Das Wichtigste in Kürze

  • Das österreichische Wirtschaftsministerium hat am 31. August 2026 um 11.07 Uhr mitgeteilt, dass die Spritpreisbremse bis Ende September verlängert wird. Die Senkung der Mineralölsteuer um 1,9 Cent je Liter bleibt bestehen, der Margeneingriff bleibt ausgesetzt.
  • Mit der österreichischen Umsatzsteuer von 20 Prozent entspricht das 2,28 Cent je Liter an der Zapfsäule – nach Berechnung von NETZ-TRENDS rund 1,14 Euro bei einer Tankfüllung von 50 Litern.
  • Der ÖGB fordert die Rückkehr zur Margenbegrenzung. Das Instrument dafür steht bis 30. Dezember 2026 im österreichischen Preisgesetz, wird aber seit 1. Juni nicht angewendet.

Die österreichische Spritpreisbremse wäre nach Angaben des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB) in der Nacht zum 1. September ausgelaufen; auch das zuständige Ministerium hatte ihre Geltung im Mai bis Ende August befristet. Um 11.07 Uhr am Montagvormittag teilte das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus in Wien mit, dass sie um einen weiteren Monat verlängert wird. Die Entscheidung fiel damit am letzten Tag der bisherigen Geltungsdauer.

Bestehen bleibt die Senkung der Mineralölsteuer um 1,9 Cent je Liter. Fortgeführt wird die sogenannte Preis-Runter-Garantie, nach der sinkende Großhandelspreise rasch an der Zapfsäule ankommen müssen. Ausgesetzt bleibt der Margeneingriff – jenes Instrument, das im Frühjahr als Kern der Maßnahme galt und das die Gewerkschaft an diesem Vormittag zurückgefordert hatte.

Was das Ministerium mitgeteilt hat – und was es nicht beziffert

In der Aussendung des Ministeriums kommen drei Regierungsmitglieder zu Wort. Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer nennt die Spritpreisbremse „von Beginn an eine gezielte, befristete und verantwortungsvolle Maßnahme“. Staatssekretärin Michaela Schmidt bezeichnet sie als „ein wichtiges Instrument in der Bekämpfung der Inflation“. Staatssekretär Sepp Schellhorn verweist auf die Schwankungen an den internationalen Energiemärkten: „In solchen Zeiten ist es richtig, ein Sicherheitsnetz zu haben.“

Was die Aussendung nicht nennt, ist die Größenordnung. Die Mineralölsteuer beträgt in Österreich nach Angaben des ÖAMTC regulär 39,7 Cent je Liter Diesel und 48,2 Cent je Liter Benzin. Die Senkung um 1,9 Cent entspricht damit rund 4,8 Prozent des Dieselsatzes. Weil auf die Mineralölsteuer zusätzlich Umsatzsteuer erhoben wird, sinkt der Bruttopreis rechnerisch um 2,28 Cent je Liter.

Rechenbeispiel: Was 1,9 Cent netto konkret bedeuten

  • 1,9 Cent Mineralölsteuer plus 20 Prozent österreichische Umsatzsteuer ergeben 2,28 Cent je Liter an der Kasse.
  • Bei einer Tankfüllung von 50 Litern sind das 1,14 Euro.
  • Wer im Jahr 15.000 Kilometer fährt und 6,5 Liter je 100 Kilometer verbraucht, tankt rund 975 Liter – über die vier Wochen der Verlängerung etwa 81 Liter und damit rund 1,85 Euro weniger.

Eigene Berechnung NETZ-TRENDS auf Basis der Angaben des österreichischen Wirtschaftsministeriums vom 31. August 2026 und des österreichischen Umsatzsteuersatzes von 20 Prozent.

