Mohammed grinst, als er seinen dicken weißen getunten BMW aus der Parklücke Nähe der im Jahr 2004 eröffneten 8 Kilometer langen herrlichen Pracht-Strandpromenade Corniche Beach in Abu Dhabi herausmanövriert.
Was heißt heraus manövriert? Man könnte eher sagen: Wie ein Pilot im Cockpit heraussteuert. Dann lehnt er sich mit seinen Muskelpaketen cool aus dem Fenster und lädt zum Foto machen ein. Klick. Vorher entschuldigt er sich aber noch dafür, dass sein weißer Luxus-BMW-Geländewagen leider etwas schmutzig sei.
Er komme gerade von einer Wüstentour zurück. Schmutz? Es ist eigentlich nichts zu sehen. Abu Dhabi ist eines von sieben Mitgliedern der Vereinigten Arabischen Emirate. Rund 350.000 Emirati wohnen hier und noch einmal über 1 Mio. Gastarbeiter. Während in Europa die Eurokrise tobt, steht Abu Dhabi im April 2013 besser denn je da. Selbst von der Zypern-Krise glaubt man profitieren zu können. Entsprechend selbstbewusst ist das Auftreten der Emirati. Ein Vor-Ort-Bericht an Ostern 2013.
Weiß ist die Farbe der Männer in Abu Dhabi. Alles, was irgendwie mit Männern zu tun hat, ist dort weiß: Die Schuhe, die Kopfbedeckung, das Gewandt, die Häuser und oftmals eben auch das Auto. Der Name des Wüstenstaates Abu Dhabi heißt übersetzt so viel wie „Vater der Gazelle“. Die Reichen und Schönen – ja, die gibt es nicht nur in Hollywood. Nein sie gibt es zu Hauf auch in den Vereinigten Arabischen Staaten. Sie fahren am liebsten mit deutschen Luxusautos der Marken BMW, Mercedes, Porsche, Audi, auch einmal mit Bentley (VW-Tochter) oder Rolls Royce (BMW-Tochter). Ferrari sieht man fast nie. Die Mittelklasse und Arbeiterklasse fährt in den Emiraten eher asiatische Automarken oder vielleicht noch Ford.
Es ist schon verrückt: Eigentlich ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten fast alles anders, als man es im Westen kennt. Man lebt unter dem Motto der Ethiad – was übersetzt so viel bedeutet wie „Union“. Das ist auch der Name der im Jahr 1969 gegründete arabischen Tageszeitung, der viel gelesenene „Al Ittihad“ (alittihad.ae). An guten Tagen kommt die Zeitung immer noch auf gut 80 Seiten Umfang. Davon können deutsche Tageszeitungen nur träumen.
Die Union, also die Vereinigten Arabischen Emirate, sind unter schwierigen Bedingungen auf Initiative des seit 1793 in Abu Dhabi herrschenden Clans der Zayed gegründet worden. Ihnen ist es zu verdanken, dass die rund 350.000 Emiratis, welche noch vor 60 Jahren überwiegend als Nomaden lebten, sich zusammentaten, Staaten gründeten und miteinander endlich eine Stimme gegen das große Saudi Arabien hatten. Immerhin stehen den Emiratis gut 20 Mio. Saudis gegenüber. Der Bedeutung der Staatsgründungen ist sich heute jeder Emirati bewusst. So kommt es, dass sie, obwohl sie keine institutionell garantierten Mitspracherechte haben – also keine Demokratie -, beispielsweise den Staatsgründer von Abu Dhabi als „Vater“ verehren (mehr zur Herrscherfamilie von Abu Dhabi unter ourfatherzayed.ae).
Das mag auch einer von mehreren teils schwer zu verstehenden Gründen sein, warum sich die Emiratis bis heute faktisch ihr eigenes recht abgekapseltes Reich in einem Ausmaß geschaffen haben, wie man es von anderen Kulturen kaum kennt. Nach außen hin wird zwar gerne Weltoffenheit präsentiert, doch die Strukturen sind eng und geschlossen.
Verkehrte Welt: Im Zentrum des Mannseins ist in den Emiraten die Farbe Weiß, im Westen ist es eher Schwarz
Im Zentrum der männlichen Elite der Emirate steht zumindest in der Farbenskala das Weiß. Damit steht die Farbe komplett konträr zum Westen. Denn während dort die Farbe Weiß eine Lieblingsfarbe von vielen Frauen bei der Auto- und Kleiderwahl ist, ist es in den Vereinigten Arabischen Emiraten genau umgekehrt. Hier ist die Farbe Weiß die Farbe der Männer. Sie laufen wie weiße maskuline Engel über die Straßen in ihren traditionellen körperlangen weißen „Kandura“-Gewändern und ihren in der Regel auch weißen oder weiß-roten Kopfbedeckungen, welche durch schwarze oder rote Kopfreife gehalten werden – einer sogenannten „Ghutra“. Die Herrscherelite der Emiratis, also die Scheichs (Sheikhs), tragen zwar auch weiße Gewänder, ergänzen diese jedoch je nach Anlass um farbliche Abweichungen – beispielsweise in Gold. Man spricht dann von einer „bisht“.
Doch was heißt laufen? Emiratis schweben eher. Dabei scheinen sie sich das gegenseitig abzuschauen, sind sie doch eh alle irgendwie miteinander verwandt oder verschwägert.
Die Männer der Arabischen Emirate können sich rühmen „die letzten wahren Männer auf der Welt zu sein“, meint zumindest Bob, 35, ein Australier, der in Abu Dhabi seit Jahren Geschäfte macht. Auch wenn es die Frauenherzen der westlichen Emanzipationsbewegung nicht gerne hören: Aber viele der rund 350.000 Emirati, haben das, was westliche Männer gerne hätten: Sie sehen oft gut aus, sind tendenziell schlank und nicht vom westlichen Fast Food aus der Form gebracht. Sie sind in all ihrem Tun und Unterlassen das Mann-Gen pur.

