Es war für viele Anleger, die von der Schiffahrt etwas verstehen, von Anfang an etwas dubios: ein Schiffsfond der Lloyd Fonds AG aus Hamburg, der auch in Deutschland vertrieben wurde – zum Beispiel von der MFG Michael Friedel Günther GmbH aus Frankfurt am Main (Michael Günther Schiffsmakler). Die MFG soll gemeinsam mit zwei anderen bekannten Finanzvermittlern einen Löwenanteil in den Schiffsfonds von Lloyd beigesteuert haben. Jetzt ist der Schiffsfond der Lloyd Fonds AG, aufgelegt für die MS Tosa Sea Schifffahrtsgesellschaft mbH & Co KG, Insolvent und meldete Insolvenz an. Allen der geschätzten 400 bis 900 Anlegern droht nun der Verlust ihrer kompletten Einlagen und fühlen sich um rund 25 Mio. Euro Anlagevolumen geprellt. Viele sprechen von einem Riesen-Skandal bei Lloyd. Derweil wäscht das Unternehmen seine Hände in Unschuld. Alles sei der Krise zuzuschreiben.
Doch an das ausschließliche Schicksal der Wirtschaftskrise auch in der Schifffahrt glauben im aktuellen Lloyd-Fall viele nicht, eher an fahrlässige Versprechungen, die dann doch nicht eingehalten wurden, um möglichst viel Kapital an Land zu ziehen. Anleger erheben vor allem schwere Vorwürfe gegen Lloyd. Lloyd war maßgeblich als Strippenzieher rund um den Fond und das Schiff tätig.
Mehrere Investoren berichten netz-trends.de, so zum Beispiel ein 44-Jähriger: „Ich fühle mich geprellt, da das Hauptverkaufsargument einer fünfjährigen Festcharter offensichtlich von Anfang an nichts wert war. Es ist scheinbar geplatzt, bevor es überhaupt angefangen hat. Das scheint mir sehr dubios zu sein, da uns im Anlage-Prospekt berichtet wurde, die Chartergesellschaft hätte eine hohe Bonität. Jetzt ist der Fonds pleite und ich habe meine komplette Einlage von 20.000 Euro verloren, ein Freund ebenfalls 20.000 Euro und ein dritter sogar 50.000 Euro.“
Ein weiterer Insider analysiert das Desaster: „Dass mit der von Lloyd Fonds AG geprahlten Festcharter etwas nicht ganz stimmt, war nach meiner Meinung schon zu Anfang der Fondsauflegung zumindest für Fachleute deutlich, da die Chartergesellschaft Glory Wealth Shipping Pte Ltd in Singapur ihren Sitz hatte, aber noch nicht einmal eine ordentliche eigene Homepage aufgewiesen hat und auch die Geschäftsführung dieser Chartergesellschaft unbekannt war und nicht für Anleger ohne weiteres kontaktierbar war. Für mich hat der unter anderem von der MFG Michael Friedel Günther GmbH vermittelte Schiffsfonds der Lloyd Fonds AG von Anfang an gestunken. Hier wurden Versprechen gemacht, die offensichtlich nicht eingehalten wurden, was die Anleger ihre komplette Einlage in Höhe von rund 25 Mio. Euro kostete.“
Doch nicht nur das. Der Insider berichtet weiter: „Uns wurde immer erzählt, was für eine überaus seriöse und altehrwürdige Chartergesellschaft das war, die auf jeden Fall langfristig eine gute Charterrate täglich zahlen würde, so dass unsere Anlagen sicher seien. Doch kaum waren die Millionen Euro für den Lloyd Schiffsfonds von uns einbezahlt, hieß es plötzlich, der Charterer hätte den Vertrag gekündigt, die Festcharter die uns versprochen worden war und Voraussetzung für unser Investment war, sei hinfällig. Von den soweit ich mich erinnern kann angeblich 33.000 Festcharter pro Tag blieben teils, soweit ich mich erinnere, im Schnitt nur noch 5000 bis circa 10.000 übrig. Das war viel zu wenig um den Kreditvertrag mit der Bank zu bedienen. Wir fühlen uns von Lloyd hinters Licht geführt.“
Schreiben zur Insolvenz der MS Tosa Sea
In einer Mail schrieb die MFG Michael Friedel Günther GmbH vor kurzem an einige Fondszeichner von der „Bevorstehende Insolvenz der MS Tosa Sea Schifffahrtsgesellschaft mbH & Co KG“ (Van-der-Smissen-Str. 9, 22767 Hamburg).
