Konzernweit drehte der Cashflow wegen der KI-Investitionen ins Minus, zugleich fließen 4,8 Milliarden Euro in den AWS-Ausbau in Frankfurt
Das Wichtigste in Kürze
- Amazons Cloud-Sparte AWS wuchs im dritten Quartal 2026 um 39 Prozent auf 46,0 Milliarden Dollar Umsatz – das schnellste Wachstum seit Jahren.
- Der freie Cashflow des Gesamtkonzerns drehte wegen hoher KI-Investitionen von plus 14,8 Milliarden auf minus 42,4 Milliarden Dollar binnen zwölf Monaten.
- Amazon steckt laut eigener Ankündigung vom 20. Oktober 2026 mehr als 16 Milliarden Euro in Deutschland für 2027, davon 4,8 Milliarden Euro in den Ausbau der AWS-Region Frankfurt.
Amazon hat am Donnerstagabend die Zahlen für das dritte Quartal 2026 vorgelegt: Die Cloud-Sparte AWS wuchs so stark wie seit Jahren nicht mehr, konzernweit drehte der freie Cashflow wegen hoher KI-Investitionen jedoch von einem positiven Vorjahreswert ins deutliche Minus. An der Börse reagierte der Aktienkurs nach US-Börsenschluss mit einem Rückgang.
Der Nettoumsatz des Konzerns stieg im Quartal bis zum 30. September 2026 um 12 Prozent auf 201,9 Milliarden Dollar, wie Amazon in seiner Pressemitteilung zum dritten Quartal 2026 bekanntgab. Ohne Wechselkurseffekte lag das Wachstum bei 13 Prozent. Das operative Ergebnis kletterte von 17,4 auf 28,1 Milliarden Dollar.
Die Zahlen des Quartals im Überblick
Der Nettogewinn fiel mit 20,7 Milliarden Dollar leicht niedriger aus als im Vorjahresquartal mit 21,2 Milliarden Dollar. Das Ergebnis je Aktie lag bei 1,89 Dollar nach 1,95 Dollar im dritten Quartal 2025. Nach Angaben des Finanzdienstes Yahoo Finance hatten Fachleute im Schnitt mit 1,97 Dollar je Aktie gerechnet und einem Umsatz von 202,25 Milliarden Dollar – beide Werte verfehlte Amazon knapp.
| Kennzahl | Q3 2025 | Q3 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Konzernumsatz | 180,2 Mrd. $ | 201,9 Mrd. $ | +12 % |
| AWS-Umsatz | 33,1 Mrd. $ | 46,0 Mrd. $ | +39 % |
| Operatives Ergebnis, Konzern | 17,4 Mrd. $ | 28,1 Mrd. $ | +62 % |
| Nettogewinn | 21,2 Mrd. $ | 20,7 Mrd. $ | −2 % |
| Ergebnis je Aktie | 1,95 $ | 1,89 $ | −3 % |
| Freier Cashflow (12 Monate) | +14,8 Mrd. $ | −42,4 Mrd. $ | k. A. |
Quelle: Amazon.com, Pressemitteilung zum dritten Quartal 2026, veröffentlicht am 29. Oktober 2026.
Weltweit beschäftigte Amazon zum Stichtag 30. September 2026 rund 1.638.000 Menschen in Vollzeit und Teilzeit. Das internationale Segment außerhalb Nordamerikas – darunter auch das Europageschäft – wuchs um 5 Prozent auf 43,1 Milliarden Dollar Umsatz und erzielte ein operatives Ergebnis von 1,6 Milliarden Dollar nach 1,2 Milliarden Dollar im Vorjahr.
AWS wächst so stark wie seit Jahren nicht
Der eigentliche Treiber des Quartals ist Amazon Web Services. Die Cloud-Sparte, über die Unternehmen weltweit Rechenleistung, Speicherplatz und KI-Dienste mieten, erzielte ein operatives Ergebnis von 17,8 Milliarden Dollar – mehr als die Hälfte des gesamten Konzerngewinns. Auf das Jahr hochgerechnet liegt der AWS-Umsatz nach Konzernangaben bei rund 184 Milliarden Dollar.