Während deutsche oder französische Männer zumindest der akademischen Ökofraktion stolz sind, in einer Ente von Citroën herumzufahren oder einem klapprigen VW-Polo, hocken viele der Emirati in der arabischen Welt in ihren dicken Protzautos mit dunkel getönten Scheiben und machen maskulinen Street-Cat-Walk. Während deutsche Männer nach einem langen Arbeitstag glücklich sind, wenn sie ihrer erfolgreichen Businessfrau ein Dinkelbrot vom Ökobecker mitbringen dürfen, sitzen die jungen Männer in Abu Dhabi abends mit Muskelshirts auf ihren Jet Ski und zeigen den flanierenden Touristen und Gastarbeitern aus aller Welt was Speed, Geschwindigkeit, ist. Oder sie führen in ihren weißen Gewändern ihre teuren weißen Autos vor.

Während deutsche Männer glücklich ihr Köpfchen in der Berliner U-Bahn auf die Schulter der Frau legen und das Cocooning des trauten Friede-Freude-Eierkuchen-Daseins im eingeschachtelten Privatleben beschwören, sitzen die arabischen Männer in Abu Dhabi oder Dubai zusammen in edlen Restaurants – stundenlang und jeden Abend und feiern sich selbst.

Wenn die Welt einen neuen Namen hätte, dann hieße sie aus Sicht der Emiratis und Scheichs schlicht „Mann“. Dabei ist es für westliche Augen durchaus ein Spektakel, wenn arabische Emiratis oder Scheichs in Restaurants einschweben. Alleine ihr Auftritt ist ein Ritual. Es gehört zum guten arabischen Emirati-Ton, die Welt um einen herum nicht sonderlich wahr zu nehmen. Seitdem jede zweite europäische oder amerikanische Firma in Abu Dhabi oder Dubai um Geld bettelt, ist den arabischen Herren klarer denn je: Die Welt ist zwar eine Kugel. Aber die Könige sitzen auf der arabischen Halbinsel, jenem einstigen Flecken unwirtlicher Wüste, in dem man einst sein Beduinen-Dasein mehr oder weniger gut fristete. Doch seit 1958 – dem Jahr des ersten Ölfundes in Abu Dhabi – hat sich das alles geändert. Seitdem geht es bergauf. Seitdem spucken die Scheichs und Emirati in die Hände. Das viele Geldzählen macht aber manchmal selbst beste Männerhände etwas trocken.
Wirtschaftskrise in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Die Weltwirtschaftskrise ist ein Krise, die den Vereinigten Arabischen Ländern durchaus weiter Auftrieb gibt. Das gilt auch für die Zypern-Krise. So titelte die Tageszeitung „Gulfnews“ am 1. April 2013 auf S. B3. „UAE will benefit from Cyprus crises“. Man sei sich sicher, schreibt Cleofe Maceda, wonach „The financial turmoil in Cyprus will further boost the capital inflows into the UAE or the rest of the Middle East region, as small-time investors look for safer places to park their money“.

Doch es geht nicht nur um kurzfristige Geldanlagen in den Emiraten. Nein, man dreht am ganz großen Rad der Weltwirtschaft mit – und das beschränkt sich längst nicht mehr aufs Öl. Bestes aktuelles Beispiel: Die neue in der arabischen Welt gefeierte Allianz der beiden A-380-Fluglinien Emirates (Dubai) und Qantas (Australien). Was in der Luftfahrt als globale Super-Allianz zweier starker Airlines gefeiert wird, ist in Wirklichkeit nur eins: Die Araber haben die Australier böse jahrelang gejagt, gehetzt, ausgetrocknet. So lange, bis die südlichste Fraktion der westlichen Welt mürbe war und um Gnade bei den Emiratis flehte. Der Hebel der Vereinigten Arabischen Emirate ist dabei zwar das Öl. Doch es geht um mehr. Um viel mehr.
Es geht um Macht. Es geht um Machtdemonstration. Und zwar jenen Menschen gegenüber, die sich früher als Kolonialherren in der Region aufspielten und dort auch in vielfache Verbrechen verwickelt waren, die heute gerne unter den Teppich gekehrt werden. Gemeint ist damit aber nicht Australien, sondern der Westen insgesamt, der von Europa geprägt wird. Das Öl ist Mittel zum Zweck. Das spürt auch die deutsche Lufthansa. Sie leidet von Jahr zu Jahr unter fast 20 Prozent steigenden Kerosinpreisen und unter immer stärker werdenden Konkurrenz – aus den Emiraten.

