Laut Reuters 18 Prozent der rund 1.500 Beschäftigten; Flock spricht von einem freiwilligen Programm, nicht von Entlassungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Der US-amerikanische Kamerahersteller Flock Safety will nach Angaben von Reuters rund 270 Stellen abbauen, etwa 18 Prozent der Belegschaft. Reuters stützt sich auf nicht genannte Personen mit Kenntnis der Pläne.
  • Eine Flock-Sprecherin sagte gegenüber TechCrunch, es handle sich um ein freiwilliges Programm und nicht um Entlassungen. Die Betroffenen sollen das Unternehmen laut TechCrunch Ende Oktober verlassen.
  • Laut Reuters betreibt Flock rund 120.000 KI-gestützte Kameras in 49 US-Bundesstaaten. Eine US-Bundesrichterin bezeichnete zuletzt die Nutzung des Flock-Systems durch eine Polizeibehörde als „eine Art wahlloser Massenüberwachung“.

Der US-amerikanische Anbieter von Überwachungskameras und Kennzeichenlesegeräten Flock Safety aus Atlanta will nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters rund 270 Stellen abbauen. Das entspricht etwa 18 Prozent der Beschäftigten. Reuters nennt seine Quellen nicht; sie sollen die Pläne kennen. Das Unternehmen ordnet es anders ein: Eine Sprecherin nannte das Vorgehen gegenüber TechCrunch ein freiwilliges Programm und keine Entlassung.

Die Reuters-Meldung vom 8. Oktober erschien am Donnerstag, 8. Oktober, die Stellungnahme des Unternehmens gegenüber TechCrunch folgte am Freitag, 9. Oktober 2026, um 6.40 Uhr Pazifikzeit – in Deutschland war es 15.40 Uhr. Beide Berichte fallen in eine Phase, in der Flock in den USA zunehmend unter Druck steht.

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Was Reuters berichtet – und was Flock dazu sagt

Laut Reuters beschäftigt Flock rund 1.500 Menschen. Der Abbau soll nach der Darstellung von TechCrunch, das sich auf Reuters stützt, quer durch alle Bereiche gehen. Die Betroffenen verlassen das Unternehmen demnach Ende Oktober im Rahmen eines freiwilligen Abfindungsprogramms. Bereits im September hatte laut TechCrunch das Magazin Wired berichtet, Flock habe einigen Beschäftigten nahegelegt zu gehen, um Pflichtentlassungen zu vermeiden.

Die Unternehmenssprecherin Paris Lewbel sagte gegenüber TechCrunch: „Das war ein freiwilliges Programm, keine Entlassung“ („This was a voluntary program, not a layoff“). Nach Darstellung von TechCrunch will sich das Unternehmen damit für die nächste Wachstumsphase aufstellen. Auf die Frage, ob Vorstandschef Garrett Langley oder andere Führungskräfte im Rahmen des Programms auf Gehalt verzichten, wollte die Sprecherin sich nicht weiter äußern. Gegenüber Reuters lehnte Flock laut der bei AOL veröffentlichten Reuters-Exklusivmeldung einen Kommentar ab.

Worum es bei Flock geht

Flock betreibt nach den Angaben von Reuters rund 120.000 KI-gestützte Kameras in 49 US-Bundesstaaten, die Kennzeichen lesen und Fahrzeuge erfassen. TechCrunch spricht von mehr als 100.000 Kennzeichenlesegeräten. Zur Kundschaft zählen laut Reuters über 4.800 Strafverfolgungsbehörden und fast 1.000 Unternehmen. Das Unternehmen verweist nach der Wiedergabe von Reuters darauf, dass seine Technik beim Aufklären von Straftaten helfe.

Kennzahl Angabe Quelle
Beschäftigte insgesamt rund 1.500 Reuters
Geplanter Abbau rund 270 Stellen (18 Prozent) Reuters; Ausscheiden Ende Oktober laut TechCrunch
Kameras im Einsatz rund 120.000 in 49 US-Bundesstaaten Reuters
Kundschaft über 4.800 Strafverfolgungsbehörden, fast 1.000 Unternehmen Reuters
Finanzierungsrunde März 2026 275 Mio. US-Dollar bei 7,5 Mrd. US-Dollar Bewertung Reuters
Umfrage zu Flock-Kameras in der eigenen Gemeinde 38 Prozent dafür, 47 Prozent dagegen Reuters/Ipsos
Quelle: Reuters, wiedergegeben in einer Fassung vom 8. Oktober 2026 und in einer Exklusivmeldung, zuletzt aktualisiert am 9. Oktober 2026; TechCrunch, 9. Oktober 2026. Angaben zu Kundschaft und Finanzierung nach Reuters; den Erhebungszeitpunkt der Umfrage nennen die vorliegenden Fassungen nicht.

