Der GDV nennt Offenbach, Gelsenkirchen und Berlin als Bezirke mit der schlechtesten Schadenbilanz – was das für den Beitrag heißt
Das Wichtigste in Kürze
- Für fast zehn Millionen Versicherte ändert sich 2027 die Regionalklasse: In der Kfz-Haftpflicht werden nach GDV-Angaben rund 5,2 Millionen besser und rund 4,8 Millionen schlechter eingestuft.
- Die schlechteste Schadenbilanz hat laut GDV erneut Offenbach (fast 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt), gefolgt von Gelsenkirchen und Berlin; die beste der Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg (rund 33 Prozent darunter).
- Die Statistik ist für Versicherer unverbindlich. Wie stark sich eine neue Klasse auf den Beitrag auswirkt, nennt der GDV nicht.
Wo ein Auto in Deutschland zugelassen ist, beeinflusst, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) es einstuft. Der Verband hat die Regionalklassen für 2027 berechnet: Für fast zehn Millionen Versicherte ändert sich die Einstufung in der Kfz-Haftpflicht, bei der Kasko trifft es jeweils rund 2,4 Millionen nach oben und nach unten.
Im Mittelpunkt steht die Frage, die sich daraus für Haushalte in Deutschland ergibt: Zahle ich 2027 mehr, weil mein Auto in einem anderen Bezirk als vor einem Jahr eingeordnet wird? Die Statistik gibt darauf keine Euro-Antwort, aber sie zeigt, welche Regionen sich verschieben und wo die Unterschiede am größten sind.
Wie viele Versicherte neu eingestuft werden
Der GDV wertet nach eigenen Angaben jedes Jahr die Schäden in 413 Zulassungsbezirken aus. Entscheidend sei laut Verband nicht, wo ein Schaden entstanden ist, sondern wo das Auto zugelassen ist. In der Kfz-Haftpflicht ergibt sich daraus nach GDV-Angaben:
- Besser eingestuft: rund 5,2 Millionen Versicherte in 63 Zulassungsbezirken.
- Schlechter eingestuft: rund 4,8 Millionen Versicherte in 46 Zulassungsbezirken.
- Unverändert: 304 Bezirke mit mehr als 32 Millionen Versicherten.
In der Voll- und Teilkasko bleiben nach GDV-Angaben rund 33 Millionen Versicherte in ihrer bisherigen Klasse. Rund 2,4 Millionen werden höher und rund 2,4 Millionen niedriger eingestuft.
Offenbach vorn, Berlin auf Platz drei
„Die schlechteste Schadenbilanz hat erneut Offenbach“, heißt es in der GDV-Medieninformation. Dort liegen die Schäden nach Verbandsangaben fast 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Es folgen Gelsenkirchen und Berlin. Am anderen Ende steht der Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg, dessen Schäden rund 33 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt liegen.
GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen sagt dazu: „Besonders Großstädte schneiden häufig schlechter ab als ländliche Regionen.“ Die Tabelle zeigt, wie weit die Klassen in den drei Sparten auseinanderliegen.
| Sparte | Klassen | Bundesdurchschnitt | Niedrigste Klasse | Höchste Klasse |
|---|---|---|---|---|
| Kfz-Haftpflicht | 12 | Klasse 6 | Elbe-Elster: Klasse 1 (Index 67,32) | Offenbach: Klasse 12 (Index 139,44) |
| Vollkasko | 9 | Klasse 4 | Wesermarsch (Brake): Klasse 1 (Index 79,87) | Garmisch-Partenkirchen: Klasse 9 (Index 150,55) |
| Teilkasko | 16 | Klasse 7 | Bielefeld: Klasse 1 (Index 61,97) | Ostallgäu: Klasse 16 (Index 228,35) |
Auffällig ist die Spannweite in der Teilkasko: Sie reicht in der Statistik von Klasse 1 (Bielefeld, Index 61,97) bis Klasse 16 (Ostallgäu, Index 228,35). Die Haftpflicht ist mit zwölf Klassen deutlich enger gefasst. Warum einzelne Bezirke so liegen, erklärt der GDV in seiner Medieninformation nicht; Rückschlüsse auf Ursachen wären Spekulation.
