Westliche Minenkonzerne in Afrika versuchen Ebola Reiseverbot zu verhindern

Damit wären wohl einige afrikanische Länder – besonders aus Westafrika - von der Außenwelt isoliert. Dagegen versuchen nun einige der größten Unternehmen in Afrika zu kämpfen. Bei fast allen handelt es sich um westliche Minenkonzerne aus Europa (Niederlande, Großbritannien) sowie Nordamerika (USA, Kanada) und Australien. Dessen ungeachtet drängen vor allem in den USA hochrangige Politiker auf ein Einreiseverbot für Reisende aus von Ebola betroffenen Ländern:

Foto: londonmining
Die Minenkonzerne sorgen sich in Afrika um ihre Geschäfte.

Die Ebola-Epidemie sorgt für immer größere Katastrophen-Szenarien. Zwar hatte jetzt eine kanadische Firma gesagt, sie habe möglicherweise einen Ebola-Impfstoff gefunden. Doch noch dauere es mindestens zwei Monate, ehe dieser möglicherweise einsatzbereit sei. Derweil überlegen immer mehr Staaten die Einreise aus von Ebola betroffenen Ländern zu verbieten.

Entsprechend ließ sich nun beispielsweise Ewa Gebala, Sprecherin des transnationalen Stahlkonzerns ArcelorMittal (MT) - welcher 2007 aus der niederländischen Mittal Steel Company und dem luxemburgischen Konzern Arcelor hervorging - mit den Worten zitieren: "Die Reise-Einschränkungen sind potenziell schädlich für die Hilfebemühungen und destruktiv für die Volkswirtschaften dieser Länder". Man solle, so Gebala, "Ebola isolieren, nicht diese Nationen." Doch wie sie das eine vom anderen trennen will, teilte sie bislang nicht mit.

ArcelorMittal ist ein Unternehmen des indischen Milliardärs Lakshmi Mittal, der laut Forbes auf Platz 20 der reichsten Menschen weltweit rangiert. Von London aus steuert er gemeinsam mit seinem Sohn den weltweit tätigen Stahlkonzern.

Doch trotz der Kritik von ArcelorMittal kann derzeit eines nicht von der Hand gewiesen werden: das freie Reisen gilt als eine der Hauptursachen, warum sich Ebola grenzübergreifend weiter verbreitet.

Minenkonzerne sorgen sich um ihr Milliarden-Geschäft in Afrika

Mittal Steel baut im von Ebola am stärksten betroffenen afrikanischen Land Liberia in Minen Erz ab. Laut der amerikanischen Wirtschafts-Nachrichtenagentur Bloomberg hätten sich deshalb Vertreter von ArcelorMittal kürzlich in Liberias Hauptstadt Monrovia getroffen, um zu diskutieren, welche logistische Hilfe nötig sei, um das tödliche Virus zu bekämpfen.

Gleich mehrere Chief Executive Officers westlicher Konzerne sähen, so Bloomberg, angesichts der Ausbreitung von Ebola derzeit ihre wirtschaftliche Basis in Afrika bedroht. Darauf hätten nun unter anderem die Chief Executive Officers von ArcelorMittal (Lakshmi Mittal), Newmont Mining Corporation (USA), Aureus Mining Inc. (Kanada) sowie acht andere Unternehmen in einer Erklärung hingewiesen. Darunter waren ausschließlich westliche Stahl- Gold- oder sonstige Minen-Konzerne:

Randgold Resources, African Mining Services, Dawnus Group, Golden Veroleum Liberia, Hummingbird Resources Plc, Iamgold Corporation sowie die London Mining Plc und Monurent. Nicht auf der Liste der Kritiker von Einreiseverboten finden sich derzeit Konzerne wie BHP Billiton (weltgrößer Minenkonzern) oder ThyssenKrupp aus Deutschland (150.000 Mitarbeiter in rund 80 Ländern).

In einem etwas befremdlichen Interview sagte beispielsweise David Reading, der britische CEO von Aureus Mining gegenüber der amerikanischen CNN-Journalisten Maggie See, wonach er empfehle, man müsse auch etwas tun, um frühzeitig das Immunsystem zu stärken, um gegen Ebola kämpfen zu können. Dass Reading nicht einmal in die Kamera, sondern fast durchgängig Richtung Boden schaute, machte das Interview nicht gerade zu einer Augenweide.