Die Preis-Runter-Garantie zeigt nach unten – der Markt gerade nach oben

Die Preis-Runter-Garantie ist keine Preisobergrenze, sondern eine Weitergabepflicht in eine Richtung. Das Ministerium hatte sie in seiner Aussendung vom 30. Mai 2026 eingeführt: Auf Basis der internationalen Preisnotierungen von Platts und Argus müssen sinkende Großhandelspreise „zum ehestmöglichen Zeitpunkt auch an der Zapfsäule“ weitergegeben werden. Steigen die Notierungen, greift die Regel nicht.

Genau das ist die Lage an diesem Montag. Der Rohölpreis der Sorte Brent lag nach Daten des Finanzdatenanbieters Trading Economics am Mittag des 31. August 2026 bei rund 91 US-Dollar je Barrel und damit gut drei Prozent über dem Vortagesschluss; im Monatsvergleich sind es knapp neun Prozent, im Jahresvergleich rund 34 Prozent mehr. Als Grund nennt der Anbieter die erneute militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran und die Lage in der Straße von Hormus.

Ein Instrument, das nur bei fallenden Notierungen wirkt, hat an einem solchen Tag wenig zu tun. Das ist keine Kritik an der Regel selbst – sie ist so gebaut –, sondern eine Feststellung darüber, was von der verlängerten Maßnahme im September tatsächlich übrig bleibt: die 2,28 Cent.

Der Margeneingriff bleibt abgeschaltet – das Gesetz dazu gilt bis Dezember

Der Margeneingriff war der Teil der Spritpreisbremse, der unmittelbar in die Preisbildung eingriff – und der Teil, für den eine Verfassungsmehrheit nötig war. Der österreichische Nationalrat beschloss ihn am 25. März 2026; nach dem Bericht der Parlamentskorrespondenz war dafür eine Verfassungsmehrheit nötig, die die Grünen mitverschafften. Die namentliche Abstimmung über die Margenbegrenzung endete demnach mit 123 zu 54 Stimmen, die FPÖ lehnte beide Anträge ab. Der Bundesrat in Wien stimmte am 27. März zu.

Wie der Eingriff funktioniert, hat die österreichische Regulierungsbehörde E-Control in ihrer Presseinformation zum Start am 1. April 2026 beschrieben. Rechtsgrundlage ist der neue Paragraf 5aa des österreichischen Preisgesetzes. Er greift, wenn die Nettopreise an den Tankstellen mindestens 30 Prozent über dem Stand von zwei Monaten zuvor liegen. Am 2. April musste die Differenz zwischen der Notierung des Vortags und dem Abgabepreis um 5 Cent je Liter netto sinken; danach bewegte sich die Obergrenze täglich mit den Großhandelsnotierungen. Betroffen waren Diesel B7 und Euro-Super E10, ausgenommen waren Autobahntankstellen. Die E-Control kontrolliert, Verstöße sind Verwaltungsübertretungen mit bis zu 7.265 Euro Strafe, im Wiederholungsfall bis zu 14.535 Euro.

Zum 31. Mai 2026 endete dieser Eingriff. Seither ruht er – das Instrument selbst bleibt nach der Darstellung der E-Control aber bis zum 30. Dezember 2026 im Gesetz. Es steht also zur Verfügung und wird nicht genutzt.

Säulendiagramm mit drei Werten in Cent je Liter brutto: österreichische Mineralölsteuersenkung 2,28, erster Schritt des österreichischen Margeneingriffs am 2. April 2026 6,00, deutsche Energiesteuersenkung Mai/Juni 2026 rund 17
Eigene Darstellung NETZ-TRENDS auf Basis der Aussendung des österreichischen Wirtschaftsministeriums vom 31. August 2026, der E-Control-Presseinformation vom 1. April 2026 und der Angaben des deutschen Bundesfinanzministeriums. Die drei Maßnahmen galten zu verschiedenen Zeitpunkten und sind nicht als gleichzeitige Alternativen zu lesen.