Seltsam: Zwar wurde am 28.3.2012 der Jahresabschluss der MS Tosa Sea Schifffahrtsgesellschaft mbH & Co KG zum Geschäftsjahr vom 01.01.2010 bis zum 31.12.2010 unter bundesanzeiger.de veröffentlicht – aber es steht letztlich nichts Stichhaltiges an Bilanzkennziffern online (Stichtags-Abfrage war der 29.8.2012). Man fragt sich hier: Warum? Sollte etwas verschwiegen werden? Dem widerspricht aber Lloyd in einer Stellungnahme gegenüber netz-trends.de: „Am 28.3.2012 wurde lediglich veröffentlicht, dass der Jahresabschluss 2010 gebilligt wurde. Der gesamte Jahresabschluss wurde pflichtgemäß am 21.11.2011 veröffentlicht. Zeitgleich erhielten die Gesellschafter den Geschäftsbericht, welcher ausführlich über die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft berichtet.“
Weitere Kennzahlen die der Bundesanzeiger veröffentlichte: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2008 bis zum 31.12.2008 mit Veröffentlichungsdatum vom 10.02.2010: Verbindlichkeiten von 21.729.451,63, Aktiva: 26.272.438,13 Euro.
Das steigerte sich dann mit dem Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2009 bis zum 31.12.2009 auf 34.546.048,21 Mio. Euro Verbindlichkeiten. Das Anlagevermögen lag zu diesem Zeitpunkt bei 35.420.429,56 Mio. Euro.
Schließlich wurden mit dem Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2010 bis zum 31.12.2010 Verbindlichkeiten in Höhe von 35.987.363,94 Euro gemeldet, während das Anlagevermögen bei 42.358.811,00 Euro lag.
Viele Anleger denken gerne, alles, was mit dem Namen „Lloyd“ in Verbindung stünde, sei grundsätzlich seriös. „Das war im Falle des dubiosen Schiffsfonds offensichtlich nicht der Fall, sonst hätte man hier nicht Privatanleger so viel Geld aus der Tasche gezogen, um es einer angeblichen sicheren Schiffsanlage zuzuführen“, so ein Anteilseigner.
Alleine in Hamburg scheint es laut Handelsregister-Auskunft mindestens 64 Unternehmen mit dem Namen Lloyd zu geben. Dabei ist es keinesfalls so, dass der Name Lloyd immer nur für Schiffe steht. So gibt es beispielsweise die Lloyd Fonds Consulting GmbH, die Lloyd Fonds Energie Europa Beteiligungs GmbH & Co. KG, die Lloyd Fonds Energie Europa Verwaltungs GmbH oder die Lloyd Fonds Hotel Leipzig Nikolaikirche GmbH & Co. KG.
