Das Wichtigste in Kürze

  • Die befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel galt vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026 und kostete den Bund rund 1,6 Milliarden Euro.
  • Entlastet wurde um 14,04 Cent je Liter netto, mit der niedrigeren Umsatzsteuer rund 17 Cent je Liter.
  • Am ersten Tag gab der Markt davon im Bundesschnitt rund 14 Cent weiter – regional zwischen 9,5 und 16 Cent.
  • Im Juli lag der Monatsdurchschnitt für Diesel 27,9 Cent über dem Juni-Wert, für Super E10 22,9 Cent. Beide Kraftstoffe kosten damit wieder mehr als zwei Euro je Liter.
  • Das Statistische Bundesamt führt den Preisschub im Großhandel ausdrücklich auch auf das Auslaufen der Steuersenkung zurück.

Das Statistische Bundesamt hat am 14. August die Großhandelspreise für Juli 2026 veröffentlicht. In der Mitteilung steht ein Satz, der die zwei Monate deutscher Kraftstoffpolitik nüchtern abschließt: Die Großhandelspreise für Mineralölerzeugnisse stiegen gegenüber Juni um 4,0 Prozent – und zwar, so die Behörde, auch wegen des Auslaufens der Energiesteuersenkung.

Damit liegt erstmals eine amtliche Zahl für das vor, was Autofahrerinnen und Autofahrer seit dem 1. Juli an der Zapfsäule sehen. Die Entlastung ist weg. Was von ihr bleibt, ist eine Rechnung: 1,6 Milliarden Euro Steuerausfall für zwei Monate, eine Weitergabe, die nie vollständig war, und ein Preisniveau, das heute höher liegt als vor Beginn der Maßnahme.

Was beschlossen wurde – und was es kostete

Der Bundestag beschloss die befristete Senkung am 24. April 2026 in namentlicher Abstimmung mit 451 Ja-Stimmen, 134 Nein-Stimmen und einer Enthaltung. Nach den Angaben im Textarchiv des Bundestages rechnete der Entwurf mit Steuermindereinnahmen von rund 1,6 Milliarden Euro für das Jahr 2026.

Die Steuersätze selbst hat die Zollverwaltung veröffentlicht. Nach der Fachmeldung der Generalzolldirektion galten vom 1. Mai bis 30. Juni 2026 abgesenkte Sätze nach dem Energiesteuergesetz:

Kraftstoff Regelsatz Satz 1. Mai bis 30. Juni 2026 Differenz
Benzin (schwefelfrei) 654,50 € je 1.000 l 514,10 € je 1.000 l 14,04 ct je Liter
Dieselkraftstoff 470,40 € je 1.000 l 330,00 € je 1.000 l 14,04 ct je Liter

Weil auf die Energiesteuer zusätzlich Umsatzsteuer erhoben wird, sinkt mit dem Steuersatz auch der Mehrwertsteueranteil. Das Bundesfinanzministerium beziffert die Gesamtwirkung in seinen Fragen und Antworten zur Energiesteuersenkung deshalb auf „circa 17 Cent pro Liter“. Das ist der Betrag, um den der Preis an der Tankstelle rechnerisch hätte fallen müssen, wenn die Mineralölwirtschaft die Senkung eins zu eins weitergegeben hätte.

Am ersten Tag fehlten rund drei Cent

Ob das geschah, hat die beim Bundeskartellamt angesiedelte Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beobachtet. Ihre Auswertung zum Tankrabatt hält fest: Am 1. Mai um 10 Uhr lagen die Preise im Bundesdurchschnitt rund 14 Cent unter dem Vortagesniveau – knapp unter der erwarteten Entlastung von 17 Cent. Regional fiel die Senkung sehr unterschiedlich aus, bei Diesel zwischen 9,5 und 16 Cent, bei Super E5 zwischen 10 und 15,5 Cent.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt formulierte den Anspruch an die Branche in derselben Auswertung so: „Es wäre völlig inakzeptabel, wenn die Steuerentlastung in den Kassen der Mineralölunternehmen hängen bliebe, statt bei Bürgern und der Wirtschaft Wirkung zu entfalten.“

Der ADAC kam knapp zwei Wochen später zum selben Befund. In seiner Mitteilung vom 13. Mai 2026 hieß es, die Senkung werde „zwar großteils, aber noch nicht vollständig“ weitergegeben; das Preisniveau bewerte der Club weiterhin als zu hoch. Super E10 kostete an diesem Tag im Bundesschnitt 1,973 Euro, Diesel 1,983 Euro je Liter.

