Die Speicher sollten zum 1. November 70 Prozent erreichen; neue Gasverträge kosten laut BDEW inzwischen 12,23 Cent pro Kilowattstunde

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschlands Gasspeicher waren am 5. November 2026 laut Bundesnetzagentur zu 60,6 Prozent gefüllt (149,8 Terawattstunden) – die Vorgabe zum 1. November lag bei rund 70 Prozent im bundesweiten Schnitt.
  • Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung trotzdem als gering ein; der Speicherverband Ines warnt dagegen vor einem dünnen Sicherheitspuffer für Februar und März.
  • Neue Gasverträge für ein Einfamilienhaus kosten 2026 im Schnitt 12,23 Cent je Kilowattstunde – nach Angaben des Branchenverbands BDEW mehr als im Vorjahr.

Deutschlands Gasspeicher haben ihr Füllziel zum 1. November verfehlt: Statt der im bundesweiten Schnitt vorgesehenen rund 70 Prozent waren sie nach Angaben der Bundesnetzagentur nur zu 60,6 Prozent gefüllt. Die Behörde hält die Versorgung dennoch für gesichert, während Speicherbetreiber vor einem knappen Puffer für das späte Winterhalbjahr warnen.

Für Haushalte kommt die Nachricht zu einem Zeitpunkt, an dem auch die Gaspreise für Neuverträge bereits gestiegen sind. Wer jetzt einen Vertrag abschließt oder verlängert, trifft auf ein Jahr, in dem beide Werte – Speicherfüllstand und Einkaufspreis – in dieselbe, für Kundschaft ungünstige Richtung zeigen.

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Warum es zum 1. November eine Vorgabe gibt

Seit der Gaskrise 2022 schreibt das deutsche Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) in Paragraf 35b feste Füllstandsvorgaben für Gasspeicher vor, damit Deutschland mit ausreichend Reserve in den Winter startet. Das Bundeswirtschaftsministerium kann davon abweichende Zieldaten und -werte per Verordnung festlegen, ohne dass der Bundesrat zustimmen muss.

Für den Winter 2026/27 gilt laut der Bundesnetzagentur für die meisten deutschen Speicheranlagen zum 1. November ein Zielwert von 80 Prozent. Sechs Anlagen mit geringerer Bedeutung für die Versorgungssicherheit – darunter die Standorte Rehden, Bad Lauchstädt und Frankenthal – müssen nur 45 Prozent erreichen. Gewichtet ergibt das einen bundesweiten Zielkorridor von rund 70 Prozent. Sanktionen sieht das Gesetz bei einer verfehlten Vorgabe nicht vor.

60,6 statt 70 Prozent: die Lücke im Detail

Nach der jüngsten Einschätzung der Bundesnetzagentur lag der deutsche Gasspeicher-Füllstand am 5. November 2026 bei 60,6 Prozent, umgerechnet 149,8 Terawattstunden Arbeitsgas. Die Behörde selbst weist darauf hin, dass der Wert deutlich unter dem Niveau vergleichbarer Vorjahreszeiträume liegt.

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Grund für die Lücke ist nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vor allem die Preisentwicklung im Großhandel: Der Konflikt um den Iran und die zeitweise Sperrung der Straße von Hormus trieben die europäischen Gas-Einkaufspreise deutlich nach oben, wodurch das Einspeichern von Sommergas für die Speicherbetreiber unwirtschaftlicher wurde als in ruhigeren Jahren. Die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche (CDU), hatte das staatliche Energieunternehmen Sefe nach Angaben ihres Ministeriums deshalb bereits Ende September angewiesen, zusätzliches Gas einzuspeichern.

Kennzahl Vorgabe 1.11.2026 Ist-Stand 5.11.2026
Füllstand, bundesweiter Schnitt rund 70 % 60,6 %
Arbeitsgas in den Speichern k. A. 149,8 TWh
Standardspeicher (z. B. Rehden) 80 % k. A.
Sechs Anlagen mit Sonderstatus 45 % k. A.

Quelle: Bundesnetzagentur, Stand 5. November 2026; Zielwerte nach Gasspeicher-Verordnung auf Grundlage von § 35b EnWG. Deutschland.