+Fonds-Vermittler Michael Friedel Günther und seine Turbotilgung
Im aktuellen Fall des Konkurses des Lloyd Schiffsfonds schrieb der Fonds-Vermittler Michael Friedel Günther an seine vermittelten Anteilseigener folgende Zeilen: „Die Schifffahrtskrise geht nun bereits ins vierte Jahr. Eine Trendwende im Bereich der Massengutschifffahrt ist trotz einiger kleiner Zwischenhochs leider noch nicht in Sicht. Bis zuletzt hat die Geschäftsführung Ihres Fonds unter Mithilfe des Beirats mit der finanzierenden Bank nach Lösungsmöglichkeiten für einen Weiterbetrieb der Tosa Sea gesucht und um den Fortbestand der Gesellschaft gerungen. Der Fonds wurde ab Mitte 2008 von uns angeboten.“
Weiter schreibt Günther: „Es gab zu diesem Zeitpunkt auch sehr gute Gründe, sich für die Tosa Sea zu entscheiden: die innovative Schiffsgröße: Mit 92.500 tdw kann die Tosa Sea im Vergleich zu einem Caper weltweit mehr als doppelt so viele Häfen anfahren; sie kann die Ladungsarten eines Capers, aber auch die eines Panamaxbulkers kostengünstig transportieren, ist also sehr flexibel einsetzbar, und sie wird, im Gegensatz zu einem Caper, ab 2015 den Panamakanal passieren können der 2008 gutachterlich belegte günstige Kaufpreis im Vergleich zum damaligen Marktpreis.“
Zudem hebt der Fondsvermittler die angeblich „vom Vertragsreeder NSC bestätigte gute Qualität der chinesischen Bauwerft“ hervor. Außerdem habe der „langjährig erfahrene Anbieter Lloyd Fonds AG mit großer Schiffserfahrung und guter Leistungsbilanz“ aufgewartet.
Ein weiterer Pluspunkt sei das Konzept gewesen, da die „Konzeption mit Turbotilgung, die während der Erstbeschäftigung für eine Tilgung von fast 2/3 des Fremdkapitals sorgen sollte, so dass der Bulker für die wirtschaftlich erfolgreiche Weiterbeschäftigung nur eine geringe Mindestcharterrate gering im Vergleich zum historischen 10-Jahres-Durchschnitt benötigen würde“. Zudem seien „auch die anderen Eckdaten des Fonds überaus konservativ kalkuliert“ gewesen.
Außerdem unterstreicht der Fondsvermittler Michael Friedel Günther: „Noch im Oktober 2009 wurde uns schriftlich bestätigt, dass der ursprüngliche Charterer des Schiffes ‚Glory Wealth Shipping (GWS)‘ in der globalen Wirtschaftskrise sehr ordentlich dastünde. Unvermittelt gab die Lloyd Fonds AG dann plötzlich im November 2009 mit dem 2. Nachtrag bekannt, dass über den Charterer ungünstige Informationen vorlägen. Zu diesem Zeitpunkt waren aber unsere Kunden, die MFG GmbH selbst und diverse Gesellschafter unserer Firma dem Fonds bereits beigetreten.“
Zudem schreibt Michael Friedel Günther weiter: „Nach der verspäteten Ablieferung des Schiffes am 01.04.2010 verweigerte der Charterer GWS sodann die Abnahme des Bulkers, obwohl er vertraglich dazu verpflichtet gewesen wäre. Gleichzeitig stellte er einen Insolvenzantrag. Seitdem war die Tosa Sea im Gegensatz zu vielen anderen Schiffen – zwar stets beschäftigt, aber nie zu den kalkulierten Raten.“
Niedrigere Charterraten als versprochen bringt Anleger auf die Palme
Das habe dazu geführt, dass „wegen der niedrigen Charterraten“ die „kalkulatorischen Schiffswerte und damit die Sicherheiten für die Schiffshypotheken“ ungünstig dastünden. So habe „bei der Tosa Sea der Kreditbetrag inzwischen deutlich oberhalb des aktuellen Schiffswerts“ gelegen.
Deshalb seien „alternative Bankpartner aufgrund vielerlei regulatorischer Eingriffe momentan nicht verfügbar, wenn sich wie hier der eigene Bankpartner UniCredit zurückzieht bzw. ganz verabschiedet“. Eine Umschuldung der Finanzierung sei „daher derzeit unmöglich“. Aufgrund dieser „schlagartig eingetretenen, extrem widrigen Rahmenbedingungen konnte die Tosa Sea von Anfang an weder tilgen noch ausschütten“.
Auch rechne man keinesfalls damit, dass „für große Bulker“ bessere Chartermärkte vor 2015 zu erwarten seien. Deshalb habe die Bank nun die Reißleine gezogen. Eine Reißleine die Privatanleger um einen Großteil ihres Vermögens bringt – darunter viele aus Deutschland.
Doch damit nicht genug, schreibt Michael Friedel Günther aus Frankfurt am Main: „Bei einem Notverkauf der Tosa Sea in diesen schlechten Zeiten für befürchtete USD 20 bis 25 Mio. bei einem fast doppelt so hohen fairen Wert des Schiffes(!) – wären die Verluste in absoluten Zahlen für die Bank und für die Anleger fast gleich groß.“
Dass Finanzvermittler Michael Friedel Günther, der den Fond vermittelte, nun ein schlechtes Gewissen hat, zeigen die folgenden Zeilen: „Wir beabsichtigen in enger Zusammenarbeit mit dem Beirat, umfangreiche rechtliche Prüfungen zu veranlassen, um die Erfolgsaussichten juristischer Schritte gegen Bank und/oder Initiator und/oder Vertragsreeder abschätzen zu können.“ Man halte die Anleger „selbstverständlich in dieser unglücklichen Angelegenheit auf dem Laufenden.“
Zahlreiche Fragen bleiben offen
Dennoch bleiben zahlreiche Fragen offen, die netz-trends.de hier skizziert: So zum Beispiel das seltsame Gebilde rund um das Schiff, das angeblich so profitabel zu verchartern gewesen wäre. So erkundigte sich netz-trends.de über das Handelsregister, wie die Gesellschafterstruktur beispielsweise der MS “TOSA SEA“ Schifffahrtsgesellschaft mbH & Co. KG aussah. Ergebnis: Hier sind rund 30 Kommanditisten gelistet die zwischen 5,2 Mio. Euro eingezahlt haben (Lloyd Treuhand GmbH) und lediglich 2000 Euro.
Die Lloyd Treuhand GmbH hält alleine rund 93% der Kommanditisten-Anteile an der MS “TOSA SEA“ Schifffahrtsgesellschaft mbH & Co. KG – bei einem einbezahlten Betrag von 5.224.108 Euro. Rund ein Prozent hält auch die MFG Michael Friedel Günther GmbH, was laut Handelsregister einem Betrag von 46.200 Euro entspreche.
Auffallend ist, dass die Lloyd Fonds AG lediglich einen Anteil an der MS “TOSA SEA“ Schifffahrtsgesellschaft mbH & Co. KG von rund 0,18% hält, was einem Betrag von 10.000 Euro entspricht. Laut dem Handelsregister-Eintrag vom 09.03.2012 steht unter dem Punkt „Allgemeine Vertretungsregelung“ u.a.: „Persönlich haftender Gesellschafter: Verwaltung MS “TOSA SEA“ Schifffahrtsgesellschaft mbH, Hamburg (Hamburg HRB 104807).
Deshalb lohnt sich ein Blick auf die „Verwaltung MS “TOSA SEA“ Schifffahrtsgesellschaft mbH“ (Van-der-Smissen-Str. 9, 22767 Hamburg), welche wohl als „Geschäftsführung und Übernahme der Stellung als persönlich haftende Gesellschafterin bei Kommanditgesellschaften, insbesondere bei der MS “TOSA SEA“ Schifffahrtsgesellschaft mbH & Co. KG“ auftrete. Als Geschäftsführer der Verwaltung MS “TOSA SEA“ Schifffahrtsgesellschaft mbH fungiert hier laut Handeslregister-Eintrag vom 24.08.2012 Sven Lundehn aus Bad Zwischenahn.
+Von Anfang an seltsames Gesellschafterkonstrukt von Lloyd
Schwer zu durchschauen ist die Rolle der Lloyd Treuhand GmbH (Amelungstraße 8-10, 20354 Hamburg), deren Einlage in die MS “TOSA SEA“ Schifffahrtsgesellschaft mbH & Co. KG immerhin 5,2 Mio. Euro beträgt laut Handelsregister. Das Grund- oder Stammkapital liegt laut Handelsregister-Eintrag bei 750.000 Euro. Geschäftsführer der Lloyd Treuhand GmbH sind laut Handelsregister-Eintrag vom 09.12.2010 von Karl-Georg Ferber aus Hamburg und Frank Ahrens aus Schneverdingen.