Der ÖGB fordert die Margenbegrenzung zurück

Zwei Stunden vor der Regierungsmitteilung hatte der ÖGB seine Position veröffentlicht. Angela Pfister, Leiterin des volkswirtschaftlichen Referats des Gewerkschaftsbunds, erklärte in einer Aussendung um 9.49 Uhr: „Eine wirksame Spritpreisbremse muss deshalb bei den Preisen und Margen ansetzen.“ Übergewinne der Mineralölkonzerne dürften „nicht auf Kosten der Pendler:innen und Beschäftigten entstehen“. Der ÖGB fordert die Wiedereinführung der Margenbegrenzung, ihre Ausweitung auf Heizöl und mehr Transparenz bei der Preisbildung entlang der Wertschöpfungskette.

Der Gewerkschaftsbund vertritt nach eigenen Angaben rund 1,2 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich. Seine Forderung blieb an diesem Vormittag unerfüllt: Die Regierungsmitteilung nennt den Margeneingriff ausdrücklich als weiterhin ausgesetzt.

Kritik kam auch von anderer Seite. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz nannte die Maßnahme in einer Aussendung um 12.08 Uhr „nichts weiter als ein schlechter Witz“; seine Partei verlangt eine Halbierung der Mineralölsteuer und die Streichung der CO₂-Bepreisung. Aus der anderen Richtung widersprach die Unabhängige Gewerkschaftsfraktion im ÖGB: Ihre Bundesvorsitzende Marion Polaschek erklärte um 12.59 Uhr, eine pauschale Spritpreisbremse verteile „öffentliche Gelder mit der Gießkanne“, und forderte gezielte Entlastung für niedrige und mittlere Einkommen sowie einen rascheren Ausbau des öffentlichen Verkehrs.

Wie viel Preis überhaupt zur Debatte steht

Die Ausgangslage beschreibt der Budgetdienst des österreichischen Parlaments in seiner Analyse vom 25. März 2026. Danach stiegen seit dem Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar 2026 die Dieselpreise um 41 Cent und die Benzinpreise um 23 Cent je Liter. Der Budgetdienst hält außerdem fest, dass eine Senkung der Treibstoffpreise um 10 Cent je Liter die Inflationsrate um etwa 0,2 Prozentpunkte dämpfen würde – linear fortgeschrieben blieben für 2,28 Cent nach Berechnung von NETZ-TRENDS rund 0,05 Prozentpunkte.

Beim Preisniveau selbst liegt Österreich unter Deutschland. Die Europäische Kommission veröffentlicht wöchentlich Durchschnittspreise für alle EU-Staaten; das Statistische Bundesamt gibt sie für den Stichtag 24. August 2026 wieder.

Land Benzin Diesel Stichtag
Deutschland (Super E5) 2,25 € 2,29 € 24. August 2026
Österreich (Eurosuper 95) 1,78 € 2,05 € 24. August 2026
Polen 1,51 € 1,73 € 24. August 2026
Schweiz (Bleifrei 95) 2,02 CHF 2,27 CHF 20. August 2026
Quelle: Europäische Kommission, wöchentliche Durchschnittspreise (Weekly Oil Bulletin), wiedergegeben vom Statistischen Bundesamt, Stichtag 24. August 2026; Schweiz: Touring Club Schweiz, wiedergegeben von SRF, Stand 20. August 2026. Die Schweizer Werte sind Franken und wurden nicht umgerechnet. Die Sortenbezeichnungen unterscheiden sich zwischen den Ländern.

Deutschland hat es anders gemacht: größer, kürzer, 1,6 Milliarden Euro

Der Vergleich mit Deutschland zeigt zwei gegensätzliche Wege. Die deutsche Bundesregierung senkte die Energiesteuer auf Benzin und Diesel vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026 um 14,04 Cent je Liter netto; das deutsche Bundesfinanzministerium bezifferte die Wirkung einschließlich Umsatzsteuer auf „circa 17 Cent pro Liter“. Die Maßnahme kostete den deutschen Bundeshaushalt rund 1,6 Milliarden Euro, lief nach zwei Monaten aus und wurde nicht verlängert. NETZ-TRENDS hat die Bilanz dieser deutschen Steuersenkung Mitte August ausgewertet: Im Juli lag der Dieselpreis im Bundesschnitt 27,9 Cent über dem Juni-Wert.

