Facebook kauft Gesichtserkennungs-Firma Face.com

New York-Hamburg: Datenschützer sind alarmiert: Mit der Übernahme des israelischen Software-Unternehmens Face.com ist Facebook einen weiteren wichtigen Schritt weiter auf dem Weg, die Online-Daten seiner Nutzer mit der realen Wirklichkeit zu verschmelzen. Die Gesichtserkennung soll das soziale Netzwerk noch attraktiver machen. Datenschützer jedoch warnen, der Facebook-Nutzer werde immer mehr zum gläsernen Bürger.

Von Wolfgang M. Seemann
Face.com ist ein Unternehmen, das sich auf Algorithmen zur Gesichtserkennung spezialisiert hat und nach Einschätzung von Experten die weltweit beste Software zur Gesichtererkennung entwickelt hat. Laut Medienberichten habe Facebook rund 55 bis 60 Mio US-Dollar in Form von Bargeld und Facebook-Aktien für den Deal berappt.

Die rund 900 Millionen Nutzer des sozialen Netzwerks laden täglich im Schnitt mehr als 300 Millionen Fotos hoch, um sie mit ihren Freunden zu teilen. Mittels der Face.com-Technologie könnten nun noch einfacher große Bildmengen gehandhabt werden. Möglich wird die Entwicklung neuer iPhone- und Smartphone-Apps zur Vernetzung der Online- und Realwelt. Entwickelt sich Facebook dadurch zur größten Gesichterkartei der Welt? Datenschützer sind beunruhigt!

Bereits 2010 hatte Facebook damit begonnen, Funktionen für die automatische Gesichtserkennung einzuführen. Dagegen hatten Datenschützer in Hamburg aufgrund ihrer Bedenken bezüglich des Schutzes der Privatsphäre ein Verfahren eingeleitet. Das Verfahren aber wurde vorerst unterbrochen, da Facebook seine Bereitschaft signalisiert hatte, sich an die EU-Richtlinien für die Nutzung biometrischer Daten halten zu wollen.

Um den Wert des Unternehmens zu steigern will Facebook einerseits für seine Nutzer attraktiver werden. Andererseits aber braucht das Unternehmen auch neue Einnahmequellen. So versucht Facebook nun auch auf Smartphones Geld zu verdienen und testet dort lokalisierte Werbung. Menschen möglichst nahe am Ort der Kaufentscheidung anzusprechen, gilt in der Werbebranche als ein ausgesprochen wirkungsvolles Instrument. In Kombination mit den personenbezogenen Daten von seinen Nutzern, kann sich hieraus eine enorme Werbemacht entwickeln. Auch dessen, so warnen Datenschützer, sollten sich Facebook-Nutzer bewusst werden.