Es ist die neue Daumenschraube der arabischen Scheichs. Wer nicht spurt und sich von einst lukrativen Fernstrecken im internationalen Carrier-Geschäft verdrückt, wird platt gemacht oder zu einem Übernahmekandidaten sturmreif geschossen. So blieb den Australiern gar nicht mehr viel übrig, als mit den arabischen Scheichs ins Bett zu gehen: 2012 hatte die Airline zum ersten Mal seit der Privatisierung im Jahr 1995 fast eine halbe Milliarde Dollar Verlust eingefahren. Emirates hatte Qantas immer mehr lukrative Strecken mit Dumping-Flugpreisen kaputt gemacht, heißt es in der Luftfahrtindustrie.
Die Araber vollziehen in der Flugwelt das, was die Chinesen mit der europäischen Produktions-Industrie machen: Billiger, billiger, billiger und dann wertvolle in Jahrzehnten aufgebaute westliche Qualitäts-Marken für einen Apple und ein Ei übernehmen. So posten bereits arabische Emiratis aus Abu Dhabi oder Dubai auf twitter, die neue angeblich freiwillige Airline-Allianz verdiene nur einen Namen: „EMIRTAS“ – also eine Mischung der beiden Airlinenamen „Emirates“ und „Qantas“.
Entsprechend titelte denn auch die englischsprachige arabische Zeitung Khaleej Times am 1. April 2013 auf Seite Eins fett: „Emirates-Qantas ties take off“. Die Zeitung für die anglikanisch orientierte Bevölkerung in den Emiraten wurde im Jahr 1978 von Dubais Herrscher „His Highness Shaikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum“ – dem Vizepräsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) und Premierminister (Erbmonarchie) von Dubai (offizieller Titel) – gegründet (auf arabisch heißt der Herrscher von Dubai „أكد صاحب السمو الشيخ محمد بن راشد آل مكتوم نائب اقرأ المزيد : محمد بن راشد يدشن مركزين للخدمات الاجتماعية بعجمان وأم القيوين – جريدة الاتحاد „). Er versucht seit Jahrzehnten Moderne mit Tradition zu verbinden. Die Tradition – das ist in Dubai, wie in allen anderen UAE-Ländern, der Islam und das eigene Selbstverständnis des Mannes als ein Wesen das stets entscheiden und führen muss. Doch auch bei dieser Sichtweise auf den Mann spielt der Islam eine sehr zentrale Rolle. Der Islam, Mohammeds Aussagen, durchziehen die arabischen Gesellschaften von morgens bis abends in einem enormen Ausmaß.
+Die Bedeutung des Islam in den Vereinigten Arabischen Emiraten: 100.000 Mal betete ein 70-Jähriger in der Moschee
Dabei sind die kleinen Anekdoten aus der Weltwirtschaft, wie die mit der Airline-Hochzeit, jene, die man analysieren muss, um die arabischen Scheichs und die Emiratis der Vereinigten Arabischen Emirate verstehen zu können, um sich ihrem Selbstwertgefühl, ihrem Selbstbewusstsein, annähern zu können.
Dazu gehört die erste und wichtigste Erkenntnis: Emiratis aus Abu Dhabi oder Dubai sind keine Leisetreter. Es dreht sich alles ums Geschäft und um die männliche Inszenierung des Erhabenen. Das Band ist dabei in der Regel die islamische Religion. Immerhin gehen gläubige Emiratis – nach örtlichen Schätzungen über 80 Prozent – jeden Tag fünf Mal in die Moschee zum Beten. Vorher waschen sie sich ritualmäßig die Füße, aber auch die Hände und das Gesicht. Der erste Betgang startet stets mit Sonnenaufgang. In Abu Dhabi ist das derzeit 5 Uhr morgens.

Wie dümmlich der Westen arabische Gesellschaften teils einschätzt, lässt sich daran ablesen, dass eine Trennung von Religion und Staat in islamischen Ländern alleine auf Grund der hohen Dominanz des Gebet-Rhythmus gar nicht umfangreich möglich ist. Das gilt für Abu Dhabi und das gilt auch für das neue Ägypten unter Präsident Dr. Mohammed Mursi Isa al-Ayyat. Es gibt bei Muslimen, die ihre Religion als zwanghafte Gesetze interpretieren, keinen durchgehenden 8-Stunden-Tag im Büro. Alle drei Stunden müssen die Muslime in die Moschee. Nur die Frauen dürfen zu Hause oder im Büro ihren Teppich zum Beten gen Mekka auspacken.

netz-trends.de hat einmal ausgerechnet: In einem Jahr wäscht sich ein Muslim durchschnittlich 1.825 Mal die Füße und betet in seiner Moschee gut 1.825 Mal. So kommt ein 70-Jähriger Anhänger des Islam leicht auf über 100.000 Mal Fußwaschen und 100.000 Gebete in der Moschee im Laufe seines gesamten Lebens. Ein Politiker aus dem Westen, der hier glaubt, mit westlichen Gutmenschen-Thesen auch nur ein Blatt Papier in die Türe bekommen zu können, ist naiv und unterschätzt die Macht des Islam – nicht nur als Hort gemeinsamer Überzeugungen, sondern auch von Handlungen. Nicht umsonst gibt es Islamische Banken mit eigenen Gesetzen. Wer mit den Emiraten ins Geschäft kommen möchte, muss sich hier auskennen.

Wasser spiegelt die gold bemalten Säulen der Großen Moschee von Abu Dhabi. Foto: netz-trends.de
Emirates Palace in Abu Dhabi: Ein Luxusklotz der zeigt, wo der Hammer hängt – bei den Emiratis
Während die westliche Wirtschaftspresse, wie die arabische Presse, die Zwangsunion der Araber und Australier zwischen Emirates und Qantas in diplomatischen Verkünstelungen loben, feiern arabische Emiratis am gleichen Tag in einem Restaurant des in die Jahre gekommenen einstigen Luxushotels Sheraton in Abu Dhabi. Sie schauen kaum jemanden der anwesenden primär westlichen Touristen und Geschäftsreisenden an. Doch alle sehen sie an. Kommt ein neuer Emirati hinzu, stehen alle anderen Emirati auf und begrüßen ihn lächelnd mit Handschlag oder einer Umarmung. Auch das Bedienungspersonal wird kaum zur Kenntnis genommen.
Szenenwechsel: Zur Krönung des neuen arabischen Seins hatte der Herrscher von Abu Dhabi das 7-Sterne-Luxushotel „Emirates Palace“ bauen lassen. Die Rede ist von „His Highness Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan“. Er ist letztlich ein absolutistisch regierender König, Regierungschef von Abu Dhabi und Präsident des Staatenbundes der „Vereinten Arabischen Emirate“ (UAE President). Die angebliche „Konstitutionelle Monarchie“ in Abu Dhabi, von der Wikipedia schreibt, steht wohl, wenn überhaupt, eher auf dem Papier, als dass sie Realität wäre. His Highness Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan wird nicht vom Volk gewählt, er ist, was er ist und wird durchaus auch von vielen im Volk verehrt. Sein Antlitz erstrahlt in Abu Dhabi auf vielen mannshohen Plakaten an Autobahnen, Straßenkreuzungen oder auf Bildern in Hoteleingängen. Gerne erwähnt wird der Bruder des Staats-Beherrschers, „His Highness Sheikh Mohammed Bin Zayed Al Nahyan, Crown Prince of Abu Dhabi and Deputy Supreme Commander of the Armed Forces“. Der Kronprinz von Abu Dhabi ist auch der Kommandochef der Sicherheitskräfte – also der Polizei sowie der Armee.

