Laut Bundesnetzagentur blieben Bestandskundenpreise fast stabil, dynamische Tarife wurden 7,7 Prozent teurer.
Das Wichtigste in Kürze
- Der modellierte Preis für neue Gasverträge stieg im Oktober laut Bundesnetzagentur/SMARD um rund 10,3 Prozent auf 12,5 Cent je Kilowattstunde, neue Stromverträge um rund 5,8 Prozent auf 40,87 Cent.
- Bestandskundinnen und -kunden blieben fast verschont: Beim Gas beschreibt die Bundesnetzagentur die Preise als stabil, beim Strom als „nur minimal“ gestiegen.
- Dynamische Stromtarife, die Preise direkt an der Börse weitergeben, verteuerten sich im selben Zeitraum um 7,7 Prozent auf 44,76 Cent je Kilowattstunde.
- Als Grund nennt die Bundesnetzagentur Großhandelspreise, die bei Gas seit April 2026 um rund 60 Prozent gestiegen sind – mit Verzögerung geben Lieferanten das an neue Verträge weiter.
Wer im Oktober einen neuen Strom- oder Gasvertrag abgeschlossen hat, zahlte im Marktdurchschnitt spürbar mehr als noch im September. Bestehende Verträge blieben laut Bundesnetzagentur fast unverändert.
Das geht aus der Marktdatenplattform SMARD der Bundesnetzagentur hervor, die am 5. November 2026 aktualisierte Zahlen zu Haushaltskundenpreisen veröffentlichte. Besonders auffällig: Die sonst übliche Faustregel, ein Anbieterwechsel lohne sich fast immer, trägt im Oktober 2026 im Marktdurchschnitt nicht mehr automatisch.
Die Zahlen im Detail
Für Strom weist die Bundesnetzagentur den modellierten Neukundenpreis im Oktober 2026 mit 40,87 Cent je Kilowattstunde aus, nach 38,62 Cent im September – ein Anstieg um 2,25 Cent beziehungsweise rund 5,8 Prozent. Bestandskundinnen und -kunden zahlten im Oktober im Schnitt 35,8 Cent, nur minimal mehr als zuvor. Noch stärker zeigte sich der Sprung bei dynamischen Tarifen, die den Preis viertelstündlich an der Strombörse weitergeben: Sie kosteten im Oktober 44,76 Cent je Kilowattstunde, ein Plus von 3,21 Cent oder rund 7,7 Prozent gegenüber dem Vormonat.
Beim Gas fiel der Anstieg für Neukunden mit rund 10,3 Prozent noch deutlicher aus: Der modellierte Preis kletterte von 11,33 auf 12,5 Cent je Kilowattstunde. Bestandskundenpreise nennt die Bundesnetzagentur dagegen stabil, mit 10,35 Cent im Oktober.
| Kategorie | Sept. 2026 | Okt. 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Strom, Neukunden (modelliert) | 38,62 ct/kWh | 40,87 ct/kWh | +5,8 % |
| Strom, Bestandskunden (modelliert) | – | 35,8 ct/kWh | minimal |
| Strom, dynamischer Tarif (modelliert) | ≈41,55 ct/kWh | 44,76 ct/kWh | +7,7 % |
| Gas, Neukunden (modelliert) | 11,33 ct/kWh | 12,5 ct/kWh | +10,3 % |
| Gas, Bestandskunden (modelliert) | – | 10,35 ct/kWh | stabil |
Quelle: Bundesnetzagentur/SMARD, „Haushaltskundenpreise steigen im Oktober“, 5. November 2026. Deutschland, bundesweiter Durchschnitt.
Warum Neukundenpreise stärker steigen
Die Bundesnetzagentur unterscheidet zwei Werte, die methodisch nicht dasselbe messen. Der Bestandskundenpreis stammt aus der jährlichen Monitoring-Befragung aller deutschen Strom- und Gaslieferanten, mengengewichtet nach Kundenzahl, mit Stichtag 1. April 2026 – er bildet also ab, was bereits bestehende Verträge im Frühjahr kosteten. Der Neukundenpreis dagegen ist kein Befragungsergebnis, sondern ein monatlich neu berechneter Modellwert: Die Behörde kombiniert die aus dem Monitoring bekannten Beschaffungsstrategien der Lieferanten mit den jeweils aktuellen Großhandelspreisen.
Genau dort liegt der Unterschied zum Oktober: Nach einer eigenen Einschätzung der Bundesnetzagentur vom 27. Oktober 2026 sind die Gas-Großhandelspreise seit April 2026 um rund 60 Prozent gestiegen, einhergehend mit geopolitischer Unsicherheit, unter anderem durch die Spannungen um den Iran. Bei Strom zogen im selben Zeitraum die Day-Ahead-Preise und die Notierungen am Terminmarkt an. Weil Neukundenpreise solche Bewegungen mit Verzögerung, aber zeitnäher abbilden als die einmal jährlich erhobenen Bestandskundenpreise, schlägt der Anstieg zuerst bei neuen Verträgen durch – dynamische Tarife, die stündlich oder viertelstündlich an der Börse hängen, spüren ihn am schnellsten von allen.
