Das Wichtigste in Kürze

  • Nach den Zahlen des ADAC kostet ein neuer Kleinwagen mit Verbrennungsmotor auf dem deutschen Markt im Durchschnitt 24.117 Euro – angeboten werden in dieser Klasse nach Angaben des ADAC nur noch Benziner. 2016 lag derselbe Durchschnitt bei 13.557 Euro, ein Anstieg um 77,9 Prozent in zehn Jahren.
  • Beim Elektro-Kleinwagen läuft die Kurve derselben Erhebung seit zwei Jahren in die andere Richtung: vom Höchststand 32.728 Euro im Jahr 2024 auf 29.716 Euro in diesem Jahr, ein Minus von 9,2 Prozent.
  • Der Preisabstand zwischen beiden Antrieben ist damit von 10.592 Euro im Jahr 2016 auf 5.599 Euro geschrumpft – eigene Berechnung aus den ADAC-Werten. Das Verbrennerangebot sank auf 46 Modelle, das Elektroangebot stieg auf 37.

Der deutsche Automobilclub ADAC hat am Donnerstag, 3. September 2026, um 13.06 Uhr über den Presseverteiler news aktuell eine Auswertung zum Kleinwagensegment verbreitet. Ihre Kernaussage ist schnell erzählt: „Kleinwagen sind nicht mehr automatisch auch bezahlbare Einstiegsmodelle“, heißt es in der Mitteilung des Clubs; ein neuer Benziner in dieser Klasse koste im Schnitt fast 24.000 Euro und damit knapp 80 Prozent mehr als vor zehn Jahren.

Interessanter als der Text der Mitteilung sind die drei Grafiken, die der ADAC ihr beilegt. Sie enthalten die vollständigen Reihen seit 2013 – getrennt nach Verbrennern, Elektroautos und dem Gesamtangebot, jeweils mit Durchschnittspreis und Modellzahl. Aus ihnen lässt sich eine zweite Bewegung ablesen, die in der Mitteilung nur einen Halbsatz bekommt: Während der Kleinwagen mit Verbrennungsmotor seit 2019 Jahr für Jahr teurer wird, sinkt der Preis des Elektro-Kleinwagens seit 2024.

Was in den Zahlen des ADAC steht

Alle folgenden Werte stammen aus den Grafiken, die der ADAC seiner Mitteilung beigefügt hat. Es handelt sich um Listenpreise für den deutschen Markt ohne Rabatte, gemittelt über alle Modelle, die der Club dem Kleinwagensegment zurechnet.

Antriebsart Ø-Preis 2016 Ø-Preis 2026 Veränderung Modelle 2016 → 2026
Verbrennungsmotor 13.557 € 24.117 € +77,9 % 71 → 46
Elektroantrieb 24.149 € 29.716 € +23,1 % 8 → 37
alle Antriebe zusammen 14.630 € 26.613 € +81,9 % 79 → 83
Quelle: ADAC, Grafiken zur Mitteilung vom 3. September 2026. Listenpreise für den deutschen Markt ohne Rabatte. Die Verbrennerreihe umfasst 2016 auch Dieselmodelle; 2026 werden nach Angaben des ADAC in dieser Klasse ausschließlich Benziner angeboten. Prozentwerte eigene Berechnung aus den genannten Werten.

Der Preissprung beim Verbrenner beginnt 2019 – und hat mit dem Elektroauto nichts zu tun

Ein Hinweis zur Vergleichbarkeit vorab: Die Verbrennerreihe des ADAC umfasst in den frühen Jahren auch Dieselmodelle. Diesel und andere Verbrennervarianten „werden in dieser Klasse gar nicht mehr angeboten“, heißt es in der Mitteilung – der Wert für 2026 beschreibt also ausschließlich Benziner, der für 2016 eine gemischte Gruppe.

Zwischen 2013 und 2018 bewegte sich der Durchschnittspreis eines Kleinwagens mit Verbrennungsmotor kaum: von 13.244 Euro auf 13.679 Euro, ein Plus von 3,3 Prozent in fünf Jahren. Danach geht die Kurve steil nach oben. 2019 stehen 14.406 Euro in der Reihe, 2020 sind es 15.504, 2021 dann 17.185, 2022 schon 18.486 und 2023 erstmals über 20.000 Euro. Von 2018 bis heute summiert sich das auf 76,3 Prozent.

Woran dieser Anstieg liegt, sagt die Mitteilung nicht: Sie enthält weder eine Ursachenanalyse noch eine Aufschlüsselung nach Kostenblöcken. Belegt ist der Verlauf, nicht seine Erklärung.

Beim Elektro-Kleinwagen sinken die Preise seit zwei Jahren

Die zweite Reihe verläuft gegenläufig. Der Durchschnittspreis eines elektrischen Kleinwagens erreichte 2024 mit 32.728 Euro seinen Höchststand, fiel 2025 auf 31.679 Euro und liegt in diesem Jahr bei 29.716 Euro. Gegenüber 2024 ist das ein Rückgang um 9,2 Prozent, gegenüber dem Vorjahr um 6,2 Prozent. Gleichzeitig wuchs das Angebot von 19 Modellen im Jahr 2024 auf 37 in diesem Jahr.