Amazon selbst führt das Wachstum auf die Nachfrage nach KI-Infrastruktur zurück: Unternehmen mieten über AWS zunehmend spezialisierte Chips und Rechenkapazität, um eigene KI-Modelle zu trainieren und zu betreiben.
Woher das Geld für die KI-Investitionen kommt
Um diese Nachfrage zu bedienen, baut Amazon seine Rechenzentren in einem Tempo aus, das sich direkt in der Bilanz zeigt. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Konzern laut eigener Mitteilung mit Investitionsausgaben (Cash Capex) von rund 220 Milliarden Dollar. Auf Zwölfmonatsbasis summierten sich die Bruttoinvestitionen in Sachanlagen bereits auf 215,2 Milliarden Dollar.
Die Folge: Der freie Cashflow – also das Geld, das nach laufenden Kosten und Investitionen tatsächlich übrig bleibt – drehte von plus 14,8 Milliarden Dollar vor einem Jahr auf minus 42,4 Milliarden Dollar. Das ist kein Zeichen einer Krise, sondern die unmittelbare Folge der KI-Investitionen: Amazon gibt derzeit mehr Geld für neue Rechenzentren, Server und Chips aus, als das laufende Geschäft einbringt.
Was „freier Cashflow“ bedeutet
Der freie Cashflow zeigt, wie viel Geld nach Betriebskosten und Investitionen tatsächlich in der Kasse bleibt. Ein negativer Wert heißt nicht automatisch Verlust – Amazon ist weiterhin profitabel –, sondern dass mehr investiert als eingenommen wird. Entscheidend ist, ob sich diese Investitionen später auszahlen.
Die Aktie reagiert nachbörslich
An der Technologiebörse Nasdaq fiel die Amazon-Aktie laut Kursdaten von Yahoo Finance im nachbörslichen US-Handel um 16:35 Uhr Ostküstenzeit (22:35 Uhr deutscher Zeit) um 5,03 Prozent auf 231,52 Dollar, verglichen mit dem regulären Schlusskurs von 243,79 Dollar. Als Hauptgrund gilt die Prognose für das operative Ergebnis im vierten Quartal, die mit einer Mitte von rund 31 Milliarden Dollar unter den von Fachleuten erwarteten 32,99 Milliarden Dollar liegt. Hinzu kommt, dass sowohl der Umsatz als auch der Gewinn je Aktie knapp unter den Erwartungen blieben.
Kurzfristig wiegt die vorsichtige Prognose für die Finanzmärkte offenbar schwerer als das beschleunigte AWS-Wachstum. Ob sich die hohen Investitionen in KI-Rechenzentren langfristig auszahlen, lässt sich aus einem einzelnen Quartal nicht ablesen.
Was die Zahlen für Deutschland bedeuten
Ein Teil der milliardenschweren Investitionen fließt nach Deutschland. Amazon hatte bereits am 20. Oktober 2026 beim „Invest in Germany Summit“ der Bundesregierung in Berlin angekündigt, im Jahr 2027 mehr als 16 Milliarden Euro in Deutschland zu investieren – laut Pressemitteilung von Amazon Deutschland der bislang größte Einzeljahresbetrag seit dem Markteintritt 2010. Allein 4,8 Milliarden Euro davon sind für den Ausbau der AWS-Region Europa (Frankfurt) vorgesehen, über die auch viele deutsche Unternehmen ihre Cloud-Dienste beziehen.
