Mozilla CEO Brendan Eich tritt nach dubioser Spende gegen Homo-Ehe zurück

Zu irritiert, zu wütend waren viele, dass ausgerechnet der CEO von Mozilla sich intolerant gegenüber anderen Lebensweisen zeigte: Ganze 1000 Euro hatte es sich der nun zurückgetretene Mozilla CEO Brendan Eich kosten lassen, um Erzkonservative in ihren wenig toleranten Aktionen gegen eine ehelich Gleichberechtigung von Heterosexuellen und Homosexuellen zu unterstützen.

Die US-Datingplattform okcupid machte Front gegen den offensichtlich homophoben Mozilla CEO.

Das gab es in der Geschichte der Mozilla Foundation noch nie: Nach nur elf Tagen ist der CEO des Mozilla-FireFox Web Browser zurückgetreten. Seine Spende für Gegner einer gleichberechtigten Ehe von heterosexuellen und homosexuellen Paaren hatte weltweit für negative Schlagzeilen gesorgt.

Einige Netz-Aktivisten und Mozilla-Mitarbeiter und Mozilla-Mitarbeiterinnen rieben sich kurz nach Bekanntwerden der dubiosen Anti-Schwulen- und Anti-Lesben-Spende Anfang vergangener Woche die Augen: Wie kann es sein, dass ausgerechnet ein Mozilla-CEO sich so intolerant zeigt?

Nicht nur intern, sondern auch extern war der Druck auf den Mozilla-CEO von Tag zu Tag in den vergangenen 10 Tagen gestiegen. So hatte er in einer umstrittenen Aktion bereits im Jahr 2008 - also vor sechs Jahren - 1000 Euro für Gegner des "Proposition 8" gestiftet. Das Ziel der Gruppe war die Verhinderung der im Jahr 2008 beschlossenen rechtlichen Gleichberechtigung von heterosexuellen und homosexuellen Ehen im US-Bundesstaat Kalifornien.

Building a better Internet mit einem intoleranten CEO? Für viele undenkbar.

Neben privaten Nutzern nahm zuletzt auch von Seiten der Web-Anbieter der Druck auf Mozilla CEO Brendan Eich zu. So hatte beispielsweise die bekannte amerikanische Dating-Plattform OkCupid offiziell zum Wechsel des Browsers aufgerufen.
Bereits Ende März war zudem bekannt geworden, wonach gleich drei Mozilla Board-Mitglieder kurz nach der Berufung von Eich ihren Job bei Mozilla quittiert hätten. Allerdings hatte damals noch Mozilla behauptet, wonach die drei Board-Mitglieder bereits vor der Berufung von Eich beschlossen hätten, Mozilla zu verlassen (netz-trends berichtete).

In einer selten erleben Eigenkritik hatte Mozilla nun gepostet: "Mozilla ist stolz, dass wir andere Standards haben. Aber die vergangene Woche hat gezeigt, dass wir uns selbst nicht an unsere Standards gehalten haben". Dabei wisse man "warum die Menschen verletzt und sauer sind und sie haben Recht: Es ist, da wir selbst zu unseren Überzeugungen nicht gestanden haben".

Weiter sagte Mozilla, man stehe für Freiheit auch unterschiedlicher Lebensweisen. Dafür stehe Mozilla unverrückbar und das mache die Mozilla Foundation zu einer besonderen Non-Profit-Organisation.

Fakt ist: Besonders einflussreiche Gruppen aus der Homosexuellen-Szene haben erheblich dazu beigetragen, dass Mozilla in den vergangenen zehn Jahren das werden konnte, was der Browser Firefox heute ist: Eine unabhängige und angesehene Organisation mit einem weltweit genutzten und geachteten Web-Browser. Mozilla stand für viele homosexuelle wie heterosexuelle ITler für das, was auch Linux bis heute verkörperter: Unabhängigkeit, Gleichheit und kein Primat des Kommerzes.

Für Eich dürfte der jetzt von der Internet-Szene erzwungene Rücktritt bitter sein. War er doch einer der wichtigsten Protagonisten innerhalb der Mozilla Foundation. Bereits seit 1998 war er an Bord und gehörte gemeinsam mit Mitchell Baker letztlich zu den Gründern des im Jahr 2004 gelunchten Firefox-Browser.

Neben dem Internet Explorer von Microsoft und Chrome von Google gehört der Firefox-Browser zu den wichtigsten Web-Browsern der Welt. Die Kontaktbörse "OkCupid" postete nun, man sei froh, dass der Druck, den man in der Diskussion um Mozilla CEO Brendan Eich mit aufgebaut habe, nun zu einem guten Ende, nämlich dem Rücktritt von Eich, geführt habe. OkCupid stehe unverrückbar für "gleiche Rechte für alle innerhalb von Partnerschaften".

Es scheint so, als ob Mozilla zu seinem groß gefeierten Credo nun wieder zurückkehrt, welches da lautet: "The Mozilla Foundation is a non-profit organization that promotes openness, innovation and participation on the Internet. We promote the values of an open Internet to the broader world."

Dennoch ist auch klar: Die Mozilla Foundation wird einige Zeit brauchen, ehe sie sich von ihrem Imageschaden erholen kann. Ihre Unschuld hat sie jedenfalls mit der Affäre Brendan Eich verloren.

Die Erklärung des US-Kontaktportal okcupid gegen Mozilla Firefox: