Das Wichtigste in Kürze
- Die deutsche Fluggesellschaft Eurowings rüstet ab November 2026 alle acht Airbus A320neo mit acht Premium-Sitzen in Zweierreihen aus, buchbar ab dem 1. Dezember 2026 auf acht Strecken.
- Der Aufpreis beginnt laut Eurowings bei 60 Euro nach London und bei 300 Euro nach Dubai; nach Mallorca und Málaga steckt der Sitz im Tarif ab 199,99 Euro.
- Dasselbe Produkt lief bereits im Winter 2025/26 auf zwei Flugzeugen und wurde im Frühjahr 2026 wieder ausgebaut – auch die Neuauflage ist als Winterprodukt angekündigt.
Es ist die zweite Premiere desselben Sitzes: Eurowings hat am 19. August 2026 angekündigt, den Premium BIZ Seat im Winterflugplan 2026/27 auf der gesamten A320neo-Flotte anzubieten. Statt der üblichen Dreierbänke stehen vorn künftig vier Sitzpaare in zwei Reihen – acht Plätze auf einer Fläche, die bisher 18 Sitze trägt. Unter westeuropäischen Fluggesellschaften ist eine solche Sitzanordnung auf Kurzstrecken bislang die Ausnahme. Weltweit betrachtet ist sie eher der Einstieg in eine Kategorie, die anderswo längst weiter ist.
Acht Plätze pro Flugzeug, buchbar ab dem 1. Dezember
Der Umbau beginnt nach Angaben der Fluggesellschaft im November 2026, gebucht werden kann ab dem 1. Dezember 2026. Betroffen sind alle acht Maschinen des Typs Airbus A320neo. Sie sind der modernste Teil einer Flotte, die laut Flottenübersicht der Lufthansa Group zum 31. Juli 2026 insgesamt 98 Flugzeuge umfasste, darunter 29 Airbus A319 und 50 A320-200 älterer Bauart.
Acht Strecken bekommen das Produkt, verteilt auf vier deutsche Basen:
| Ziel | Abflug | Frequenz | Ticket ab | Aufpreis ab |
|---|---|---|---|---|
| Dubai | Berlin, Stuttgart, Köln/Bonn | täglich ab Berlin, 4x wöchentlich ab Stuttgart, 3x ab Köln/Bonn | 289,99 € | 300 € |
| London Heathrow | Düsseldorf, Berlin | bis zu 28x wöchentlich ab Düsseldorf, alle Flüge ab Berlin | 119,99 € | 60 € |
| Mallorca | Düsseldorf, Berlin | täglich ab Düsseldorf, bis zu 4x wöchentlich ab Berlin | 199,99 € | im Tarif |
| Málaga | Düsseldorf | 4x wöchentlich | 199,99 € | im Tarif |
Der Sitz stammt aus Italien – die Maße nennt die Mitteilung nicht
Maßangaben zum Sitz fehlen in der Ankündigung. Die englischsprachige Mitteilung nennt lediglich mehr Neigung, einen breiteren Sitz, mehr Beinfreiheit, eine verstellbare Beinauflage und USB-Anschlüsse. Konkrete Werte gibt es aus dem Frühjahr 2025: Nach einem Bericht von aeroTELEGRAPH vom 28. Mai 2025 ist der Sitz 52,48 Zentimeter breit – diese Angabe stammt vom Hersteller –, lässt sich 17,78 Zentimeter zurückneigen, und Eurowings legte den Sitzabstand mit 99,06 Zentimetern fest, also 39 Zoll.

Was der Premium BIZ Seat ist
Ein sogenannter Recliner: ein breiter, stärker neigbarer Einzelsitz mit Beinauflage, wie ihn Fluggesellschaften außerhalb Europas seit Jahren auf Kurz- und Mittelstrecken einbauen. Kein Flachbett. Das Modell heißt „Comoda“ und kommt vom italienischen Hersteller Geven. Vier Sitzpaare ersetzen die ersten drei Standardreihen, aus 18 Plätzen werden acht. Nach einem Bericht des Fachblogs Frankfurtflyer kommen die Sitze ohne aufwendige Verkabelung aus und lassen sich deshalb vergleichsweise schnell ein- und ausbauen.
