Das Wichtigste in Kürze
- Das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt wies für die Landtagswahl im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 um 22:18 Uhr nach 2.500 von 2.660 ausgezählten Wahlbezirken 44,9 Prozent der Zweitstimmen für die AfD aus, 16,8 Prozent für die CDU. Ein vorläufiges Ergebnis war das noch nicht.
- Der amtliche Zwischenergebnis-Datensatz trennt Urnen- und Briefwahl: Um 21:56 Uhr lag die AfD an der Urne bei 51,2 Prozent, in den ausgezählten Briefwahlbezirken bei 23,8 Prozent – dort führte die CDU mit 24,2 Prozent. Von 511 Briefwahlbezirken waren zu diesem Zeitpunkt 397 ausgezählt.
- Eine Sitzverteilung hatte das Landesamt bis 22:18 Uhr nicht veröffentlicht. Nach seiner eigenen Ankündigung soll das vorläufige Ergebnis „voraussichtlich in der Wahlnacht oder am frühen Morgen des 07.09.2026“ vorliegen.
Um 22:18 Uhr am Wahlsonntag stand auf der Ergebnisseite des Statistischen Landesamts Sachsen-Anhalt der Zwischenstand für das deutsche Bundesland: 44,9 Prozent der gültigen Zweitstimmen für die AfD, ausgezählt in 2.500 von 2.660 Wahlbezirken. Die CDU kam auf 16,8 Prozent, die SPD auf 9,1, die Grünen auf 8,8, die Linke auf 8,4, das BSW auf 5,2 und die FDP auf 2,5 Prozent.
Dieselbe Seite trägt einen Hinweis, der beim Lesen der Prozentzahlen leicht untergeht: Es handelt sich um ein Zwischenergebnis. Auf der Downloadseite des Landesamts steht der Satz, das vorläufige Ergebnis werde „voraussichtlich in der Wahlnacht oder am frühen Morgen des 07.09.2026 bereitgestellt“. Bis dahin ist jede Zahl aus Magdeburg ein Zwischenstand mit Uhrzeit – und der Datensatz, den das Landesamt parallel zum Download anbietet, zeigt, warum das in dieser Wahl mehr als eine Formalie ist.
Was das Landesamt um 22:18 Uhr auswies
Die folgenden Werte stammen aus der Landesübersicht des Statistischen Landesamts, Auszählungsstand 6. September 2026, 22:18 Uhr. Die Vergleichswerte für 2021 sind dort ebenfalls hinterlegt.
| Partei | Zweitstimmen 2026 | Zweitstimmen 2021 | Differenz | Erststimmen 2026 |
|---|---|---|---|---|
| AfD | 44,9 % | 20,8 % | +24,1 | 45,4 % |
| CDU | 16,8 % | 37,1 % | −20,3 | 23,4 % |
| SPD | 9,1 % | 8,4 % | +0,7 | 7,7 % |
| Grüne | 8,8 % | 5,9 % | +2,9 | 3,4 % |
| Die Linke | 8,4 % | 11,0 % | −2,6 | 11,9 % |
| BSW | 5,2 % | – | – | 3,0 % |
| FDP | 2,5 % | 6,4 % | −3,9 | 3,1 % |
| Freie Wähler | 1,2 % | 3,1 % | −1,9 | 1,1 % |
Die Wahlbeteiligung wies das Landesamt zu diesem Stand mit 73,7 Prozent aus, nach 60,3 Prozent im Jahr 2021. Der Anteil der Briefwahl an allen abgegebenen Stimmen lag bei 23,3 Prozent und damit unter dem Wert von 2021, als 29,1 Prozent per Brief gewählt hatten. Ungültig waren 1,0 Prozent der Zweitstimmen. Auch diese Werte sind Zwischenstände: Die Zahl der erfassten Wahlberechtigten stieg im Lauf des Abends mit jedem gemeldeten Wahlbezirk mit.