„Deutschland ist ein Zentrum für Innovation und einer der attraktivsten Investitionsstandorte Europas.“
David Zapolsky, Chief Global Affairs and Legal Officer, Amazon
Die deutsche Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, wertete die Ankündigung als Signal für den Industriestandort:
„Amazons Investition ist ein klares Vertrauensvotum für den Zukunftsstandort Deutschland.“
Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie
Amazon beziffert die unbefristeten Arbeitsplätze in Deutschland weiterhin mit mehr als 40.000, davon rund 3.000 bei AWS. Durch bereits angekündigte Logistikprojekte in Bad Hersfeld, Dortmund, Werne, Koblenz, Pforzheim, Rheinberg, Zweibrücken und Könnern sollen mehr als 3.000 weitere Stellen entstehen. In Berlin entsteht zudem ein zweites Forschungslabor für Robotik und Künstliche Intelligenz. Wie viele der 16 Milliarden Euro konkret auf Logistik, das neue Forschungslabor oder auf mehr als 15 geplante Prime-Video-Produktionen in Deutschland entfallen, beziffert Amazon nicht – nur der AWS-Anteil ist genannt.
Seit dem Markteintritt 2010 hat Amazon nach eigenen Angaben insgesamt mehr als 100 Milliarden Euro in Deutschland investiert.
Auch abseits der Bilanz war Amazon zuletzt in Deutschland präsent: Erst am Mittwoch brachte der Konzern fünf neue Echo-Lautsprecher auf den deutschen Markt, und erst vor wenigen Tagen musste Amazon nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs eine umstrittene Preisklausel bei Prime aus dem Jahr 2022 fallen lassen.
Ausblick auf das vierte Quartal
Für das laufende vierte Quartal 2026 rechnet Amazon mit einem Nettoumsatz zwischen 240,0 und 247,0 Milliarden Dollar, ein Plus von 12 bis 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Beim operativen Ergebnis erwartet der Konzern eine Spanne von 28,5 bis 33,5 Milliarden Dollar, nach 25,0 Milliarden Dollar im vierten Quartal 2025. Die Zahlen für das vierte Quartal und damit auch für das für den deutschen Einzelhandel wichtige Weihnachtsgeschäft veröffentlicht Amazon nach eigener Ankündigung Anfang Februar 2027.
Häufige Fragen
Warum ist die Amazon-Aktie trotz guter Zahlen gefallen?
Weil die Prognose für das operative Ergebnis im vierten Quartal unter den Erwartungen der Finanzmärkte lag und sowohl der Umsatz als auch der Gewinn je Aktie die Schätzungen knapp verfehlten. Die hohen Investitionsausgaben für KI-Rechenzentren verstärken diese Skepsis zusätzlich.
Was bedeutet ein negativer freier Cashflow für Amazon?
Er zeigt, dass der Konzern derzeit mehr Geld in neue Rechenzentren, Server und Chips investiert, als das laufende Geschäft einbringt. Amazon bleibt dabei weiterhin profitabel – der Nettogewinn lag im Quartal bei 20,7 Milliarden Dollar.
Wie viel investiert Amazon konkret in Deutschland?
Mehr als 16 Milliarden Euro im Jahr 2027, davon 4,8 Milliarden Euro für den Ausbau der AWS-Region Frankfurt. Die übrigen rund 11,2 Milliarden Euro verteilen sich unter anderem auf Logistik, ein Forschungslabor in Berlin und Prime-Video-Produktionen, ohne dass Amazon dafür einzelne Beträge nennt.
Wie viele Menschen beschäftigt Amazon in Deutschland?
Nach eigenen Angaben mehr als 40.000 in unbefristeten Stellen, davon rund 3.000 bei AWS. Durch neue Logistikprojekte sollen mehr als 3.000 weitere Arbeitsplätze hinzukommen.
Wie bewerten Sie die Milliardeninvestitionen von Amazon in deutsche Rechenzentren und Logistik – wichtiger Standortvorteil oder Abhängigkeit von einem einzelnen US-Konzern? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen und Stand
- Amazon.com, Inc.: Pressemitteilung zum dritten Quartal 2026, 29. Oktober 2026
- Amazon Deutschland: Pressemitteilung zum „Invest in Germany Summit“, 20. Oktober 2026
- Yahoo Finance: Kursdaten und Erwartungswerte zu den Q3-2026-Zahlen
Recherche- und Datenstand: 29. Oktober 2026, 23 Uhr.
KI-Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.