Von Wolfgang M. Seemann – Vor zehn Jahren, im Jahr 2001, platzte die große Internetblase an der Börse. Weit über 100 Milliarden Euro lösten sich über Nacht im Nichts auf. Prominentestes Beispiel: EMTV von Thomas Haffa. Ein Münchner Unternehmen, das damals an der Börse zeitweilig mehr wert war, als die Lufthansa. Neue Haffas gibt es in Deutschland nicht, aber einige talentierte junge Unternehmer allemal.

Netz-trends.de stellt zehn Jahre nach dem Platzen der Internetblase in einer losen Serie erfolgreiche Internet- und Software-Jungunternehmer Deutschlands vor. Unsere Serie beginnt mit dem Leipziger Thomas Wagner, 34, Gründer von Unister. Unister gehört zu Deutschlands erfolgreichsten Internetunternehmen, vermittelt nach Branchengerüchten unter anderem Reisen im Wert von über einer Milliarde Euro. Im Bereich des Onlineverkaufs von Pauschalreisen und Flugtickets ist das Unternehmen in Deutschland Marktführer, expandiert aber auch in Europa.

Man schrieb das Jahr 2002: Der aus Dessau stammende Thomas Wagner hatte an der Uni Leipzig Betriebswirtschaft studiert, das Studium aber abgebrochen und sich stattdessen selbst das Programmieren mit Hilfe von Büchern beigebracht. In bester Garagen-Start-Up-Manier legte er von nun an in einem Leipziger Studentenwohnheim den Grundstein für eines der erfolgreichsten europäischen Internetunternehmen, Unister. Heute kann der 34jährige junge Unternehmer auf ein stolzes Unternehmen mit 1.500 Mitarbeiter blicken – mit Standort in Leipzig, aber auch in Städten wie Berlin, Dresden, Chemnitz, Magdeburg oder Stralsund.

Unister ist vielfältig aufgestellt. Das Spektrum des E-Commerce-Unternehmens führt von Reisevermittlungsportalen (ab-in-den-urlaub.de, fluege.de), über Versicherungsvergleichs-Portale (geld.de), hin zu Börsenportalen (börsennews.de), Nachrichtenportalen (news.de) oder auch kredit.de. Mehr als 30 nationale und internationale Webseiten gehören mittlerweile zu Unister. Dabei liest sich das Portfolio wie das who ist who der Top-Level-Domains: Ob auto.de, geld.de, fluege.de, shopping.de – diese Domains gehören weltweit zum Besten und Teuersten was der Markt zu bieten hat. Alleine für die Webadresse shopping.de blätterte Unister 1,96 Mio. Euro hin. So teuer waren weltweit lediglich zwei Dutzend andere Domains.

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Keine Frage: Unister hat Internetgeschichte in Deutschland geschrieben. Ab-in-den-urlaub.de ist Deutschlands größtes Portal im Online-Verkauf von Pauschalreisen, fluege.de ist als unabhängiges Flugportal Marktführer im Online-Verkauf von Flugtickets und hat Verträge mit über 750 Fluglinien. Erfolg aber ruft Neider und Kritiker auf den Plan. Thomas Wagner kennt das Spiel.

Ständig muss er sich mit Kritik am rasant wachsenden Unternehmen auseinandersetzen. Besonders hervorgetan mit Kritik hat sich die Verbraucherzentrale Sachsen gegenüber Deutschlands Online-Reiseportalen. Ihr Vorwurf an die Reisebranche, beispielsweise auch an Unisters Flugbuchungsportal fluege.de (3,3 Mio. Seitenbesucher im Monat): Die Preise seien nicht immer genug ausgezeichnet, der Endpreis stimme nicht immer mit dem Anfangspreis überein (Artikel mit Hintergründen: http://de.wikipedia.org/wiki/Internetbuchungsmaschine).

Doch: Das Endpreis und Anfangspreis einer Flugbuchung nicht immer übereinstimmen, gilt für 60 Prozent aller Flugportale in Deutschland – beispielsweise auch für opodo, ebookers oder flugladen. Auffällig: Die Verbraucherzentrale Sachsen nennt namentlich fast immer nur fluege.de und tut gerne so, als würden die anderen Flugportale es anders machen.

Gründe, warum Anfangs und Endpreis beispielsweise auf Flugbuchungsportalen wie fluege.de nicht immer übereinstimmen:Kunden erwerben zum Flutticket eine Reiserücktrittsversicherung, einen Umbuchungsservice oder eine Kreditkarte, die vom Reiseportal mit höheren Gebühren belastet wird, als eine andere.