Unverbindlich, aber nicht folgenlos
Die Regionalstatistik ist laut GDV für Versicherungsunternehmen unverbindlich. Sie kann nach Verbandsangaben ab sofort für Neuverträge und für bestehende Verträge ab dem nächsten Versicherungsjahr angewendet werden. Ob und wie stark ein Anbieter sie in den Beitrag übernimmt, entscheidet jedes Unternehmen selbst. Die Regionalklasse ist zudem nur ein Faktor neben Typklasse, Fahrleistung und Reparaturkosten.
Einordnung: Was die GDV-Mitteilung offenlässt
Die Medieninformation beziffert nicht, wie viele Euro Jahresbeitrag eine Klasse Unterschied ausmacht, und sagt nicht, wie viele Versicherer die neuen Klassen tatsächlich übernehmen. Wer wissen will, was die Änderung für den eigenen Vertrag bedeutet, kommt um die Mitteilung des Versicherers oder ein Vergleichsangebot für das eigene Fahrzeug nicht herum.
Zusammenspiel mit Typklasse und Stichtag
Neben der Regionalklasse gehört die Typklasse des Modells zu den Merkmalen, nach denen Versicherer den Beitrag berechnen. Zu den Typklassen 2027 hat der GDV am 30. September mitgeteilt, dass sich für mehr als zwölf Millionen Versicherte die Haftpflicht-Klasse ändert (rund 7,4 Millionen höher, rund 5,1 Millionen niedriger); Details dazu stehen in unserem Beitrag zu den Typklassen 2027. Wie stark Reparaturkosten die Beiträge treiben, hat NETZ-TRENDS am 12. Oktober anhand von GDV-Zahlen zu Ersatzteilpreisen aufgegriffen.
Für alle, die zum Jahresende wechseln wollen, bleibt der Stichtag: Nach Darstellung der Stiftung Warentest in ihrem Ratgeber „Kfz-Versicherung wechseln – so geht’s“ (Stand 4. November 2025) muss die ordentliche Kündigung bei Verträgen zum Jahresende spätestens am 30. November beim Versicherer sein. Dieses Jahr fällt der 30. November auf einen Montag, eine Verlängerung durch ein Wochenende gibt es also nicht. Kasko-Versicherer dürfen laut dem Ratgeber Anträge ablehnen, in der Haftpflicht müssen sie den gesetzlichen Mindestschutz anbieten; der Ratgeber empfiehlt deshalb, zuerst einen neuen Vertrag zu sichern und erst danach zu kündigen. Das genaue Vertragsende steht in der eigenen Police.
Praxishinweis: Das lässt sich jetzt prüfen
- Zulassungsbezirk des eigenen Autos mit der GDV-Regionalklassenliste vergleichen.
- Im Versicherungsschein nachsehen, wann der Vertrag endet und welche Klassen eingetragen sind.
- Mitteilung des Versicherers zum Jahreswechsel abwarten und mit dem Vorjahresbeitrag vergleichen.
- Angebote für das gleiche Fahrzeug, die gleiche Fahrleistung und den gleichen Schadenfreiheitsrabatt einholen.
Wie geht es weiter?
Nach Angaben des GDV gelten die neuen Klassen für Neuverträge sofort und für laufende Verträge ab dem nächsten Versicherungsjahr. Bei Verträgen, die zum Jahresende enden, ist das der 1. Januar 2027. Welche Beiträge die Versicherer daraus ableiten, zeigt sich erst mit den Mitteilungen zum Jahreswechsel.
Welche Erfahrungen haben Sie mit der Einstufung Ihres Autos gemacht – und haben Sie schon ein Angebot für 2027 eingeholt? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- GDV: „Deutschlandweit neue Regionalklassen für fast zehn Millionen Autofahrende“, Medieninformation (Seitenstand 9. September 2026)
- GDV: „Neue Typklassen für über 12 Millionen Autofahrer“, Medieninformation (Seitenstand 30. September 2026)
- Stiftung Warentest: Ratgeber „Kfz-Versicherung wechseln – so geht’s“, Stand 4. November 2025
- NETZ-TRENDS: Kfz-Typklassen 2027 und Autoersatzteile laut GDV
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.