Das Wichtigste in Kürze

  • Der Pegel Konstanz des deutschen Regierungspräsidiums Freiburg zeigte am Samstag, 12. September 2026, um 22.00 Uhr einen Wasserstand von 266 Zentimetern über Pegelnull. Das Mittel der Tageswasserstände liegt für denselben Pegel bei 341 Zentimetern – 75 Zentimeter höher.
  • Die Bodensee-Schiffsbetriebe streichen nach eigener Ankündigung am Sonntag, 13. September, auf dem Untersee die Kurse 613 bis 620. Die grenzüberschreitende Strecke Öhningen–Stein am Rhein zwischen Deutschland und der Schweiz ist seit dem 15. August durch Busse ersetzt.
  • Der gemeinsame Lagebericht der Umweltbehörden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nennt den Wasserstand „für die Jahreszeit extrem niedrig“ und erwartet in den kommenden Wochen ein weiteres Absinken.

Um 22.00 Uhr an diesem Samstagabend meldete der Messdienst PEGELONLINE der deutschen Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung für den Pegel Konstanz einen Wasserstand von 266 Zentimetern über Pegelnull. Pegelnull liegt dort bei 391,89 Metern über Normalhöhennull; der See stand damit auf 394,55 Metern. Betrieben wird die Messstelle vom Regierungspräsidium Freiburg.

Auf diese Zahl führen die Bodensee-Schiffsbetriebe zurück, dass an diesem Wochenende Schiffe nicht fahren, Zugangsbrücken steiler stehen als sonst und Fahrgäste ihre Räder selbst an Bord tragen müssen. Der Wasserstand ist zugleich eine der wenigen Größen, die für Deutschland, Österreich und die Schweiz zur selben Zeit gilt: Der See grenzt an alle drei Staaten, und sein Spiegel kennt keine Grenze.

266 Zentimeter – vier über dem Niedrigwassermittel, 75 unter dem langjährigen Mittel

Die amtlichen Vergleichswerte desselben Pegels ordnen den Messwert ein. Für den Zeitraum vom 1. November 2006 bis zum 31. Oktober 2015 weisen die Stammdaten des Pegels ein Mittel der Tageswasserstände von 341 Zentimetern aus und ein Mittel der Niedrigwasserstände von 262 Zentimetern. Der Samstagabendwert liegt 75 Zentimeter unter dem ersten und nur vier Zentimeter über dem zweiten Wert. Anders gesagt: Der See steht Mitte September ungefähr dort, wo er im langjährigen Durchschnitt an seinen tiefsten Tagen steht.

Eine eigene Auswertung der Viertelstundenwerte des Pegels Konstanz durch NETZ-TRENDS zeigt, wie stetig das gegangen ist. Am 12. August 2026 lagen dort 276 Zentimeter an, am 1. September im Tagesmittel 276 Zentimeter, am 12. September 266 Zentimeter. Binnen eines Monats hat der See damit zehn Zentimeter verloren – rechnerisch vollständig in den zwölf Tagen seit dem 1. September. Zuletzt gestiegen ist das Tagesmittel am 29. August.

Säulendiagramm mit vier Werten des Pegels Konstanz am Bodensee: Rekordtief 226 Zentimeter im Jahr 1858, Mittel der Niedrigwasserstände 262 Zentimeter, aktueller Wert 266 Zentimeter am 12. September 2026 und Mittel der Tageswasserstände 341 Zentimeter.
Die Mittelwerte beziehen sich auf den Zeitraum 1. November 2006 bis 31. Oktober 2015. Grafik: NETZ-TRENDS, Datengrundlage: PEGELONLINE (Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes), Pegel Konstanz, Abruf 12. September 2026, 22.00 Uhr; Rekordwert von 1858 nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg.