Mit „konstruktiver Kritik“ könne Unister-Gründer Thomas Wagner leben, auch wenn er die bei der Verbraucherzentrale Sachsen mittlerweile deutlich vermisst. „Wir verkaufen mehrere Millionen Flugtickets im Jahr. Das Beschwerdeaufkommen in der Verbraucherzentrale Sachsen liegt bei 0,1 Prozent unserer Reisekunden“ so Wagner zu netz-trends.de.

Er nehme Vorwürfe ernst und passe selbstverständlich auch einmal das eine oder andere im Buchungsprozess an die veränderten Bedürfnisse der Verbraucher an. Wagner: „Die Mehrheit der Verbraucher aber sind für uns die ausschlaggebende Richtschnur.“ Und diese Mehrheit habe eben, was Millionen Reise-Kunden auch bestätigten, kein Problem mit der Preisdarstellung.

+Wachstum im Rekordtempo

Obwohl Unister-Reiseportale es kaum anders machen, als die Masse der anderen Reiseportale, wie etwa opodo, ebookers, flugladen, tbooker, weg.de, L’Tur oder holidaycheck, sieht sich Unister immer wieder auch verstärkter Kritik in den Medien ausgesetzt. Ein Branchenfachmann eines anderen großen Internetunternehmens meint, das könne mit der starken Unternehmens-Stellung von Unister besonders im Onlinereisemarkt zusammen hängen, aber auch mit einer „Mega-Präsenz in der TV-Werbung“, seit neuestem auch noch deutschlandweit auf 27.000 City-Light-Postern von Stroer: So gelang dem Studenten Wagner, was man bis vor wenigen Jahren für unmöglich gehalten hatte. Nämlich den damaligen Branchenprimus, den amerikanischen Milliarden-Reisekonzern expedia, von der Nummer Eins in der Onlinevermittlung von Pauschalreisen in Deutschland zu verdrängen. Und das gelang dem Unternehmertalent Wagner von Leipzig aus, ohne einen Milliarden-Konzern im Rücken.

Auch wenn es vielen Kritikern und Konkurrenten nicht passt: Unister ist immer noch auf Wachstumskurs – mit Portalen wie ab-in-den-urlaub.de oder der 1996 gegründeten Aktiengesellschaft travel24.com AG (Wertpapier ISIN DE000A0L1NQ8), an der Unister seit 2009 beteiligt ist. Die Expansion bestätigen unisono alle in der Reisebranche. Innerhalb kürzester Zeit sorgte travel24.com-Teilhaber Wagner dafür dass die Unister-Beteiligungsgesellschaft travel24.com AG auch europaweit ein Netz von Reiseportalen spann und erstmals 2010 seit 1996 auch Gewinne schrieb.

So ist man mittlerweile unter anderem in den Niederlanden oder in UK aktiv. Auch die Fernsehwerbung wird europaweit vorangetrieben. Bislang reagieren die Aktienmärkte gut auf die travel24-Performance. So schrieb das Onlinemagazin boerse-online.de, dass, seitdem sich Unister an der travel24.com AG beteiligt habe, die Aktie des Unternehmens eine „Klasse Performance“ hinlege (http://www.boerse-online.de/premium/boersengefluester/:Travel24–Klasse-Performance/637227.html). Ähnliches Urteil bei Die Welt: Ihre Empfehlung im Juni 2012: „buy“ (http://www.welt.de/boerse/aktien/Travel24com-AG-DE000A0L1NQ8.html).

Zaubern in der Studenten-WG

Nicht von ungefähr sprechen viele Branchenkenner halb neidisch, halb bewundernd, von den „Zauberern in Leipzig“. Dabei hat die Erfolgsgeschichte von Unister rein gar nichts mit Zauberei zu tun. Dafür aber mit viel Arbeit: Wagner gilt in der Branche als Workaholic. 14 Stunden-Tage sind für ihn nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel. Freilich gehört da auch Wochenendarbeit dazu. Mehr als ein paar zusammenhängende Tage Urlaub im Jahr gönnt er sich kaum – und wenn, dann gerne auch einmal im Rahmen eines Geschäftstermins. Bis vor gut zwei Jahren lebte der erfolgreiche Jungunternehmer noch immer wie ein Student in einem 20-Quadratmeter-WG-Zimmer in Leipzig. Dabei lässt er sich eines nicht nehmen: Mit zwei Freunden aus Kindheitstagen macht er jedes Jahr eine Woche Skiurlaub, meist in den österreichischen Alpen. Oftmals allerdings eher spartanisch – besonders wenn weitere Kumpels aus Dessau dabei sind. Die lange Strecke von Leipzig in die Alpen fahren sie zusammen im Auto. Während die Freunde fahren „schläft Thomas hinten“, erzählt ein langjähriger Wagner-Freund.