Die Kluft zwischen Urne und Brief
Interessanter als die Landeszahl ist an diesem Abend, wie sie zustande kommt. Das Landesamt bietet die Zwischenergebnisse zusätzlich als Datensatz zum Herunterladen an, und dieser Datensatz führt Urnenwahl und Briefwahl getrennt. Im Abzug von 21:56 Uhr – Auszählungsstand 2.454 von 2.660 Wahlbezirken – ergibt sich ein Bild, das die Landeszahl allein nicht zeigt.
An den Wahlurnen lag die AfD bei 51,2 Prozent der gültigen Zweitstimmen, die CDU bei 14,5 Prozent. In den bis dahin ausgezählten Briefwahlbezirken drehte sich das Verhältnis: Dort führte die CDU mit 24,2 Prozent vor der AfD mit 23,8 Prozent, gefolgt von SPD (13,6 Prozent), Grünen (13,4 Prozent) und Linken (11,1 Prozent). Das ist keine Randnotiz, sondern ein Abstand von 27,4 Prozentpunkten zwischen der Urnen- und der Briefwahlquote derselben Partei am selben Wahltag.
Warum ein Zwischenstand kein Ergebnis ist
In Sachsen-Anhalt werden Urnen- und Briefwahlstimmen in getrennten Wahlbezirken ausgezählt, und beide Gruppen sind unterschiedlich schnell fertig. Um 21:56 Uhr waren nach dem Datensatz des Landesamts 2.057 von 2.149 Urnenwahlbezirken ausgezählt – aber erst 397 von 511 Briefwahlbezirken.
Solange sich die beiden Gruppen im Ergebnis so deutlich unterscheiden wie an diesem Abend, verschiebt jeder weitere ausgezählte Briefwahlbezirk die Landeszahl rechnerisch. In welche Richtung und wie stark, lässt sich vorher nicht seriös beziffern – deshalb steht am Ende dieser Nacht ein vorläufiges Ergebnis und nicht die Zahl von 22:18 Uhr.

Bei den Erststimmen führt die AfD in 38 der 41 Wahlkreise
Der Datensatz enthält auch die Erststimmen für jeden der 41 Wahlkreise des deutschen Bundeslandes. Nach eigener Auswertung dieses Zwischenstands von 21:56 Uhr lag die AfD in 38 Wahlkreisen bei den Erststimmen vorn. In drei Wahlkreisen führte die Linke: in Magdeburg II mit 29,3 Prozent, in Halle II mit 29,2 Prozent und in Halle III mit 39,3 Prozent. Die CDU führte in keinem Wahlkreis, obwohl sie landesweit bei den Erststimmen mit 23,4 Prozent auf Platz zwei lag.
Auch das ist ein Zwischenstand und keine Feststellung gewonnener Direktmandate: In einzelnen Wahlkreisen fehlten zu diesem Zeitpunkt noch Wahlbezirke, in Halle II etwa sechs von 47. Wer am Ende ein Wahlkreismandat hält, steht erst mit der amtlichen Feststellung des Ergebnisses fest und nicht mit einer Zwischenauswertung. Bemerkenswert ist die Verteilung trotzdem: Die drei Wahlkreise, in denen die AfD nicht vorn lag, liegen sämtlich in Magdeburg und Halle.
Wie stark sich ein Landesergebnis von der Lage in einzelnen Wahlkreisen unterscheiden kann, war Ende August schon beim isländischen Referendum über neue EU-Beitrittsverhandlungen Thema.
Eine Sitzverteilung gab es am Abend noch nicht
Für die Frage, die an diesem Abend alle beschäftigte – wer im Landtag welche Mehrheit hat –, fehlte um 22:18 Uhr die entscheidende Angabe. Das Statistische Landesamt hält für die Landtagswahl 2026 eine eigene Datensatzbeschreibung für die Sitzverteilung bereit, veröffentlicht hatte es die Sitzverteilung selbst zu diesem Zeitpunkt aber nicht. Aus Prozentwerten eines Zwischenstands lässt sich sie nicht ableiten, weil in die Verteilung Wahlkreismandate, Listenmandate und mögliche Ausgleichsmandate eingehen.