Deutlicher kann man Macht nicht demonstrieren. Doch untermalen kann man es mit Bauten. Ein solcher Macht-Dokumentations-Bau ist das erst im Jahr 2010 eröffnete Emirates Palace Hotel in Abu Dhabi. Von Anfang an war klar: Dieses Luxushotel wird nicht primär für die Touristen und Geschäftsreisenden des europäischen oder amerikanischen Geldadels gebaut, sondern für die Scheichs der Vereinigten Arabischen Emirate – für die Milliardäre und Multimillionäre unter den Emiratis also. Das Hotel ist, was es vorgibt: Ein Palast. Ein Buckingham-Palace in Abu Dhabi. Ein Schloss Neuschwanstein in der Wüste. Ein Hearst Castle am Wasser. Ein Elysee Palast gefüllt mit Daddeln – der Standesfrucht von Arabern – und Gold.

Alles hier ist kein Zufall: In die obersten Etagen kommen nur die sieben nicht vom Volk gewählten „Königshäuser“ der Vereinigten Arabischen Emirate herein. Selbst ein Barack Obama aus den USA oder eine Angela Merkel aus Deutschland (Titelgeschichte über Merkel in den Gulfnews am 1. April 2013: „The most powerful woman in the world“) müssen zwei oder drei Stockwerke unter den Gemächern der Scheichs vorlieb nehmen.

Dabei sind die arabischen Scheichs und Emiratis noch nicht einmal verklemmt. Sie leben ihre maskulin-dominante Sicht auf die Welt und die Menschen in allen Fassetten aus. Sie zelebrieren nicht nur ihr Geld, sondern auch ihr Mann-Sein in einer Art und Weise, die man es im Westen einfach nicht mehr kennt. Das Emirates Palace führt das in jedem Winkel, in jedem Kronleuchter, drastisch vor. Auch die Hochhäuser in Dubai oder Abu Dhabi (wenngleich nicht ganz so ausgefallen) können als himmelsprengende Symbolik des Männlichkeits-Kultes verstanden werden. Die Häuser ragen nicht zufällig steil in die Höhe und hören nicht mehr auf. Das kann man spektakulär auch vom Emirates Palace Hotel sehen. Direkt gegenüber liegen die beiden imposanten neuen Jumeirah At Etihad Towers der gleichnamigen Airline.

Ein Motor surrt. Die Einflugschneise – manche sagen auch Zufahrtstraße – des Emirates Palace ist an diesem letzten Abend im späten März 2013 um 22.30 Uhr faktisch leer. Der riesengroße durch und durch begrünte Luxus-Schlosspark, ist es auch. Von Wüste ist hier nichts zu ahnen. Der Mensch hat sich das raue Land untertan gemacht mit einer atemraubenden Machtdemonstration architektonischen und finanziellen Könnens. Nur hier und da stehen im Park Wachleute herum. Das Surren wird lauter und zwei schneeweiße getunte Bentleys rauschen heran. Während die sonstigen betuchteren Bewohner des Emirates Palace die linke Straße zum Haupteingang des Emirates Palace nehmen, zeigt der Sicherheitsmann auf der großen Straße mit seinem Arm gestisch nur ein kurzes „hier einbiegen“. Das „hier einbiegen“ bedeutet – die erste rechte Einfahrtstraße im Park des Emirates Palace ist vor allem der Super-Oberschicht der Vereinigten Arabischen Emirate vorbehalten. Also jenen weißen Super-Engeln, die auch im Haupthaus in den obersten Etagen wohnen.
Sie stehen auf keiner Forbes-Richest-List
Müßig ist, zu betonen, das „betucht“ aus Sicht der Scheichs und Emiratis stets relativ zu sehen ist. Immerhin gehen nicht wenige Beobachter davon aus, dass die Herrscher von Dubai und Abu Dhabi jeweils über ein privates Vermögen verfügen, das leicht die 50 bis 80 Mrd. Euro sprengen könnte. Beträge, die sie zu den reichsten Menschen auf dem Erdball erheben würden. Nur: In einer Forbes-Richest-List tauchen sie nicht auf. Schon gar nicht ganz vorne. Wie möchte man auch Besitz einschätzen, der sich nicht in Aktien oder Goldbarren zählen lässt, auch nicht im Kurs-Gewinn-Verhältnissen von Unternehmensbeteiligungen. Der Reichtum der Herrscher von Dubai oder Abu Dhabi ist statistisch nicht zu bemessen. Besitzer von Staaten mit enormen Natural-Vorkommen passen nicht in sonstige mikro- oder makroökonomische Berechnungen der Betriebswirtschaftsleere oder Volkswirtschaftsleere. Deshalb dürfte auch die Erwähnung auf der Forbes-Richest-List (Jahr: 2010) von Sheikh Mansour bin Zayed Al Nahyan, Sohn des aktuellen Herrschers von Abu Dhabi, als einer der 10 reichsten jungen Menschen auf dem Planete mit einem angeblichen Vermögen von 1,5 Mrd. US-Dollar eher deutlich zu niedrig angesetzt sein.

Ein Europäer, der meint, wenn er über Ostern für vier Übernachtungen und zwei Personen 3.000 Euro auf den Tisch des „Emirates Palace Hotels“ legt, würde „dazu gehören“, irrt. Solche Gäste müssen in der Regel im Nebentrakt mit einem Zimmer Vorlieb nehmen – also mit jenen Zimmern, die keinen Blick direkt auf den wunderbar angelegten Empfangs-Repräsentations-Park des Emirates Palace versprechen. Das zumindest deutet uns ein Hotel-Mitarbeiter an. Aus Sicht der arabischen Scheichs kommen diese Zimmer dem gleich, was in Berliner Altbau-Wohnungen Anfang des 20. Jahrhunderts den Kammern des Dienstpersonals entsprach. Dabei möchten wir nun wirklich niemandem, der dazu gehören möchte, den Aufenthalt im Emirates Palace madig machen.
Doch man muss sich einfach deutlich machen: Das Emirates Palace Hotel nennt sich nicht umsonst das luxuriöseste Hotel der Welt und hat sich folglich gleich auch sieben Sterne verliehen. Eine Kategorie, die es eigentlich gar nicht gibt in internationalen Hotel-Fachblättern. Dabei verstehen die Scheichs und Emiratis das Schwanzmessen besser als alle anderen Männer auf der Welt. Denn sie sind es, die sagen, wer mittendrin ist oder nur als Zaungast dabei.