Netzentgelte und staatliche Umlagen erklären den Oktober-Sprung dagegen nicht: Die Stromnetzentgelte waren 2026 wegen eines Bundeszuschusses eher gesunken, Gasnetzentgelte und CO2-Abgabe zogen bereits im Januar 2026 an. Über die bundesweiten Netzentgelte für das Jahr 2027 berät derzeit der Bundestag mit Blick auf einen 5,53-Milliarden-Euro-Zuschuss – ein separater Vorgang, der erst ab 2027 wirkt.
Was das für einen Haushalt bedeutet
Die Bundesnetzagentur veröffentlicht nur Durchschnittswerte je Kilowattstunde, keine Haushaltsrechnung. Überträgt man die Oktoberwerte auf typische Verbrauchsmengen, wird der Abstand zwischen Neu- und Bestandskundenpreis konkret.
Modellrechnung: Marktdurchschnitt Neukunde gegen Bestandskunde
- Strom: Bei 2.900 Kilowattstunden Jahresverbrauch (Zwei- bis Drei-Personen-Haushalt) liegt der Unterschied zwischen dem Oktober-Neukundenpreis (40,87 ct/kWh) und dem Bestandskundenpreis (35,8 ct/kWh) bei 5,07 Cent je Kilowattstunde – macht rund 147 Euro pro Jahr beziehungsweise gut 12 Euro im Monat zusätzlich für Arbeitspreis.
- Gas: Bei 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch (Haus mit Gasheizung) beträgt der Unterschied zwischen Neukundenpreis (12,5 ct/kWh) und Bestandskundenpreis (10,35 ct/kWh) 2,15 Cent je Kilowattstunde – rund 430 Euro pro Jahr oder knapp 36 Euro im Monat.
Rechenweg: Differenz der Arbeitspreise (ct/kWh) × Jahresverbrauch (kWh), ohne Grundpreis, Steuern und individuelle Boni. Der Neukundenpreis ist ein Marktdurchschnitt aus vielen Angeboten – er sagt nichts darüber, was der günstigste einzelne Tarif gerade kostet. Keine individuelle Tarifempfehlung, keine Prognose für künftige Monate.
Die Zahlen drehen damit eine vertraute Annahme um: In den vergangenen, von sinkenden Preisen geprägten Jahren lag der Neukundentarif fast immer unter dem, was treue Bestandskundinnen und -kunden zahlten – wer nicht wechselte, zahlte drauf. Im Oktober 2026 war es im Durchschnitt umgekehrt. Das bedeutet nicht, dass sich ein Wechsel grundsätzlich nicht mehr lohnt – einzelne Anbieter können weiterhin unter dem Marktdurchschnitt liegen –, wohl aber, dass die Behauptung „wechseln lohnt sich immer“ im Oktober 2026 ohne eigenen Tarifvergleich nicht mehr trägt.
Auch Grundversorger kündigen 2027 höhere Preise an
Unabhängig von den Oktoberzahlen kündigen einzelne Grundversorger bereits Erhöhungen für das kommende Jahr an. Der baden-württembergische Energiekonzern EnBW teilte am 5. November 2026 mit, die Preise in seiner Grund- und Ersatzversorgung zum 1. Januar 2027 anzuheben: Strom um 3,3 Prozent, Gas um 8,4 Prozent. Für einen Beispielhaushalt mit 2.900 Kilowattstunden Stromverbrauch im Jahr bedeutet das nach Angaben des Unternehmens 3,40 Euro mehr im Monat, bei 20.000 Kilowattstunden Gas 17,93 Euro mehr.
Als Grund nennt EnBW gestiegene staatlich festgelegte Preisbestandteile und Netzentgelte sowie höhere Beschaffungskosten für das kommende Jahr; staatlich regulierte Abgaben, Umlagen und Steuern stiegen insgesamt um rund 23 Prozent, vor allem durch die Offshore-Netzumlage und den Aufschlag für besondere Netznutzung. Das ist ein anderer Mechanismus als der Oktober-Anstieg bei Neukundentarifen: Hier treiben Netzentgelte und Umlagen für 2027, dort aktuelle Großhandelspreise. Betroffen sind zunächst nur Kundinnen und Kunden der Grund- und Ersatzversorgung – meist Haushalte, die noch nie aktiv einen Vertrag abgeschlossen oder gewechselt haben.