Thomas Wagner hat mit Unister früh erkannt, dass Internetsuchmaschinen wie Google keine Feinde sind – anders als das bis zum heutigen Tage zahlreiche Medienhäuser und Tageszeitungen sehen. Vielmehr habe Unister nach Auskunft eines Marketing-Verantwortlichen Google immer als einen Partner erkannt, der im E-Commerce-Geschäft hilfreiche Strukturen anbieten könne.

Während sich zahlreiche Unternehmen aus der deutschen Reisebranche, der Industrie oder dem Dienstleistungssektor, bis vor wenigen Jahren noch weigerten, Google-adword-Anzeigen zu schalten, ergriff Unister sehr früh die Chance. Der Aufstieg von Google ermöglichte auch den Aufstieg zahlreicher Internetunternehmen weltweit – seien es ebay oder Amazon.

Führung und Konkurrenz

Für einige ein Problem: Wagner gilt als autoritär und mischt sich wohl gerne überall ein. Vor allem für Führungskräfte ist das nicht immer leicht. „Er weiß aber halt auch extrem viel“, sagt ein Mitarbeiter. „Er ist ein brain“, sagt ein ehemaliger Generaldirektor eines Konkurrenten, der bei Unister auch mal einige Monate mitgearbeitet hat. Wer Wagners Input konstruktiv aufnehme, der habe auch große eigene Entwicklungschancen. Aber wenn Wagner am Wochenende einen Mitarbeiter mal wieder mit 20 emails „bombardiere“, sei das für Betroffene nicht immer leicht.

„Ich konnte nach drei Jahren einfach nicht mehr. Ich finde Thomas absolut klasse. Aber ich hatte zuletzt einfach täglich Angst vor den vielen emails von Thomas“, erzählt ein Ex-Manager, der das Unternehmen nach knapp drei Jahren verlassen hat. Außerdem sei es für ihn ein Problem gewesen, dass „Thomas gerne auch Entscheidungen überstimmt, wenn er das für nötig ansieht“. Trotzdem gibt es einige Führungskräfte, die Wagners Aufstieg schon seit Jahren begleiten. Auch gibt es immer noch einige Mitarbeiter die fast von Anfang an dabei sind – in Leipzig im Barfußgässchen.

Einigkeit herrscht bei Unister-Mitarbeitern, dass gerdade viele junge Talente unter Wagner Karriere mit Personalverantwortung machen konnten in einem Tempo, wie das in anderen größeren Unternehmen unmöglich gewesen wäre. Unister ist deshalb längst auch ein Sprungbrett für viele Beschäftigte in der digitalen Welt. Leipzig wird immer mehr zu einem kleinen Silicon Valley-Labor. Ob check24, groupon oder der Heinrich Bauer Verlag – viele wollen im Umfeld von Unister auch digital wachsen, sind extra nach Leipzig gekommen, um im Fahrwasser von Unister an Boden im Internetgeschäft zu gewinnen. Das macht es für Unister nicht immer leicht. Doch: So manche Mitarbeiter, die zur Konkurrenz gewechselt sind, haben das schon nach wenigen Wochen bereut – und sind auch wieder zurückgekommen.

Personalbindung ist wichtig

Rund 90 Auszubildende hat Unister mittlerweile: Informatiker, Grafiker, im Marketing oder Tourismuskaufmänner/Kauffrauen. Wie die Personalabteilung bestätigt, arbeite das Leipziger Unternehmen auch sehr eng mit Universitäten zusammen, zudem mit Jobmessen, der Bundesagentur für Arbeit. Das Durchschnittsalter der Arbeitnehmer ist jung bei Unister. Die Personalabteilung spricht von rund 28 Jahren. Von den rund 1.500 Mitarbeitern arbeiten rund 1.250 fest angestellt – die überwiegende mit unbefristeten Verträgen. Der Rest sind studentische Aushilfskräfte oder freie Mitarbeiter.

Dabei lägen die Gehälter bei Unister im Leipziger Mittel – allerdings mit einigen für die Mitarbeiter schönen Zutaten: So werden Überstunden häufig mit einem Plus von 25 Prozent vergütet. Dazu gibt es 28 Tage Urlaub. Andere Internetunternehmen bieten nur noch 24 Tage Urlaub – und Überstunden werden nicht bezahlt. Zudem spendiert Unister im Jahr rund 144.000 Liter kostenloses Mineralwasser für die 1.500 Mitarbeiter und rund 20.000 Liter Kaffee.

