42 Depotmodelle im Test: Neobroker und Filialbanken verlangen höchst unterschiedliche Order- und Verwahrkosten

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Stiftung Warentest hat in einer am 12. Oktober 2026 veröffentlichten Untersuchung 42 Depotmodelle verglichen; zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter liegen bei Orders und Verwahrung mehr als 800 Euro im Jahr.
  • Seit dem 1. Juli 2026 ist „Payment for Order Flow“ – die Provisionen von Handelsplätzen an Broker für weitergeleitete Kundenorders – EU-weit verboten; die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) kritisiert seither mehrere neue Bonus-Modelle von Neobrokern als mögliche Umgehung.
  • Nach einer Marktauswertung von biallo.de (Stand: 13. August 2026) kosten einzelne Order bei großen Neobrokern inzwischen zwischen 0 und rund 2 Euro, teils mit neuen Aufschlägen für selbst gewählte Handelsplätze.

Die Stiftung Warentest hat 42 Depots verglichen: Günstigster und teuerster Anbieter trennen über 800 Euro im Jahr. Seit Juli 2026 verändert zudem ein EU-weites Provisionsverbot die Preise vieler Neobroker.

Für die Untersuchung prüften die Tester acht bundesweite Filialdepots sowie 34 Online-Depots von Filial- und Direktbanken und Neobrokern. Ergebnis: Neobroker verlangen für Orders und Verwahrung teils nichts, teils nur wenige Euro im Jahr. Filialbanken kommen je nach Depotgröße und Orderfrequenz dagegen auf mehrere hundert Euro.

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Gleichzeitig verschiebt sich gerade die Preislandschaft bei den Neobrokern selbst. Seit dem Verbot von Payment for Order Flow berechnen mehrere Anbieter neue Aufschläge oder haben Bonus-Modelle eingeführt, die der Aufsicht nicht ganz geheuer sind.

Warentest findet 800-Euro-Lücke

Die Stiftung Warentest veröffentlichte ihre Untersuchung am 12. Oktober 2026, die Ergebnisse stehen in der aktuellen Ausgabe 11/2026 von „Stiftung Warentest Finanzen“ unter dem Titel „Depots im Test – hier können Sie sparen“ sowie unter test.de/depotkosten. Geprüft wurden Order- und Verwahrkosten von acht Filialdepots und 34 Online-Depots in Deutschland, einschließlich reiner Neobroker-Apps.

Konkrete Anbieternamen nennt die Pressemitteilung nicht – welches Depot am günstigsten und welches am teuersten abschneidet, steht nur in der kostenpflichtigen Ausgabe. Als wichtigsten Handelsplatz für den Wertpapierkauf in Deutschland nennen die Tester die Börse Xetra.

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„Ein teures Depot belastet in jedem Fall die Rendite.“

Stiftung Warentest, Pressemitteilung vom 12. Oktober 2026

So entstehen die Unterschiede

Laut Stiftung Warentest sollten Anlegerinnen und Anleger vor der Depoteröffnung genau vergleichen, denn ein teures Depot mindert die Rendite unabhängig davon, wie gut das gewählte Wertpapier sich entwickelt. Aktionsangebote mit reduzierten Ordergebühren bewertet die Stiftung als unproblematisch – solange die Grundkonditionen des Anbieters auch nach Ablauf der Aktion stimmen. Von einem Wechsel allein wegen eines Lockangebots rät sie ab.

Wer aktiv handelt, sollte laut Warentest außerdem nicht nur auf Order- und Verwahrkosten schauen, sondern auf das Gesamtangebot: etwa die Zahl der verfügbaren Handelsplätze. Genau an diesem Punkt setzen auch die Veränderungen durch das PFOF-Verbot an, wie der nächste Abschnitt zeigt.

Modellrechnung: Orderkosten im Jahr

  • Annahme: zehn Order im Jahr, je 1.000 Euro Volumen.
  • Neobroker mit Bestpreis-Ausführung: rund 1 Euro je Order, macht etwa 10 Euro im Jahr.
  • Filialbank: laut Stiftung Warentest je nach Depotgröße und Orderfrequenz mehrere hundert Euro im Jahr.

Rechenweg: 10 Order mal rund 1 Euro ergibt etwa 10 Euro bei günstiger Ausführung. Die Differenz zur Filialbank entsteht zusätzlich durch Verwahr- und Depotführungsgebühren, die in dieser Beispielrechnung nicht enthalten sind.

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PFOF-Verbot verändert die Preise

Seit dem 1. Juli 2026 ist „Payment for Order Flow“ (PFOF) in der Europäischen Union verboten. Gemeint sind Zahlungen, mit denen Handelsplätze Broker bislang dafür vergüteten, dass diese Kundenorders dorthin weiterleiteten – ein Modell, das vielen Neobrokern kostenlose oder sehr günstige Order ermöglicht hatte. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat am 22. Juli 2026 eine Aufsichtsmitteilung veröffentlicht, die festlegt, welche neuen Geschäftsmodelle aus ihrer Sicht zulässig sind.

Nach einer Marktauswertung von biallo.de mit Stand 13. August 2026 haben die meisten Neobroker ihre vor dem Verbot angekündigten Konditionen weitgehend eingehalten – spürbar teurer wurde vor allem der Handel abseits des jeweiligen Haupthandelsplatzes.

Was Neobroker heute verlangen

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Orderkosten mehrerer großer Neobroker in Deutschland nach dem PFOF-Verbot, jeweils für eine Aktienorder über 1.000 Euro. Depotführung und ein ETF-Sparplan über 100 Euro sind bei allen genannten Anbietern weiterhin kostenlos.