Warum der Rückgang im Mai nicht nur Steuerwirkung war

Die Monatsdurchschnitte des ADAC zeigen, dass sich Steuer- und Markteffekte in dieser Zeit überlagerten. Der April 2026 war nach Angaben des Clubs mit 2,109 Euro für Super E10 und 2,263 Euro für Diesel der teuerste Tankmonat seit Beginn der Aufzeichnungen. Im Mai fiel der Dieselpreis um 27,2 Cent – deutlich mehr, als die Steuersenkung hergab. Super E10 wurde dagegen nur um 12,6 Cent billiger, also weniger, als die Entlastung betrug.

Beides zusammen ergibt kein Bild der Preistreue, sondern eines der Gleichzeitigkeit: Der Rohölpreis gab im Frühjahr nach, während die Steuer sank. Eine saubere Trennung beider Effekte lässt sich aus Monatsdurchschnitten nicht ableiten – deshalb ist die Tagesmessung der Markttransparenzstelle vom 1. Mai der belastbarere Wert für die Frage, wie viel von der Steuersenkung tatsächlich ankam.

Der Juli hat die Entlastung mehr als aufgezehrt

Nach dem 30. Juni kehrte sich die Bewegung um. Der bundesweite Monatsdurchschnitt stieg von Juni auf Juli bei Diesel von 1,818 auf 2,097 Euro je Liter und bei Super E10 von 1,870 auf 2,099 Euro. Das sind 27,9 beziehungsweise 22,9 Cent – in beiden Fällen mehr als die rund 17 Cent, die durch das Ende der Steuersenkung wegfielen.

Balkendiagramm der Veränderung des bundesweiten Monatsdurchschnittspreises von Juni auf Juli 2026: Super E10 plus 22,9 Cent je Liter, Diesel plus 27,9 Cent je Liter. Eine gestrichelte Linie markiert die weggefallene Steuerentlastung von rund 17 Cent je Liter.
Eigene Darstellung NETZ-TRENDS auf Basis von Daten des ADAC.

Innerhalb des Monats verlief die Entwicklung steil: Diesel kostete am 5. Juli im Schnitt 1,946 Euro und am 31. Juli 2,225 Euro je Liter. Der Aufschlag stammt damit nicht allein aus dem Steuersprung zum Monatsersten, sondern auch aus dem Verlauf der folgenden vier Wochen.

Was die amtliche Statistik im Juli misst

Das Statistische Bundesamt bestätigte am 12. August die Inflationsrate für Juli 2026 mit 2,8 Prozent nach 2,3 Prozent im Juni. Kraftstoffe verteuerten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 23,0 Prozent, Energie insgesamt um 8,3 Prozent. Als Ursachen nennt die Behörde die Rohölpreisentwicklung infolge des Iran-Krieges und das Ende der befristeten Energiesteuersenkung.

Im Großhandel fällt der Befund ähnlich aus. Die Großhandelspreise insgesamt lagen im Juli 5,3 Prozent über dem Vorjahresmonat und 0,2 Prozent über dem Vormonat. Mineralölerzeugnisse allein verteuerten sich um 24,1 Prozent gegenüber Juli 2025 und um 4,0 Prozent gegenüber Juni 2026. Zum Vergleich: Im Juni hatte der Gesamtindex 4,9 Prozent über dem Vorjahr gelegen, im Mai 5,9 Prozent.

Bemerkenswert ist die Gegenbewegung an anderer Stelle. Während Kraftstoffe und leichtes Heizöl teurer wurden, sank die Haushaltsenergie um 1,4 Prozent, Strom um 5,3 Prozent und Erdgas um 2,9 Prozent. Wer heizt, wurde im Juli entlastet; wer fährt, wurde belastet. Welche staatliche Preiskomponente in beiden Bereichen mitläuft und wie sie sich 2027 entwickelt, hat NETZ-TRENDS am Kabinettsbeschluss zum nationalen CO₂-Preis nachgerechnet.

Wer wie viel gespart hat

In der Beratung des Finanzausschusses spielte die Verteilungswirkung eine Rolle. Nach der Darstellung im Textarchiv des Bundestages wurde dort auf die Entlastungshöhe je Haushalt hingewiesen: einkommensstarke Haushalte sparten durch die Maßnahme rund 12 Euro im Monat, einkommensschwache rund 3 Euro. Der Grund ist mechanisch – wer mehr tankt, spart mehr, und Haushalte mit höherem Einkommen fahren im Schnitt mehr.

