Gruner Jahr: Bernd Buchholz tritt als Vorstandsvorsitzender zurück, Julia Jäkel in Vorstand berufen

Er gehört zu den bekanntesten deutschen Medienmanagern: Bernd Buchholz, 50. Kein Fachmagazin, das nicht in jeder zweiten Ausgabe mindestens eine Geschichte oder ein Foto über ihn publiziert hat. Ob Werben & Verkaufen, Horizont oder Kress – Buchholz war omnipräsent. Nun ist Buchholz als Vorstandschef von Gruner Jahr (u.a. STERN) zurückgetreten.

Buchholz ist der Mann, der wie kein anderer das Coole in höchsten Positionen im positiven Sinne verkörperte. Gleichzeitig wurde bekannt, dass Julia Jäkel, 40, noch eine Stufe höher klettert. Sie wurde in den Vorstand von Gruner Jahr berufen (G J). Sie war einst die Pressesprecherin der Financial Times Deutschland und gilt deshalb als sehr gut mit der Fachpresse verdrahtet, kenn das Zeitungsgeschäft aber auch entsprechend gut.

Als neues Vorstandsmitglied führt Julia Jäkel ab sofort die Geschäfte gemeinsam mit dem Dauervorstand Achim Twardy, 52 (lernte einst Verlagskaufmann im Axel Springer Verlag, war dann Geschäftsführer in der BILD-Gruppe) sowie Torsten-Jörn Klein, 48.

Eigentlich wäre der Vertrag von Bernd Buchholz noch bis 2016 gelaufen. Bereits vor wenigen Tagen hatte er seinen Vorstandsposten im Mutterkonzern Bertelsmann (Gütersloh), niedergelegt. Was konkret Anlass dieses Rücktritts war –darüber gibt es viele Spekulationen. Die meisten gehen davon aus, dass Bernd Buchholz, der charismatische Cowboy, der gern von schönen Frauen beispielsweise auf der Publishers Night des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) umgeben war, mit dem recht neuen Aufsichtsratschef von Gruner Jahr, dem Finanzfachmann Thomas Rabe, nicht zurechtkam.

Rabe ist in der Medienöffentlichkeit kaum bekannt, gilt als kühl und starker Rechner. Dafür wird ihm aber auch nachgesagt, dass er nicht unbedingt ein Herz für die eigenen Journalisten bei Bertelsmann oder Gruner Jahr habe.
Eines dürfte aber klar sein: Rabe wird sparen. Und es wird Redaktionen treffen – möglicherweise die der Financial Times Deutschland (FTD) und er verbündeten Wirtschafts-Schwestertitel (Impulse).

Die Qualitätszeitung FTD hat sich besonders um die Berichterstattung rund um junge Unternehmen einen Namen gemacht hat und betreibt auch aktive Förderung von jungen Unternehmen. Sie hat sich in über zehn Jahren ihrer Existenz einen festen Platz unter den deutschen nationalen Zeitungsmarken gemacht, gilt aber seit Jahren als mehr oder weniger defizitäres Blatt.

Das neue Vorstandsmitglied Jäkel verantwortet ab sofort den profitablen Zeitschriftenbereich, der aber auch von Jahr zu Jahr an Profitabilität verliert. Obendrein soll sie endlich das bei G J nicht sehr gut laufenden Digitalgeschäft, also das Internet-Business, vorantreiben. Die einzige Marke, die hier bislang brilliert, ist stern.de.

Der langjährig gediente Vorstand Achim Twardy, der als höflich, zurückhaltend, fleißig und guter Betriebswirt gilt, soll zusätzlich zu den Bereichen Druck und Beteiligungen sowie Corporate Services, den Finanzbereich übernehmen. Klein hat das Auslandsgeschäft im Auge.

Derweil gibt Raabe, der starke Mann von Bertelsmann (u.a. Random House), die Richtung vor: Ausbau des Auslandsgeschäftes und Gas geben im Internet („Digitalisierung von Inhalten und Marken“).

Mit Bernd Buchholz verlässt ein verdienter und prominenter Medienmanager die Bertelsmann-Gruppe. Es bleibt abzuwarten, wer zum neuen Vorstandschef gekürt wird. Möglich auch, dass die Bertelsmann-Patriarchin Liz Mohn möglicherweise Julia Jäkel für diesen Job mittelfristig im Auge.

Eines ist jedoch klar: Ob sie tatsächlich ein so großes Haus wie G J im Digitalbereich vorantreiben kann und zusätzlich den Zeitschriftenbereich betriebswirtschaftlich nachhaltig optimieren kann, muss sie erst noch zeigen. Privat ist sie übrigens mit dem ehemaligen ARD-Tagesthemen-Mann Ulrich Wickert liiert.

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