Im März hatte Flock laut Reuters 275 Millionen US-Dollar eingesammelt, angeführt vom Wagniskapitalgeber Andreessen Horowitz, bei einer Bewertung von 7,5 Milliarden US-Dollar. Das Geld ist nach Unternehmensangaben für eine Fertigungsanlage in den USA und für Drohnenprodukte bestimmt.

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Gegenwind aus Gerichten, Parlament und Verwaltung

Die Stellenmeldung fällt in eine Woche, in der mehrere Vorgänge zusammenkommen. Die belegbaren Stationen:

  • Gericht: Laut TechCrunch (Bericht vom 3. Oktober) entschied die US-Bundesrichterin Sara Hill, dass die nach der Suche erlangten Beweise nicht verwertet werden dürfen, nachdem ein Deputy des Sheriffs im US-Bundesstaat Oklahoma ohne Durchsuchungsbeschluss im Flock-System nach dem Kennzeichen einer Frau gesucht hatte. Die Richterin sah den Vierten Zusatzartikel der US-Verfassung verletzt und nannte die Nutzung „eine Art wahlloser Massenüberwachung“ („a type of indiscriminate mass surveillance“). Die Entscheidung hat laut TechCrunch keine bindende Wirkung für andere Gerichte.
  • Parlament: Der US-Senator Bernie Sanders brachte laut TechCrunch am 2. Oktober den „Block Flock Act“ ein. Er würde es Bundesbehörden untersagen, automatisierte Kennzeichenlesegeräte zu nutzen. Bislang handelt es sich um einen Gesetzentwurf.
  • Verwaltung: Die Polizei von Los Angeles ließ ihren Vertrag mit Flock laut einem TechCrunch-Bericht vom 13. Juli auslaufen. Florida verbot nach Angaben von Reuters im September Kennzeichenlesegeräte auf staatlichen Autobahnen und verwies dabei auf Datenschutzrisiken.
  • Missbrauch durch Polizeibeschäftigte: TechCrunch verweist auf Berichte von 404 Media und USA Today vom 11. September, wonach Dutzende Polizeibeschäftigte festgenommen, entlassen oder zum Rücktritt gedrängt wurden, weil sie das System ohne Erlaubnis genutzt haben sollen, um Personen zu verfolgen.
  • Klage und Umfrage: Laut Reuters wirft eine Datenschutzklage in Virginia Flock vor, mit der flächendeckenden Kameraüberwachung eine Überwachung ohne richterlichen Beschluss zu betreiben; eine Stellungnahme des Unternehmens dazu enthalten die vorliegenden Berichte nicht. Eine Reuters/Ipsos-Umfrage ergab, dass 38 Prozent der Befragten Flock-Kameras in der eigenen Gemeinde unterstützen und 47 Prozent sie ablehnen.

Einordnung: Zeitliche Nähe ist kein Beleg für eine Ursache

Reuters stellt den Abbau schon in der Überschrift in den Zusammenhang wachsender Kritik („amid backlash“); belegt ist damit ein zeitlicher Zusammenhang, kein Grund. Flock selbst nennt als Ziel die nächste Wachstumsphase. Offen bleibt, warum das Unternehmen das Programm aufgelegt hat, wie viele der rund 270 Stellen tatsächlich freiwillig wegfallen und ob Führungskräfte auf Gehalt verzichten. Das Urteil der Richterin betrifft zudem die Suche einer Polizeibehörde, nicht das Unternehmen Flock selbst.

Was das für Deutschland bedeutet

Flock-Kameras sind nach den ausgewerteten Quellen ein US-amerikanisches Thema; Hinweise auf einen Einsatz in Deutschland liegen der Redaktion nicht vor. Die Debatte ist dennoch nicht fremd: Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe erklärte mit Beschluss vom 18. Dezember 2018 (Az. 1 BvR 142/15 u. a.) automatisierte Kennzeichenkontrollen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen teilweise für verfassungswidrig. Laut der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts greift schon die Erfassung in die informationelle Selbstbestimmung ein, auch wenn es keinen oder nur einen falschen Treffer gibt. Die drei Länder mussten ihre Gesetze bis Ende 2019 ändern.

Beide Entscheidungen stützen sich auf unterschiedliche Rechtsgrundlagen: In den USA geht es um den Vierten Zusatzartikel, in Deutschland um das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung. Gemeinsam ist beiden die Frage, wie weit staatliche Stellen Bewegungen von Fahrzeugen erfassen und speichern dürfen.

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Wie es weitergeht

Belegbar sind drei Punkte: Die betroffenen Beschäftigten sollen Flock laut TechCrunch Ende Oktober verlassen. Der „Block Flock Act“ liegt als Gesetzentwurf im US-Senat vor. Und Flock-Kameras werden laut Reuters vor den US-Zwischenwahlen zunehmend zum politischen Thema. Ob das Unternehmen sich zu den offenen Fragen äußert, ist bislang nicht bekannt.

Wo sollte die Grenze zwischen Verbrechensbekämpfung und flächendeckender Fahrzeugerfassung liegen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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