Das Wichtigste in Kürze
- In Deutschland starben im 1. Halbjahr 2026 laut vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts 1’233 Menschen im Strassenverkehr – 122 weniger als im Vorjahreszeitraum. Auf E-Scootern starben 28 Menschen, 13 mehr.
- In der Schweiz zählte das Bundesamt für Strassen (ASTRA) für das Gesamtjahr 2025 214 Verkehrstote, 36 weniger als 2024. Davon waren 3 Personen auf E-Trottinetten unterwegs (2024: keine); 152 wurden auf E-Trottinetten schwer verletzt (2024: 139). Zahlen zum 1. Halbjahr 2026 hat das ASTRA nach Stand seiner Mitteilungsseite noch nicht veröffentlicht.
- Der Bund prüft eine Helmpflicht für E-Trottinette; sie soll bei einer künftigen Verordnungsrevision in die Vernehmlassung kommen. In Deutschland gelten neue E-Scooter-Regeln erst ab dem 1. März 2027.
Die Halbjahresbilanz des deutschen Strassenverkehrs liest sich zunächst als Erfolgsmeldung. Von Januar bis Juni 2026 kamen nach den vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes 1’233 Menschen bei Unfällen im Strassenverkehr ums Leben. Das sind 9 Prozent oder 122 Todesopfer weniger als im 1. Halbjahr 2025, als 1’355 Menschen starben. Nur bei einem Verkehrsmittel stieg die Zahl: bei E-Scootern, wo 28 Menschen starben, 13 mehr als im Vorjahreszeitraum. Rechnerisch waren es im 1. Halbjahr 2025 also 15 – die Zahl hat sich in Deutschland binnen eines Jahres fast verdoppelt.
Für die Schweiz gibt es eine solche Halbjahreszahl für 2026 bislang nicht. Die Schweizer Zahlen stammen aus der Jahresstatistik 2025 des ASTRA, die am 19. März 2026 erschien. Dieser Beitrag stellt beide Länder nebeneinander – mit dem Vorbehalt, dass die Zeiträume verschieden sind.
Deutschland: Bei jedem anderen Verkehrsmittel gingen die Zahlen zurück
Der Kontrast ist in Deutschland deutlich, weil er auf allen übrigen Feldern in die Gegenrichtung läuft. Die Zahl der getöteten Pkw-Insassen sank um 20 auf 531, bei den Menschen auf amtlich zugelassenen Krafträdern um 32 auf 216, im Fahrradverkehr um 22 auf 211 und bei denen, die zu Fuss unterwegs waren, um 44 auf 150.

| Land und Zeitraum | Getötete insgesamt | davon auf E-Scootern bzw. E-Trottinetten | Anteil |
|---|---|---|---|
| Deutschland, 1. Halbjahr 2026 (vorläufig) | 1’233 | 28 | 2.3 % |
| Schweiz, Gesamtjahr 2025 | 214 | 3 | 1.4 % |
| Österreich, Gesamtjahr 2025 | 403 | 6 | 1.5 % |
Schweiz: 3 getötete E-Trottinett-Fahrende im Jahr 2025, 152 Schwerverletzte
Die Zahlen des ASTRA zeigen für die Schweiz ein ähnliches, aber kleineres Bild. Im Jahr 2025 starben auf Schweizer Strassen laut der Medienmitteilung des ASTRA vom 19. März 2026 und der Strassenverkehrsunfall-Statistik 2025 214 Menschen, 36 weniger als 2024; die Zahl der Schwerverletzten stieg um 143 auf 3’935. Bei den Elektro-Trottinetten registrierte das ASTRA 2025 drei Todesopfer (2024: keine) und 152 Schwerverletzte (2024: 139), davon 5 lebensbedrohlich. Zum Vergleich: Auf E-Bikes starben 2025 in der Schweiz 24 Menschen, mit 586 Schwerverletzten.
In der Stadt Zürich gab es 2025 laut Blick 94 Unfälle mit E-Trottis, mehr als die Hälfte davon Stürze junger, betrunkener Männer; im Kanton Schaffhausen hat sich die Zahl der E-Trotti-Unfälle verdoppelt. Gleichzeitig verzeichnete der Kanton Schaffhausen 2025 laut einer Meldung der Südostschweiz keine Verkehrstoten. Branchenkenner schätzen die Zahl privater E-Trottinette in der Schweiz auf rund 100’000.
Gemessen an der Gesamtzahl bleibt der E-Scooter in beiden Ländern ein kleiner Posten. In Deutschland ist die Richtung die entscheidende Information: Sie steht im Widerspruch zur Gesamtentwicklung. In der Schweiz zeigt sich der Anstieg bei den Schwerverletzten (152 nach 139); bei den Todesopfern sind die Fallzahlen zu klein für eine Aussage über einen Trend.
Deutschland: 28 Todesopfer in sechs Monaten, 38 im ganzen Vorjahr
Wie ungewöhnlich der deutsche Halbjahreswert ist, zeigt der Blick auf die Jahresstatistik. Für 2025 hatte das Statistische Bundesamt am 16. Juli 2026 gemeldet, dass bei E-Scooter-Unfällen im gesamten Jahr 38 Menschen ums Leben kamen, nach 27 im Jahr 2024. Die 28 Todesopfer der ersten sechs Monate 2026 entsprechen rechnerisch rund drei Vierteln des gesamten Vorjahreswerts. Ein Halbjahr ist kein Jahr, und die Zahlen sind vorläufig. 2025 registrierte die Polizei in Deutschland 16’496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden, 38.1 Prozent mehr als 2024. Diese Redaktion hat die Jahreszahlen am 10. September ausführlich ausgewertet.
