Das Wichtigste in Kürze

  • Der US-Konzern Hewlett Packard Enterprise hat am Mittwochabend nach Handelsschluss in New York 12,2 Milliarden US-Dollar Umsatz für sein drittes Geschäftsquartal gemeldet – 34 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Quartal endete am 31. Juli 2026.
  • Der stärkste Zuwachs steckt nicht im Servergeschäft (plus 35,3 Prozent), sondern im Netzwerkgeschäft: Routing plus 270 Prozent, Rechenzentrumsnetzwerke plus 112,2 Prozent. Wie viel davon auf den erst am 2. Juli 2025 abgeschlossenen Zukauf von Juniper Networks entfällt, weist das Unternehmen nicht aus.
  • Zwischen den Zahlen nach US-Rechnungslegung (GAAP) und den bereinigten Jahreszahlen liegen nach Angaben des Unternehmens rund 2,5 Milliarden Dollar an herausgerechneten Kosten. Für das Geschäftsjahr 2027 stellt HPE nur noch 13 bis 17 Prozent Umsatzwachstum in Aussicht.

Hewlett Packard Enterprise hat am Mittwoch um 16.06 Uhr Ortszeit an der US-Ostküste – 22.06 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit, wenige Minuten nach Handelsschluss in New York – seine Zahlen für das dritte Geschäftsquartal 2026 bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Der Konzern, an der New Yorker Börse unter dem Kürzel HPE notiert, meldet darin 12,2 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Plus von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das Quartal endete am 31. Juli 2026.

Der Gewinn je Aktie liegt nach den bei der SEC hinterlegten Angaben bei 1,06 US-Dollar nach US-Rechnungslegung (GAAP), gegenüber 0,21 Dollar im Vorjahresquartal. Die eigene Prognose des Unternehmens hatte bei 0,84 bis 0,89 Dollar gelegen. Die operative Marge nach GAAP gibt das Unternehmen mit 11,4 Prozent an, 870 Basispunkte mehr als im Vorjahresquartal – rechnerisch ein Anstieg von 2,7 auf 11,4 Prozent.

Wer nur auf diese Werte schaut, übersieht allerdings die eigentliche Verschiebung. Sie steckt in der Aufteilung nach Geschäftsbereichen.

Das schnellste Wachstum steckt im Netz, nicht im Server

In der öffentlichen Debatte über den Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz stehen fast immer Rechenchips und Server im Vordergrund. Die Aufschlüsselung, die HPE selbst vorlegt, zeigt ein anderes Bild: Das Servergeschäft wuchs um 35,3 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar – die vier Produktlinien des Netzwerkbereichs wuchsen zusammen um 74,9 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar, und einzelne von ihnen deutlich stärker.

Säulendiagramm der Umsatzveränderung von HPE im dritten Geschäftsquartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal: Routing plus 270 Prozent, Rechenzentrumsnetzwerke plus 112,2 Prozent, Sicherheit plus 75,6 Prozent, Server plus 35,3 Prozent, Campus- und Filialnetze plus 31 Prozent, Speicher plus 10,2 Prozent, Finanzdienstleistungen minus 0,3 Prozent.
Eigene Darstellung NETZ-TRENDS auf Basis der Quartalsmitteilung von Hewlett Packard Enterprise vom 2. September 2026. Angaben in laufenden US-Dollar, Vergleichszeitraum ist das am 31. Juli 2025 beendete Vorjahresquartal.

Routing – also die Technik, die Datenströme zwischen Netzen und Standorten lenkt – legte um 270 Prozent auf 788 Millionen Dollar zu. Rechenzentrumsnetzwerke wuchsen um 112,2 Prozent auf 382 Millionen Dollar, der Sicherheitsbereich um 75,6 Prozent auf 281 Millionen Dollar. Am unteren Ende der Skala steht das Speichergeschäft mit 10,2 Prozent, das Geschäft mit Finanzdienstleistungen schrumpfte leicht um 0,3 Prozent.

