Das Wichtigste in Kürze
- Die deutsche Bundesanstalt für Gewässerkunde hat am 23. September 2026 um 7 Uhr eine neue Vorhersage für den Rheinpegel Kaub herausgegeben: Für Donnerstag stehen dort Werte zwischen 12 und 8 Zentimetern, für Sonntag 6 Zentimeter.
- Gemessen wurden am Mittwoch um 9 Uhr 12 Zentimeter. Sechs von acht abgefragten deutschen Rheinpegeln lagen zu diesem Zeitpunkt unter dem Wert, den die deutsche Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung als niedrigsten bekannten Wasserstand führt.
- Aus den amtlichen Kennwerten errechnet sich für Kaub derzeit eine Fahrrinnentiefe von rund 1,25 Metern statt der 1,90 Meter, die dort beim gleichwertigen Wasserstand vorgehalten werden.
Am Mittwochmorgen um 7 Uhr hat die deutsche Bundesanstalt für Gewässerkunde ihre Wasserstandsvorhersage für den Pegel Kaub am Mittelrhein neu ausgegeben. Sie führt den Wasserstand weiter nach unten: Für Donnerstag, den 24. September, weist die Vorhersage Werte zwischen 12 und 8 Zentimetern aus, für Freitag 8 und 7 Zentimeter. Für Samstag und Sonntag stehen dort 7 und 6 Zentimeter – diese beiden Tage sind in der Tabelle allerdings als Abschätzung gekennzeichnet, nicht als Vorhersage. Die Behörde mit Sitz in Koblenz unterscheidet beide Begriffe ausdrücklich; die Unsicherheit wächst mit dem Abstand zum Ausgabezeitpunkt.
Gemessen stand der Pegel Kaub am Mittwoch um 9 Uhr bei 12 Zentimetern. Das geht aus den Rohdaten des Messnetzes Pegelonline hervor, das die deutsche Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung betreibt. Vier Wochen zuvor, am 24. August, hatte das Tagesmittel an derselben Stelle noch bei 73 Zentimetern gelegen.
Sechs von acht Pegeln liegen unter dem Wert, den die Verwaltung als niedrigsten führt
Für jeden deutschen Pegel hinterlegt die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung einen Kennwert mit der Bezeichnung „niedrigster bekannter Wasserstand“. Am Pegel Kaub steht dort 25 Zentimeter, datiert auf den 22. Oktober 2018. Der am Mittwochmorgen gemessene Wert liegt 13 Zentimeter darunter.
Diese Redaktion hat acht Rheinpegel abgefragt, für die die Schnittstelle von Pegelonline sowohl Messwerte als auch Kennwerte ausgibt. Am 23. September 2026 um 9 Uhr lagen sechs davon unter diesem Kennwert: neben Kaub auch Worms, Mainz, Andernach, Duisburg-Ruhrort und Emmerich. Nur Koblenz und Maxau lagen darüber, in Koblenz um zwei Zentimeter.
| Pegel (flussabwärts) | 23.09., 9 Uhr | Niedrigster bekannter Wasserstand | Gleichwertiger Wasserstand | Fahrrinnentiefe, rechnerisch |
|---|---|---|---|---|
| Maxau | 285 cm | 231 cm (28.01.1885) | 372 cm | 123 cm |
| Worms | −21 cm | 2 cm (20.10.2018) | 68 cm | 121 cm |
| Mainz | 107 cm | 110 cm (02.11.1947) | 171 cm | 146 cm |
| Kaub | 12 cm | 25 cm (22.10.2018) | 77 cm | 125 cm |
| Koblenz | 8 cm | 6 cm (16.02.1929) | 77 cm | 141 cm |
| Andernach | 7 cm | 24 cm (22.10.2018) | 91 cm | 166 cm |
| Duisburg-Ruhrort | 139 cm | 153 cm (23.10.2018) | 227 cm | 192 cm |
| Emmerich | −7 cm | −1 cm (18.08.2022) | 74 cm | 199 cm |
Eine Einschränkung gehört zu diesem Vergleich dazu, und sie ist nicht klein: Der Kennwert „niedrigster bekannter Wasserstand“ ist ein hinterlegter Referenzwert, keine laufend fortgeschriebene Bestmarke. Die Bezugszeitpunkte reichen von 1885 bis 2022, und für das laufende Jahr 2026 ist an keinem der acht Pegel ein neuer Wert eingetragen. Die Pegel unterschreiten diesen Wert nach den Rohdaten auch nicht erst seit heute: Am Pegel Kaub liegen die Tagesmittel seit dem 10. September darunter, unterbrochen von vier Tagen zwischen dem 13. und dem 16. September. Was die Auswertung zeigt, ist also nicht ein Rekord von heute Morgen, sondern ein Zustand, für den die amtlichen Vergleichswerte keinen aktuellen Maßstab mehr liefern.