Wir sind Zaungäste. Wir schleichen uns durch die riesige Hotel-Halle des Emirates Palace. Nehmen Platz auf den sündhaft teuren maßgefertigten Sofas, fragen uns bei jedem, der hier herumläuft – ist er oder sie mitten drin oder auch nur ein Spatz auf der Häuserrinne? Die meisten Personen im Emirates Palace dürften nicht-zahlende Besucher sein, die einmal einen scheuen Blick auf arabischen Reichtum, auf die arabische Welt des Mannseins, werfen möchten – was nicht heißt, dass es nicht auch hier die typischen deutschen Pauschaltouristen gibt, die ein Reise-Schnäppchen für das Emirates Palace gebucht haben. Denn die gibt es natürlich auch dort. Den Wohlstand und Reichtum mit Statussymbolen zu zeigen, ist den Emirati wichtig und sie haben allen Grund und alles Recht dazu.
Neben dem Emirates Palace gehört zu den Statussymbolen beispielsweise die neue Formel 1 Rennstrecke auf der derzeit teils luxuriös ausgebauten Abu Dhabi Insel „Yas“. Dazu gehört auch direkt neben der Rennstrecke der Familien-Indoor-Vergnügungsparkt, die Ferrari World. Sie ist architektonisch von außen und innen auch dann sehenswert, wenn man nicht Eintritt zum Zuckerwatte-Essen und Achterbahnfahren bezahlt. Tipp: Für 3 1/2 Stunden ein Taxi nehmen und eine Rundfahrt nach Yas-Island machen. Die Kosten: circa 45 Euro. Aber: Bitte gutes Trinkgeld geben – sprich mindestens 10 bis 20 Euro, da die Taxifahrer häufig billige Angestellte aus Nepal, Pakistan oder Indien sind und in Abu Dhabi nur verdienen, wenn sie fahren, nicht wenn sie für Touristen Sightseeing-Pausen machen.



Dass Surren der beiden weißen Bentleys ist längst verklungen, da vernehmen wir erst leise, dann immer lauter und immer näher, die Rotoren eines Hubschraubers. Eines weißen Hubschraubers. Er landet im nächtlich-dunklen Hotelpark – aber in einem Winkel, der den sonstigen Hotelgästen und Zaungästen verborgen bleibt. Spätestens dann ist klar: Dieses Hotel will niemals profitabel sein. Es will auch kein Hotel für den Westen sein. Es will nur eins: Sich selbst und den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigen, wer man ist. Doch immer wieder fragen wir uns: Was ist denn mit der Frau in der Gesellschaft der Emiratis?
+Die Rolle der Frau in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Die Verfassung von Abu Dhabi und den Vereinten Arabischen Emiraten (UAF Constitution) gewährt zwar keine Demokratie den rund 350.000 originären Emiratis und weiteren hunderttausenden Gastarbeitern. Dennoch gibt es einige Grundrechte. Ausländer dürfen grundsätzlich ihren religiösen Gepflogenheiten nachgehen. Im Gegensatz zum erzkonservativen islamischen Saudi-Arabien dürfen die Frauen in Abu Dhabi selbst entscheiden, ob sie traditionell in schwarzen Gewändern herumlaufen, dabei einen Schleier tragen oder nicht oder sich sogar komplett westlich in Szene setzen möchten (was bei den Emirati-Männern aber eher nicht so gut ankommt).
Auch ist den Emirati-Frauen erlaubt, Autos zu fahren. So kann es durchaus in Abu Dhabi geschehen, dass eine junge 22-jährige Frau abends um 21 Uhr mit ihren Freundinnen im schwarzen Mercedes 500 zum Einkaufen auf den Fischmarkt oder Iranian Market (ein Krimskrams-Markt) fährt. Genauso ist es aber möglich, dass eine komplett verschleierte Beduinenfrau in einem Toyota an der Ampel steht und nur noch durch einen Sehschlitz auf die Straße blickt. Auch gilt in Abu Dhabi, dass alle Frauen ohne männliche Begleitung ihre Erkundungs- oder Einkaufstouren durchführen „dürfen“. Das ist für westliche Ohren zwar eine Selbstverständlichkeit, nicht aber unbedingt für arabisch-islamische Staaten. Jedoch gilt bei aller Freiheit: Jede Frau, aber auch jeder Mann, ist tief in seiner familiären Tradition verwurzelt.

Da es in Abu Dhabi nur rund 150.000 Emiratis gibt, sind viele in Großfamilien-Verbünden verhaftet, welche sich wiederum um Einfluss und Gunst bei Hofe, also beim Herrscher von Abu Dhabi, bemühen müssen. Dabei kann es durchaus eine Rolle spielen, wie sich die Familienmitglieder benehmen. Das heißt: Es ist kaum vorstellbar, dass ein Clan es sich erlaubt, sich weit von der vom Herrscherhaus vorgegebenen traditionellen Verhaltensweisen zu entfernen.
Denn schließlich hat die absolutistische Königsfamilie von der Geburt bis zum Tod faktisch umfangreiche Einflussmöglichkeiten auf die Entwicklung einer jeden Emirati-Familie. Trotz des Verdachts, die Emiratis würden ihre Frauen immer noch unerhör und massiv unterdrücken, sollte nicht vergessen werden: Viele arabische Frauen sind durchaus stolz, traditionell auftreten zu können und nicht in westlichen Jeans.

