteigt eines der offiziellen Taxis mit einem Taximeter (am Flughafen an der Information fragen). Für im Schnitt 35 Zloty oder 8,50 Euro kommt man in circa 20 bis 30 Minuten tagsüber sehr einfach vom Flughafen in die Innenstadt oder von der Innenstadt zum Flughafen. In der Rushhour sollte man beispielsweise vom Warschauer Westend Hotel 30 Minuten mit dem Taxi einplanen, um zum Flughafen zu gelangen. Würde also beispielsweise der Flug um 18.25 von Warschau nach Berlin zu erreichen sein, müsste der Reisende gegen 17 Uhr losfahren.

Die Öffentlichen Verkehrsmittel („Verkehrsverbund der Hauptstadt Warschau“ beziehungsweise auf polnisch: „Zarząd Transportu Miejskiego“; Homepage: http://wyszukiwarka.ztm.waw.pl) sind selbst in Warschau alles andere als zufriedenstellend – wenngleich die Homepage neben polnisch auch die Sprachen deutsch und englisch anbieten.

So gibt es in Warschau seit über 100 Jahren keine U-Bahn, dafür aber Straßenbahnen und Busse. Diese fahren jedoch vor allem an einigen Hauptdiagonalen. Deshalb sind viele Stadtteile, auch zentrale, sehr schlecht an den ÖPNV angeschlossen. Wer beispielsweise vom Warschauer Hauptbahnhof (PKP Halinów 01 (Hipolitów) zum circa drei Kilometer entfernten bekannten Straße Aleja Jana Pawla (Hotel Westin; Haltestelle: Domaniewska 03) fahren möchte, benötigt mit dem Taxi zehn Minuten mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln wird es hingegen eine Odyssee: Zunächst muss man circa 13 Minuten vom Hauptbahnhof laufen, um überhaupt einmal die Haltestelle der Tram (Nr. 17; Richtung: Postepu 17) zu finden. Ganze 45 Minuten muss man dann einplanen.

Warschau ist eine sichere Stadt, aber Nachts sollte man vorsichtig sein

Warschau gilt als sichere Stadt. Dennoch sollte man abends zumindest sich nicht unnötig in dunklen Ecken herumtreiben. Grundsätzlich empfiehlt es sich bei Auslandsreisen in seinem Smartphone das GPS zu aktivieren. Sollte einmal etwas passieren, ist es leichter den Ort nachträglich zu rekonstruieren. Das gilt auch für osteuropäische Städte wie Warschau.

Grundsätzlich genügen zwei Tage, um sich im Rahmen einer Städtereise einen guten Überblick über Warschau zu verschaffen. Klar, obligatorisch gehört der Besuch der Warschauer Altstadt zum Pflichtprogramm. Mit liebevollem Einsatz und Begeisterung für das Detail ist es den Warschauer Stadtplanern gelungen, die Altstadt in großen Teilen nach der fast kompletten Zerstörung durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg zu rekonstruieren. Die Nationalsozialisten hatten während der Besatzungsjahre fast kein Stein auf dem anderen gelassen. Besonders als sie vor den anrückenden Russen ab1944 flüchteten, verfolgten sie die für die Polen äußerst schmerzliche Politik der kompletten Zerstörung der Bausubstanz von Polens Hauptstadt.

Im Sommer säumen viele Cafés die Altstadt von Warschau, ab Ende November bietet es sich an auf dem Marktplatz (Rynek Starego Miasta) den Weihnachtsmarkt zu besuchen und dort einen Glühwein zu trinken oder polnische Spezialitäten (Wurst, Käse) zu kosten. Allerdings gelten überall in der Altstadt Preise, die sich vom sonstigen Warschau deutlich abheben. In der Regel wird ein Zuschlag von 100 Prozent den Touristen berechnet. Das heißt: Erhält man in sonstigen Warschauer Stadtteilen einen Cappuccino für 5 Zloty (1,20 Euro), so sind in der Warschauer Altstadt plötzlich 10 Zloty zu bezahlen (2,40 Euro). Auch das Essen ist entsprechend teurer – aber dennoch empfehlenswert.

Die Warschauer Altstadt umgibt auch eine Stadtmauer. Auch sie ist – deren Grundmauern auf das 14. Jahrhundert zurückreichen – in großen Teilen dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen, wurde aber vorbildlich in den 70er und 80er Jahren rekonstruiert. Das trifft auch auf das berühmte Warschauer Stadtschloss zu, das Königsschloss (Zamek Królewski). Das Schloss gilt heute als Symbol für Polens Unabhängigkeit. Seine Ursprünge reichen in die Jahre 1598 zurück. In 20 Jahren war es damals bis 1620 hochgezogen worden. 400 Jahre stand es dort – bis auch das berühmte Stadtschloss der polnischen Könige Opfer der nationalsozialistischen Aggression wurde.

