Kfz-Versicherung Wie hilfreich ist die Autoversicherungs-Analyse von Stiftung Warentest?

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GünstigeTarife für Ihr Fahrzeug“ verspricht die Stiftung Warentest. Die Preisunterschiede bei den KFZ-Versicherungen seien groß, „weit über 1.000 Euro“ lägen manchmal zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot. In einer Leserumfrage ermittelte Stiftung Warentest eine durchschnittliche Einsparung von 122 Euro jährlich durch einen Wechsel der Autoversicherung, in Einzelfällen gar bis zu 1.200 Euro. Das klingt verlockend, aber Eile ist angesagt. Denn bis Ende November muss die alte Versicherung gekündigt werden, will man sich die versprochenen Einsparungen nicht entgehen lassen. Wie findet man eine günstige Versicherung und ist sie auch wirklich gut? Fährt man nicht vielleicht doch mit der alten Versicherung besser, selbst wenn sei teurer ist?

Um den Verbraucher durch den Tarifdschungel der KFZ-Versicherungen zu führen, bietet Stiftung Warentest eine Autoversicherungs-Analyse an, Kostenpunkt: 16 Euro. Das ist nicht ganz billig, aber wenn man damit über 1.000 Euro sparen kann, erscheint die Summe vertretbar. Wie hilfreich ist die Analyse wirklich und was bietet sie?

Das Urteil der User ist überwiegend ernüchternd. Viele der Kommentatoren halten die Gebühr von 16 Euro für die Analyse für zu hoch, einige sprechen gar von „Abzocke“. Ein Leser nennt einen kostenlosen KFZ-Tarifrechner, der sogar ein TÜV-Siegel hat. Stiftung Warentest hält dem entgegen, dass sich kostenlose Vergleichsportale durch die Provision der über sie abgeschlossenen Autoversicherungen finanzieren. Stiftung Warentest hingegen will seine Unabhängigkeit und Neutralität bewahren und erhebt deswegen eine Gebühr.

In mehreren Fällen kam das günstigste Angebot nicht von Stiftung Warentest, sondern von anderen Portalen. Aber auch den umgekehrten Fall gab es, dass Stiftung Warentest einen Preis nannte, der beim entsprechenden Anbieter nicht verfügbar war und letztendlich genauso viel kostetet wie die alte Versicherung. Ein Leser würde mit dem günstigsten Angebot aus der Stiftung Warentest Analyse gleich mehr als 50% Aufschlag auf seine aktuelle KFZ-Versicherung zahlen – bei schlechterem Versicherungsschutz, im Schadensfall kämen noch einmal 300 Euro Selbstbeteiligung dazu. Die Analyse hat ein großes Manko der Analyse, viele Versicherungsanbieter (rund 1/3) kommen in der Stiftung Warentest Analyse gar nicht vor, weil diese nicht über die erforderlichen Angebote verfügt.

Viele sind von der Analyse enttäuscht und bezeichnen sie als wenig aussagekräftig. Die eingegebenen Daten werden lediglich in ein Computerprogramm eingegeben und automatisch ausgewertet. AGBs und Vertragsdetails suchten die Nutzer vergebens, Stiftung Warentest nenne nur die Preise. Was sie vor allem vermissten, ist eine Bewertung. Welche Risiken stecken womöglich in dem Angebot? Wie reagiert eine Versicherung im Schadensfall? Lohnt sich das vermeintliche Schnäppchen auch dann noch?

Das genannte Einsparpotential von durchschnittlich 122 Euro ist mit Vorsicht zu genießen. Denn die Zahl sagt nichts darüber aus, auf welchen Versicherungsschutz man unter Umständen für die Einsparung verzichtet. Mit Sicherheit lassen sich leicht 100 oder gar 1.000 Euro bei den Versicherungsbeiträgen einsparen. Aber nicht nur die Beiträge unterscheiden sich deutlich, sondern auch die Versicherungsleistung. Wie sieht es im Schadensfall aus? Leicht können dann unabsehbare Mehrkosten entstehen. Eine Kaskoversicherung beispielsweise wird nicht bei jedem Versicherer und in jedem Tarif gleich behandelt. Wenn ein Unfall grob fahrlässig verursacht wird, muss unter Umständen ein Teil der Kosten selbst übernommen werden. Dann hätte am Ende drauf gezahlt.

Bevor man also seine alte Autoversicherung kündigt, sollte man sich dringend von einem Fachmann beraten lassen. Eine Analyse bei Stiftung Warentest oder einem kostenlosen Portal kann einen Überblick verschaffen, ersetzt aber keine Beratung. Ein Versicherungsmakler kennt sich in den Tarifen aus und kann aus den individuellen Wünschen die passenden Versicherungen zusammenstellen. Er muss auch die Risiken benennen, die in einem vermeintlichen Schnäppchen stecken können, anderenfalls würde er im Zweifelsfall haften. Eine Online-Analyse hingegen bietet Zahlen, keine Beratung und vor allem keine Haftung.

Quelle: Versicherungsbote.de http://www.versicherungsbote.de/id/87630/Was-taugt-der-Autoversicherungs-Analyse-von-Stiftung-Warentest/


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