Wie viel vom Netzwerkwachstum zugekauft ist, sagt die Mitteilung nicht

Diese Zahlen sind allerdings nicht als organisches Wachstum zu lesen, und HPE stellt sie auch nicht so dar. Der Konzern hat den Netzwerkausrüster Juniper Networks nach eigener Mitteilung am 2. Juli 2025 übernommen. Das Vorjahresquartal, gegen das jetzt verglichen wird, endete am 31. Juli 2025 – es enthielt das zugekaufte Geschäft also nur etwa vier Wochen lang, das aktuelle Quartal vollständig.

In den Sprüngen bei Routing, Rechenzentrumsnetzwerken und Sicherheit steckt damit ein Vergleichseffekt. Wie groß er ist und wie viel Geschäft aus eigener Kraft hinzugekommen ist, geht aus der Mitteilung nicht hervor: Eine Aufteilung in organisches und zugekauftes Wachstum enthält sie nicht.

Belastbar bleibt der Befund darunter: Im Netzwerkgeschäft liegt die operative Marge mit 22,0 Prozent über der des Bereichs Cloud und KI, der auf 17,0 Prozent kommt – nach 7,0 Prozent im Vorjahresquartal. Der Umsatz entsteht also überwiegend im Servergeschäft, die höhere Marge im Netzwerkgeschäft.

Geschäftsbereich Umsatz Q3 2026 Operative Marge Veränderung
Netzwerk (gesamt) 2,9 Mrd. $ 22,0 % +74,9 %
Cloud und KI (gesamt) 9,0 Mrd. $ 17,0 % +25,4 %
– davon Server 6,8 Mrd. $ +35,3 %
– davon Speicher 1,3 Mrd. $ +10,2 %
Konzerninvestitionen und Sonstiges 278 Mio. $ −24,1 % +3,0 %
Quelle: Hewlett Packard Enterprise, Quartalsmitteilung vom 2. September 2026, Geschäftsquartal zum 31. Juli 2026. Für die einzelnen Produktlinien innerhalb der Segmente weist das Unternehmen keine gesonderten Margen aus.

Zwischen GAAP-Zahlen und bereinigten Zahlen liegen 2,5 Milliarden Dollar

Für das laufende Geschäftsjahr hebt HPE die Prognose an und erwartet nun 34 bis 37 Prozent Umsatzwachstum. Beim operativen Gewinn nennt die Mitteilung zwei sehr verschiedene Zahlen: nach GAAP ein Wachstum von 1.070 bis 1.105 Prozent, nach bereinigter Rechnung 100 bis 105 Prozent.

Die Differenz erklärt das Unternehmen in einer Fußnote seiner eigenen Mitteilung selbst: Aus der bereinigten Größe seien für das Geschäftsjahr 2026 Kosten von rund 2,5 Milliarden Dollar herausgerechnet, vor allem Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte, aktienbasierte Vergütung, Aufwand für Zukäufe und Verkäufe sowie ein Kostensenkungsprogramm. Wer die beiden Prozentzahlen nebeneinander liest, sollte diese Fußnote mitlesen.

Testiert oder bereinigt – worin der Unterschied liegt

US-Konzerne veröffentlichen ihre Ergebnisse regelmäßig doppelt: einmal nach der in den Vereinigten Staaten verbindlichen Rechnungslegung GAAP, einmal als bereinigte Größe („non-GAAP“), aus der einmalige oder nicht zahlungswirksame Posten herausgerechnet sind. Die bereinigte Zahl fällt in aller Regel günstiger aus. Sie ist weder unzulässig noch unseriös – aber sie ist eine Darstellung des Unternehmens und folgt keiner einheitlich vorgeschriebenen Definition. Welche Posten herausgerechnet wurden, steht jeweils in den Fußnoten der Mitteilung.

