Menü
Netz-Trends.de
Das Magazin für Visionäre
E-Commerce Russland verbietet Bitcoins

USA, New York: Verhaftung Bitcoin Evangelist Charles Shrem von Bitinstant wegen Vorwurf angeblicher Geldwäsche

Die Bitcoin-Szene kämpft mit harten Vorwürfen der Justiz. Das Imperium schlägt immer wieder zurück - das Imperium der alten Finanzsystem der USA. Screenshot: bitinstant.com
12.02.2014

Während in Deutschland viele Wirtschaftsmedien seit Wochen begeistert über die virtuelle Währung Bitcoin berichten, scheinen die Mächtigen der US-Finanzwirtschaft hinter den Kulissen gemeinsam mit Politik und Justiz ihre Gangart gegen alle, die das Bitcoin-System vorantreiben, wieder einmal zu verschärfen. Das Bitcoin-System war 2009 unter dem Namen Satoshi Nakamoto gegründet worden. Einige sprechen auch von einer Kryptowährung. Derzeit liegen die Münzen bei einem Wert von 6,4 Milliarden Euro.

Bereits am 26. Januar 2014 wurde jedoch, berichtet das Wall Street Journal vom 7. bis 9. Februar 2014 (S. 22), der bekannte Bitcoin-Evangelist und Bitcoin-Händler Charles Shrem ("Charlie Shrem") in New York verhaftet worden und für einige Tage in U-Haft genommen worden. Zwar wurde Bitcoin Evangelist Charles Shrem wieder frei gelassen - doch nur auf Kaution und auch nur in engen Rahmenbedingungen. So steht er seit über 2 Wochen unter Hausarrest.

Bitcoin Evangelist Charles Shrem war Betreiber der im Jahr 2011 gegründeten und sehr erfolgreichen Bitcoin-Börse Bitinstant aus New York City (BitInstant LLC). Das Wall Street Journal beziffert sein mit Bitcoins erwirtschaftetes Vermögen auf rund 6 Millionen US-Dollar. Seine Bitcoin-Börse Bitinstant gründete Charles - aufgewachsen im New Yorker Stadtteil Brooklyn in der dortigen syrisch-jüdischen Gemeinde - einst mit einem 10.000 Dollar-Geschenk seiner eigenen Mutter.

Immer wieder äußerten US-Behörden, wonach die Bitcoin-Börsen ab einem bestimmten Finanz-Transaktionsbetrag aus bestimmten Ländern die US-Finanzaufsicht in Kenntnis setzen müssten. Konkret geht es darum, dass alles, was nach Geldwäsche ("money laundering") über virtuelle Börsen aussehen könne, gemeldet werden müsse. Besonders Oligarchen oder andere Reiche dieser Welt stehen im Verdacht, mittels Bitcoins heimlich Geldwäsche zu betreiben.

Entsprechend wirft denn auch die New Yorker Staatsanwaltschaft Charles Shrem vor, er hätte es verpasst, ein angemessenes Finanzreporting in Bezug auf verdächtige Finanztransaktionen den Behörden abzuliefern ("... failure to file a suspicious-acitivity report...").

Der zweite Vorwurf der Staatsanwaltschaft New York lautet, Bitcoin Evangelist Charles Shrem habe ein ungenehmigtes Finanzsystem mit etabliert ("... operating an unlisensed money-transmitting business..."). Außerdem schreibt das Wall Street Journal: "Mr. Shrem is charged with participating in a money-laundering conspiracy during most of 2012 that allegedly helped customers of the online black-market site Silk Road (Anmerkung: Mittlerweile geschlossen) use more than $1 million of bitcoin to anonymously purchase everything from narcotics to forged passports."

Doch nicht nur gegen Charles Shrem läuft ein Ermittlungsverfahren in New York sondern gegen rund 20 weitere Bitcoin-Börsen - und zwar alleine in NYC. Sie alle würden seit 2013 im Ermittlungsfokus des "New York Department of Financial Services" stehen und hätten juristische Vorladungen erhalten. Ob es auch dort zum drastischen Mittel der U-Haft gekommen ist, die immer stärker sowohl in den USA wie in Deutschland illegal als Mittel der "Beugehaft" von den Staatsanwaltschaften missbraucht wird, ist bislang nicht klar.

Charles Shrem streitet die Vorwürfe jedenfalls ab: Weder habe er Geld verkauft, noch habe er auf seiner Bitcoin-Börse wissentlich oder unwissentlich Geldwäsche betreiben lassen.

U-Haft als illegal von Staatsanwaltschaften eingesetztes Mittel der Beugehaft - auch in der Bitcoin-Szene?

"Mit der U-Haft von zentralen Bitcoin-Figuren und harten Vorwürfen möchten die US-Behörden die virtuelle Währung Bitcoin im Keim ersticken", berichtet ein New Yorker Netzaktivist gegenüber Netz-Trends. Aus Sicht von Beobachtern hat Bitcoin bislang das größte Potential zur ersten tatsächlichen virtuellen Währung der Welt aufzusteigen. Grund: Immer mehr Geschäfte und Institutionen akzeptieren Bitcoins als Zahlungsmittel - unter ihnen solch unterschiedliche wie zum Beispiel overstock.com, das Sacramento Kings basketball Team oder die Dating-Plattform OKCupid.