Neobroker Order am Haupthandelsplatz Veränderung seit PFOF-Verbot
Trade Republic 1,00 € Selbst gewählter Handelsplatz jetzt 2,00 €; erste Karteneinzahlung 1 % statt kostenlos
Scalable Capital (Free Broker) bis 1,99 € Xetra vorher bis 3,99 €; Gettex ab 1. September bis 1,99 € (vorher 0,99 €)
Smartbroker+ 0 €* Konditionen laut biallo.de unverändert
Justtrade 1,00 € Andere Handelsplätze jetzt 2,90 € (vorher 1,00 €)
Finanzen.net Zero 0 €* Hauptkonditionen unverändert; neues Bonus-Modell, von der BaFin kritisch gesehen
Traders Place 0 €* Derivate auf Gettex jetzt 5,50 € (vorher 5,00 €); neues Bonus-Modell
Trading 212 0 € Unverändert; 0,15 % Aufschlag bei Fremdwährungskauf

* Ab einem Ordervolumen von 500 Euro; darunter fällt bei diesen Anbietern ein kleiner Mindestbetrag an. Quelle: biallo.de, Marktauswertung Stand 13. August 2026. Einzelangaben können sich seither geändert haben.

Auffällig sind vor allem zwei Entwicklungen: Erstens werden Order abseits des von den Brokern bevorzugten Handelsplatzes spürbar teurer – bei Trade Republic etwa doppelt so teuer wie zuvor. Zweitens tauchen bei zwei Anbietern neue Bonus-Modelle auf, bei denen laut biallo.de nicht der Broker selbst, sondern die depotführende Bank als Marktmacher den Bonus zahlt.

Genau diese Bonus-Modelle hat die BaFin im Blick. In ihrer Aufsichtsmitteilung vom 22. Juli 2026 nennt sie Umgehungsgestaltungen, die sie für unzulässig hält. Greift die Aufsicht ein, könnten bislang kostenlose Order bei den betroffenen Anbietern teurer werden – eine Entscheidung dazu ist bislang nicht bekannt.

Checkliste vor der Depotwahl

  • Orderkosten für den eigenen bevorzugten Handelsplatz vergleichen, nicht nur den günstigsten Einzelpreis des Anbieters.
  • Depotführungs- und Verwahrgebühren genau prüfen, auch wenn ein Depot als „kostenlos“ beworben wird.
  • Bei Aktionsangeboten die Grundkonditionen nach Ablauf der Aktion ansehen, nicht nur den Startrabatt.
  • Bonus-Modelle einzelner Neobroker kritisch einordnen – die BaFin hat mehrere davon als möglicherweise unzulässig eingestuft.
  • Wer häufig handelt, sollte zusätzlich die Zahl der verfügbaren Handelsplätze und das Gesamtangebot vergleichen.

Für Anlegerinnen und Anleger, die selten handeln und vor allem langfristig in ETF-Sparpläne investieren, zählt laut Stiftung Warentest vor allem die Kombination aus Depotführungs- und Verwahrgebühr. Wer dagegen regelmäßig einzelne Aktien oder ETF-Anteile kauft und verkauft, spürt die Orderkosten am stärksten im Jahresvergleich.

Häufige Fragen

Wie viele Depotmodelle hat die Stiftung Warentest verglichen?

42 Modelle: acht bundesweite Filialdepots sowie 34 Online-Depots von Filial- und Direktbanken und Neobrokern. Zwischen günstigstem und teuerstem Angebot liegen bei Orders und Verwahrung mehr als 800 Euro im Jahr.

Was ist Payment for Order Flow?

Eine Rückvergütung, mit der Handelsplätze Broker dafür bezahlten, dass diese Kundenorders dorthin weiterleiteten. Das Modell ermöglichte vielen Neobrokern kostenlose oder sehr günstige Order. Seit dem 1. Juli 2026 ist es in der gesamten EU verboten.

Warum kritisiert die BaFin Bonus-Modelle einzelner Neobroker?

Bei manchen neuen Modellen zahlt laut biallo.de nicht der Broker den Bonus, sondern die depotführende Bank als Marktmacher. Die BaFin hat solche Umgehungsgestaltungen in einer Aufsichtsmitteilung vom 22. Juli 2026 als möglicherweise unzulässig eingestuft.

Bleiben Neobroker nach dem PFOF-Verbot dauerhaft günstig?

Das ist offen. Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass fraglich ist, ob Neobroker ihre bisher günstigen Preise ohne die früheren Rückvergütungen halten können. Details zu allen 42 getesteten Modellen stehen in der Ausgabe 11/2026 von Stiftung Warentest Finanzen sowie unter test.de/depotkosten.

Haben Sie bei einem Depotwechsel schon einmal unerwartete Gebühren entdeckt, etwa für einen bestimmten Handelsplatz oder eine Verwahrgebühr? Schreiben Sie es uns in die Kommentare.

Quellen und Stand

  • Stiftung Warentest: Pressemitteilung „Depotkosten: Mehr als 800 Euro Ersparnis ist drin“, 12. Oktober 2026 (test.de).
  • Stiftung Warentest Finanzen, Ausgabe 11/2026: „Depots im Test – hier können Sie sparen“ (test.de).
  • biallo.de: Marktauswertung der Neobroker-Gebühren nach dem PFOF-Verbot, Stand 13. August 2026, zuletzt aktualisiert 28. August 2026 (biallo.de).
  • BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht): Aufsichtsmitteilung zu Umgehungsgestaltungen im Zusammenhang mit dem PFOF-Verbot, 22. Juli 2026.

Recherche- und Datenstand: 3. November 2026.

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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