Dass es unterhalb dieses Durchschnitts inzwischen konkrete Angebote gibt, zeigte eine frühere Auswertung desselben Clubs: In der ADAC-Liste der 16 Neuwagen unter 20.000 Euro vom 19. August 2026 standen nach Angaben des Clubs drei Elektroautos: der Dacia Spring Electric 70 Essential mit einem Listenpreis von 16.900 Euro, der Leapmotor T03 mit 18.900 Euro und der Renault Twingo E-Tech Electric Evolution mit 19.990 Euro.

Gestapeltes Säulendiagramm zur Zahl der in Deutschland angebotenen Kleinwagen-Modelle von 2013 bis 2026: 2013 standen 82 Verbrenner 7 Elektromodellen gegenüber, 2026 sind es 46 Verbrenner und 37 Elektromodelle.
Das Kleinwagen-Angebot auf dem deutschen Markt hat sich umgeschichtet: 2013 waren 7 von 89 Modellen elektrisch, 2026 sind es 37 von 83. Grafik: NETZ-TRENDS, Datengrundlage: Grafiken des ADAC zur Mitteilung vom 3. September 2026.

Warum der Gesamtdurchschnitt stärker steigt als jede einzelne Gruppe

Über alle Antriebe zusammen weist der ADAC für dieses Jahr 26.613 Euro aus, nach 14.138 Euro im Jahr 2013 – ein Plus von 12.475 Euro. Dieser Wert liegt prozentual höher als der Anstieg beim Verbrenner und deutlich höher als der beim Elektroauto. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Folge der Zusammensetzung: 2013 waren nach den ADAC-Zahlen 7 von 89 Kleinwagen-Modellen elektrisch, also 7,9 Prozent des Angebots. In diesem Jahr sind es 37 von 83 – 44,6 Prozent.

Weil elektrische Kleinwagen im Schnitt weiterhin 5.599 Euro teurer sind als Verbrenner, hebt schon diese Verschiebung der Zusammensetzung den Gesamtdurchschnitt an. Wer aus der Zahl „über 10.000 Euro teurer“ auf eine Preissteigerung bei ein und demselben Auto schließt, liest die Reihe deshalb falsch. Der Vergleich innerhalb einer Antriebsart – 13.557 zu 24.117 Euro beim Verbrenner – ist der aussagekräftigere.

Was die Auswertung offenlässt

  • Die Mitteilung nennt weder die Modelle, die der Club dem Kleinwagensegment zurechnet, noch die Abgrenzung zur nächsthöheren Klasse. Ohne diese Definition lässt sich nicht prüfen, ob 2016 und 2026 dasselbe gemessen wurde.
  • Angegeben sind Listenpreise ohne Rabatte. Was tatsächlich gezahlt wird, kann davon abweichen – in beide Richtungen.
  • Die Grafiken tragen den Titel „2013-2025“, ihre Zeitachse reicht aber bis 2026. Die Reihen zu Verbrennern und Elektroautos sind mit „© ADAC 06.2026“ gekennzeichnet, die Gesamtreihe mit „© ADAC 08.2026“ – die Stände sind also nicht identisch.
  • Eine eigene Anfrage von NETZ-TRENDS an den ADAC zu diesen Punkten war bis zum Redaktionsschluss dieses Beitrags nicht möglich.

Der ADAC sieht das Sparpotenzial bei der Ausstattung – beziffert es aber nicht

Aus den Zahlen leitet der Club eine Forderung ab: Die Hersteller dürften das Segment nicht vernachlässigen. Viele Menschen benötigten „kein Überangebot an Komfort- oder Unterhaltungsfunktionen, die inzwischen in vielen Kleinwagen serienmäßig sind“, heißt es in der Mitteilung; hier sehe der ADAC „ein ungenutztes Sparpotenzial“.

Diese Forderung bleibt in der Mitteilung ohne Zahl. Wie viel ein Verzicht auf serienmäßige Komfortausstattung am Endpreis ändern würde, steht dort nicht – und ohne diese Größe lässt sich nicht beurteilen, ob damit die 10.560 Euro Preisanstieg der vergangenen zehn Jahre auch nur teilweise eingeholt wären. Eine Stellungnahme der Hersteller oder ihres Verbands enthält die Mitteilung ebenfalls nicht.

Hinzu kommt eine Unterscheidung, die der Club nicht trifft: Ein Teil dessen, was heute in einem Kleinwagen verbaut ist, ist nicht wählbar. Die EU-Verordnung 2019/2144 über die allgemeine Sicherheit von Fahrzeugen schreibt für neue Fahrzeuge eine Reihe von Assistenzsystemen vor. Wo die Pflichtausstattung endet und das „Überangebot an Komfortfunktionen“ beginnt, benennt die Mitteilung nicht.