Was Bundesnetzagentur und Speicherbranche sagen

Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten deutschen Gasversorgung nach eigenen Angaben aktuell als gering ein. Die Behörde verweist darauf, dass Versorgungssicherheit nicht allein vom Speicherfüllstand abhängt, sondern von Pipeline-Importen, Flüssigerdgas-Terminals (LNG) und dem tatsächlichen Verbrauch zusammen. Die bundesweite Frühwarnstufe des Gasnotfallplans gilt nach Angaben der Behörde bereits seit Juli 2025, die höhere Alarmstufe wurde zuvor aufgehoben.

Aus der Speicherbranche kommt eine vorsichtigere Einschätzung:

„Ein ernst zu nehmendes Warnsignal.“

Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (Ines)

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Heinermann vertritt mit der Ines die deutschen Speicherbetreiber, darunter Sefe, Uniper und VNG. Er weist darauf hin, dass Deutschland mit kleineren Reserven in die Heizperiode startet und die Verwundbarkeit bei einem langen, kalten Winter oder bei gestörten Importen wächst – Probleme könnten sich demnach vor allem im Februar und März zeigen, wenn die Speicher ohnehin ihren Jahrestiefstand erreichen.

Der Verband Gas- und Wasserwirtschaft sieht die verfehlte Vorgabe dagegen gelassener: Nach seiner Darstellung hat das Verfehlen keine unmittelbaren Folgen, weil das Gesetz keine Sanktionen kennt, und die Speicher enthielten mit rund 150 Terawattstunden deutlich mehr Gas, als im vergangenen Winter insgesamt entnommen worden sei. Zwei Fachleute derselben Branche kommen damit zu unterschiedlichen Einschätzungen desselben Zahlenwerks – ein Hinweis darauf, dass die Lage selbst unter Experten als unsicher gilt.

Was das für die Heizkostenrechnung bedeutet

Für neue Gasverträge ist der Preis 2026 nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bereits gestiegen. Für ein Einfamilienhaus liegt der durchschnittliche Preis eines neu abgeschlossenen Vertrags demnach bei 12,23 Cent je Kilowattstunde, für eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus bei 11,67 Cent. Beide Werte liegen laut BDEW über dem Vorjahresniveau; einen genauen Vorjahreswert nennt der Verband in seiner aktuellen Auswertung nicht. Nach eigenen Angaben des Verbands war die Beschaffung im Januar 2026 noch so günstig wie zuletzt 2021, bevor der Krieg um den Iran die Großhandelspreise nach oben trieb.

Der Brancheninformationsdienst BDEW aktualisiert seine wöchentliche Markteinschätzung nach eigenen Angaben jeden Dienstag und notiert für die laufende Woche weiterhin hohe und schwankende Großhandelspreise bei Gas und Strom – neu abgeschlossene Haushaltsverträge würden dieses höhere Preisniveau zunehmend widerspiegeln.

Modellrechnung: Gaskosten für ein Einfamilienhaus

  • Verbrauch: 20.000 Kilowattstunden pro Jahr (typischer Richtwert für ein freistehendes Einfamilienhaus)
  • Arbeitspreis Neuvertrag 2026: 12,23 Cent je Kilowattstunde laut BDEW
  • Rechenweg: 20.000 kWh × 0,1223 € = rund 2.446 Euro pro Jahr, ohne Grundpreis und ohne eventuelle Rabatte oder Boni

Eigene Modellrechnung von NETZ-TRENDS auf Basis der BDEW-Daten, keine Prognose. Der tatsächliche Betrag hängt vom gewählten Anbieter, vom Grundpreis und vom individuellen Verbrauch ab.

Wie groß der Unterschied zwischen einem neuen Vertrag und der Grundversorgung ausfallen kann, zeigt die Erfahrung aus früheren Monaten: Verivox bezifferte den Aufschlag der Grundversorgung gegenüber günstigen Neukundentarifen zuletzt auf rund 1.100 Euro im Jahr bei vergleichbarem Verbrauch. Ein Vergleich lohnt sich also unabhängig von der aktuellen Speicherlage.