Gerade auch angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels ist die Mitarbeiterbindung der Personalleitung von Unister wichtig. Wie die Firmenleitung bestätigt, gebe es dazu bei Unister zahlreiche Förderprogramme: Mitarbeitern werden beispielsweise Englisch-Lehrkurse im Institut bezahlt, außerdem werden regelmäßig Schulungen in der Softwareentwicklung sowie in der Suchmaschinenoptimierung, dem Search Engine Optimization (SEO) oder der Touristik angeboten.

+Mitgliedschaften in der Wirtschaft und Präsenz auf Messen

Unister ist in zahlreichen Branchenverbänden aktiv. Ob in der IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.) oder der AGOF (Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung). Eine weitere Mitgliedschaft beteht beim BVDW (Bundesverband Digitalwirtschaft) oder im Bundesverband Mittelständische Wirtschaft ((BVMW; Präsident: Mario Ohoven).

Hinzu kommt die Präsenz auf den bedeutendsten Messen. Auf der jährlichen ITB in Berlin, der weltweit bedeutendsten Internationalen Tourismusmesse, gehört der Unister-Stand in Halle 25 zu den großen.

Ebenfalls präsent ist Unister jedes Jahr mit einem großen Ausstellerstand auf der weltgrößten Internetmesse, der dmexco, in Köln. Hier trifft Unister-Gründer Thomas Wagner viele die Rang und Namen haben im ecommerce aber auch in der Medienbranche: Sei es ein Vorstand oder Geschäftsführer von Werbepartnern wie ProSiebenSat.1, der RTL-Gruppe oder Manager und Managerinnen anderer Medienhäuser – vom MDR bis hin zum ZDF, von Yahoo ober Microsoft bis hin zu 1&1.

Das Geschäft mit Deals und Reisegutscheinen

Doch nicht nur Geschäftsgespräche auf Führungsebene sind ihm wichtig auf den Messen, sondern auch die Basisarbeit. So sind Mitarbeiter immer wieder verwundert, wie „fleißig“ (O-Ton Vertriebs-Mitarbeiter) Wagner im Akquirieren von Neukundengeschäft sei. So läuft er bis zum heutigen Tage gerne selber los, um „gute Reisedeals einzuholen“. Auf der vergangenen ITB 2012 in Berlin war er beispielsweise im Gespräch mit den Touristik-Repräsentanten der schönsten Urlaubs-Regionen Deutschlands. Sie möchte Wagner unbedingt auf einem seiner Lieblingskinder, ab-in-den-urlaub-deals.de, präsentieren. „Die Leute lieben mittlerweile einfach gute Urlaubs-Kurztrips, auch innerhalb Deutschlands“ erklärt der Unister-Chef. Dass Reisegutscheine und Coupons beim Kunden ziehen, versichert Klaus-Dieter Busse, Sales & Marketing Manager Hotel Sportwelt Radeberg.

„Calli“ Calmund im Kreuzverhör

Für Aufsehen sorgte im Jahr 2011 der Auftritt des fluege.de-Werbetestimonials Reiner Calmund, von Millionen als „Calli“ geliebt, auf der Internetmesse dmexco in Köln. Der langjährige Bayer-Leverkusen-Fußballmanager stellte sich am Unister-Stand vor Hunderten Zuschauern, darunter viele Fußballfans, den Fragen von Unister-Chef Thomas Wagner und dem Leiter der Unternehmenskommunikation sowie Verbraucherstudien, Dr. Konstantin Korosides. Auf die Frage, was Calmund zur Kritik der Verbraucherzentrale Sachsen bezüglich der Preisdarstellung auf fluege.de meine, sagte Calmund: „Wer schon beim Häkchen setzen oder rausnehmen im Internet scheitert, der sollte lieber gleich erst gar nicht das Internet anmachen“. Man müsse, so Calmund, von einem „Verbraucher auch erwarten, dass er sich in Ruhe auf einer Reiseseite umschaut“, bevor er buche.

Millionen Zugriffe, Vermittlungsprovision für Flugtickets und Servicegebühren

Nach der jüngsten Studie und Statistik der Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung (AGOF) besuchen monatlich rund 10 Millionen Nutzer eine Reiseseite von Unister im Internet. Kein Wunder, räumt ein Branchenkenner ein, sei Unister mittlerweile Marktführer im Online-Verkauf von Pauschalreisen sowie Flugtickets. So würde Unister jährlich einige Millionen Flugtickets verkaufen. Nachteil: Die Fluglinien bezahlen in der Regel keinen Cent Provision. Deshalb verkaufen Flugportale in der Regel Reiseversicherungen mit und erheben, wie Reisebüros an der Straßenecke, eine Reisebüro-Servicegebühr.