Auch sollte bei all den kritischen Untertönen im Westen über nicht-demokratische Gesellschaftsformen nicht vergessen werden: Die Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate werden tendenziell verehrt im Emirati-Volk. Denn sie sorgen für ihre Emiratis – und geben einen Teil des Reichtums ihres Landes so weiter. 80 Prozent der Emiratis werden beispielsweise auf teure internationale Schulen geschickt – zumindest in Abu Dhabi. Schon die Grundschul-Kinder lassen die Eltern mit persönlichem Chauffeur in die Schule bringen. Dabei sei es „unglaublich, wie unverschämt und arrogant die Kinder teils sind – zu Lehrern oder anderen Schulbediensteten“, erzählt eine junge britische Gastlehrerin an so einer Schule in Abu Dhabi netz-trends.de.
Mit der Weitergabe von Reichtum oder zumindest von Wohlstand an das Emirati-Volk stützt man sich gegenseitig und irgendwie funktioniert es. Armut gibt es unter echten Emiratis eigentlich nicht. Das ist auch im benachbarten Oman so. Dabei sind Unternehmer, die im Oman oder in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Geschäfte machen möchten, fast schon verpflichtet, ebenfalls Geld an die Bevölkerung weiterzugeben. So schenkte der General-Importeur für japanische Autos im Oman bis zu seinem Tod jeder bedürftigen Omani-Familie 1.000 Euro im Jahr. Und in Dubai müssen große Firmen die Sponsorengelder für das jährliche Dubai Pferderennen „spenden“. Die Rede ist von immerhin rund 27 Mio. US-Dollar.

Diktaturen oder nicht demokratisch gewählte Regierungen lassen sich aber nicht so ohne weiteres vergleichen. So gibt es zwischen den Emiraten und Muhammed al Gaddafi von Libyen einen riesengroßen Unterschied. Gaddafi hat zwar für ein recht hohes Pro-Kopf-Einkommen in Libyen gesorgt (das höchste in Afrika), aber dennoch sein Land geschunden, schnitt die Bevölkerung von der sonstigen Welt ab, verhinderte flächendeckende Bildung all zu oft, ließ in Ungnade gefallene Familien verarmen, sperrte tausende Gegner teils lebenslang in Gefängnisse und unterhielt einen korrupten und willkürlich agierenden Staats-Apparat. Das musste irgendwann schief gehen und zu einer Revolte führen.
In den Emiraten ist davon keine Rede. Das liegt primär daran, dass es in den Emiraten einen Wohlstands- und Freiheitsausgleich gibt. Auch gibt es gegenseitige Wertschätzung zwischen Herrschern und Emirati-Bürgern. Jeder Emirati hat die Chance auf ein gutes Leben, in dem Bildung und persönliche Freiheiten vorhanden sind. Die rund 350.000 Emiratis haben einfach ein gutes Leben. Demokratie in westlichen Ländern ist keine Garantie für ein gutes Leben. Das belegen derzeit Krisenstaaten wie Griechenland, Spanien, Portugal oder Irland. Millionen Menschen sind dort arm, chancenlos ihr Leben anzupacken – trotz Demokratie.
So ist es kein Wunder, dass in den UAE sich derzeit nicht einmal ansatzweise eine Parallele zu Umsturzversuchen wie in Libyen oder Syrien andeutet (von dem Nicht UAE-Mitglied Bahrain einmal abgesehen, in dem es immer wieder zu Protesten gegen die Herrschenden kommt).

Tradition und Moderne zu verbinden – das ist in islamischen Gesellschaften möglich und das zeigt durchaus auch Abu Dhabi. Trotz der zahlreichen modernen Meilensteine, die das Land in den vergangenen Jahren bewältigt hat, ist es doch immer noch stolz auf seine Ursprünge. Deshalb möchte man immer und immer wieder daran erinnern. Auf einer Lagune, auf der der Herrscher-Clan von Abu Dhabi derzeit seinen neuen Palast baut, ist sicherlich nicht zufällig das sogenannte „Heritage Village“ aufgebaut worden: Ein Kunst-Dorf, ein Freilicht-Museum, das die Wurzeln der Emirati Tag für Tag nicht nur den Touristen, sondern auch den Emirati selbst vorführen möchte.
Heritage Village Abu Dhabi oder warum Emiratis den Moonwalk erfanden
An einem Abend machen wir uns deshalb auf in das berühmte „Heritage Village“ von Abu Dhabi. Hier gibt es kleine Märkte und Stände, die den Arabern selbst, aber auch den handvoll Touristen, zeigen sollen, wie einst arabisches Leben in der Wüste war. Zelte sind aufgebaut, Frauen rauchen sitzend die berühmte Wasserpfeife, die Shisha. Doch das dominierende Erscheinungsbild der Anlage sind mal wieder die Männer. Sie stehen da in ihren weißen Gewändern und weißen Schleiern und bereiten ihren traditionellen Emirati-Männer-Tanz und Männer-Gesang vor. Das Schweben ihres Ganges kommt beim Tanzen noch mehr zur Geltung. Der Moonwalk scheint keine Erfindung von Michael Jackson zu sein.
Wie überall in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein Mann in der Regel nur dann ein richtiger Mann, wenn der Emirati stets eine Gruppe von anderen Männern um sich hat. Also stets eine Ansammlung der coolsten weißen Engel der Welt. Erst als Zaungast einer Gruppe von weiß gekleideten Emirati oder Scheichs merkt man, wer Herr hier in der Region ist – und es ist nicht der Westen.
Dabei durchzieht das männliche Bewusstsein der Emiratis nicht nur jene Kreise, die in den Emiraten zu den reichen gehören. Die weißen Gewänder machen auf eine ganz besondere Weise alle irgendwie fast gleich. Ganz nach dem Motto: Zu einem Scheich oder Emirati wird man nicht, ein Scheich, ein Emirati-Bürger, ist man – und zwar ab dem ersten Lebensjahr. Feinheiten in der Kleidung von Männern in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind für einen Europäer kaum erkennbar.