Unter dem drastischen Justiz-Druck der Ermittlungen scheint Charles Shrem erst einmal seine Bitcoin-Börse geschlossen zu haben. Jedenfalls konnte sie Netz-Trends bei einem Test am 11. Februar 2014 nicht mehr öffnen. Bis Juli 2013 hatte Charles Shrem mit seiner Bitcoin-Börse Bitinstant 20 Mitarbeiter in New York beschäftigt. Nachdem der Druck von juristischer Seite zunahm, habe er die Bitcoin-Börse Bitinstant bereits im Juli 2013 offline genommen, schreibt sinngemäß das Wall Street Journal.

Übliche Fragen vor einer Bitcoin-Transaktion auf der mittlerweile oder vorübergehend geschlossenen Börse BiIstant.

Der Bitcoin Evangelist Charles Shrem war neben seiner Funktion als Chef der Bitcoin-Börse Bitinstant auch Charmain der Bitcoin Foundation. Die Foundation hat zum Ziel, Bitcoins gegenüber den amerikanischen Finanzregulierungs-Behörden, Gesetzgebern sowie anderen gesellschaftlichen Multiplikatoren und Einflussgrößen, zu promoten.

Doch das scheint einigen der Mächtigen in den USA ein Dorn im Auge zu sein. Das typische Mittel in solchen Fällen ist: U-Haft für junge Gründer in der Hoffnung, dass sie ihr Geschäft dann freiwillig aufgeben. Das scheint zumindest derzeit im Falle des bekannten amerikanischen Bitcoin Evangelist Charles Shrem gelungen zu sein. Jedenfalls steht im Wall Street Journal geschrieben, wonach Charles seine Webseite nun lediglich als einen mittlerweile beendeten Test darstelle.

Dennoch lässt er sich mit den Worten im Wall Street Journal zitieren, wonach er davon ausgehe, dass das Jahr 2014 das wichtigste Jahr für die Bitcoins werde und für den endgültigen Durchbruch der virtuellen Währung sorgen werde.
Die Vorwürfe der US-Justiz gegen Bitcoin-Star Charles Shrem lasten hart und würden im Falle eines Schuldspruchs auch hart bestraft - mit 5 bis 20 Jahren Haft. Das zeigt vor allem eines: "Im Moment sieht es allerdings eher so aus, als würde die Politik die digitale Währung zurückdrängen wollen", folgert "Die Welt" in einem Artikel am 12. Februar 2014 im Finanzteil (S. 15).


Die Bitcoin-Börse BTC China.

Auf Grund der zunehmenden juristischen Verfahren vor allem in Ländern wie den USA gibt es zunehmend in anderen Ländern Bitcoin-Börsen. Eine der größten war bis vor kurzem zum Beispiel Mt.Gox. Über sie wurden einst rund 80 % des Bitcoin-Handels mit Dollar abgewickelt. Weitere erfolgreiche Wettbewerber sind zum Beispiel Bitstamp (United Kingdom) oder BTC China (Shanghai). Bitstamp warnt jedoch Nutzer freiwillig vor dem hoch spekulativen Geschäft mit Bitcoins: "You should carefully assess whether your financial situation and tolerance for risk is suitable for buying, selling or trading Bitcoins."

Schnelligkeit von Transaktionen der virtuellen Währung ist ein Vorteil von Bitcoins

Die Online-Börse für Bitcoins von Charles Shrem rühmt sich damit, mit der Digitalwährung Bitcoin schnell und einfach die virtuelle Währung der Bitcoins auf das Konto überweisen zu können - per Online-Austausch und ohne Verzögerung.

Der Vorteil von Bitcoins ist, dass der Handel mit der virtuellen Währung "schneller" sei, als sonstige Finanztransaktions-Geschäfte an üblichen Börsen. Bitinstant rühmt sich damit - wie mittlerweile weltweit einige weitere Dutzend Bitcoin-Onlinebörsen, darunter auch in Deutschland, wonach man die virtuellen Finanztransaktionen mit Bitcoins innerhalb von wenigen Sekunden vollziehen könne. Dabei liege die "Höchstfrist" für weltweite Finanztransaktionen bei 30 Minuten. Allerdings konnte über der mittlerweile "freiwillig" geschlossenen virtuellen Bitcoin-Börse BitInstant lediglich in drei Währungen getauscht werden - in US-Dollar, per "Bareinzahlung" (also direkt mit Bitcoins), mit dem Brasilianischen Rial oder dem Russischen Rubel.

Der Handel mit Bitcoins über Börsen wie BitInstant ist jedoch nicht kostenlos. Vielmehr leben die Bitcoin-Onlinebörsen von einer Vermittlungsgebühr. Die Gebühr begann beispielsweise auf BitInstant bei 0,26 % des Handelsvolumens. Die Preise können im Falle "bestimmter High-Volume-Händlern" variieren. Weitere Hintergründe im Artikel: Russland verbietet Bitcoins


BitInstant selber schrieb über seinen angebotenen Service:

"BitInstant is a payment processor for various Bitcoin exchanges and other merchants. Customers of these exchanges and other merchants can easily make a payment to them by using BitInstant, that is an agent and payment processor for those exchanges and other merchants. BitInstant receives money for exchanges and other merchants through various payment systems such as [Dwolla, Liberty Reserve, TrustCash, PayPal]. In receiving those funds, BitInstant acts as an agent and payment processor for various exchanges and other merchants, such as [MtGox, ...]. Funds can be available in as little as 15 minutes and are typically available within one hour at the exchange or other merchant selected by the Customer. All payments are processed automatically. Bitcoin exchanges sell Bitcoin. BitInstant does not sell Bitcoin. Instead, BitInstant assists exchanges and other merchants in receiving payment from Customers in the most efficient way known."

Gefällt mir 
 
0 5

0
 

Weitere News zum Thema