Ebola böses Omen für das Rohstoff-Geschäft aus Afrika

Dennoch scheint dies derzeit die Gemütsstimmung der milliardenschweren Stahl- Gold- und Diamantenkonzerne relativ gut widerzuspiegeln: Gewohnt, seit Jahrzehnten in Afrika Milliardengewinne aus dem Geschäft mit dem mühseligen Abbau von Gold, Diamanten, Erz zu verdienen, empfinden viele der Branche Ebola nun als völlig unerwartetes böses Omen für weitere Geschäfte in Afrika. Während die Konzerne selbst gerne davon sprechen, sie würden Entwicklungshilfe betreiben, sprechen andere nach wie vor von recht maßloser Ausbeuterei des afrikanischen Kontinents.

Dass westliche Länder beim Abbau und Handel mit Rohstoffen aus Afrika besonders aktiv sind, hängt vorwiegend mit der dunklen Zeit der Versklavung Afrikas während der Kolonialzeit durch Europa zusammen.

Deshalb ist der angeblich primär humanitär gemeinte Hinweis der jetzigen Minen-Konzerne durchaus diskutierbar, wonach es ihnen um Afrika gehe, weniger um ihre eigenen Geschäfte. Jedenfalls sagten nun die weltgrößten Minenkonzerne:

"Ohne die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft wird die Situation die afrikanischen Volkswirtschaften nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs katastrophal zurückwerfen und zu großer Instabilität führen".

Mit einem Verbot von Reisen aus diesen Ländern in die USA würden, so die Minenkonzerne, "die Bemühungen zur Bekämpfung der Krankheit kollidieren mit den Bemühungen, zur wirtschaftlichen Erholung dieser Länder".

Bislang 4.500 Menschen an Ebola gestorben

Von Ebola sind derzeit vor allem Liberia, Sierra Leone und Guinea betroffen. Alle drei Länder gehören zu den ärmsten der Welt, aber auch den rohstoffreichsten. Alleine in diesen Ländern sind in den vergangenen Monaten über 4.500 Menschen an dem heimtückischen und auch über Schweiß übertragbaren Virus gestorben.

Vor allem auf Grund der kaum aufhaltbaren Verbreitung von Ebola ist die Tendenz besonders im politischen Lager der USA derzeit eher auf komplette Einreiseverbote für Menschen aus den betroffenen westafrikanischen Staaten zu drängen. So sagte Tom Ridge, der unter dem amerikanischen Ex-Präsidenten George W. Bush Erster Sekretär des Department of Homeland Security war, er sehe nicht einen Grund, warum die Regierung nicht umgehend Reiseverbote erlassen solle. Das sei im "besten Interesse unseres Landes".

Auch der Gouverneur des US-Bundesstaates Ohio, John Kasich, sagte, er erwarte von US-Präsident Barack Obama, dass sich dieser nun ernsthaft mit der Frage beschäftigen müsse, ob nicht umgehend Einreiseverbote aus bestimmten Ländern erlassen werden müssten. In Ohio war kürzlich eine Krankenschwester an Ebola verstorben, die in Afrika Ebola-Patienten versorgt hatte.

Dass ein Einreiseverbot von und nach Ländern wie Liberia die afrikanischen betroffenen Länder wirtschaftlich an den Abgrund bringen könnte, davon ist die liberianische Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf überzeugt. Entsprechend versicherte sie nun gegenüber der US-Regierung, dass die Kontrollen an den Flughäfen Liberias weiter verschärft würden. Zur Not, heißt es aus Liberia, wolle man ein Einreiserecht in die USA aber sogar gerichtlich mit Hilfe der in Liberia ansässigen westlichen Konzerne erstreiten. Eine der hier engagierten Rechtsanwaltskanzleien ist zum Beispiel KRL International.

"Ein Einreiseverbot würde unser Land nicht nur isolieren, sondern auch stigmatisieren", sagte Abdulai Bayraytay, ein Sprecher der Regierung von Sierra Leone. Zudem würde ein solches Verbot "verhindern, dass eine Versorgung mit dringend benötigten medizinischen Produkten weiterhin erfolgen könnte":

Noch versucht Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds IWF, die Weltgemeinschaft davon zu überzeugen, dass es oberstes Ziel sein müsse, "die Krankheit zu isolieren, nicht aber die von Ebola betroffenen Regionen".

Bislang ließ US-Präsident Barack Obama jedenfalls erklären, er warne vor "hysterischen Maßnahmen", die das Problem vergrößern könnten.