Warum ein Pegelstand nicht sagt, wie tief das Wasser ist
Drei Begriffe, die den Unterschied machen
- Pegelnullpunkt: der festgelegte Bezugspunkt einer Messstelle. In Kaub liegt er seit dem 1. November 2019 bei 67,669 Metern über Normalhöhennull. Ein Pegelstand von 12 Zentimetern heißt deshalb nicht, dass der Rhein dort zwölf Zentimeter tief ist – negative Werte wie in Worms oder Emmerich sind rechnerisch normal.
- Gleichwertiger Wasserstand (GlW): der Bezugswasserstand, auf den die Unterhaltung der Fahrrinne ausgelegt ist. In Kaub sind das 77 Zentimeter, gültig seit dem 1. Januar 2023.
- Tiefe unter GlW: die Fahrrinnentiefe, die bei diesem Bezugswasserstand vorgehalten wird. In Kaub sind das 1,90 Meter, bei Duisburg-Ruhrort und Emmerich 2,80 Meter.
Aus diesen drei Werten lässt sich abschätzen, was an einer Stelle noch zur Verfügung steht. In Kaub liegt der Wasserstand derzeit 65 Zentimeter unter dem gleichwertigen Wasserstand; rechnerisch bleiben damit rund 1,25 Meter Fahrrinnentiefe. Tritt die Abschätzung der Bundesanstalt für Gewässerkunde für Sonntag ein, wären es rund 1,19 Meter. Das ist eine Rechnung aus amtlichen Kennwerten, keine Messung des Flussbetts – die tatsächlich befahrbare Tiefe schwankt über die Breite der Fahrrinne und über den Flusslauf.
Die Rechnung zeigt zugleich, dass der Mittelrhein nicht die einzige Engstelle ist. Nach derselben Methode kommt Worms auf 1,21 Meter und Maxau am Oberrhein auf 1,23 Meter – beide also knapper als Kaub, obwohl der Pegel in Maxau mit 285 Zentimetern auf den ersten Blick komfortabel aussieht. Wer nur die Pegelzahlen vergleicht, vergleicht die falschen Größen.
Was auf den deutschen Binnenwasserstraßen transportiert wird
Wie viel Ladung an solchen Werten hängt, lässt sich der Güterverkehrsstatistik entnehmen. Nach der Tabelle des Statistischen Bundesamts zur Güterbeförderung nach Verkehrsträgern mit Stand vom 20. April 2026 beförderte die Binnenschifffahrt in Deutschland im Jahr 2024 rund 173,8 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Die Eisenbahn kam auf 362,3 Millionen Tonnen, der Straßengüterverkehr auf 3.340,7 Millionen Tonnen. Welcher Anteil der Binnenschifffahrtsmenge auf den Rhein entfällt, weist diese Tabelle nicht aus.
Auffällig ist die längere Linie: Im Jahr 2000 lag die Beförderungsmenge der Binnenschifffahrt noch bei 242,2 Millionen Tonnen, 2020 bei 188,0 Millionen, 2022 bei 182,4 Millionen. Der Verkehrsträger, dessen Kapazität unmittelbar am Wasserstand hängt, ist also ohnehin seit Jahren auf dem Rückzug.
Der Zeitpunkt fällt mit dem Beginn der Heizsaison zusammen
Für Haushalte in Deutschland stellt sich damit eine Frage, die dieser Text nicht abschließend beantworten kann: Was ein Engpass auf der Wasserstraße für die Energiepreise bedeutet, lässt sich aus den amtlichen Pegeldaten nicht ableiten. Belegt ist die Ausgangslage, und die war schon vor dem aktuellen Wasserstand angespannt. NETZ-TRENDS hat am 18. September die Erzeugerpreise für August 2026 ausgewertet: Leichtes Heizöl kostete danach 65,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Pellets, Briketts und Scheite 36,6 Prozent mehr. Am 17. September stand Diesel in Deutschland nach ADAC-Angaben bei 2,422 Euro je Liter, in Österreich meldete der ÖAMTC mit 2,268 Euro einen Höchstwert.
Parallel dazu greift in Deutschland eine Entlastung: Bund und Länder haben nach der Berichterstattung von NETZ-TRENDS vom 19. September eine Senkung der Energiesteuer um 14 Cent je Liter ab dem 1. Oktober beschlossen, mit Umsatzsteuer rund 17 Cent, befristet bis Jahresende. Wie viel davon an den Zapfsäulen ankommt, ist offen; beim Rabatt im Frühjahr waren es nach Zahlen des Bundeskartellamts 13,8 von 16,7 Cent.