Kinder und Jugendliche: in Deutschland die zweite Zahl gegen den Trend
Der zweite Ausreisser in der deutschen Statistik betrifft das Alter. Bei Kindern unter 15 Jahren stieg die Zahl der Verunglückten um rund 450 auf 14’900, bei Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren um knapp 390 auf fast 9’900. Bei den 15- bis 17-Jährigen war der E-Scooter das häufigste Verkehrsmittel – 2’076 Verunglückte oder 21 Prozent dieser Altersgruppe, und damit 70 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In der Schweiz fällt beim ASTRA eine andere Jugendgruppe auf: Bei den 15- bis 17-jährigen Motorradfahrenden stiegen die Zahlen, 11 starben und 154 wurden schwer verletzt; E-Trottinett-Zahlen nach Alter weist die ASTRA-Mitteilung nicht aus.
Was die Statistik nicht sagt
Die veröffentlichte Unfallstatistik zählt Unfälle, keine Fahrten. Weder die deutsche Mitteilung vom 24. September noch die gesonderte E-Scooter-Auswertung vom Juli 2026 weisen aus, wie viele Elektrokleinstfahrzeuge in Deutschland unterwegs sind oder wie viele Kilometer damit zurückgelegt werden. Auch für die Schweiz liegt nur eine Schätzung der Branche zum Bestand vor, keine amtliche Zahl. Ob das Risiko je Fahrt gestiegen ist oder schlicht mehr gefahren wird, lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen deshalb nicht ableiten. Das Statistische Bundesamt hatte im Juli 2026 selbst darauf hingewiesen, dass der hohe Anteil junger Verunglückter auch damit zusammenhängen dürfte, dass jüngere Menschen häufiger mit E-Scootern unterwegs sind.
Die Regeln: Deutschland ab März 2027, Schweiz prüft eine Helmpflicht
In Deutschland datiert die Verordnung zur Änderung der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung vom 30. Januar 2026 und wurde am 6. Februar 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet. Nach den Angaben des deutschen Bundesverkehrsministeriums trat Artikel 1 am 1. April 2026 in Kraft; die übrigen Artikel folgen am 1. März 2027. Dazu zählen Fahrtrichtungsanzeiger für neu produzierte Elektrokleinstfahrzeuge, die Geltung des Grünpfeils und die Erlaubnis zum Nebeneinanderfahren, sofern der Verkehr nicht behindert wird. Eine Helmpflicht führt das Ministerium nicht auf.
In der Schweiz prüft das Bundesamt für Strassen (ASTRA) eine Helmpflicht für E-Trottinette. Laut Blick liegen die Ergebnisse eines im Vorjahr in Auftrag gegebenen Berichts vor; eine Helmpflicht soll bei einer künftigen Verordnungsrevision in die Vernehmlassung kommen, ähnlich wie bei E-Rollern. ASTRA-Sprecher Thomas Rohrbach hält einen Helm für Velo-, E-Trotti- und E-Roller-Fahrende ohnehin für sinnvoll. Einen Termin nennt der Bericht nicht. Das Abstellen von Leih-E-Trottis entscheiden Städte und Gemeinden, Velowege fallen in die Zuständigkeit der Kantone.
Zum Vergleich mit dem Nachbarland: In Österreich beschloss der Nationalrat in Wien am 25. März 2026 ein Verkehrssicherheitspaket, nach dem Rollerfahrende unter 16 Jahren einen Helm tragen müssen, nur eine Person auf dem Fahrzeug fahren darf und eine Grenze von 0.5 Promille gilt. Nach Darstellung des österreichischen Automobilclubs ÖAMTC gelten die Regeln seit dem 1. Mai 2026.
Wie es weitergeht
Die am 24. September veröffentlichten deutschen Zahlen sind vorläufig. Ob sich der Halbjahrestrend bei den Elektrokleinstfahrzeugen fortsetzt, zeigt sich in den Zahlen für das zweite Halbjahr. Das ASTRA hat seine Halbjahresmitteilungen in den Vorjahren jeweils Ende August bis Mitte September veröffentlicht; eine Mitteilung zum 1. Halbjahr 2026 war auf der ASTRA-Seite bei Redaktionsschluss nicht zu finden.
Fahren Sie selbst Trottinett oder ärgern Sie sich über E-Trottis – und halten Sie eine Helmpflicht für sinnvoll? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Bundesamt für Strassen (ASTRA): Strassenverkehrsunfälle 2025: weniger Todesfälle, mehr Schwerverletzte, Medienmitteilung vom 19. März 2026
- Bundesamt für Strassen (ASTRA): Strassenverkehrsunfall-Statistik 2025 (Zahlen zu Elektro-Trottinetten)
- Bundesamt für Strassen (ASTRA): Medienmitteilungen zur Unfallstatistik, abgerufen am 2. November 2026
- Blick: Suff-Fahrten, mehr Unfälle: Bund prüft Helmpflicht für E-Trottinette, 22. März 2026
- Südostschweiz: Kanton Schaffhausen verzeichnet 2025 keine Verkehrstoten
- Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle im 1. Halbjahr 2026, Pressemitteilung Nr. 337 vom 24. September 2026, vorläufige Ergebnisse
- Statistisches Bundesamt: 38,1 % mehr E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden im Jahr 2025, Pressemitteilung Nr. N049 vom 16. Juli 2026
- Statistik Austria: Strassenverkehrsunfälle 2025
- Bundesgesetzblatt: Verordnung zur Änderung der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung vom 30. Januar 2026 und Bundesministerium für Verkehr: Fragen und Antworten zur Novelle
- Parlament Österreich: Nationalrat beschliesst Verkehrssicherheitspaket, 25. März 2026, und ÖAMTC: 36. StVO-Novelle
- NETZ-TRENDS: E-Scooter-Unfälle 2025: 16.496 mit Personenschaden, 10. September 2026
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