Das Produkt gab es schon einmal – im Frühjahr flogen die Sitze wieder heraus
Neu ist der Sitz nicht. Am 24. November 2025 hob er erstmals ab, auf der Strecke Berlin–Dubai, zunächst in zwei A320neo. Im Frühjahr 2026 baute Eurowings ihn wieder aus. Gegenüber airliners.de erklärte die Fluggesellschaft Anfang Juli 2026, das Produkt sei als saisonales Angebot für den Winterflugplan ausgelegt gewesen und mit dessen Ende planmäßig entfernt worden.
Fachmedien lasen den Vorgang anders. aeroTELEGRAPH und Frankfurtflyer verwiesen darauf, dass Eurowings seine Golf-Flüge im Frühjahr 2026 ausgesetzt hatte und damit der Hauptmarkt für das Produkt weggefallen war. Entscheiden lässt sich das von außen nicht: Auslastungszahlen zu der Testphase sind öffentlich nicht verfügbar.
| Merkmal | Winter 2025/26 | Winter 2026/27 |
|---|---|---|
| Flugzeuge mit dem Sitz | 2 A320neo | alle 8 A320neo |
| Strecken | 1 (Berlin–Dubai) | 8, ab vier Basen |
| Aufpreis je Strecke | ab 399,99 € | ab 60 € (London), ab 300 € (Dubai) |
| Einordnung durch Eurowings | Markttest | Angebot des Winterflugplans |
Im internationalen Vergleich ist 2×2 der Einstieg, nicht die Spitze
Wer die 39 Zoll Sitzabstand international einordnet, landet im Mittelfeld. Die japanische ANA gibt für ihre „Premium Class“ im A321neo 127 Zentimeter an, also 50 Zoll. Qatar Airways weist im Sitzplan des Airbus A321-200 45 Zoll aus, Air India nennt für den nachgerüsteten A320neo 40 Zoll. Unterhalb von Eurowings liegen unter anderem Delta mit 37 bis 38 Zoll und Turkish Airlines mit 34 Zoll – wobei die türkische Fluggesellschaft solche Sitze nach Angaben von Fachmedien auf ihren Schmalrumpfflugzeugen ganzjährig anbietet.

Ein Vorbehalt gehört dazu: Nicht jede Fluggesellschaft veröffentlicht ihre Maße. Turkish Airlines, Air Canada, Oman Air und Aeroméxico machen auf ihren Flotten- und Kabinenseiten keine Angaben zu Sitzabstand oder Sitzbreite; die Werte in der Grafik stammen dort aus Fachmedien und sind entsprechend gekennzeichnet. Vergleichbar sind die Zahlen ohnehin nur eingeschränkt, weil der Sitzabstand nichts darüber sagt, wie weit sich eine Lehne neigen lässt.
In Europa bleibt der blockierte Mittelsitz vorerst die Regel
Innerhalb Europas ist der Vergleich für Eurowings günstiger. Lufthansa, Austrian Airlines, die Schweizer SWISS, Air France, KLM, British Airways, Iberia, Finnair und die griechische Aegean weisen auf ihren eigenen Produktseiten für die europäische Business Class weiterhin Standardsitze mit frei gehaltenem Nachbarplatz aus. British Airways nennt für Club Europe selbst 30 Zoll Sitzabstand. Die skandinavische SAS führte nach Branchenberichten zum 1. Oktober 2025 eine innereuropäische Business Class ein und blieb dabei ebenfalls beim Standardsitz mit frei gehaltenem Mittelplatz; verändert hat sich dort vor allem der Bordservice.

