Kategorie: Medien | Lesezeit: ca. 9 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Donald Trump hat am 18.09.2026 per Truth-Social-Post den sofortigen Entzug der Akkreditierung für CNN, MS NOW und Politico im Weißen Haus verkündet.
  • Politico gehört seit 2021 zum deutschen Medienkonzern Axel Springer SE, der auch Bild und Welt herausgibt.
  • Unabhängige US-Bewertungsdienste wie AllSides und Media Bias/Fact Check (MBFC) stufen Politico im Nachrichtenteil überwiegend als „Lean Left“ bis „Left-Center“ ein; die Bewertungsmethoden und ihre Grenzen erklären wir im Detail.

Wie links ist Politico? Eine Frage, die durch Trumps Bannspruch neue Brisanz bekommt

Politico gehört der Axel Springer SE, jenem Konzern, der hierzulande auch Bild und Die Welt verlegt. Für deutsche Leserinnen und Leser macht genau das den aktuellen Vorgang bemerkenswert: Wenn ein US-Präsident ein Axel-Springer-Portal aus dem Weißen Haus verbannt, betrifft das mittelbar auch ein Stück deutscher Medienlandschaft.

Donald Trump gehört den Republikanern an, der rechtskonservativen Massenpartei der USA. Die Medienhäuser, die er nun von der Akkreditierung im Weißen Haus ausschließt, sind ihm politisch offenkundig nicht deckungsgleich – andernfalls ergäbe eine solche Maßnahme aus seiner eigenen Perspektive wenig Sinn.

Genau das macht den Fall Politico bemerkenswert und wirft bei vielen Beobachtern eine Frage auf, die sie zunächst kaum glauben können: Ausgerechnet ein Titel des als eher konservativ und Trump-freundlich wahrgenommenen Verlags Axel Springer steht nun auf derselben Verbotsliste wie CNN und MS NOW. Das lässt unweigerlich die Frage aufkommen: Wie links ist dieses Springer-Medium eigentlich wirklich? Genau dieser Frage – und nicht einer pauschalen Bewertung von Axel Springer als Ganzes – geht dieser Artikel im Folgenden nach.

Bevor wir zur Frage kommen, wie Politico politisch einzuordnen ist, zunächst die aktuelle Nachrichtenlage – mit dem Originalbeleg.

Der Ausschluss: Trumps Ankündigung im Original und auf Deutsch

Am 18.09.2026 um 15:04 Uhr veröffentlichte Donald Trump auf seinem Profil @realDonaldTrump bei Truth Social folgenden Beitrag:

Screenshot des Original-Beitrags von Donald Trump vom 18.09.2026 auf Truth Social
Screenshot als Bildzitat zur Dokumentation eines öffentlichen Sachverhalts (§ 51 UrhG). Ursprungsbeitrag von Donald Trump, veröffentlicht am 18.09.2026 um 15:04 Uhr auf seinem Profil @realDonaldTrump bei Truth Social. Original hier einsehbar: truthsocial.com/@realDonaldTrump, archiviert bei trumpstruth.org/statuses/41800. Keine Einbettung des Originalposts, sondern reine Bildzitat-Wiedergabe zur Berichterstattung.

Original (Englisch):

„I am proud to announce that, effective immediately, I am banning Fake News CNN, MSNOW (who recently changed their name from MSNBC due to lack of viewership and credibility!), and Politico (The recipients of an illegal and ridiculous $8 Million Dollar subscription, an All Time Record, directly from the United States Government, under Crooked Joe Biden, in order to keep them „alive.“ Seems like corruption to me!), from the White House as a result of their constant „reporting“ FAKE NEWS! Media Outlets shouldn’t be able to constantly write or report FICTION and LIES when they’re covering the President of the United States, the Trump…“ (der im Screenshot sichtbare Text bricht an dieser Stelle ab; ob der Original-Post darüber hinausgeht, ist uns nicht mit Sicherheit bekannt)

Übersetzung (Deutsch):