In wenigen Monaten wird in der Nähe der Altstadt das neue Jüdische Museum eröffnet. Es ist direkt im Zentrum des Warschauer Ghettos angesiedelt gegenüber einem großen gusseisernen Mahnmal, welches an die grausame Vernichtung durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg erinnern soll. Die Nationalsozialisten hatten rund 360.000 Warschauer Juden auf Züge verfrachtet und in Auschwitz umgebracht. In dem berühmtesten KZ der Welt sollen die Deutschen weit über eine Millionen Menschen umgebracht haben – in Gaskammern beispielsweise. In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts war rund 25 Prozent der Warschauer Bevölkerung jüdisch. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gab es kaum mehr Juden in Warschau. Immerhin hat die Synagoge überlebt. Sie diente den Nazis als Lagerstädte in den 40er Jahren und wurde deshalb verschont.

+Der letzte polnische König liebte eine Schauspielerin, heiratete aber nie – sein Sommerpalast steht noch in Warschau

Man muss es aber leider sagen: Aber so bekannt die Kirchen der Warschauer Innenstadt sind – Johanneskathedrale oder Jesuitenkirche – doch gehören die Kirchen nicht zu dem schönsten, welche es in Europa an Kirchen zu besichtigen gibt. Von außen sind sie zwar beeindruckend, aber ihr inneres Erscheinungsbild ist teils doch eher eine Enttäuschung.

Das berühmteste Wahrzeichen Warschaus ist gleichzeitig das umstrittenste Gebäude: Der Kulturpalast. Der russische Diktator Stalin schenkte ihn im Jahr 1952 den Polen – als immerwährende Erinnerung an den mächtigen Nachbarn Russland. Der Kulturpalast ist mit 251 Metern Höhe (in der Spitze) immer noch das höchste Gebäude Warschaus. Mit dem Aufzug kann man bis in den 30. Stockwerk fahren und erhält so eine herrliche Aussicht über die Stadt auf einer Aussichtsterrasse.

Mit dem Taxi oder dem Bus im Rahmen einer der häufig in den Hotels angebotenen dreistündigen Stadtbesichtigungstour (140 Zloty, d.h. 34 Euro) sollte man noch das diplomatische Viertel Warschaus besichtigen. Hier steht unter anderem das Parlament (dem gegenüber sich ebenfalls ein Mahnmal zu den Gefallenen und von den Deutschen ermordete Polen im Zweiten Weltkrieg befindet) oder die russische Botschaft.

Sicherlich kein Zufall: Die russische Botschaft – ein riesiges Anwesen – befindet sich direkt nebenan von dem wesentlich kleineren polnischen Verteidigungsministerium. In der Nähe ist auch das weiße Gästehaus Polens. Hier werden häufig prominente Politiker untergebracht. Nur als der US-Präsident Barack Obama (Demokraten) in der Stadt weilte, war das polnische Gästehaus nicht ausreichend. Obama hatte 200 Leibwächter bei sich und mietete deshalb gleich ein ganzes Hotel.

Das polnische Gästehaus grenzt an einen wunderschönen Park, der auch Heimat des Lazienki Sommerpalast (Adresse: ul. Agrykoli 1, Warschau) des letzten polnischen Königs ist (warum der Palast in einigen deutschen Reiseführern nicht erwähnt wird, ebenso der wunderbare Park nicht, bleibt ein Rätsel). Der Palast gehörte einst einem reichen Polen, der die Anlage – direkt an einem künstlichen Parksee gelegen – als seinen privaten Spa nutzte. Im späten 18. Jahrhundert baute der letzte polnische König Stanislas August Poniatowski (1764 bis 1795) die Spa-Anlagen schließlich um in seine Sommerresidenz. Dort lebte er ab und an mit seiner Geliebten, einer berühmten polnischen Schauspielerin. Doch geheiratet hat der König nie. Die Schauspielerin wurde vom polnischen Adel nicht als potentielle Königin akzeptiert.

Noch heute erzählen Städteführer gerne den Touristen, Scharfschützen der Nazis hätten in die Wände des Palastes große Löcher geschossen, da sie den Palast hätten sprengen wollen. Warum sie es dann doch nicht taten, ist unbekannt. Es wird spekuliert, das könnte mit dem Rückzug der Deutschen aus der Stadt zusammenhängen. In dem Park sind wohl obendrein die zutraulichsten Vögel und Eichhörnchen der Welt zu Hause. Wer ein paar Brotkrümel auf der Hand ruhig hält, zu dem kommen manchmal die Tiere und fressen.

Neben dem Sommerpalast ist noch der Krasinski-Palast, auch bekannt als „Krasinskich Palast“ (Plac Krasinskich 3/5, Warschau) sowie die große dazu gehörige Parkanlage einen Besuch wert. Ein trauriger Abschluss des Besuchs von Warschau könnte das Denkmal für den Warschauer Aufstand 1944 darstellen. Das Monument wurde 1989 enthüllt und lockt seither Tausende an. Sie halten inne und denken an den Wahnsinn, der im Zweiten Weltkrieg der Stadt und den Menschen angetan wurde.

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