Alternativvorschläge fanden im Verfahren keine Mehrheit, darunter eine Senkung der Stromsteuer mit einem Volumen von rund sechs Milliarden Euro, eine Anhebung der Pendlerpauschale auf 50 Cent je Kilometer und eine Übergewinnsteuer.

Einordnung: Was in der Bilanz fehlt

Die Markttransparenzstelle hat die Weitergabe der Steuersenkung nach dem 1. Mai dokumentiert – ihre veröffentlichte Auswertung endet allerdings Anfang Juni. Eine entsprechende amtliche Beobachtung dessen, was beim Auslaufen zum 30. Juni geschah, liegt bislang nicht öffentlich vor. Damit ist die eine Richtung der Maßnahme amtlich vermessen, die andere nicht.

Warum nicht verlängert wurde

Die Entscheidung gegen eine Verlängerung fiel nach übereinstimmenden Berichten aus der Branchenpresse, unter anderem des Fachdienstes Autohaus, am 11. Juni 2026 in den Fraktionen von Union und SPD. Zur Begründung wurde auf die Haushaltslage verwiesen: Für eine Fortsetzung wollte man keine zusätzlichen Schulden aufnehmen. Zugleich stellten Vertreter beider Fraktionen in Aussicht, bei einer drastischen Veränderung der Preislage ab dem 1. Juli erneut reagieren zu können, und verwiesen auf eine mögliche Verschärfung des Kartellrechts zur Erhöhung der Markttransparenz.

Eine solche Reaktion ist bislang nicht erfolgt. Eine Anschlussmaßnahme wurde nicht beschlossen.

Wo die Preise heute stehen

Der ADAC weist für den 12. August 2026 bundesweite Durchschnittspreise von 2,125 Euro für Super E10 und 2,200 Euro für Diesel aus. Beide Werte liegen über dem Juli-Durchschnitt. Als Gründe nennt der Club den Anstieg der Rohölnotierung – Brent lag zuletzt bei rund 89 US-Dollar je Barrel und damit etwa zehn Dollar über der Vorwoche – sowie Niedrigwasser im Rhein, das den Transport verteuert.

Für einen 50-Liter-Tank bedeutet der Abstand zum Juni-Durchschnitt bei Diesel rund 19 Euro je Füllung. Bei 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung und einem Verbrauch von sechs Litern je 100 Kilometer summiert sich die Differenz zwischen dem Juni- und dem aktuellen Preisniveau auf gut 340 Euro im Jahr – vorausgesetzt, das Niveau bleibt, wo es ist. Wie stark der Kraftstoffanteil an den gesamten Autokosten überhaupt ins Gewicht fällt, zeigt der Langzeitvergleich mehrerer Fahrzeuge auf NETZ-TRENDS.

Praxishinweis

Der ADAC nennt für die aktuelle Marktlage drei Ansatzpunkte, die unabhängig von der Steuerpolitik wirken:

  • Der Preisunterschied zwischen Tankstellen im selben Ort erreicht nach Clubangaben bis zu 7 Cent je Liter.
  • Super E10 ist rund 5 bis 6 Cent je Liter günstiger als Super E5.
  • Innerhalb des Tages liegen die Preise kurz vor 12 Uhr derzeit unter dem Tagesdurchschnitt.

Was als Nächstes ansteht

Der nächste amtliche Datenpunkt ist die Verbraucherpreisstatistik für August 2026, deren Schnellmeldung Ende August und deren endgültiges Ergebnis im September erscheint. Sie wird zeigen, ob sich das Preisniveau nach dem Steuersprung stabilisiert oder ob die Rohölentwicklung weiter durchschlägt. Der Bundestag kommt nach der Sommerpause ab dem 7. September wieder zu Sitzungswochen zusammen; ein Antrag zur Wiederauflage der Energiesteuersenkung liegt dort bislang nicht vor.

Was sich bereits jetzt sagen lässt: Die Maßnahme hat zwei Monate gewirkt, sie hat nach amtlicher Messung nicht vollständig, aber überwiegend die Zapfsäule erreicht – und sie hat keinen Effekt hinterlassen, der über ihr Enddatum hinausreicht. Genau so war sie konstruiert.

Haben Sie den Tankrabatt in Ihrer Haushaltskasse gespürt – und wie stark schlägt der Preissprung seit Juli bei Ihnen durch? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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