Bewegung gibt es trotzdem. Lufthansa-Chef Carsten Spohr soll im Februar 2026 in einem Interview mit dem deutschen „Handelsblatt“ angekündigt haben, auf Mittelstrecken zunächst zwei Reihen mit echten Recliner-Sitzen auszustatten; Fachmedien berichteten darüber übereinstimmend. Einen Termin, ein Sitzmodell oder eine eigene Mitteilung des Konzerns dazu gibt es bislang nicht. Die italienische ITA Airways fliegt auf dem A321neo bereits zwölf Flachbettplätze in Einzelanordnung, die auch auf Europastrecken zum Einsatz kommen, und die griechische Aegean hat für ihre A321neo XLR nach eigenen Angaben 24 Flachbett-Suiten bestellt.
Außerhalb Europas geht der Trend zum Flachbett mit Tür
Bei neu ausgelieferten Schmalrumpfflugzeugen ist der Recliner international vielfach schon nicht mehr die erste Wahl. Etihad fliegt seit Sommer 2025 einen A321LR mit 14 Flachbettplätzen und zwei First-Suiten, alle mit direktem Gangzugang. Saudia übernahm im Mai 2026 als erste Fluggesellschaft der Region einen A321XLR, ausgerüstet mit 24 Suiten mit Tür. flydubai, JetBlue, American Airlines und United bieten auf Schmalrumpfflugzeugen ebenfalls Flachbetten an; LATAM will nach Branchenberichten 2027 nachziehen.
Dass dieser Weg aufwendig ist, zeigt ein Gegenbeispiel: Delta setzt nach eigenen Angaben seit Juni 2026 auf mehreren A321neo eine Kabine mit 44 First-Plätzen ein. Nach Berichten aus dem Frühjahr 2026 fehlt für die eigentlich vorgesehenen Flachbettsitze noch die Zulassung, das Produkt wird demnach frühestens 2028 erwartet. In Südamerika wiederum bietet LATAM auf Schmalrumpfflugzeugen nach Branchenangaben bislang nur Dreierreihen mit frei gehaltenem Mittelsitz an – also genau das Modell, von dem Eurowings auf acht Flugzeugen abrückt.
Was Reisende dafür zahlen
Für Fluggäste ist der Preis der eigentliche Unterschied zur ersten Auflage. In der ersten Saison kostete der Aufpreis laut airliners.de ab 399,99 Euro je Strecke. Jetzt beginnt der Aufschlag bei 60 Euro nach London und bei 300 Euro nach Dubai, auf den beiden spanischen Strecken ist er im Tarif ab 199,99 Euro enthalten. Wie stark der Preis im Verkauf schwankt, sagt die Mitteilung nicht – Fluggesellschaften steuern solche Aufpreise dynamisch, ähnlich wie personalisierte und dynamische Preise in anderen Branchen.
Was in der Mitteilung nicht steht
- Keine Maße. Sitzbreite, Sitzabstand und Neigung fehlen in der Ankündigung vollständig; die bekannten Werte stammen aus dem Mai 2025.
- Keine Aussage zum Sommer. Angekündigt ist ausdrücklich der Winterflugplan 2026/27. Ob die Sitze danach eingebaut bleiben, lässt Eurowings offen.
- Keine Angabe dazu, was passiert, wenn statt eines A320neo ein anderes Flugzeug fliegt – bei acht von 98 Maschinen im Verbund ist ein Wechsel nicht ausgeschlossen.
- Kein Foto einer eingebauten Kabine. Die drei Motive, die Eurowings der Mitteilung beigelegt hat, sind Produktvisualisierungen.
Der wirtschaftliche Hintergrund ist angespannt. Im ersten Halbjahr 2026 beförderte Eurowings nach eigenen Angaben mehr als zehn Millionen Fluggäste, das Konzernsegment Punkt-zu-Punkt aus Eurowings und SunExpress wies zugleich ein bereinigtes Betriebsergebnis von minus 252 Millionen Euro aus. Als Gründe nennt der Konzern hohe Kerosinkosten und die deutsche Luftverkehrsteuer. Zum Winterflugplan 2026/27 schließt Eurowings zudem seine österreichische Basis Graz und reduziert Prag nach einem Bericht von airliners.de vom Juni 2026 auf ein stationiertes Flugzeug.