Warum das für Rechenzentren in Deutschland eine Rolle spielt

HPE nennt in seiner Mitteilung keine Zahlen für einzelne Länder oder für Europa. Der Bezug zum deutschsprachigen Raum entsteht auf einem anderen Weg: Dieselbe Nachfrage, die die Quartalszahlen eines US-Ausrüsters treibt, trifft hier auf einen Markt, der beim Ausbau bereits an Grenzen stößt.

Nach Angaben des deutschen Digitalverbands Bitkom ist die installierte Leistung aller deutschen Rechenzentren 2025 um 9 Prozent auf 2.980 Megawatt gewachsen; der Stromverbrauch lag demnach bei 21,3 Milliarden Kilowattstunden. Rechenzentren für künstliche Intelligenz machten dabei rund 15 Prozent der deutschen Gesamtkapazität aus – bis 2030 erwartet der Verband einen Anteil von 40 Prozent und erstmals mehr als 5.000 Megawatt insgesamt. Diese Prognose stammt vom 10. November 2025 und ist die Einschätzung des Verbands, keine amtliche Statistik.

Spürbar wird der Ausbau in Deutschland längst auch außerhalb der Rechenzentren. Das Statistische Bundesamt hatte im August steigende Computerpreise ausgewiesen; NETZ-TRENDS hatte über den Anstieg der Arbeitsspeicherpreise und ein Plus von 9,6 Prozent bei Computern berichtet. Auch die südkoreanischen Halbleiterausfuhren waren zuletzt vor allem deshalb gestiegen, weil Rechenzentrumsbetreiber Speicherbausteine abnehmen. Die Quartalszahlen von HPE sind ein weiterer Datenpunkt in derselben Kette – am oberen Ende, dort, wo die fertigen Systeme verkauft werden.

Was die Mitteilung offenlässt

Drei Angaben, die zur Einordnung nötig wären, enthält die Veröffentlichung nicht:

  • Die Höhe des Auftragsbestands. Finanzchefin Marie Myers spricht in der Mitteilung von einem Auftragsbestand auf Rekordniveau („our order backlog at a record level“). Eine Zahl dazu nennt das Unternehmen an dieser Stelle nicht, ebenso wenig, welcher Anteil auf Systeme für künstliche Intelligenz entfällt.
  • Die Trennung von organischem und zugekauftem Wachstum. Ohne sie lässt sich nicht beurteilen, wie viel der 74,9 Prozent im Netzwerkgeschäft aus eigener Kraft stammt.
  • Regionale Zahlen. Eine Aufteilung nach Absatzregionen fehlt, sodass sich der europäische Anteil aus dieser Mitteilung nicht ableiten lässt.

Die Marktreaktion war bei Redaktionsschluss noch offen: Die Zahlen erschienen erst nach Handelsschluss an der New Yorker Börse.

Was als Nächstes ansteht

Für das laufende vierte Geschäftsquartal, das am 31. Oktober 2026 endet, erwartet HPE einen Umsatz zwischen 13,9 und 14,8 Milliarden Dollar. Der Verwaltungsrat hat eine Quartalsdividende von 0,1425 Dollar je Aktie beschlossen; sie soll um den 16. Oktober 2026 ausgezahlt werden, Stichtag für den Anspruch ist der Handelsschluss des 17. September 2026. Nach Angaben der Finanzchefin sollen im vierten Quartal zudem mindestens 75 Prozent des freien Barmittelzuflusses ausgeschüttet werden.

Bemerkenswert ist der Ausblick auf das Geschäftsjahr 2027: Dort stellt der Konzern nur noch 13 bis 17 Prozent Umsatzwachstum in Aussicht. Der Vergleichseffekt aus dem Zukauf fällt dann weg, weil Juniper in beiden Vergleichsjahren vollständig enthalten ist.

Wie beurteilen Sie den Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz – überwiegen die wirtschaftlichen Chancen oder die Folgen für Strombedarf und Gerätepreise? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

Kommentar schreiben