Was Haushalte jetzt prüfen können

Checkliste vor dem Gasvertrag

  • Läuft der bestehende Vertrag noch mit einer festen Preisgarantie, oder steht in Kürze eine Verlängerung oder ein automatischer Wechsel in die Grundversorgung an?
  • Liegt der eigene Tarif in der teureren Grundversorgung? Ein Vergleichsrechner zeigt, wie groß der Abstand zu Neukundentarifen aktuell ist.
  • Wie lang ist die angebotene Preisgarantie? Verivox-Energieexperte Thorsten Storck empfahl zuletzt eine Garantie von mindestens zwölf Monaten, solange die Großhandelspreise schwanken.
  • Wie hoch ist die Kündigungsfrist des neuen Vertrags, und passt sie zum eigenen Zeitplan für die Heizperiode?

Keiner dieser Punkte hängt unmittelbar am Füllstand der Speicher – sie gelten in jedem Winter. Die aktuelle Lage macht sie nur dringlicher, weil sowohl die Großhandelspreise als auch die Versorgungslage selbst unter Fachleuten unterschiedlich bewertet werden.

Sicherheitsnetz oder Preistreiber?

Das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur stellen übereinstimmend heraus, dass Deutschland den Winter nach ihrer Einschätzung gut übersteht. Der energiepolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Michael Kellner, wirft der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche (CDU), dagegen eine unzureichende Vorbereitung vor und fordert einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien. Beide Seiten stützen sich auf dieselben Füllstandszahlen – sie ziehen daraus nur unterschiedliche Schlüsse.

Offen bleibt in den amtlichen Stellungnahmen, wie stark ein kalter Februar oder eine neue Importstörung die Lage tatsächlich verändern würde; eine belastbare Zahl dazu nennt bislang keine der zitierten Stellen. Belegbar ist dagegen ein bereits angekündigter nächster Schritt: Die Bundesregierung plant ab 2027 eine nationale Gasreserve von rund 24 Terawattstunden, etwa zehn Prozent der gesamten deutschen Speicherkapazität. Finanziert werden soll sie über eine Umlage, die laut den vorliegenden Berichten über mehrere Jahre aufgebaut wird und am Ende auf den Rechnungen privater und gewerblicher Gaskunden auftaucht – nach dem bisherigen Entwurf gedacht als Vorsorge für Krisen, Sabotage und seltene Großschadensereignisse, nicht für den gewöhnlichen Winterbetrieb.

Häufige Fragen

Welche Füllstandsvorgabe hat Deutschland zum 1. November 2026 verfehlt?

Die meisten deutschen Gasspeicher sollten 80 Prozent erreichen, sechs Anlagen mit geringerer Bedeutung 45 Prozent. Im bundesweiten Schnitt ergibt das einen Zielkorridor von rund 70 Prozent. Tatsächlich erreicht wurden laut Bundesnetzagentur 60,6 Prozent, Stand 5. November 2026.

Drohen Versorgungsengpässe im Winter 2026/27?

Die Bundesnetzagentur schätzt das Risiko einer angespannten Versorgung aktuell als gering ein. Der Speicherverband Ines warnt dagegen vor einem dünneren Sicherheitspuffer, falls der Winter lang und kalt wird oder Importe ausfallen. Eine Behörde mit Sanktionsbefugnis bei verfehlten Zielen gibt es nicht.

Werden Gasverträge jetzt automatisch teurer?

Bestehende Verträge mit Preisgarantie sind zunächst geschützt. Neu abgeschlossene Verträge kosten laut BDEW-Daten 2026 im Schnitt bereits mehr als 2025 – für ein Einfamilienhaus 12,23 Cent je Kilowattstunde.

Lohnt sich ein Anbieterwechsel trotz der unsicheren Lage?

Ja, ein Vergleich bleibt sinnvoll: Die teurere Grundversorgung lag zuletzt mehrere Hundert Euro über günstigen Neukundentarifen. Wichtig ist dabei die Länge der Preisgarantie, nicht nur der Startpreis.

Wie gehen Sie mit der Unsicherheit bei den Gaspreisen um – wechseln Sie den Anbieter, oder bleiben Sie bei Ihrem bestehenden Vertrag? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen und Stand

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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