Dynamische Tarife: Vorteil kippt schneller
Besonders deutlich zeigt der Oktober-Sprung bei dynamischen Tarifen, wie unmittelbar sich Großhandelspreise inzwischen auf Haushalte auswirken. Seit 1. Januar 2025 müssen alle Stromanbieter mit mehr als 200.000 Kundinnen und Kunden einen dynamischen Tarif anbieten, dessen Preis sich stündlich oder viertelstündlich am Börsenpreis orientiert. In Phasen fallender Großhandelspreise profitieren Haushalte, die ihren Verbrauch zeitlich verschieben können, besonders stark – im Oktober 2026 zeigte sich die Kehrseite: Der Anstieg um 7,7 Prozent fiel stärker aus als bei festen Neukundentarifen, weil hier keine Verzögerung durch Beschaffungsstrategien abfedert.
Checkliste vor dem Anbieterwechsel
- Mehrere Vergleichsportale nutzen statt nur das erstbeste Angebot zu übernehmen – die Bundesnetzagentur-Zahlen sind Durchschnittswerte, einzelne Tarife können darunter liegen.
- Grund- und Arbeitspreis zusammen vergleichen, nicht nur einen Neukundenbonus im ersten Jahr.
- Vor dem Wechsel beim bisherigen Versorger nach dem aktuell gültigen Bestandskundentarif fragen – er kann günstiger sein als ein neues Angebot.
- Vertragslaufzeit, Kündigungsfrist und etwaige Preisgarantien genau lesen, bevor man unterschreibt.
- Bei dynamischen Tarifen nur wechseln, wenn sich der eigene Verbrauch tatsächlich zeitlich verschieben lässt – sonst wirkt sich ein Preissprung wie im Oktober ungebremst aus.
- Vor der Unterschrift prüfen, ob der neue Anbieter finanziell solide wirkt – Lieferstopps einzelner Anbieter wie zuletzt bei grüüün zeigen die Risiken eines unüberlegten Wechsels.
Wer unsicher ist, findet bei den Verbraucherzentralen der Länder eine kostenlose Erstberatung zum eigenen Tarif.
Häufige Fragen
Warum stiegen Neukundenpreise im Oktober stärker als Bestandskundenpreise?
Weil Neukundenpreise ein monatlich aktualisierter Modellwert aus aktuellen Großhandelspreisen sind, während Bestandskundenpreise aus einer jährlichen Befragung mit Stichtag 1. April 2026 stammen. Gas-Großhandelspreise sind laut Bundesnetzagentur seit April 2026 um rund 60 Prozent gestiegen, was sich in Neuverträgen schneller niederschlägt.
Was genau ist ein „modellierter Neukundenpreis“?
Die Bundesnetzagentur berechnet ihn monatlich, indem sie die aus dem jährlichen Lieferanten-Monitoring bekannten Beschaffungsstrategien mit den aktuellen Großhandelspreisen kombiniert. Es handelt sich um einen Marktdurchschnitt, nicht um den günstigsten verfügbaren Einzeltarif.
Lohnt sich ein Anbieterwechsel jetzt trotzdem?
Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Im Marktdurchschnitt lagen Neukundenpreise im Oktober 2026 über dem, was Bestandskundinnen und -kunden zahlten – einzelne Tarife können aber weiterhin günstiger sein als der eigene Bestandsvertrag. Ein eigener Vergleich über mehrere Portale bleibt deshalb nötig.
Warum legten dynamische Stromtarife besonders stark zu?
Dynamische Tarife geben den Börsenpreis stündlich oder viertelstündlich direkt weiter, ohne die Verzögerung, die bei anderen Neukundentarifen durch Beschaffungsstrategien der Lieferanten entsteht. Steigt der Großhandelspreis, zeigt sich das bei ihnen am schnellsten.
Haben Sie kürzlich Ihren Strom- oder Gasanbieter gewechselt oder einen neuen Vertrag abgeschlossen? Schreiben Sie uns in den Kommentaren, ob sich der Vergleich für Sie gelohnt hat.
Quellen und Stand
- Bundesnetzagentur/SMARD: Haushaltskundenpreise steigen im Oktober, 5. November 2026.
- Bundesnetzagentur/SMARD: Einzelhandelsdaten Strom und Gas, Stand 27. Oktober 2026.
- EnBW Energie Baden-Württemberg AG: Mitteilung zur Preisanpassung in der Grund- und Ersatzversorgung zum 1. Januar 2027, Stuttgart, 5. November 2026 (dokumentiert bei ariva.de).
- NETZ-TRENDS: Netzentgelte 2027: Bundestag hört Experten zum 5,53-Milliarden-Zuschuss für Stromnetze, 6. November 2026.
Recherche- und Datenstand: 6. November 2026.
Transparenz: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz recherchiert und formuliert und ist zur menschlichen redaktionellen Prüfung vorgesehen.
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