Gilead Sciences: Harvoni Super-Therapie gegen Hepatitis C hat US-Zulassung / Kosten 94.500 Dollar in USA

Grund: Das neue Gilead Medikament kann ohne zusätzliche Medikamente von Hepatitis C heimgesuchte Patienten heilen - und das in spektakulären 12 Wochen bei einer Wahrscheinlichkeit von über 80%. Bislang waren über eineinhalb Jahre Therapie mit Krankenhausaufenthalten und massiven Nebenwirkungen für Patienten üblich, oft auch Lebertransplantationen:

Das im US-Bundesstaat Kalifornien ansässige Biotechnologie-Unternehmen Gilead Sciences Inc. hat nun in den USA die offizielle Zulassung für den Verkauf der Super-Pille mit dem Namen "Harvoni" für Hepatitis-C-Patienten erhalten. Erst vor drei Monaten hatte die EU Gilead den Pillen-Vertrieb eines ähnlichen Medikamentes, von "Sovaldi", erlaubt. Das neue Medikament von Gilead gegen Hepatitis C gilt als historischer Meilenstein im Kampf gegen Viren. Doch das kostet: Rund 100.000 US-Dollar pro Patient.

Doch die neue Superpille Harvoni von Gilead gegen das Hepatitis C-Virus hat seinen Preis. So kostet eine Therapie pro Patient knapp 100.000 US-Dollar. Auch wenn einige nun monieren, dies treibe die Kosten für die Krankenkassen nach oben, bleibt doch der Fakt, dass eine Behandlung gegen das Hepatitis-C-Virus schon immer teuer war.

Denn bislang galten lebenslange Leberschäden für mit Hepatitis C Infizierte als keine Seltenheit. Hinzu kamen regelmäßige wochenlange Krankenhausaufenthalte. All das entfällt nun bei über 80% der Patienten.

Doch sowohl in den USA wie in der EU sorgen sich einige, dass nun die Kostenspirale zwischen der Pharmaindustrie und den Krankenassen weiter an Fahrt gewinnen könnte. Dem steht das hohe Investitionsrisiko der Pharmakonzerne gegenüber, die oft viele Milliarden Euro Entwicklungsgelder investieren müssen und nie vorher wissen, ob das gewünschte Ziel - die Heilung der von einer Krankheit betroffenen Menschen - letztlich erreicht werden kann.

Dem jetzige Durchbruch des amerikanischen Biotech-Unternehmens Gilead beim neuen Hepatitis-C-Medikament stehen über 50 Jahre weltweite Forschung gegen das Virus gegenüber. Alleine in den USA sind nach offiziellen Angaben circa 3,2 Millionen Menschen mit Hepatitis C infiziert.

9 Milliarden US-Dollar Umsatz in neun Monaten mit dem neuen Medikament Sovaldi

Die neue Tablette gegen Hepatitis C, Sovaldi, kostet derzeit in den USA 84.000 US-Dollar pro Patient. Jedoch muss Sovaldi nach wie vor mit anderen Therapien kombiniert werden. Analysten schätzen, dass das neue Medikament von Gilead, die Tablette Sovaldi, dem kleinen Biotech-Unternehmen alleine in den ersten neun Monaten 2014 einen Umsatz von 9 Milliarden US-Dollar zusätzlich beschert haben könnte. Entsprechend steigt der Aktienkurs des Unternehmens seit Wochen.

Eine Therapie gegen Hepatitis besteht also künftig im Falle von Gilead aus der Sovaldi-Tablette, in welche als Kombi-Therapie ein zusätzlicher Wirkstoff beigemengt ist und dann als "Harvoni"-Pille angeboten wird. So ist es möglich, dass mit nur noch einer einzigen Harvoni-Pille pro Tag über einen Zeitraum von 12 Wochen in aller Regel Hepatitis C geheilt werden kann. In dieser Kombi kostet die Therapie pro Patient 94.500 US-Dollar.

Rund ein Drittel der Hepatitis-C-Patienten schafft es entsprechend vorliegender klinischer Studien allerdings bereits nach 8 Wochen mit Hilfe der neuen Therapie Harvoni von dem Virus geheilt zu sein. Entsprechend sinken dann die Preise pro Patient auf etwa 63.000 Dollar gesamt oder 1.125 Dollar pro Pille in den USA. Nach Aussagen von Gilead betreffe dies in etwa 35 bis 40% der Patienten.

Noch bis vor wenigen Jahren war Hepatitis C unheilbar. Wer sich mit der Krankheit infiziert hatte - entweder aus Blutkonserven, beim Stechen von Tattoos oder über ungeschützten Sexualverkehr - musste mit lebenslangen erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen rechnen.

Künftig können Zehntausende Fälle von Leberkrebs in den USA verhindert werden

Doch auch in den USA ist es nach wie vor Fakt: Wer keine gute Krankenversicherung hat, dem droht nach Jahren einer Hepatitis-C-Infektion ein schmerzhafter Tod. In den USA sterben nach wie vor jedes Jahr Zehntausende Menschen an dieser Virus-Infektion. Hinzu kommen Zehntausende Menschen, die in Folge einer Hepatitis-C-Infektion Leberkrebs bekommen haben. In Hunderten, wenn nicht Tausenden Fällen, mussten deshalb in den USA jährlich Lebertransplantationen vorgenommen werden. Auch das hat bislang in den USA viele Milliarden Dollar Behandlungskosten jährlich verursacht.

"Wenn ein Chirurg ankündigen würde, dass er mit einer Operation 90% der Patienten heilen kann und dass die Operation 200.000 Dollar kostet, würde niemand mit der Wimper zucken", wird beispielsweise Mick Kolassa, ein Pharmaindustrie-Analyst bei Medical Marketing Economics LLC, zitiert.

Ebenfalls gerne in der Debatte unterschlagen werden die Kosten für eine durchschnittliche Krebs-Therapie. Hier liegen die Kosten pro Jahr und Patient im Schnitt bei 175.000 Dollar in den USA, berichtete das Marktforschungs-Institut Sector & Sovereign:

Auch wenn in westlichen Ländern eine Hepatitis-C-Therapie von Gilead sehr viel kostet, so kam das Unternehmen doch Entwicklungsländern entgegen. In Indien darf ein Generika-Produzent die neue Super-Pille für nur noch einen Bruchteil der im Westen berechneten Kosten verkaufen.

Dass Gilead nicht bis in alle Ewigkeit knapp 100.000 Dollar für seine neue Anti-Hepatitis-C-Pille den Krankenkassen wird in Rechnung stellen können, dürfte dem einfachen Umstand geschuldet sein, dass es mittlerweile weitere Anbieter gibt, die behaupten, sie hätten nun ein Medikament entwickelt, welches ebenfalls in 12 Wochen eine Heilung von einem Hepatitis C-Virus herbeiführen könne. Bleibt nur eine Frage:

Warum erleben wir diesen Durchbruch eigentlich erst jetzt bei gleich mehreren Pharmakonzernen? Zudem: Warum muss erst ein kleines kalifornisches Biotechnologie-Unternehmen wie Gilead Sciences der Menscheit mit einem so effektiven Medikament wie Sovaldi, beziehungsweise Harvoni, zu Hilfe kommen im Kampf gegen Hepatitis und warum ist dies nicht den Pharma-Giganten gelungen?