Am Sonntag entfallen acht Kurse auf dem Untersee

Für Reisende hat der Wasserstand an diesem Wochenende sehr konkrete Folgen. Die Bodensee-Schiffsbetriebe halten auf ihrer Startseite unter der Überschrift „Niedriger Pegelstand des Bodensees“ fest: „noch nie war der Sommer-Pegelstand des Bodensees so niedrig wie in diesem Jahr.“ Daraus folgen nach Angaben des Unternehmens mehrere Einschränkungen:

  • Auf dem Untersee entfallen am Sonntag, 13. September 2026, die Kurse 613 bis 620 zwischen Radolfzell, Iznang, Mannenbach und der Insel Reichenau vollständig.
  • Die Strecke zwischen Öhningen in Deutschland und Stein am Rhein in der Schweiz kann vom 15. August bis zum 13. September nicht befahren werden; das Unternehmen setzt Busse ein.
  • Auf dem Obersee werden nach Unternehmensangaben alle Anlegestellen außer Langenargen bedient.
  • Die Zugangsbrücken zu den Schiffen stehen an vielen Anlegestellen sehr steil. Fahrräder, Anhänger und E-Bikes müssen selbst an Bord gebracht werden; wer in der Mobilität eingeschränkt ist, braucht laut dem Unternehmen eine Begleitperson, weil die Besatzungen nur eingeschränkt helfen können. In Mannenbach ist die Mitnahme von Rollstühlen derzeit nicht möglich.

Was der Hinweis nicht sagt, ist ebenfalls eine Information. Zur Frage, ob und wie bereits gekaufte Fahrkarten für gestrichene Kurse erstattet werden, äußert er sich nicht. Auch eine Angabe dazu, wie lange die Einschränkungen insgesamt gelten sollen, enthält er nicht – genannt ist allein das Enddatum der Busersatzstrecke.

Drei Länder, ein See, fünf Pegel – und zwei Bezugsgrößen

Wie tief der See steht, geben die Umweltbehörden der drei Anrainerstaaten gemeinsam heraus: die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg für Deutschland, das Bundesamt für Umwelt für die Schweiz und das Land Vorarlberg für Österreich. Ihr gemeinsamer Lagebericht wies am Samstagabend folgende Werte aus:

Pegel Land Seeteil Messwert Zeitpunkt
Konstanz Deutschland Obersee 2,66 m über Pegelnull 22.00 Uhr
Bregenz Österreich Obersee 2,71 m über Pegelnull 21.55 Uhr
Romanshorn Schweiz Obersee 394,85 m ü. M. 21.50 Uhr
Radolfzell Deutschland Untersee 2,19 m über Pegelnull 22.00 Uhr
Berlingen Schweiz Untersee 394,36 m ü. M. 21.50 Uhr
Quelle: Gemeinsamer Lagebericht von LUBW, Bundesamt für Umwelt (Schweiz) und Land Vorarlberg, abgerufen am 12. September 2026, 22.05 Uhr. Die deutschen und österreichischen Werte sind Höhen über dem jeweiligen Pegelnull, die Schweizer Werte Meereshöhen in einem eigenen Bezugssystem.

Warum die fünf Zahlen nicht direkt vergleichbar sind

Die deutschen und österreichischen Pegel zählen ab einem örtlich festgelegten Nullpunkt – in Konstanz liegt dieser seit dem 14. April 2004 auf 391,89 Metern über Normalhöhennull. Die Schweizer Pegel geben stattdessen eine absolute Höhe an, in Metern über Meer. Wer 2,66 Meter in Konstanz mit 394,85 Metern in Romanshorn vergleicht, vergleicht deshalb zwei verschiedene Messgrößen. Aussagekräftig ist jeweils der Abstand eines Pegels zu seiner eigenen Zeitreihe, nicht die Differenz zwischen zwei Pegeln.

