Während in Deutschland die meisten Versicherungskonzerne noch gar nicht offensiv eine Pflegeversicherung anbieten und die Kosten auch noch recht moderat dafür sind, schießen die Kosten für die Pflegeversicherung (nursing home insurance) in den USA weiter in die Höhe. So stiegen alleine im vergangenen Jahr die Kosten für die Langzeitpflege um 17 Prozent. Schon im Jahr zuvor war ein Anstieg von 6 Prozent zu beobachten, teilte die American Association for Long-Term Care Insurance mit.

Auch die USA verfügen auf Grund der Alterung der Bevölkerung über immer mehr Pflegefälle, das zieht die Kosten in die Höhe. Während die Pflegeversicherung in den USA eine lediglich freiwillige Angelegenheit ist, gibt es in Deutschland immerhin eine Pflichtversicherung. Allerdings leiden nicht nur die Verbraucher und Pflegebedürftige am Anstieg der Versicherungs-Kosten, sondern auch die Versicherungskonzerne selber. Für sie werden die Pflegefälle zu einer immer teureren Angelegenheit. Viele beklagen, sie verlören sogar mittlerweile Geld mit den angebotenen Pflegeversicherungen.

Allerdings arbeiten auch viele Versicherungen mit der Angst davor im Alter einmal ein Pflegefall zu werden. So bezweifeln Fachleute, ob ein gesunder 60-Jähriger in den USA wirklich bereits eine Pflegeversicherung benötigt. Sie würde ihn in den USA derzeit jährlich im Schnitt 1.750 US-Dollar (1.423 Euro). Aber: Während in Deutschland eine solche Versicherung das ganze Leben lang gelten würde, sind die US-Versicherungskonzerne besonders trickreich: Sie würden lediglich drei lächerliche Jahre die Kosten für Gesundheitshilfe und private Pflege übernehmen.

Heißt: Die Versicherung ist letztlich für den Mülleimer. So sagt denn auch das Gesundheitsministerium der USA (Department of Health and Human Services), dass im Alter sieben von zehn Alten später einmal Hilfe benötigen würden. Dabei müssen es nicht immer die schweren Arbeiten im Haushalt sein, für die eine externe Hilfskraft, also eine Haushaltshilfe benötigt wird, sondern auch für kleinere: Einkaufen, Putzen, Essen kochen, Bett machen, zum Arzt gehen etc.

Doch gerade für solche Dinge bezahlen häufig die Pflegeversicherungen der USA wiederum nicht. Hier sind dann die Familie, Freunde oder Bekannte gefragt, dem älteren Mitbürger Hilfe entgegen zu bringen. Doch ob die immer Zeit (und Lust) haben, darauf möchten sich gerade ältere Menschen eher nicht mehr verlassen.

+Bessere Seniorenresidenzen sind in den USA richtig teuer

Die Versicherungen wären also in der Pflicht, verweigern das aber. Wer keine private Pflegeversicherung oder eine private Krankenzusatzversicherung hat, der muss für solche Hilfskräfte in den USA sehr tief in die Tasche greifen. Im Schnitt kostete eine Halbtags-Kraft für den privaten Haushalt in den USA 19.656 Dollar (16.000 Euro).

So geht denn auch die US-Regierung davon aus, dass einmal rund 15 Prozent der Bürger später einmal in einem „assisted living“ Appartement landen würden (Betreutes Wohnen). Das sind in den USA spezielle Appartements die bereits eine Haushaltshilfe in der Miete beinhaltet. Rund jeder dritte Amerikaner würde, so die Regierung, später einmal in einem Altersheim (nursing home) landen. Doch wer nicht in einem billigen Altersheim, sondern in einem etwas exklusiveren Ambiente in einer guten Seniorenresidenz altern möchte, der muss – wie in Deutschland – auch in den USA sehr tief in die Tasche greifen. Hier sind Kosten von bis zu 75.000 Dollar im Jahr drin (61.000 Euro im Jahr oder 5.038 Euro im Monat).

Auf Grund der hohen Pflegekosten, auch der hohen Kosten für Betreutes Wohnen, gehen immer mehr Familien dazu über, ihre Angehörigen nur vorübergehend in einem Appartement für Betreutes Wohnen unterzubringen – in den USA sind das im Schnitt drei Monate. Ganz nach dem Motto: Hauptsache ist der Kranke erst einmal weg, die Kosten aber laufen nicht aus dem Ruder.
Ein weiteres Problem in den USA: Der Staat hilft den Alten erst dann finanziell in der Krankenpflege, wenn man praktisch privat komplett pleite ist und nicht mehr als 1.000 Dollar noch auf dem Konto hat.

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