Das Wichtigste in Kürze

  • Die Betriebe in Deutschland stellten im 1. Halbjahr 2026 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 15,8 Millionen Tonnen Diesel her, 9,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei Benzin waren es 11,0 Millionen Tonnen, ein Plus von 1,8 Prozent.
  • Der gemeldete Produktionswert stieg deutlich stärker als die Menge: beim Diesel um 42,4 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro, beim Benzin um 16,7 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro.
  • Die Einfuhren beider Kraftstoffe nach Deutschland sanken um 23,0 beziehungsweise 23,9 Prozent. Zum selben Tag soll in Deutschland nach dem Beschluss von Bundestag und Bundesrat die auf drei Monate befristete Senkung der Energiesteuer greifen.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hat am Donnerstagmorgen, dem 1. Oktober 2026, seine Zahlen zur Kraftstoffproduktion im ersten Halbjahr 2026 veröffentlicht. Danach haben die Betriebe in Deutschland in diesem Zeitraum 11,0 Millionen Tonnen Benzin und 15,8 Millionen Tonnen Dieselkraftstoff hergestellt. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 ist das ein Plus von 1,8 Prozent beim Benzin und von 9,4 Prozent beim Diesel.

Interessanter als die Mengen ist die zweite Zahlenreihe derselben Mitteilung. Destatis weist neben der produzierten Menge auch den Wert der Produktion aus – und der wuchs erheblich schneller: beim Benzin von 2,9 auf 3,4 Milliarden Euro, beim Diesel von 4,5 auf 6,4 Milliarden Euro. Das sind 16,7 und 42,4 Prozent mehr, bei Mengensteigerungen von 1,8 und 9,4 Prozent.

Je Tonne Diesel rechnerisch 93 Euro mehr als im Vorjahr

Stellt man beide Reihen gegeneinander, ergibt sich ein Durchschnittswert je Tonne. Für Diesel sind das im ersten Halbjahr 2026 rechnerisch rund 405 Euro gegenüber rund 312 Euro im Vorjahreszeitraum, ein Zuwachs von knapp 30 Prozent. Beim Benzin steigt derselbe Wert von rund 269 auf rund 309 Euro, also um gut 15 Prozent. Diese Rechnung stammt von NETZ-TRENDS, nicht von Destatis; das Amt selbst weist sie nicht aus.

Wie der Wert je Tonne zustande kommt – und was er nicht ist

6,4 Milliarden Euro geteilt durch 15,8 Millionen Tonnen ergeben rund 405 Euro je Tonne, 4,5 Milliarden Euro geteilt durch 14,4 Millionen Tonnen rund 312 Euro. Zwei Einschränkungen gehören dazu: Destatis gibt die Werte auf 100 Millionen Euro gerundet an, der abgeleitete Betrag je Tonne ist deshalb eine Näherung und keine amtliche Größe. Und es handelt sich um den auf Herstellerebene gemeldeten Produktionswert, nicht um einen Preis an der Zapfsäule. Wie Steuern und Abgaben in diesen Wert eingehen, führt die Mitteilung nicht aus.

Kraftstoff Menge 1. Hj. 2026 Veränderung Menge Wert 1. Hj. 2026 rechnerisch je Tonne
Benzin 11,0 Mio. t +1,8 % 3,4 Mrd. € rund 309 €
Diesel 15,8 Mio. t +9,4 % 6,4 Mrd. € rund 405 €
Produktion von Benzin und Dieselkraftstoff in Deutschland im 1. Halbjahr 2026. Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. N068 vom 1. Oktober 2026; Spalte „rechnerisch je Tonne“: eigene Berechnung NETZ-TRENDS aus den gerundeten Angaben.

Weniger Einfuhren, mehr Dieselausfuhr

Die zweite Bewegung in der Statistik betrifft den Außenhandel. Nach Deutschland eingeführt wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 525.000 Tonnen Benzin und 858.000 Tonnen Diesel – 23,0 und 23,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Beim Diesel stieg der Wert dieser kleineren Einfuhrmenge laut Destatis dennoch um 5,8 Prozent auf 845 Millionen Euro, beim Benzin sank er um 2,5 Prozent auf 479 Millionen Euro.

Die Herkunft bleibt eng begrenzt: Das eingeführte Benzin kam zu 52,1 Prozent aus den Niederlanden, zu 26,1 Prozent aus Tschechien und zu 11,9 Prozent aus Österreich, der Diesel zu 55,1 Prozent aus Belgien und zu 39,7 Prozent aus den Niederlanden. In die andere Richtung ging mehr: Die Dieselausfuhr aus Deutschland legte um 18,7 Prozent auf 2,06 Millionen Tonnen zu, die Benzinausfuhr sank um 3,5 Prozent auf 1,66 Millionen Tonnen.