„Ich freue mich, bekannt zu geben, dass ich mit sofortiger Wirkung das Fake-News-Medium CNN, MSNOW (das seinen Namen kürzlich wegen mangelnder Zuschauerzahlen und Glaubwürdigkeit von MSNBC geändert hat!) und Politico (die Empfänger eines illegalen und lächerlichen Acht-Millionen-Dollar-Abonnements, ein absoluter Rekordwert, direkt von der US-Regierung unter dem korrupten Joe Biden, um sie „am Leben“ zu halten. Das klingt für mich nach Korruption!) aus dem Weißen Haus verbanne – als Reaktion auf deren ständige „Berichterstattung“ von FAKE NEWS! Medien sollten nicht ständig Fiktion und Lügen schreiben oder berichten dürfen, wenn sie über den Präsidenten der Vereinigten Staaten berichten, den Trump …“ (Screenshot endet hier)

Wichtig für die Einordnung: Der Vorgang ist von der zuvor öffentlich gewordenen internen Auseinandersetzung bei Axel Springer um den Investor Martin Varsavsky strikt zu trennen. Ob und inwiefern diese beiden Ereignisse in einem Zusammenhang stehen, ist öffentlich nicht belegt. Trump nennt in seinem Post ausschließlich die 8-Millionen-Dollar-Abonnement-Behauptung als Begründung, keinen Bezug zu Axel Springer als Konzern. Wir stellen die beiden Themen daher bewusst getrennt dar.

Grafischer Aufmacher: Wie links ist Politico?
Eigene Illustration der NETZ-TRENDS-Redaktion, erstellt auf Basis eines Screenshots der Startseite von politico.com (Stand 18.09.2026) sowie des Beitrags von Donald Trump auf Truth Social.

Wer steht hinter Politico – und wer wurde sonst noch gebannt?

Politico wurde 2007 in den USA gegründet und 2021 vollständig von der Axel Springer SE übernommen. Zum Portfolio des Konzerns gehören in Deutschland unter anderem Bild und Die Welt.

Nicht zu Axel Springer gehört dagegen die FAZ: Sie bleibt redaktionell und gesellschaftsrechtlich unabhängig und gehört der gemeinnützigen Fazit-Stiftung (gegründet 1959).

CNN und MS NOW (vormals MSNBC, seit der Umbenennung im Zuge der NBCUniversal-Ausgliederung als eigenständiger Sender firmierend) sind reine US-Sender ohne deutsche Konzernverbindung.

Trump hat in der Vergangenheit wiederholt einzelnen Medien den Zugang zum Weißen Haus entzogen oder eingeschränkt – darunter zeitweise auch Associated Press (AP), nachdem die Nachrichtenagentur sich geweigert hatte, den „Golf von Amerika“ in ihrer Stilrichtlinie zu übernehmen. Der Fall AP landete vor Gericht: Im Verfahren Associated Press v. Budowich (D.C. Cir., Az. 25-5109) ging es um die Frage, ob das Weiße Haus einzelne Medien wegen ihrer redaktionellen Entscheidungen vom Pressepool ausschließen darf.

Warum der Zugang zum Weißen Haus überhaupt eine Rolle spielt

Der sogenannte „White House Press Pool“ ist eine rotierende, kleine Gruppe von Journalistinnen und Journalisten, die engen Zugang zum Präsidenten erhält. Wer ganz von der Akkreditierung ausgeschlossen wird, verliert nicht nur den Pool-Zugang, sondern grundsätzlich das Recht auf Zutritt zu regulären Pressebriefings im West Wing.

Rechtlich ist diese Frage in den USA keineswegs neu: Bereits 1977 entschied das Bundesberufungsgericht im Fall Sherrill v. Knight, dass die Vergabe von Presseausweisen im Weißen Haus nicht willkürlich erfolgen darf.

Wie politisch Medien sind – eine alte Frage, keine einfache Antwort

Die Frage, wie politisch ein Medium ist, ist so alt wie die Medien selbst – und eine eindeutige Antwort darauf zu finden, ist entsprechend schwer. Bei manchen Titeln fällt die Einordnung leichter: Die taz etwa gilt in der Kommunikationswissenschaft seit jeher unstrittig als links bis linksaußen positioniert, ohne dass darüber ernsthaft gestritten wird.

Bei den meisten anderen Medien ist die Sache diffiziler. Was in Deutschland, Österreich und der Schweiz Gegenstand universitärer Kommunikationswissenschaft ist, gilt auch in den USA: Dort beschäftigen sich neben zahlreichen Studiengängen und akademischen Forschungsinstituten auch einige private Anbieter mit genau dieser Frage – Dienste, die für sich in Anspruch nehmen, die politische Ausrichtung von Massenmedien systematisch messen zu können. Einige der bekanntesten davon stellen wir im Folgenden vor, gemeinsam mit ihrer jeweiligen Methodik und deren Grenzen.