Was diese Redaktion nicht belegen kann
Ob und in welcher Höhe die Transportkosten wegen des Wasserstands derzeit steigen, lässt sich aus den hier verwendeten amtlichen Daten nicht ableiten. Frachtraten der Binnenschifffahrt und Kleinwasserzuschläge werden zwischen Unternehmen vereinbart und nicht amtlich veröffentlicht. Der Zusammenhang zwischen geringerer Abladetiefe, mehr benötigten Fahrten und höheren Kosten liegt nahe – eine belegte Zahl für den Herbst 2026 hat diese Redaktion dafür aber nicht. Angaben zu einzelnen Unternehmen lagen bis Redaktionsschluss am 23. September nicht vor.
Nicht nur der Rhein: der Bodensee liegt seit Wochen unter dem Mittel
Der Wasserstand des Rheins ist Teil einer breiteren Trockenlage im deutschsprachigen Raum. Am Bodensee, der an Deutschland, Österreich und die Schweiz grenzt, stand der Pegel Konstanz Mitte September bei 266 Zentimetern und damit 75 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel; die Bodensee-Schiffsbetriebe strichen daraufhin acht Kurse auf dem Untersee, wie NETZ-TRENDS am 12. September berichtet hat. Der Rhein durchfließt den Bodensee; weiter flussabwärts liegen bei Basel die schweizerischen Rheinhäfen.
Wie es weitergeht
Über die kommenden Tage hinaus gibt die Bundesanstalt für Gewässerkunde eine wahrscheinlichkeitsbasierte 14-Tage-Vorhersage heraus. In der zuletzt abrufbaren Ausgabe für den Pegel Kaub, datiert auf den 22. September 2026, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Wasserstand den gleichwertigen Wasserstand von 77 Zentimetern unterschreitet, an jedem einzelnen Tag bis zum 5. Oktober bei 100 Prozent. Dieselbe Vorhersage weist für den gesamten Zeitraum eine Wahrscheinlichkeit von null Prozent für das Überschreiten der Hochwassermarken aus.
Die Behörde weist in ihren Hinweisen selbst darauf hin, dass die Abschätzungen automatisiert und auf Basis überwiegend ungeprüfter Messdaten erzeugt werden und mit Unsicherheiten behaftet sind. Für die nächsten Tage gilt nach dieser Darstellung die deterministische Vier-Tage-Vorhersage auf ELWIS als beste verfügbare Abschätzung. Die Ausgaben vom 22. und vom 23. September trugen jeweils den Zeitstempel 7 Uhr.
Wann sich die Lage entspannt, entscheidet der Niederschlag im Einzugsgebiet. Für den längeren Blick gibt die Bundesanstalt eine hydrologische Sechs-Wochen-Vorhersage für den Pegel Kaub heraus. Sie beruht nach der Beschreibung der Behörde auf 101 gleich wahrscheinlichen Witterungsverläufen über 46 Tage und lässt ausdrücklich nur Wochenmittelwerte als Trendaussage zu – Tageswerte für Mitte Oktober gibt sie nicht her.
Merken Sie die Lage am Rhein bereits an Ihren Kosten – beim Heizöl, an der Tankstelle oder in Ihrem Betrieb? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Bundesanstalt für Gewässerkunde: Wasserstandsvorhersage Pegel Kaub, Ausgabe vom 23. September 2026, 7 Uhr, veröffentlicht über ELWIS der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt
- Bundesanstalt für Gewässerkunde: Wahrscheinlichkeitsbasierte 14-Tage-Vorhersage Pegel Kaub (PDF), Ausgabe vom 22. September 2026, abgerufen am 23. September 2026
- Bundesanstalt für Gewässerkunde: Hydrologische Sechs-Wochen-Vorhersage Pegel Kaub (PDF), Ausgabe vom 21. September 2026, abgerufen am 23. September 2026
- Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes: Pegelonline, Schnittstelle der Station Kaub, Messwerte und Kennwerte der Pegel Maxau, Worms, Mainz, Kaub, Koblenz, Andernach, Duisburg-Ruhrort und Emmerich, abgerufen am 23. September 2026 um 9 Uhr
- Statistisches Bundesamt: Güterbeförderung nach Verkehrsträgern, Tabellenstand 20. April 2026
- NETZ-TRENDS: Erzeugerpreise August 2026, 18. September 2026
- NETZ-TRENDS: Dieselpreise in Deutschland und Österreich, 17. September 2026
- NETZ-TRENDS: Tankrabatt ab 1. Oktober, 19. September 2026
- NETZ-TRENDS: Niedrigwasser am Bodensee, 12. September 2026
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