8 News of the World Journalisten wegen Telefon-Hackens angeklagt - Rupert Murdoch Zeitung von News Corporation

Jedenfalls wirft das britische Gericht auch ihr vor, wonach Rebekah Brooks sowie ihr Chefredakteurskollege Andy Coulson von dem Hackingskandal der News of the World Journalisten gegen Prominente gewusst haben hätte müssen. Als Argument führt das Gericht an, wonach eine Wochenzeitung nicht so viel Arbeit mache, wie eine Tageszeitung, weshalb ein Chefredakteur über alle möglichen Details im Bilde sein würde - so meinen es zumindest die Staatsanwälte. Dem entgegnen aber Brooks und Coulsons Anwälte, dass dieses nicht so sei. Besonders im Falle von Rebekah Brooks könnte dieses auch stimmen, da sie als Chefredakteurin der Sun und in ihrer Co-Funktion als oberste redaktionelle Chefin auch des Revolverblattes News of The World sicherlich nicht in jeden der über 200 Artikel pro Ausgabe Einblick haben dürfte.

Opfer seiner eigenen Skandale: Das Millionenblatt News of the World.

Gleich drei ehemalige Verantwortliche der britischen Sonntagszeitung News of the World (NOTW) des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch (News Corporation) wurden nun in London wegen illegalen Hackens von Handys angeklagt ("phone-hacking offences"). Fünf weitere Anklagen folgen. Der Gerichtsort ist das Old Bailey in London. Ob auch Murdochs mächtige Zeitungsfrau, die ehemalige Chefredakteurin der britischen Tabloid-Zeitung Sun, Rebekah Brooks, schuldig gesprochen werden könnte, ist noch nicht klar. Sie war Murdochs mächtige Chefin aller seiner britischen Zeitungen.

Jedenfalls sorgen die jetzigen Gerichtsverhandlungen in London gegen die Zeitungsmacher für hohe Wellen - nicht nur in der Medienbranche, sondern auch im britischen Upper-Class Establishment. Besonders heikel ist, dass Andy Coulson einst Britanniens größte Sonntagszeitung, die News of the World, verlassen hatte, um Sprecher von Großbritanniens Premierminister David Cameron von der konservativen Partei der Torys zu werden. Auch Brooks ist für ihre sehr engen Kontakte in die britische Politik, auch die Regierung, bekannt. Sie soll nach Berichten regelmäßig mit Cameron in Downing Street Nr. 10 SMS ausgetauscht haben.

In den derzeitigen Londoner Gerichtsverhandlungen geht es darum, dass Journalisten der Sonntagszeitung News of The World sich als eine Art Stasi nach dem Vorbild der amerikanischen NSA (National Security Agency) benommen haben sollen: Sie hackten sich in Handys von meist prominenten Briten ein und lasen dort beispielsweise fremde SMS heimlich und illegal mit oder hörten Mailbox-Nachrichten ab, beziehungsweise sollen sie sich dabei externer Hilfe bedient haben. Doch ob News of The World oder NSA: Beiden wirft man nun illegales und kriminelles Verhalten vor. News of The World bezahlte teuer mit dem Skandal: Rupert Murdoch stellte das Blatt, das in seinen Hochzeiten über 3 Millionen Exemplare jeden Sonntag verkaufte und damit auf Augenhöhe mit der deutschen Bild-Zeitung gesehen werden kann, nach 160 Jahren über Nacht einfach ein.

Die britische Staatsanwaltschaft spricht im Falle von News of the World von einer "alleged conspiracy". Als Hackingopfer führt das Gericht unter anderem Lord Frederick Windsor, ein Mitglied der Royal Family an, sowie Menschen, die mit dem ehemaligen britischen Innenminister David Blunkett bekannt waren (home secretary) oder auch Milly Dowler (ein ermordetes Schulmädchen) und die Schauspielerin Joanna Lumley.

Insgesamt 100.000 Britische Pfund hätte News of the World an Glenn Mulcaire bezahlt - behauptet das Gericht - und zwar dafür, dass er Hackerinformationen beschaffte. Meist ging es wohl um Voicemail Messages. Doch damit nicht genug: Zwar haben alle großen Medienhäuser - auch Axel Springer - seit Jahren Konten für "Informationshonorare", die leicht auch mit Millionen Euro gefüllt sein können, doch das gleich 40.000 Britische Pfund an Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums bezahlt werden, wie wohl im Falle des britischen Boulevardblattes Sun durch seine damalige Chefredakteurin Brooks geschehen, ist eher selten. Doch auch diese pikante Note kam nun an die Öffentlichkeit.

Der Staatsanwalt erklärte im Falle des beschuldigten Hackers Mulcaire, wonach dieser sehr nützlich gewesen sei "im Auffinden von Zugangscodes zu Handys". Dieses Talent sei vor allem für Zeitungsjournalisten interessant gewesen, da sie auf diese Weise Dinge bekommen hätten, die sie publizieren hätten können, die aber eigentlich privat und geheim hätten bleiben sollen.

Neben den jetzt vor Gericht stehenden drei Angeklagten werden Gerichtsverfahren gegen fünf weitere News of The Word-Mitarbeiter eröffnet. Darunter sind auch die früheren Newsdesk Editoren Neville Thurlbeck, James Weatherup und Greg Miskiw. Insgesamt sechs Monate möchten sich Staatsanwälte, Rechtsanwälte und Richter im Hohen Gericht in London Zeit nehmen, um den Hackerskandal der britischen Presse zu verhandeln. Selbst Medienzar Rupert Murdoch, ein Gönner und Förderer der langjährigen Chefin seines Zeitungsimperiums, von Rebekah Brooks, musste sich vor einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss nach London zitieren lassen.