Wie links ist Politico laut unabhängigen Bewertungsdiensten?

AllSides (allsides.com) arbeitet mit drei Methoden: einer redaktionellen „Editorial Review“, einer „Blind Bias Survey“ sowie fortlaufendem Community-Feedback. Nach der aktuellen AllSides-Einstufung liegt Politico im Bereich „Lean Left“. Primärquelle: allsides.com/news-source/politico-media-bias.

Media Bias/Fact Check (MBFC) (mediabiasfactcheck.com), ein 2015 von Dave Van Zandt gegründeter unabhängiger US-Bewertungsdienst, stuft Politico ebenfalls im Bereich „Left-Center“ ein und bewertet die faktische Zuverlässigkeit als „High“.

Ad Fontes Media (adfontesmedia.com) ordnet Politico ähnlich ein: leicht links der Mitte im Meinungsteil, näher an der Mitte im reinen Nachrichtenteil.

Bias-Skala: Einordnung von Politico im Vergleich zu anderen US-Medien nach AllSides, Farbcode nach deutscher Konvention
Eigene Darstellung der NETZ-TRENDS-Redaktion auf Basis der Einstufungen von AllSides Media Bias Ratings (Stand 2026). Farbcodierung nach deutscher/österreichischer/schweizerischer Konvention (Rot = links, Dunkelblau = rechts).

AllSides ist ein 2012 gegründetes US-Unternehmen für Medienkompetenz. MS NOW ist der neue Name des früheren Kabelsenders MSNBC.

Internationale Studien: Nicht nur ein DACH-Thema

Eine 2026 auf arXiv veröffentlichte Studie (arXiv:2607.12108, „Stop using Media Bias/Fact Check in research“) kritisiert die methodische Grundlage solcher Dienste grundsätzlich.

Ältere, methodisch etablierte Forschung – etwa Groseclose/Milyo (2005) und Gentzkow/Shapiro (2010) – zeigt beispielhaft, wie sich politische Schlagseite in Medien quantitativ untersuchen lässt; entsprechende Forschung zur Messung von Medien-Bias gibt es in der Kommunikationswissenschaft allerdings schon länger, diese beiden Arbeiten sind lediglich prominente, häufig zitierte Beispiele.

Der Vorwurf der „8-Millionen-Dollar-Abonnements“: Was ist dran?

Diese Behauptung stammt direkt aus Trumps eigenem Post: Er wirft der US-Regierung unter Joe Biden vor, Politico über ein Abonnement in Höhe von 8 Millionen US-Dollar „am Leben gehalten“ zu haben.

Nach Recherche der Redaktion bezieht sich diese Zahl mutmaßlich auf Abonnements des kostenpflichtigen Fachdienstes Politico Pro über mehrere Bundesbehörden hinweg – nicht um eine einmalige Zahlung „an Politico als Gegenleistung für positive Berichterstattung“. Eine unabhängige, belastbare Prüfung liegt der Redaktion nicht vor.

Media Bias/Fact Check: Wer ist Dave Van Zandt, und wie valide ist die Methode?

MBFC wurde 2015 von Dave M. Van Zandt gegründet. Klärungshinweis: Dieser Dave M. Van Zandt ist nicht identisch mit dem gleichnamigen David E. Van Zandt, einem US-Juristen und ehemaligen Präsidenten der New School in New York, heute Chefsyndikus bei Invus.

MBFC hat nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als 11.000 Medienquellen weltweit bewertet. Das Columbia Journalism Review bezeichnete solche Ansätze als „Sofa-Medienanalyse“, das Poynter-Institut äußerte sich 2018 dahingehend, die Methode sei „in keiner Weise wissenschaftlich“.

Die „Mixed“-Einstufung für Bild: Wer sagt das, und wie belastbar ist das?