Aufgabe der Lloyd Treuhand GmbH sei der „Erwerb und die Verwaltung von Beteiligungen und Grundbesitz sowie die Übernahme der persönlichen Haftung und der Geschäftsführung bei Kommanditgesellschaften, die treuhänderische Verwaltung von Beteiligungen, insbesondere die Übernahme der Stellung des Treuhand-Kommanditisten in Beteiligungs-Gesellschaften.“ Ausgenommen seien „Tätigkeiten, die unter das Gesetz über Kapitalanlagengesellschaften fallen oder Bank- oder Versicherungsgeschäfte im engeren Sinne darstellen (§ 1 Kreditwesengesetz)“.
Unter dem Punkt „Sonstige Rechtsverhältnisse“ steht: Mit der Lloyd Fonds AG mit Sitz in Hamburg (AG Hamburg, HRB 75492) als herrschendem Unternehmen ist am 24.06.2010 ein Vertrag über die Begründung einer steuerlichen Organschaft geschlossen worden. Ihm hat die Gesellschafterversammlung vom 24.06.2010 zugestimmt.“
Die erwähnte Lloyd Fonds AG (Amelungstraße 8-10, 20354 Hamburg) wiederum weist mit Handelsregister-Eintrag vom 13.08.2012 insgesamt ein Grund- oder Stammkapital in Höhe von 27.469.927,00 Euro auf. Als Vorstände werden hier genannt: Vorstand: Dr. Joachim Seeler aus Hamburg sowie Dr. Torsten Teichert, ebenfalls aus Hamburg. Außerdem werden sechs Prokuristen aufgeführt. Die Aktiengesellschaft beruhe auf einer Satzung vom 23.03.2000, welche zuletzt durch Beschluss am 26.07.2012 geändert worden sei.
Lloyd verdient mit Immobilien, Flugzeugen oder Schiffen Geld
Unter dem Punkt „Gegenstand des Unternehmens“ wird zur Lloyd Fonds AG im Handelsregister-Eintrag vom 13.08.2012 zudem aufgeführt: „Gegenstand des Unternehmens ist die Beschaffung, die Verwaltung und Veräußerung, die Konzeption, die Beratung, die Unterstützung, der Vertrieb und die Betreuung von Vermögensanlagen und -projekten einschließlich der Übernahme und Erbringung von Geschäftsführungs- und sonstigen Dienstleistungen. Die Vermögensanlagen betreffen insbesondere die Bereiche Schifffahrt, Immobilien, Flugzeuge, regenerative Energien und Zweitmarkt-Lebensversicherungen. Zum Gegenstand des Unternehmens gehört auch die Durchführung der genannten Tätigkeiten für Dritte. Die Gesellschaft ist berechtigt, die Eigen- und Fremdkapitalvermittlung für die Vermögensanlagen durchzuführen.“
Zudem sei die Gesellschaft „zu allen Geschäften und Maßnahmen berechtigt, die mit dem Gegenstand des Unternehmens zusammenhängen. Die Gesellschaft kann sich an anderen Unternehmen im In- und Ausland beteiligen, Tochterunternehmen und Zweigniederlassungen errichten und die Geschäftsführung anderer Unternehmen übernehmen.“ Außerdem könne die Gesellschaft „auch reine Finanzbeteiligungen zum Zwecke der Anlage von Finanzmitteln eingehen.“
Sie dürfe „ferner ihren Tätigkeitsbereich auf verwandte Geschäftszweige erweitern.“ Ausgenommen seien „die Rechts- und Steuerberatung sowie Tätigkeiten, die unter das Investmentgesetz fallen oder Bank- oder Versicherungsgeschäfte darstellen sowie sonstige erlaubnispflichtige Tätigkeiten, es sein denn, dass für diese Tätigkeiten eine Erlaubnis vorliegt“.