Sie liegt in der Regel zwischen 6 Euro und 20 Euro pro Flugstrecke. Die Servicegebühr der traditionellen Reisebüros liegt in etwa bei 25 Euro je Flugticket-Verkauf. Um überhaupt leben zu können, erhebt mittlerweile die Mehrheit der Flugportale solche Servicegebühren. Sie stehen mal am Anfang (von den Verbraucherzentralen empfohlen) oder – wie bei fluege.de – am Ende vor Buchungsabschluss. Doch gerade das sorgt bei Verbraucherzentralen immer wieder für Kritik, wenn Verbraucher das einmal übersehen haben. Allerdings weisen einige andere Flugportale die Servicegebühr ebenfalls am Ende aus – circa 60 Prozent. Ohne eine Servicegebühr sind Online-Flugvergleichsportale nicht mehr zu betreiben. Den Fluglinien selbst sind die Flugvergleichsportale sowieso ein Dorn im Auge. Ihnen wäre es lieber, es gäbe keinen Flugpreis-Vergleich auf Portalen wie fluege.de. Dann wäre es so, wie in früheren Zeiten: Die Verbraucher würden meist direkt auf die Airline-Seiten gehen und die teureren Flugtickets mangels Markttransparenz kaufen.

+opt-in und opt-out bei Versicherungen / Datenschutz bei Unister / Kreditkarten-Zahlungen

In der Kritik der Verbraucherzentralen stehen beim Online-Flugticket-Verkauf immer wieder die opt-in oder opt-out-Einstellungen auf Reiseportalen. opt-in bedeutet: Der Verbraucher muss aktiv ein Häkchen setzen, möchte er eine Versicherung abschließen. opt-out bedeutet: Das Häkchen ist schon gesetzt. Rund 60 Prozent der Flugportale – darunter zahlreiche große – verfügten bis zum August 2012 noch über die opt-out-Version. Seit einer Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes hat nun faktisch seit 2012 jedes Portal nur noch eine opt-in-Funktion. Das heißt: Für den Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung muss der Verbraucher aktiv ein Häkchen setzen.

Bezahlungsvarianten bei Unister und Datenschutz Unister

Ein großes Problem besonders für ecommerce-Unternehmen stellt mittlerweile der Kreditkartenbetrug dar. Besonders schlimm ist es in Ländern wie Spanien: Hier liegen teils bis zu 20 Prozent Kreditkartenbetrügereien oder Betrugsversuche vor. Leider tue der Staat, Banken und Kreditkarteninstitut bislang zu wenig, um Kreditkartenbetrügerein einzudämmen, ist von zahlreichen Brancheninsidern zu hören. Wie viele Firmen arbeitet Unister hier mit Sicherheits-Unternehmen zusammen. Eine Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann hilft beispielsweise Firmen Kreditkarten-Betrüger (Frauds) zu verhindern.

So oder so sind Kreditkartenzahlungen mit einem großen Aufwand verbunden: Abwicklung, Kontrolle, Sicherung erfordern hohe datenschutzrechtliche Anfroderungen, die von Jahr zu Jahr verschärft werden. Und das kostet. So kann es mittlerweile sein, dass eine vierköpfige Familie alleine für Kreditkartenbezahlungen einer Flugreise oder Pauschalreise bis zu 80 Euro Gebühren bezahlen muss. Auch Unister ist dazu übergegangen, Gebühren für bestimmte Kreditkartenzahlungen zu erheben. Sie werden aber immer explizit ausgewiesen. Außerdem gibt es in der Regel auch mindestens eine marktübliche kostenlose Bezahlvariante.

Kommt es zu Rücklastschriften betrügerischer Kreditkarten, nicht gedeckter Konten oder Kreditkarten, wird es für das betroffene Unternehmen teuer: „Jede Rücklastschrift wird einem Unternehmen mit bis zu 40 Euro von den Banken oder Kreditkartenunternehmen in Rechnung gestellt“, erklärt Finanzfachmann Friedrich Wiedemann.

Die Verbraucherzentrale Sachsen kritisierte unlängst, sie störe sich an „versteckten“ Gebühren, beispielsweise für Kreditkartenzahlungen auf Flugbuchungsportalen wie Unisters fluege.de. netz-trends.de ist diesen Vorwürfen nachgegangen, aber: Von versteckten Gebühren konnten wir nichts feststellen. Was netz-trends.de sah, waren marktüblich ausgezeichnete Kreditkartengebühren.