Die Primärquelle für diese Einstufung ist die MBFC-Profilseite zu Bild: mediabiasfactcheck.com/bild/. MBFC führt bei der Faktentreue sechs Stufen, von „Very High“ über „High“ und „Mostly Factual“ bis zu „MIXED“, „Low“ und „Very Low“. Nach der eigenen Methodik von MBFC bedeutet „Mixed“ ausdrücklich eine schlechtere Einstufung als „Mostly Factual“: „Reliability varies; multiple fact-check failures, poor sourcing, lack of transparency, one-sidedness“ (Skala 4,5–6,4), während „Mostly Factual“ für „occasional fact-check failures“ steht (Skala 2,0–4,4). Bild wird von MBFC mit „Factual Reporting: MIXED (4.8) – Not always Credible or Reliable“ eingestuft, die politische Einordnung lautet „Right-Center (3.6)“; im Fließtext der Seite heißt es zusammenfassend: „Overall, BILD remains Right-Center with Mixed factual reporting.“ Als Begründung nennt MBFC unter anderem eine 2017 zurückgezogene Meldung zu sexuellen Übergriffen durch Migranten sowie eine 2025 von Faktenprüfern widerlegte Behauptung im Zusammenhang mit Bildmaterial aus dem Gazastreifen; zudem wird der Redaktion ein „emotive and combative“ Ton mit „populist-nationalist bias“ bei Migrations- und Sicherheitsthemen attestiert.

Screenshot der MBFC-Profilseite zu Bild mit rot markierter MIXED-Einstufung und Bestätigungssatz
Screenshot als Bildzitat zur Dokumentation der Einstufung (§ 51 UrhG), aufgenommen am 20.09.2026 auf mediabiasfactcheck.com/bild/. Rote Markierung durch die Redaktion zur Verdeutlichung: oben die Faktentreue-Tabelle mit hervorgehobener Zeile „MIXED“, unten der Originalsatz „Overall, BILD remains Right-Center with Mixed factual reporting.“ Keine Einbettung der Originalseite, sondern reine Bildzitat-Wiedergabe zur Berichterstattung; Bearbeitung: rote Markierungsrahmen durch die Redaktion.

Quelle im Original ansehen: mediabiasfactcheck.com/bild/

Zur Einordnung: Der Spiegel musste 2018 im Zuge des Falls Claas Relotius zahlreiche fingierte Reportagen zurückziehen. Die Süddeutsche Zeitung stand 2025/2026 wegen einzelner Berichte zur Gaza-Berichterstattung in der Kritik. Auch diese Redaktionen veröffentlichen wie praktisch jedes große Medienhaus regelmäßig Korrekturen, wenn sich Fehler herausstellen – das ist im Journalismus üblich und für sich kein Beleg mangelnder Sorgfalt. NETZ-TRENDS kann die spezifische „Mixed“-Einstufung für Bild bei MBFC daher nicht eigenständig nachvollziehen oder bestätigen und gibt sie hier ausschließlich als Fremdbewertung mit direkter Quellenangabe wieder.

Die Deutschland-Skala: Politico, FAZ, Welt, Spiegel, Zeit, SZ und Bild im Vergleich

Links-Rechts-Vergleich: Politico, FAZ, Welt, Spiegel, Süddeutsche Zeitung und Bild nach MBFC-Einstufung
Eigene Darstellung der NETZ-TRENDS-Redaktion auf Basis der Einstufungen von Media Bias/Fact Check (MBFC). Farbcodierung nach deutscher Konvention.
Medium Tendenz (MBFC) Faktentreue (MBFC) Axel-Springer-Titel
Süddeutsche Zeitung links der Mitte High Nein
Der Spiegel links der Mitte High Nein
Politico links der Mitte High Ja
FAZ rechts der Mitte / konservativ High Nein (Fazit-Stiftung)
Die Welt rechts der Mitte / konservativ High Ja
Bild rechts der Mitte / konservativ Mixed Ja

KI-Kommentar

Der gleichzeitige Ausschluss dreier redaktionell unterschiedlich positionierter Häuser wirkt eher wie eine grundsätzlichere Neuausrichtung des Verhältnisses zwischen der US-Regierung und Teilen der etablierten Presse als wie eine punktuelle Reaktion.

Politico und MS NOW werden überwiegend links der Mitte verortet; CNN meist näher an der Mitte. Trumps eigene Begründung – der 8-Millionen-Dollar-Vorwurf – ist inhaltlich von der Bias-Frage zu trennen.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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