Nein, Eurowings ist nicht verschwunden – verwechselt wird die Airline mit zwei anderen
Die Frage taucht regelmäßig auf, und sie hat einen nachvollziehbaren Grund: Im Lufthansa-Konzern sind in den vergangenen Jahren tatsächlich Fluggesellschaften verschwunden – nur andere. Der Ferienflieger „Eurowings Discover“ heißt seit dem 5. September 2023 Discover Airlines; die Umbenennung erfolgte nach Darstellung der Branchenpresse auch deshalb, um Verwechslungen mit Eurowings zu vermeiden. Und Lufthansa CityLine stellte den Flugbetrieb nach Medienberichten am 18. April 2026 endgültig ein – nicht zu verwechseln mit Lufthansa City Airlines, die weiter fliegt.
Eurowings selbst führt der Lufthansa-Geschäftsbericht 2025 unverändert als eigenes Geschäftsfeld. 2025 beförderte die Fluggesellschaft nach Konzernangaben 23,7 Millionen Passagiere. Seit dem 2. Februar 2026 führt Max Kownatzki das Unternehmen. Das Streckennetz ist zuletzt geschrumpft, die Marke selbst besteht fort – und steht damit weiter in jenem Vergleich europäischer Fluggesellschaften, über den Reisende regelmäßig streiten.
Was als Nächstes ansteht
Terminlich ist die Lage übersichtlich: Umbau ab November 2026, Verkaufsstart am 1. Dezember 2026, Betrieb im Winterflugplan bis Ende März 2027. Mittelfristig steht die größte Flottenerneuerung der Firmengeschichte an – 40 Boeing 737-8 MAX, deren Auslieferung laut airliners.de Ende 2027 beginnen soll. Wie diese Flugzeuge mit Sitzen ausgestattet werden, ist offen. Ob der Premium BIZ Seat den Sommer 2027 übersteht, ebenfalls.
Wie beurteilen Sie das Angebot – ist ein breiterer Sitz auf einem Flug nach Mallorca oder London den Aufpreis wert? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Eurowings: Pressemitteilung vom 19. August 2026 zum Premium BIZ Seat im Winterflugplan 2026/27 – am Ende dieser Seite stehen auch die drei Bildmotive zum Sitz, die Eurowings bereitstellt; es handelt sich um Produktvisualisierungen der Fluggesellschaft
- Eurowings: Pressemitteilung zur Halbjahresbilanz 2026
- Lufthansa Group: Flottenübersicht Eurowings, Stand 31. Juli 2026
- Lufthansa Group: Geschäftsbericht 2025, Geschäftsfeld Eurowings
- aeroTELEGRAPH: Maße des Sitzes Geven Comoda, 28. Mai 2025 und Bericht über den Ausbau der Sitze, 6. Juli 2026
- airliners.de: Eurowings baut Premium-Sitz vorerst wieder aus, 2. Juli 2026, Schließung der Basis Graz, 19. Juni 2026 und Ausweitung auf die A320neo-Flotte, 19. August 2026
- touristik aktuell: Premium BIZ Seat auf acht Strecken, 19. August 2026
- British Airways: Produktseite Club Europe; Qatar Airways: Sitzplan Airbus A321-200; ANA: Premium Class; Air India: Pressemitteilung zur neuen A320neo-Kabine
- Airbus: Pressemitteilung zur ersten A321XLR für Saudia, Mai 2026; Etihad: Pressemitteilung zum A321LR, 28. April 2025
- Discover Airlines: Unternehmensseite zur Umbenennung; aerobuzz: Einstellung des Flugbetriebs von Lufthansa CityLine, 17. April 2026
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Beitragsbild und das Bild im Text stammen aus dem Pressebereich von Eurowings und sind keine KI-Bilder; die beiden Schaubilder sind eigene Darstellungen der Redaktion. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.