Umgekehrt gibt es aber auch Kritik an der Verbraucherzentrale Sachsen. So sagten Leipziger Politiker, es könne nicht sein, wenn die Verbraucherzentrale Sachsen umfangreicher Gelder des Freistaats Sachsen nutze, um nicht nur Verbraucher zu beraten, sonder heimischer Wirtschaft sogar mit Boykottaufruf erheblichen Schaden zuzufügen – wie geschehen. Die Verbraucherzentrale Sachsen gilt mit zwei Millionen Euro Fördergeldern (Angaben der Leipziger Volkszeitung vom Juni 2012), welche sie vom Sozialministerium jährlich kassiert, als eine der reichsten Verbraucherschutz-Organisationen in Europa.

Datenschutz bei Unister

Trotz der zunehmenden weltweiten Betrügereien mit falschen Kreditkarten so gilt bei Unister, wie bei vielen Unternehmen: Die hohen gesetzlichen Anforderung sorgen zumindest in Ländern wie Deutschland, Österreich oder der Schweiz für größtmöglichen Schutz – auch für die Verbraucher. Unternehmen wie Unister haben zudem sehr viel Geld – rund zwei Mio. Euro – in den höchsten im Internet geltenden Sicherheitsstandard für Kreditkartenzahlungen investiert – in eine sogenannte PCI-Prüfung. Damit unterliegen Zahlvorgänge auf Reiseportalen wie ab-in-den-urlaub.de dem strengen und unabhängigen Payment Card Industry Security Standard.

+Vermarktung und prominente Werbetestimonials

Zwar nehmen datenschutzrechtliche Anforderungen auch im Onlinegeschäft der Internetfirmen eine immer größere Bedeutung ein. Aber im täglichen Werbegeschäft des Vermarktens von Werbeplätzen spielt es keine dominierende Rolle. Ähnlich der RTL-Gruppe, die alle RTL-TV-Kanäle beim hauseigenen Vermarkter IP Deutschland vermarkten lässt, oder die ProSiebenSat-Gruppe beim gleichnamigen Vermarkter, setzt Unister in der Onlinevermarktung seiner Angebote auf Eigenvermarktung. Das spart viel Geld. Externe Vermarkter verlangen leicht 50 Prozent und mehr Provision für die Übermittlung von Werbeaufträgen.

Deshalb wurden viele Unister-Homepages direkt von dem hauseigenen Vermarkter, der Unister Media GmbH (www.unister-media.de), gegenüber den Werbungtreibenden vermarktet. Allerdings ist das Unternehmen – beispielsweise für börsennews.de – auch dazu übergegangen, die Vermarktung in die Hände anderer großer Vermarkter zu legen. Geschäftsführer für die Unister Media GmbH ist Christian Schmidt. Ob Deutsche Telekom oder Germanwings – auch Unister-Portalen warben oder werben einige bekannte Marken und häufig schon seit Jahren.

Stattlich ist ebenso das Portfolio an Prominenten, die für Unister oder Unternehmen, an denen Unister beteiligt ist, arbeiten: Ob Fußballstar Michael Ballack (ab-in-den-urlaub.de), Reiner Calmund (fluege.de), die RTL-Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach (2012 verstorben) oder die Pro7-Schnotterschnauze Sonya Kraus (Minderheits-Beteiligungsgesellschaft travel24.com AG) – sie alle machen oder machten in den vergangenen Jahren in frech-lustiger Unister-Manier Tag für Tag via TV-Bildschirm Millionen Deutschen das Onlinebuchen von Reisen schmackhaft. Erstmals ging Unister im Jahr 2008 mit seinen Reisemarken ins Privatfernsehen. Im Jahr 2011 folgten dann auch ARD und ZDF (Frühstücksfernsehen).

Chef mit Faible für Sport

Was viele nicht wissen: Der ehemalige Bayer Leverkusen-Fußballmanager Reiner Calmund gehört auf YouTube zu den größten Werbestars Deutschlands. Sein fluege.de-Spot wurde dort bereits mehr als 15 Mio. Mal angeschaut. Dass Unister-Chef Wagner ein Faible für Sport hat, ist schon seinen berühmten Testimonials anzusehen. Das baut er nun ergänzend offline aus – und bekommt dafür auch von Marketingprofis respektvolle Anerkennung. So kaufte der begeisterte Fußballspieler und Skifahrer Wagner im Oktober 2010 die Produktionsstätten der altehrwürdigen DDR-Sportmarke Germina auf.

Seither produziert er mit der Firma „fluege.de Sprungskiproduktions GmbH“ Ski (www.ssp-fluege.de/Flugski). Die Produktionsstätten liegen in Floh-Seligenthal, einem verschlafenen Dörfchen im Thüringer Wald. Geschäftsführer sind dort Georg Reichart und Bernhard Seidl. Über die Produktionskosten für die Flugski schweigt sich Unister aus. Doch die Financial Times Deutschland FTD schreibt: „Über Zahlen redet Wagner nicht(…). Eine Zahl ist dennoch rausgerutscht: Sein Produzent Georg Reichart hat freimütig berichtet, dass die Produktion der Ski, inklusive Spesen, bei rund 750.000 Euro im Jahr liegt“.