An deutschen Zapfsäulen war Diesel 2026 zeitweise teurer als Benzin

Wie sich die Lage auf Herstellerebene im Alltag widerspiegelt, lässt sich an den Monatsdurchschnittspreisen ablesen, die der ADAC für den deutschen Markt veröffentlicht. Danach kostete Diesel im März 2026 im Mittel 2,164 Euro je Liter und damit mehr als Super E10 mit 2,022 Euro; im April waren es 2,263 gegenüber 2,109 Euro. Auch im Mai und im August lag Diesel vorn – in vier der acht bislang ausgewiesenen Monate dieses Jahres.

Liniendiagramm der Monatsdurchschnittspreise für Super E10 und Diesel in Deutschland von Januar bis August 2026; die Dieselkurve liegt in vier Monaten über der Benzinkurve
Die Monatsdurchschnittspreise für Super E10 und Diesel in Deutschland im Jahr 2026. In März, April, Mai und August lag Diesel über Super E10. Grafik: NETZ-TRENDS. Quelle: ADAC, Monatsdurchschnittspreise Deutschland, Stand 1. September 2026.

Über das erste Halbjahr gemittelt ergibt sich aus diesen Monatswerten ein Durchschnitt von rund 1,942 Euro je Liter Diesel gegenüber rund 1,914 Euro je Liter Super E10 – auch das eine eigene Rechnung aus den ADAC-Werten, als ungewichteter Mittelwert der sechs Monate. Im Jahresmittel 2025 hatte das Verhältnis nach denselben ADAC-Angaben noch andersherum ausgesehen: 1,611 Euro je Liter Diesel gegenüber 1,688 Euro je Liter Super E10.

Zum 1. Oktober greift in Deutschland zugleich eine befristete Entlastung: Nach dem Beschluss, den der Bundesrat am 25. September gebilligt hat, sinken die Energiesteuersätze auf beide Kraftstoffe bis zum 31. Dezember 2026 um je 14,04 Cent je Liter. Der deutsche Bundesrat hält in seiner eigenen Zusammenfassung der Sitzung fest: „Ob und in welchem Umfang dieser Steuervorteil an der Zapfsäule ankommt, entscheiden jedoch die Mineralölunternehmen und Tankstellenbetreiber mit ihrer Preisgestaltung. Eine gesetzliche Pflicht zur vollständigen Weitergabe gibt es nicht.“ Die Einzelheiten dieses deutschen Tankrabatts hat NETZ-TRENDS Ende September aufgeschrieben. Das deutsche Energiesteuergesetz gilt nur in Deutschland; in Österreich hat der Nationalrat Ende September einen eigenen Weg mit einer Margenbegrenzung beschlossen.

Was offen bleibt

Die Mitteilung aus Wiesbaden nennt Mengen, Werte und Außenhandelszahlen, aber keine Gründe. Ob der gestiegene Produktionswert vor allem auf höhere Rohölnotierungen, auf veränderte Margen oder auf eine andere Produktzusammensetzung zurückgeht, lässt sich aus den veröffentlichten Angaben nicht ableiten. Offen bleibt auch, warum sich Diesel und Benzin so unterschiedlich entwickelt haben. Eine Einordnung des deutschen Wirtschaftsverbands Fuels und Energie (en2x), der die Mineralölwirtschaft in Deutschland vertritt, lag der Redaktion bis zum Erscheinen dieses Beitrags nicht vor.

Was die Mengen für den deutschen Fiskus bedeuten

Wie viel an den Kraftstoffen hängt, zeigt dieselbe Destatis-Mitteilung an anderer Stelle. Für das Jahr 2025 weist sie eine Energiesteuer von 15,5 Milliarden Euro auf 23,7 Milliarden Liter Benzin und von 17,8 Milliarden Euro auf 37,9 Milliarden Liter Diesel aus. Gegenüber 2024 stieg das Benzinaufkommen um 1,5 Prozent, das Dieselaufkommen sank um 1,8 Prozent. Im längeren Vergleich fällt der Rückgang beim Benzin auf: Seit 2010 ging das Aufkommen dort um 12,6 Prozent zurück, beim Diesel nur um 1,1 Prozent. Die Zeitreihen dazu stehen in der Destatis-Tabelle 73431, auf die die Mitteilung verweist. Halbjahreszahlen hatte das Amt zuletzt auch zu den Strom- und Gaspreisen für Haushalte vorgelegt.

Ein Termin steht fest: Die Senkung der deutschen Energiesteuer endet nach dem Beschluss am 31. Dezember 2026. Ob der Abstand zwischen Menge und Wert in der nächsten Halbjahresauswertung kleiner ausfällt, ist offen.

Und Sie? Haben Sie in diesem Jahr an Ihrer Tankstelle bemerkt, dass Diesel zeitweise teurer war als Benzin – und tanken Sie deshalb anders als früher? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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