In Österreich und der Schweiz kommt auf den Listenpreis noch etwas obendrauf

Die genannten Beträge gelten für Deutschland und enthalten die dortige Umsatzsteuer von 19 Prozent. Wer denselben Wagen in Österreich oder der Schweiz kauft, rechnet mit anderen Größen.

In Österreich fällt zusätzlich die Normverbrauchsabgabe an. Nach der seit 1. Juli 2025 geltenden Rechtslage des österreichischen Finanzministeriums ergibt sich der Steuersatz für Personenwagen aus der Formel „(CO2-Emissionen in g/km − 94) ÷ 5“, begrenzt auf 80 Prozent; ab 155 g/km kommt ein Malus von 20 Euro je Gramm hinzu, abgezogen wird ein Abzugsposten von 350 Euro. Die österreichische Umsatzsteuer liegt bei 20 Prozent.

Rechenbeispiel der Redaktion: Was die Formel für einen Benzin-Kleinwagen bedeutet

Angenommen, ein Benzin-Kleinwagen stößt nach WLTP 120 Gramm CO2 je Kilometer aus: (120 − 94) ÷ 5 = 5,2. Daraus folgt nach der österreichischen Formel ein Steuersatz in der Größenordnung von fünf Prozent, bezogen auf den Nettopreis; von der so errechneten Abgabe geht anschließend der Abzugsposten von 350 Euro ab. Ein Malus fällt bei diesem Wert nicht an.

Bei einem reinen Elektroauto mit 0 g/km ergibt dieselbe Formel keinen positiven Steuersatz. Der konkrete Betrag hängt am WLTP-Wert des einzelnen Modells und am österreichischen Nettopreis; die Rechnung ist ein Beispiel, kein Angebot.

In der Schweiz unterliegen eingeführte Personenwagen der Automobilsteuer. Die frühere Befreiung für Elektrofahrzeuge hat der Schweizer Bundesrat am 8. November 2023 aufgehoben; seit dem 1. Januar 2024 sind auch Elektroautos der Steuer unterstellt. Der Normalsatz der Schweizer Mehrwertsteuer beträgt seit demselben Datum 8,1 Prozent und liegt damit deutlich unter den deutschen 19 und den österreichischen 20 Prozent.

Die EU arbeitet an einer eigenen Fahrzeugklasse für kleine Elektroautos

Auf der politischen Ebene gibt es einen Vorschlag, der genau an diesem Segment ansetzt. Nach Darstellung des Europäischen Verkehrssicherheitsrats ETSC hat die EU-Kommission am 16. Dezember 2025 im Rahmen ihrer Initiative für kleine, bezahlbare Autos eine neue Unterkategorie der Personenwagen vorgeschlagen: „M1E“ für kleine Elektrofahrzeuge. Der Fachdienst DieselNet nennt als Abgrenzungsmerkmal eine Höchstlänge von 4,2 Metern und gibt die von der Kommission erwartete Kostensenkung mit 10 bis 20 Prozent an, was Endpreisen zwischen 15.000 und 20.000 Euro entsprechen soll.

Der ETSC kritisiert an dem Vorschlag, dass die für diese Klasse geltenden Vorschriften nach der Zulassung zehn Jahre lang festgeschrieben werden sollen. Nach seiner Darstellung verschiebt das die Einführung von Techniken wie der Notbremsassistenz mit Fußgänger- und Radfahrererkennung ausgerechnet bei Fahrzeugen, die vor allem in Städten unterwegs sind. Ob und in welcher Form der Vorschlag beschlossen wird, war zum Redaktionsschluss dieses Beitrags nicht abschließend zu klären.

Was von den Zahlen bleibt

Für Haushalte, die ein günstiges Auto brauchen, sind zwei Befunde aus dieser Auswertung praktisch relevant. Erstens ist der Kleinwagen mit Verbrennungsmotor als Sparoption schwächer geworden: 46 verbliebene Modelle bei einem Durchschnittspreis von 24.117 Euro sind eine andere Ausgangslage als 71 Modelle für 13.557 Euro vor zehn Jahren. Zweitens ist der Abstand zum Elektroauto in derselben Klasse von 10.592 auf 5.599 Euro zusammengeschmolzen – ein Vergleich von Durchschnitten, nicht von zwei konkreten Fahrzeugen, aber ein Trend über zehn Jahre.

Der Rückgang der Modellzahl ist dabei kein isolierter Vorgang. Die deutsche Autoindustrie baut seit Monaten Stellen ab; Destatis zählte im ersten Halbjahr 2026 42.300 Beschäftigte weniger als ein Jahr zuvor. Ob das Segment der kleinen, bezahlbaren Autos wieder wächst, entscheidet sich damit nicht allein an den Wünschen des ADAC, sondern auch daran, ob der Vorschlag der EU-Kommission Gesetz wird.

Fahren Sie einen Kleinwagen – und würden Sie beim nächsten Kauf auf Komfortausstattung verzichten, wenn der Wagen dadurch spürbar billiger wäre? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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