Österreich hat den umgekehrten Zuschnitt gewählt: eine deutlich kleinere Steuersenkung, dafür monatlich verlängert – inzwischen zum wiederholten Mal – und ergänzt um ein Preisinstrument, das seit Juni nicht angewendet wird. Welcher Weg für die Haushalte mehr bringt, lässt sich aus den beiden Beträgen allein nicht beantworten; die deutsche Erfahrung zeigt aber, dass auch eine rund siebenmal größere Entlastung nicht dauerhaft im Preis blieb.

Für Österreich ist der Preisdruck ohnehin nicht nur ein Tankstellenthema. Die Inflationsrate lag im Juli bei 2,8 Prozent, wie NETZ-TRENDS im Vergleich mit Deutschland berichtet hat.

Was in der Mitteilung nicht steht

Drei offene Punkte

  • Was die Verlängerung kostet. Die Aussendung nennt keinen Betrag. Der Budgetdienst des österreichischen Parlaments hatte die Maßnahmen im März als „weitgehend budgetneutral geplant“ eingestuft, weil höhere Umsatzsteuereinnahmen gegengerechnet werden. Eine aktuelle Zahl für den September liegt nicht vor.
  • Was die Preis-Runter-Garantie bisher bewirkt hat. Weder die Aussendung noch eine bis Redaktionsschluss auffindbare Veröffentlichung der E-Control beziffert, wie oft sie seit Juni gegriffen hat.
  • Warum der Margeneingriff ruht, während der Rohölpreis steigt. Die Aussendung stellt fest, dass es keinen neuerlichen Markteingriff gibt, begründet das aber nicht. Eine darüber hinausgehende Stellungnahme des Ministeriums lag bis zum Redaktionsschluss dieses Beitrags nicht vor.

Bemerkenswert ist auch, was in der Regierungsmitteilung fehlt: eine Angabe dazu, wie viel von der Steuersenkung tatsächlich an der Zapfsäule ankommt. In Deutschland hat die beim deutschen Bundeskartellamt angesiedelte Markttransparenzstelle für Kraftstoffe das im Mai gemessen. Eine vergleichbare öffentliche Messung für die österreichische Mineralölsteuersenkung war zum Redaktionsschluss nicht auffindbar – die Kontrollzuständigkeit der E-Control bezieht sich nach der Presseinformation vom 1. April auf die Margenregelung, und die ist ausgesetzt.

Was als Nächstes ansteht

Der nächste feste Termin ist das Monatsende: Ohne eine weitere Entscheidung läuft die verlängerte Spritpreisbremse am 30. September 2026 aus. Der Paragraf 5aa des österreichischen Preisgesetzes, auf dem der Margeneingriff beruht, tritt nach Darstellung der E-Control am 30. Dezember 2026 außer Kraft; bis dahin könnte die österreichische Bundesregierung ihn wieder aktivieren, danach wäre dafür ein neuer Gesetzesbeschluss nötig.

Wie stark die Energiepreise derzeit auf die Teuerung durchschlagen, wird sich noch an diesem Montag zeigen: Das Statistische Bundesamt hat die vorläufige deutsche Inflationsrate für August für 14 Uhr angekündigt. Ob die Gewerkschaft ihre Forderung nach einer Margenbegrenzung vor dem 30. September erneuert, ist offen.

Für Autofahrerinnen und Autofahrer in Österreich bleibt bis dahin eine überschaubare Größe: 2,28 Cent je Liter, gemessen an einem Dieselpreis, der zuletzt bei 2,05 Euro lag. Das ist rund ein Prozent.

Wie bewerten Sie die Verlängerung der Spritpreisbremse – reicht eine Steuersenkung, oder braucht es den Eingriff bei den Margen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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