Besonders zur Vierschanzen-Tournee, von der ARD übertragen, fliegen seither zahlreiche Skispringer mit fluege.de-Ski. „Der Rüberflieger“ titelte denn auch am 4. Januar 2012 die Financial Times Deutschland ihren ganzseitigen Artikel zu fluege.de-Ski (Online-Quelle: ftd.de). Zitat:

„Im Oktober 2010 übernahm Wagner den Skihersteller (…). Dieter Thoma (Vierschanzen-Tournee-Gewinner) wurde als Berater verpflichtet. Dazu gewann er mit Pierre Heinrich einen exzellenten Skikonstrukteur, der Servicemann des erfolgreichen deutschen Skispringers Martin Schmitt war. Und der brachte Schmitt gleich mit (…). Die Szene hat auf die Invasion des Portalbetreibers offen reagiert. Renndirektor Walter Hofer freut das Engagement, auch weil Thoma erkannt habe, wie viel der ‚tote Sprungski‘ wert sei.“

Martin U. Müller vom Magazin DER SPIEGEL, sagte in einem Beitrag, er halte Wagners Ski-Engagement für einen genialen Marketing-Schachzug.

Bis zu neun Millionen Zuschauer schalten die Sender ARD oder ZDF bei Skisprung-Übertragungen ein. Fluege.de gelang es, den Skispringern endlich wieder alternative Bretter zu denen des Marktführers und Fast-Monopolisten, der österreichischen Firma Fischer, anzubieten. Der Vorteil von fluege.de-Ski: Während Fischer auf Massenware für die Sportler setzt, werden die fluege.de-Ski von Skibauern in Thüringen handgefertigt. Neben fluege.de-Ski, die handwerklich als die besten weltweit gehören, da die Arbeiter, die sie bauen, teils schon vor 25 Jahren zu DDR-Zeiten Ski in den gleichen Produktionshallen anfertigten, werden in Floh-Seligenthal im Thüringer Wald auch für bekannte Luxus-Sportmarken Ski produziert. Doch welche das sind, ist geheim.

Immer mehr Skispringer der Weltklasse unter Vertrag

Von Monat zu Monat wird die Liste der Top-Athleten länger, die nun mit fluege.de-Ski fliegen: Olympiasieger Stephan Hocke aus Thüringen, Team-Weltcupsieger Maximilian Mechler oder der österreichische Vierschanzentournee-Gewinner Wolfgang Loitzel. Nicht ohne Lokalpatriotismus berichtete auch die Thüringer Allgemeine Zeitung kürzlich (http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/wintersport/detail/-/specific/US-Skisprung-Star-besucht-in-Floh-Seligenthal-ihren-Ausruester-1013836045): „Weltcup-Gesamtsiegerin Sarah Hendrickson besuchte in Floh-Seligenthal den Hersteller ihrer ‚Bretter‘. Mittlerweile springen 92 Athleten auf Thüringer (fluege.de)-‚Latten‘ – neun davon fliegen regelmäßig in die Top 10 des Weltcups.“

Doch nicht nur im Ski-Zirkus mischt Unister mit: In Formel 1-TV-Übertragungen war Mitte Mai 2012 fluege.de als Werbepartner auf RTL zu sehen, zudem fördert Unister mit einer Premiumsponsorenschaft (über 50.000 Euro) den Aufstieg eines Handball-Zweitlegisten, der Männerhandballmannschaft des SC DHfK Leipzig, in die Erste Liga.

+Auszeichnungen und und Service

Unister wurde, wie zahlreiche andere Unternehmen in Deutschland, von verbraucherschutz.de mit dem verbraucherschutz.de-Empfehlungsstempel für verbraucherfreundliches Arbeiten ausgezeichnet. Weitere wichtige Auszeichnungen: Im Januar 2013 wurde das Hotelbuchungs- und Vergleichsportal Hotelreservierung.de in der Studie „Hotelportale“ des Deutschen Instituts für Service-Qualität (DISQ) in der Preisanalyse der erste Platz verliehen.