Zum Punkt „Sonstige Rechtsverhältnisse“ steht im Handelsregister-Eintrag vom 13.08.2012 außerdem: „Der Vorstand ist ermächtigt, das Grundkapital der Gesellschaft in der Zeit bis zum 25.07.2017 mit Zustimmung des Aufsichtsrats um insgesamt bis zu EUR 13.734.963,00 durch einmalige oder mehrmalige Ausgabe von bis zu 13.734.963 neuen, nennwertlosen auf den Inhaber lautenden Stückaktien gegen Bar- und/oder Sacheinlagen zu erhöhen (Genehmigtes Kapital 2012).“ Zudem sei der Vorstand dazu „ermächtigt, mit Zustimmung des Aufsichtsrats das Bezugsrecht der Aktionäre ganz oder teilweise auszuschließen“.
„Extrem unsauber gelaufen das mit Lloyd“
Ein Anleger des Llodys-Schiffsfonds sagt: „Das Ganze ist extrem unsauber gelaufen. Ich habe nun viele Telefonate geführt, auch direkt mit Lloyd. Was die machen ist eine Frechheit. So wie die Mail geschrieben war, so war auch das Telefonat – einfach unmöglich.“
Zudem schrieb er in einer email, die netz-trends.de vorliegt, weiter, wonach die MFG wohl rechtliche Schritte prüfe. Viele Fragen sich vor allem: Wie Stichfest war tatsächlich die versprochene Festcharter?
Eine Anleger schreibt: „Das Ganze ist dubios – angeblich hat die Bank letzten Freitag nach einer sehr kurzen Angebotsphase dicht gemacht (also das Angebot zum Verkauf des in Konkurs gegangenen Schiffes) und sofort soll das Schiff zu einem sehr niedrigen Preis weit unter Wert verkauft worden sein – also statt für 60 Mio. Euro für angeblich unter 25 Mio. Euro.“ Alllerdings ist die Informationslage derzeit etwas verworren. So teilte nun Lloyds kurz nach Veröffentlichung des Textes mit, das schiff sei noch nicht verkauft worden (update Mittwoch, 5.9.2012, 11 Uhr).
Weiter führt der Anleger aus: „Da ist doch etwas faul! Ich würde mich nicht wundern, wenn Lloyd selbst davon profitiert und das Schiff von einem Mittelsmann günstig erworben wird und Lloyd hinten rum mitverdient, vielleicht auch die Bank. Angeblich macht die Bank Verlust (mit dem Schiffs-Investment) – warum sollten sie das machen bei einem Schiff das neu ist, wo zu erwarten ist, dass in den nächsten Jahren weniger Schiffe kommen und dass der Kredit zurückgezahlt werden soll?“
Lloyds wollte zu den meisten dieser Gerüchte nicht detailliert Stellung beziehen, übermittelte aber netz-trends.de eine umfangreichere generelle Stellungnahme, die wir im nächsten Kapitelabschnitt zur Kenntnis geben.
+Und das sagt die Lloyd Fonds AG
Netz-trends.de hat alle drei in diesem Text besonders erwähnten Vertreter der Gesellschaften (Lloyds, MS Tosa Sea, MFG Michael Friedel Günther GmbH) gebeten, eine Stellungnahme zu diesem Text und den Vorwürfen abzugeben. Hierfür wurden mehrere Tage Zeit eingeräumt, in denen die Vertreter rund 95 Prozent des netz-trends-Hintergrund-Textes vor Veröffentlichung zur Kenntnis bekamen.
Also einziger hat bislang die in Kritik geratene Lloyd Fonds AG geantwortet. Die Leiterin der PR, Christiane Brüning, schreibt: „In Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Charterraten in allen Segmenten seit 2009 anhaltend niedrig (von einigen kurzfristen Markterholungen abgesehen). Diese gravierende Krise hat zur Insolvenz vieler maritimer Unternehmen – unter anderem auch der Glory Wealth Shipping Pte Ltd, Charterer des MS ‚TOSA SEA‘, geführt.