Nur so viel durchschaut man dann doch recht schnell: Die obersten Scheichs tragen zu offiziellen Anlässen oft goldene Gewänder oder wenigstens Gewänder, in die goldene Stoffbahnen eingewoben sind. Wer so einem Araber begegnet, sollte zumindest wissen: Wir sind hier vor einem arabischen Gott. Und ein arabischer Gott erwartet ein gebührliches Verhalten. Man sollte also keinen Fehler machen. Man sollte seine „Unterwerfung“ – auch als westlicher Mann – deutlich machen oder zumindest symbolhaft andeuten. Emiratis sind Meister im Erkennen von kleinen Gesten. Auch sollte man das Bildungsniveau und die Weltläufigkeit von Emiratis nie unterschätzen. So verfügen viele Emiratis in Europa über eine Zweitwohnung oder ein Zweithaus. Besonders beliebt ist zum Beispiel München in Deutschland.
Abu Dhabi an Ostern ist wie Las Vegas an Weihnachten. Das heißt: Außer bunten Ostereiern im Büffet an der Hotelbar sehen wir nichts, was uns an das Christentum erinnert. Abu Dhabi ist das, was Deutschland in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts war: Ein Wirtschaftswunder-Land das gerade auftaut. Das Geld muss irgendwo hin, das man den westlichen dekadenten Menschen über die Ölschraube aus der Tasche gezogen hat.
Doch gilt: Das Herrscherhaus in Abu Dhabi baut zwar repräsentative Anlagen und Gebäude – auch um Macht zu demonstrieren, aber auch um in die Zukunft des Landes zu investieren. Vieles davon ist dringend notwendig. So ist die Innenstadt von Abu Dhabi ein einziger architektonischer Schandfleck. Ein Hotel-Tower sieht schlimmer aus als der nächste, ein Bürogebäude ist widerlicher als der nächste. Das Ziel, mit dem Straßensystem, das man sich von New York abgeschaut hat, eine attraktive Megametropole auf dem Reißbrett zu entwerfen, ist gründlich danebengegangen. Es ist laut, es stinkt. Wir drücken uns in den Häuserschluchten herum, versuchen über die unförmigen, unansehnlichen und viel zu hohen Gehwege zu laufen, ohne zu stolpern. Wir suchen verzweifelt in Abu Dhabi City ein schönes Restaurant oder ein nettes Eiscafé. Doch es ist schwer ohne Restaurantführer.
Konspirative Mädchen die in Abu Dhabi Wasserpfeife rauchen
Schließlich landen wir in einem mit billigem Neonröhren-Licht bespielten Restaurant auf harten billigen Plastikstühlen am Rande eines Parks. Parks gibt es in Abu Dhabi einige, jedoch sind sie häufig nicht perfekt gepflegt, manchmal könnte man auch sagen, sie sind nicht perfekt gesäubert vom Müll einer Großstadt. Am Rande eines solchen Parkes setzen wir uns also unter Neonlicht in einem kleinen Restaurant draußen auf die Terrasse und bestellen einen Tee, da es Bier aus islamischer Tradition meist nur in Hotels gibt. Neben uns sitzt rechts eine Gruppe von recht westlich gekleideten arabischen Frauen.

Einige der Frauen im Restaurant, in welches wir eingekehrt sind, sitzen im rechten Terrassen-Bereich und tragen aber trotz Schleiers Jeans oder Röcke und rauchen die bei Arabern so beliebte Wasserpfeife Shisha. Die feminine Ecke wirkt geradezu konspirativ. Links sitzt wieder eine Gruppe von weiß umschleierten Emiratis. Auch sie rauchen Shisha. Die Burka, eine nahezu Komplettverhüllung der Frau, sieht man in Abu Dhabi kaum mehr, so auch hier nicht. Dafür sieht man aber selbst am Corniche-Beach zahlreiche Frauen die für westliche Augen erstaunlich viel Stoff am Strand anhaben.
+Weiße Sandstrände in Abu Dhabi und die Große Moschee
Dabei ist klar: Liebhaber von weißen Traumstränden kommen in Abu Dhabi auf ihre Kosten. Denn das Land besteht aus gut 200 Inseln und 400 Küsten-Kilometern. In Abu Dhabi City selbst gibt es kostenlose und kostenpflichtige Strandabschnitte direkt an der berühmten Corniche-Strandpromenade. Der kostenlose Strandabschnitt ist der „Familienabschnitt“. Eigentlich dürfen hier Männer ohne feminine Begleitung nicht alleine hin. Dennoch tun es an heißen Sommertagen Hunderte – meist in Gruppen. Auch islamisch gekleidete Frauen verbringen hier oft viele Stunden mit ihren Kindern. Touristen findet man überall am Strand. Sie fallen dort auf, da sie eigentlich gar nicht auffallen. Denn in Abu Dhabi gibt es noch nicht so viele Touristen.
Das liegt einerseits daran, dass sich Abu Dhabi nie wirklich um Touristen groß bemüht hat. Auf der anderen Seit hatte Abu Dhabi aber auch jahrelang schlicht zu wenig Attraktionen, die Touristen aus Europa oder den USA anlocken könnten.