Zudem verlieh der TÜV Saarland dem Hotelbuchungsportal hotelreservierung.de in einem Test im Jahr 2011 zudem das Prädikat gut. Das Reiseportal ab-in-den-urlaub.de wurde im Oktober 2012 die Auszeichnung Service-Champion in Gold verliehen. In der Begründung hieß es, die Kunden würden einen „erlebten Kundenservice“ genießen können. Die auszeichnenden Stellen waren die Tageszeitung DIE WELT gemeinsam mit dem Analyse- und Beratungsunternehmens ServiceValue und der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Das (DISQ) vergab zudem beispielsweise im Jahr 2010 an ab-in-den-urlaub.de in der Rubrik Reiseportale und Vermittler das Siegel „Bester Internetauftritt“. Der TÜV SAARLAND wiederum vergab im Jahr 2011 im Rahmen eines Tests ebenfalls ein Siegel an ab-in-den-urlaub.de: „TÜV Service tested“ wegen hoher Kundenzufriedenheit und Datensicherheit.

Zudem gab es weitere Bewertungen, beispielsweise wurde von der Reisefachzeitschrift Clever reisen im Jahr 2009 das Prädikat gut verliehen. Wiederum der TÜV SÜD verlieh ab-in-den-urlaub.de das Siegel s@fer-shopping. Ein Siegel wurde auch von dem Analyse-Unternehmen ausgezeichnet.org verliehen – und zwar wieder an das Reisebuchungsportal ab-in-den-urlaub.de und zwar im Bereich rund um Last Minute Reisportale im Jahr 2012.

Der Finanzmarkt

Neben dem Reisebereich wächst Unister mit seinen Portalen geld.de oder kredit.de auch im Finananz- und Versicherungsbereich. Derzeit baue Unister, teilt Thomas Wagner mit, besonders Produktvergleichs-Seiten aus. Hier sollen Verbraucher neben Energie-Vergleichsrechnern für Strom und Gas auch Versicherungs-Tarifvergleiche rund um Hausratsversicherungen, Kfz-Versicherungen, Rechtschutzversicherungen, Krankenversicherungen oder Unfallversicherungen vergleichen und auf Wunsch abschließen können.

+Soziales Engagement und Jubiläum

Doch bei Unister geht es nicht nur um den Ausbau des ecommerce-Geschäftes. Auch soziale Themen gewinnen nach und nach an Gewicht. So hat Unister-Chef Thomas Wagner im Frühjahr 2012 erstmals alle Abteilungen aufgefordert, Vorschläge für sozial förderungswürdige Projekte rund um Kinder, Jugendliche, sozial Benachteiligte, Behinderte, ältere Mitmenschen oder Frauenförderung einzureichen.

Das erste Projekt setzt Unister im Sommer 2012 um: 16 Leipziger Kinder und Jugendliche eines Kinderheimes dürfen gemeinsam auf Unister-Kosten Sommerferien verbringen. Rund 4000 Euro übernehmen die Leipziger Internetentwickler. Insgesamt wolle Unister künftig jährlich mindestens 20.000 bis 30.000 Euro für soziale Projektförderung ausgeben.

Zehn Jahre Unister sind zehn Jahre Aufbauarbeit von einem der auszog, die Welt zu erobern. Doch: Wenn andere Unternehmen großartig feiern würden, so gibt es von Firmenchef Wagner zum Jubiläum bei Unister bislang noch immer keinen Termin und auch keine Freigabe zum Fest. Zwar habe man ihm, berichtet die Personalabteilung, schon vor Monaten ein Jubiläums-Logo zum 10-Jährigen vorgelegt, doch habe er bislang keine Zeit gefunden, sich darüber Gedanken zu machen.

+Über den Autor des Unister-Porträts

Wolfgang M. Seemann (54 J.), ist Medienexperte. Er arbeitete für Hörfunk und Fernsehen (u. a. NDR, BR, SWR und ZDF) ebenso wie für große Tageszeitungen (Die Welt, taz, Passauer Neue Presse etc.). Mehr als zehn Jahre war er auch Autor der Süddeutschen Zeitung und ging dann als Redakteur zur Zeitschrift Werben und Verkaufen W&V (Süddeutscher Verlag). Dort ist er seit zehn Jahren bis heute regelmäßiger Autor. Außerdem ist er Mitglied des Vorstands des Bayerischen Journalisten-Verbandes. Hier schrieb er auch jahrelang für den BJV Report. Seemann lebt als Redakteur und Publizist im oberbayerischen Freising und ist auch Chefredakteur von netz-trends.de (www.wseemann.de).

+Unister auf YouTube


http://www.youtube.com/watch?v=5czoy4mLA2s

fluege.de: Pressekonferenz in Oberstdorf

http://www.youtube.com/watch?v=ITK2E6vdcNs

fluege.de Pressekonferenz: Martin Schmitt und Stephan Hocke im Interview

http://www.youtube.com/watch?v=fHH-yQb6Dbc

Online-Business: Unister stellt sich vor

http://www.youtube.com/watch?v=AXhcTDUHvjo

Diskussion

1 Kommentar

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