Islamic Banking, Scharia conforming Banking, Scharia konforme Finanzprodukte, Scharia konforme Fonds, islamische Finanzindustrie, Islamic Banking Germany oder Scharia konforme Anlagen – das sind Worte die zunehmend weltweit auf dem Vormarsch sind. Darunter versteht man letztlich, dass Geschäfte nur islam-konform durchgeführt werden dürfen. Im Zentrum steht dabei der Gedanke: Beim Gelderleih darf kein Zins verdient werden, beziehungsweise darf mit Geld kein Geld verdient werden. Erlaubt ist es hingegen, dass man beispielsweise einen Handel macht – sprich etwas verkauft und mit Gewinn verkauft. Darüber berichtete jetzt in einer umfangreichen interessanten Dokumentation der TV-Sender 3sat.

Spätestens seit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008, die auch in islamischen Ländern wie Malaysia, Indonesien oder Dubai, tiefe Spuren hinterlassen hat, ist Islamic Banking oder Scharia konformes Banking, auf dem Vormarsch. Dabei hatten noch vor 30 Jahren viele Geschäftsleute auch in islamischen Ländern wie Malaysia, Dubai oder Abu Dhabi, gar keine Ahnung was sich hinter all den Begriffen rund um Scharia konformes Banking verbirgt.

Das hat sich vor allem in den vergangenen fünf Jahren drastisch geändert. Es werden sogar komplette Seminare in allen möglichen Regionen dieser Welt angeboten, damit bekannt wird, was unter einem Scharia konformen Finanzsystem zu verstehen ist. Dabei ist Islamic Banking durchaus kein feststehender Begriff. Vielmehr gebe es, berichtete 3sat in seiner TV-Dokumentation, rund 300 Scharia-Gelehrten, die sich jährlich darüber den Kopf zerbrechen, wie man Finanzgeschäfte unter der Vorgabe der Scharia zu machen habe.

Eine der wichtigsten Banken, die sich mit Scharia konformem Banking oder Islamic Banking auskennen, ist nach eigener Auskunft die berühmte HSBC-Bank mit ihrer berühmten Zentrale in Hongkong.

Zumindest in Südost-Asien gilt Malaysia als das führende Land im Bereich der islamischen Finanzindustrie, des Islamischen Finanzwesens. Die berühmten Petronas Towers stehen hierfür in der Hauptstadt Malaysias, in Kuala Lumpur, sinnbildlich. Dabei ist es nicht ganz einfach für islamische Banken Geschäfte zu machen. Groß ist die Angst irgendwo gegen die Scharia zu verstoßen. Dennoch bieten auch islamische Banken Geldautomaten, Baufinanzierung, Kredite oder sonstige Finanzierungen. Nur: Statt Zinsen würden eben, berichtet 3sat, beispielsweise Gebühren erhoben.

+Scharia konformes Schweinefleisch verkaufen im Islamic Banking

Beliebt sei aber auch, dass man beispielsweise bei Rückzahlung von geliehenem Geld einen weiteren Betrag dem Geldgeber zur Verfügung stellt, den dieser beispielsweise in ein konkretes Geschäft investiere. Wenn der Aufpreis für einen Kredit zweckgebunden sei – also zum Beispiel für eine konkrete Investition – könne von einem Scharia konformen Verhalten ausgegangen werden, ist sich in dem TV-Beitrag ein Unternehmer sicher.

Jedem Finanzgeschäft größeren Stils geht jedoch in der Islamischen Welt in aller Regel eine Prüfung voraus, ob es sich dabei um eine Scharia konformes Geschäft handelt.

Ungewöhnlich ist dabei, dass in islamischen Ländern oft keine Verträge gemacht würden, berichtet 3sat. Stattdessen zähle vor allem unter Moslems das gesprochene Wort. Das sei letztlich der Vertrag, eben der mündliche Vertrag. Letztlich sei aber so ein Geschäftsverhalten viel näher an der Scharia als andere Geschäftspraktiken, beispielsweise mit einem schriftlichen Vertrag.

Ein West-Bürger sollte auch in islamischen Ländern lieber Verträge in schriftlicher Form machen

Allerdings werden mündliche Verträge vor allem zwischen Clans oder Clan-Mitgliedern gemacht, die sich auch gegenseitig kennen. Ausländern wird jedoch empfohlen nicht auf diese Art in islamischen Ländern Geschäfte zu machen.

Der Hauptansatzpunkt von Islamic Banking sei, sagte eine Frau im 3sat-Beitrag, dass das Scharia konforme Finanzwesen die Gerechtigkeit aller im Blick behalte. Wichtig sei zudem stets die Frage: Was ist das Hauptgeschäft eines islamischen Geschäfts? Wenn das Hauptgeschäft nicht die Scharia-Gesetzte verletzte, sei alles ok.

Dabei gibt es aber auch große Auslegungen. So sei es beispielsweise auch ok, wenn Islamisten Flugzeuge an den Westen verkauften, obwohl dort auch später an die Reisenden Schweinefleisch und Alkohol verkauft werden. Grund: Das Hauptgeschäft sei ja nur das Fliegen und das Verkaufen von Tickets, nicht aber der Verkauf von Schweinefleisch oder Alkohol.

Tipp:

Wer Scharia konforme Geschäfte oder Scharia konformes Banking betreiben möchte, aber nicht weiß, wie er das macht, sollte sich entweder Rat bei einem Rechtsanwalt holen, der sich mit islamischer Tradition und islamischem Recht auskennt, oder bei den Großbanken nachfragen. Gerade in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, ist hier mittlerweile häufig – besonders in den Großstädten – einiges Wissen vorhanden. Außerdem gibt es auch noch islamisch-westliche Wirtschaftsvereinigungen. Hier lohnt sich eine Recherche im Internet.

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