Das hat sich zwischenzeitlich zwar geändert, dennoch ist viel zu tun. Dieses vor allem deshalb, da Abu Dhabi das reichste der sieben Mitgliedsstaaten der Emirate ist und immerhin so wohlhabend ist, dass man Dubai vor der Pleite des Dubai Staatsfonds bewahren konnte. Aus Dankbarkeit heißt das höchste Gebäude der Welt, welcher in Dubai steht, nach dem Namen des Sohns des Herrschers von Abu Dhabi: Burj Khalifa oder Khalifa Tower. 828 Meter ragt das Haus in Dubai in die Höhe.
Bei all der Größe sollte man jedoch nicht vergessen: In allen sieben Mitgliedsstaaten der Union der Vereinigten Arabischen Emirate leben gerade einmal rund 1,6 Mio. Menschen – also rund so viele Bürger, wie die deutsche Hafenstadt Hamburg Einwohner hat. Bis 2030 rechnen die UAE-Regierungen mit einer Verdoppelung der Einwohner auf circa 3 Mio. Dabei gilt bislang die Faustregel: Nur rund 20 Prozent der 1,3 Mio. Einwohner der Vereinigten Arabischen Emirate sind echte Emiratis – also rund 350.000. Die restlichen Einwohner sind Gastarbeiter – vor allem aus Indien, Pakistan, Bangladesch, Asien, aber auch aus Ländern wie Russland oder Europa. Abu Dhabi ist also wie Dubai Multi-Kulti pur. (Quelle: Official Visitor’s Guide Abu Dhabi, Hrg. Mubarak Al Muhairi, Director General Abu Dhabi Tourism & Culture Autority; Stand: 1. April 2013, S. 8; Homepage: visitabudhabi.ae).
Man möchte 2,5 Mio. Touristen in Abu Dhabi
Nun hat die Regierung von Abu Dhabi die Marschrichtung für die eigene weitere Entwicklung ausgegeben. Demnach möchte man bis ins Jahr 2030 im Rahmen des „Government Urban Plan“ umfangreich weiter in die Infrastruktur des Landes investieren, die aber auch schon sehr gut funktioniert: So gibt es zahlreiche Autobahnen und sehr gute Straßen. Wichtig in Abu Dhabi City sind vor allem vier Brücken, die in der Stadt eine zentrale Rolle spielen: Die Al Maytaa-Brücke, die Sheikh Khalifa-Brücke, die Sheikh Zahyed-Brücke sowie die Mussafah-Brücke.
Neben der Infrastruktur möchte Abu Dhabi nun aber auch intensiv daran arbeiten, den Tourismus weiter anzukurbeln und das Transportwesen voranbringen. So soll es schon bald eine Bahn auf der Arabischen Halbinsel geben – fast 200 Jahre nach der ersten Bahnfahrt in Deutschland. Zudem möchte man 2,5 Mio. Gäste-Übernachtungen pro Jahr erreichen.
Bislang kommen insbesondere Touristen aus Europa besonders wegen dem phantastischen guten Wetter in Abu Dhabi, nicht aber wegen irgendwelcher großartiger Attraktionen. Es liegt nun an der „Abu Dhabi Tourism Authority“ (ADTA) das zu ändern und in anderen Regierungsbereichen Überzeugungsarbeit zu leisten, dass weitere Attraktionen geschaffen werden und man sich von Altlasten – beispielsweise den zahlreichen Bausünden in Abu Dhabi City – entledigt.

Auch wenn Abu Dhabi eher am Anfang des Ziels steht, Millionen Touristen ins Land zu holen, so gibt es dennoch einige wunderbare Dinge zu besichtigen. Ein Höhepunkt eines Besuchs in Abu Dhabi ist die Große Moschee. Sie trägt den Namen der Herrscherfamilie, nämlich „Sheikh Zayed Grand Mosque“. Das Gebäude aus 1000-und-einer-Nacht dürfte leicht über zwei Milliarden Euro verschlungen haben und ist nur vom Edelsten. Schon der Vorplatz besteht, soweit das Auge reicht, aus bestem Marmor. Die blauen Marmorelemente in den kunstvoll eingearbeiteten Mustern in den Marmorplatten wurden beispielsweise eigens aus Brasilien importiert. Die Turmspitzen der Minarette sind mit purem Gold überzogen.
1.200 Iranerinnen haben den Moschee-Teppich von Abu Dhabi in zwei Jahren geknüpft
Eines ist klar: Die Große Moschee von Abu Dhabi dürfte neben der Moschee in Muscat (Oman) zu den schönsten weltweit gehören. Vielleicht ist sie auch die Schönste. Ihre schiere Größe erschlägt einen. Das gesamte Areal bietet Platz für rund 40.000 Betende, erklärt uns der Moschee-Führer. Im Innern des Gebäudes hätten rund 10.000 Personen Platz. Der Teppich in der Moschee – stets ein Statussymbol in reichen arabischen Ländern – sei der weltweit größte an einem Stück angefertigte handgeknüpfte Teppich. 1.200 Iranerinnen hätten ihn in zweijähriger Handarbeit im Iran nach guter alter persischer Handwerksmeister-Kunst geknüpft (ja, es gibt auch Kultur im Iran, und nicht nur Atombomben-Vorwürfe).



Das Gewicht des Moschee-Teppichs habe, erklärt uns der Moschee-Fachmann, bei 46 Tonnen gelegen. Allerdings habe man, als man den Teppich in der Moschee ausgelegt habe, Teile abschneiden müssen – beispielsweise um die Säulen herum. So reduzierte sich schließlich das Gewicht des Mega-Teppichs auf rund 36 Tonnen. Das Stück gehört zum Schönsten und farbenprächtigsten, was auch europäische Kunstaugen jemals gesehen haben. Es handelt sich zweifelsfrei um höchste arabisch-orientalische Kultur.
Auch wenn so manches in Abu Dhabi wie aus einer anderen Zeit erscheint. Das Land ist einen Besuch wert.

Hört hört! In Arabien ist der Mann noch ein Mann. Glaubt Ihr Autor ernsthaft, dass z.B., ich zitiere, „deutsche oder französische Männer stolz sind, in einer Ente von Citroën herumzufahren oder einem klapprigen VW-Polo“??? Mein Mann, der nun wahrlich nicht die Ausgeburt eines Machos ist, leidet schon, wenn er bloss Beifahrer in meinem Auto sein muss. Zugegeben auf den Rücksitzen eines japanischen Kleinwagens ist es für einen 1,90-Meter-Mann etwas eng, aber die Hunde müssen nun mal immer vorne sitzen und in seinem Cayenne dürfen sie nicht mehr rein (wegen der weißen Polster).
yoko_ohne: einfach den Mann eintauschen 🙂
Der Artikel ist gut geschrieben und zeigt mal einen anderen Blick auf die Araber- habe öfters mal geschmunzelt.
Es ist eben eine ganz andere Kultur und ich denke nicht, dass sich die Araber so sehr dem Westen geöffnet haben wie sie es ihm gerne vorgaukeln.
die muslimischen Araber lassen sich zunehmend von den Dummen und Geldgeilen dieser Welt fast schon anbeten aber ohne mich! Die können sich Ihren Luxus und Geld sonst wo hinschieben, um wahrhaft glücklich zu sein bedarf es anderem.
Sein Foto straft den Autor Lügen: Drei von sechs Saudis sind deutlich übergewichtig.
Hmmmm, was ist wenn Öl wech is? Dann werden sie wieder arm sein und Kamele wieder als Gefährte haben…..Krieg wird auch kommen ….