Infolge der Insolvenz des Charterers und der marktbedingt anhaltend niedrigen Chartereinnahmen konnte die Schifffahrtsgesellschaft ‚MS TOSA SEA‘ seit Anfang 2011 die Tilgung auf das Schiffshypothekendarlehen nicht mehr leisten (d.h. bis 2010 wurde getilgt).
Zur kurzfristigen Liquiditätssicherung hatte die Geschäftsführung daher die Aussetzung der Regeltilgungen zunächst für 2011 und aufgrund der weiterhin ausbleibenden Markterholung anschließend auch für 2012 beantragt. Die finanzierende Bank hatte die Tilgungsstundungen sowie die zusätzlich beantragte Aussetzung der Zinszahlungen bis jetzt geduldet; für eine endgültige Genehmigung jedoch eine Sicherheit dafür verlangt, dass die Zinszahlungen im laufenden Jahr geleistet werden können.
Vor diesem Hintergrund und in Erwartung eines ab 2014 wieder verbesserten Chartermarktumfeldes bereitete die Geschäftsführung zunächst ein Liquiditätssicherungskonzept vor, das durch eine finanzielle Beteiligung aus dem Gesellschafterkreis oder ggfs. durch Drittinvestoren die Zinszahlungen in 2012 sowie den Kapitaldienst in 2013 gewährleisten sollten.
Im Verlauf der Verhandlungen mit der Bank über dieses Konzept verschlechterte sich das Chartermarktumfeld in den letzten Monaten jedoch noch einmal drastisch.
Um die Gesellschaft unter diesen veränderten Rahmenbedingungen langfristig fortführen zu können, hätte die finanzierende Bank, die UniCredit, im Rahmen eines angepassten Restrukturierungskonzeptes einem teilweisen Rangrücktritt ihrer Darlehensforderungen hinter das von den Anlegern einzubringende Restrukturierungskapital zustimmen müssen. Ansonsten wäre das Verlustrisiko für das von den Anlegern neu einzubringende Restrukturierungskapital zu groß gewesen.
Da die Bank zu diesem Zugeständnis nicht bereit war und sich das Marktumfeld weiter verschlechtert hat, kann der langfristige Weiterbetrieb des Schiffes nicht mehr gewährleistet werden. Zusätzlich hatte die Bank jüngst die Zahlung von Rechnungen an externe Dritte verweigert, was schließlich zur Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft führte so dass die Geschäftsführung gezwungen war, Insolvenz anzumelden.
Gesellschaftsstruktur:
• Es ist marktüblich und war prospektkonform, dass die Emittentin – in unserem Fall die Lloyd Fonds AG – nur zu einem geringen Teil an der Fondsgesellschaft beteiligt ist.
• Auch die Lloyd Treuhand ist wie marktüblich nur mit einem geringen Anteil an der Fondsgesellschaft selbst beteiligt. Den Großteil der Anteile hält die Lloyd Treuhand treuhänderisch für die Anleger.
Veröffentlichung der Jahresabschlüsse:
• Zum Veröffentlichungszeitpunkt: Am 28.3.2012 wurde lediglich veröffentlicht, dass der Jahresabschluss 2010 gebilligt wurde. Der gesamte Jahresabschluss wurde pflichtgemäß am 21.11.2011 veröffentlicht. Zeitgleich erhielten die Gesellschafter den Geschäftsbericht, welcher ausführlich über die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft berichtet.
• Aufgrund der Bauzeitfinanzierung von Schiffen (d.h. die Werft stellt sukzessive Rechnungen nach jedem Bauabschnitt) steigen das Darlehen und die Aktiva der Gesellschaft bis zur Übernahme des Schiffes und dem Ende der Platzierungsphase des Fonds in 2010.“
Derzeit ist Lloyd Fonds AG u.a. mit Holland Utrecht im Geschäft. Außerdem geht es bei der Lloyd Fonds AG um die A380 Singapore Airlinese. Auch hierfür werden wieder Anleger gesucht.
netz-trends.de wird weiterhin über die Insolvenz der MS Tosa Sea im Zusammenhang mit der Lloyd Fonds AG berichten.