Schneearme Winter, ausbleibender Regen, hohe Verdunstung

Woher das Wasser fehlt, hat die deutsche Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg in ihrer Mitteilung vom 15. August 2026 beschrieben. Sie nennt drei Ursachen: schneearme Winter in den Alpen, zu wenig Niederschlag seit Ende November 2025 und eine hohe Verdunstung bei anhaltend hohen Sommertemperaturen. Nach Angaben der Behörde führen die Zuflüsse des Sees, insbesondere der Alpenrhein, teils extremes Niedrigwasser.

Dieselbe Mitteilung liefert den historischen Maßstab. Am 13. August 2026 stand der Pegel Konstanz bei 275 Zentimetern – nach Darstellung der LUBW unter dem bis dahin niedrigsten Wert für dieses Datum von 300 Zentimetern aus dem Jahr 2003. Die Messreihe reicht bis 1850 zurück; den tiefsten je gemessenen Stand verzeichnet sie mit 226 Zentimetern für Ende Februar und Anfang März 1858. Von diesem Wert trennen den See derzeit 40 Zentimeter. Die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker bezeichnete den Bodensee in der Mitteilung als Europas größten Trinkwasserspeicher.

Der Bodensee ist damit kein Einzelfall, sondern der sichtbarste Teil einer Lage, die sich in diesem Sommer durch mehrere Einzugsgebiete zieht. NETZ-TRENDS hat im August über den Rheinpegel bei Kaub berichtet, in Österreich wird seit dem Sommer über die Finanzierung der Dürrehilfe gestritten.

Die Behörden erwarten weiteres Absinken – eine Zahl nennen sie nicht

Für die kommenden Wochen legt sich der gemeinsame Lagebericht der drei Länder in der Richtung fest, nicht in der Höhe. Der Wasserstand liege „auf einem für die Jahreszeit extrem niedrigen Niveau“, heißt es dort; entsprechend dem natürlichen Jahresgang und wegen der anhaltend trockenen Witterung sei „in den kommenden Wochen tendenziell mit einem weiteren Absinken des Seewasserstandes zu rechnen“. Eine Prognose, wie tief der See bis zum Jahresende fallen könnte, enthält der Bericht nicht; angekündigt ist lediglich eine Aktualisierung, sobald sich die Bedingungen ändern.

Offen bleibt damit auch die Frage, die für die Anrainerorte wirtschaftlich zählt: wie lange die Einschränkungen der Fahrgastschifffahrt noch reichen. Der Lagebericht verweist für die kommenden Wochen ausdrücklich auf den natürlichen Jahresgang des Sees, der in dieser Zeit nach unten zeigt. Die Bodensee-Schiffsbetriebe nennen bislang nur das Datum, an dem die Busse auf der Strecke nach Stein am Rhein enden sollen: den 13. September. Ob danach wieder Schiffe fahren, sagt der Hinweis nicht.

Fahrgäste in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind vorerst auf tagesaktuelle Auskünfte angewiesen. Die Bodensee-Schiffsbetriebe verweisen dafür auf ihr Personal an den Anlegestellen.

Sind Sie in den vergangenen Wochen am Bodensee unterwegs gewesen – und haben Sie Ausfälle, Ersatzbusse oder gesperrte Anlegestellen erlebt? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

  • PEGELONLINE, Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (Deutschland): Messwerte und Kennwerte des Pegels Konstanz (Betreiber: Regierungspräsidium Freiburg), Abruf am 12. September 2026, 22.00 Uhr
  • Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, Bundesamt für Umwelt (Schweiz) und Land Vorarlberg: Gemeinsamer Lagebericht zum Wasserstand des Bodensees, Abruf am 12. September 2026
  • Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg: Pressemitteilung „Bodensee erreicht bisher niedrigsten Wasserstand des Jahres 2026″ vom 15. August 2026
  • Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH: Kundenhinweis „Niedriger Pegelstand des Bodensees“, abgerufen am 12. September 2026
  • Wikimedia Commons: Aufnahme der Pegelanzeige in Konstanz vom 6. Oktober 2017, Urheber Roland.h.bueb, Lizenz CC BY 3.0

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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