Solange diese Zahlen fehlen, ist auch jede Aussage über rechnerische Mehrheiten, über eine Sperrminorität oder über die für Verfassungsänderungen nötige Zweidrittelmehrheit im Landtag von Sachsen-Anhalt eine Vorwegnahme. Belastbar wird sie erst mit dem vorläufigen Ergebnis.
Was die Parteien am Wahlabend erklärten
Öffentlich dokumentiert sind die Reaktionen des Abends unter anderem über Interviews des deutschen Fernsehsenders phoenix, die er ab 18:53 Uhr als Vorabmeldungen verbreitete. Sie sind die Darstellung der jeweiligen Partei und keine unabhängige Bestätigung – für die Frage nach möglichen Mehrheiten geben sie aber den Stand des Abends wieder.
Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund schloss nach der Vorabmeldung des Senders Tolerierungsmodelle und eine Minderheitsregierung aus. Zur Regierungsbildung sagte er dort: „Wir möchten es alleine machen und wir werden es alleine machen.“ Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel sah nach derselben Quelle einen Regierungsauftrag für ihre Partei und hielt dabei Stimmen aus anderen Fraktionen bei der Wahl an der Spitze der Landesregierung für möglich. Belegt ist damit ihre Ankündigung, nicht deren Erfolgsaussicht. Der Landesvorsitzende der AfD in Sachsen-Anhalt, Martin Reichardt, kündigte laut Sender Gespräche an.
Auf der anderen Seite blieben die Absagen. Die CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann hielt nach der Vorabmeldung am Unvereinbarkeitsbeschluss ihrer Partei gegenüber der Linken fest und begründete das dort inhaltlich. Diese Festlegung steht damit fest, bevor überhaupt eine Sitzverteilung vorliegt. Die BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig erklärte nach der Vorabmeldung des Senders, ihre Partei entscheide nach Projekten und nicht nach Parteibuch; sie halte es für undemokratisch, eine Partei dieser Größe vollständig auszuschließen, nannte als möglichen Berührungspunkt die Energiepreise und schloss zugleich aus, eine Kandidatur der AfD für die Spitze der Landesregierung zu unterstützen. Falle keine Einigung, werde sich das BSW enthalten.
Der Verweis auf die Energiepreise ist einer der wenigen Sachpunkte in diesen Interviews – und einer, bei dem der Landtag in Magdeburg wenig Hebel hat: Die Regeln für Steuern, Abgaben und Netzentgelte auf Strom und Gas werden in Deutschland nicht auf Landesebene gesetzt. Wie stark die Energiekomponente die Teuerung derzeit prägt, zeigen die jüngsten Eurostat-Zahlen zur Inflation im Euroraum.
Was in dieser Nacht noch offen ist
Drei offene Punkte
- Das vorläufige Ergebnis. Nach Angaben des Statistischen Landesamts soll es in der Wahlnacht oder am frühen Morgen des 7. September 2026 vorliegen. Erst dann stehen Prozentwerte, Wahlbeteiligung und die Zuordnung der Wahlkreise fest.
- Die Sitzverteilung. Sie war am Abend nicht veröffentlicht. Ohne sie ist keine Aussage über Mehrheiten, Sperrminoritäten oder Zweidrittelmehrheiten im Landtag von Sachsen-Anhalt belegbar.
- Die Regierungsbildung. Die Aussagen des Wahlabends sind Absichtserklärungen. Verbindlich wird es erst mit der Konstituierung des neuen Landtags und der Wahl der Person, die die Landesregierung führt.
Stand dieser Zusammenstellung: 6. September 2026, 22:30 Uhr.
Für die Einordnung in Österreich und der Schweiz sei der Rahmen kurz benannt: Sachsen-Anhalt ist eines der 16 deutschen Bundesländer, gewählt wurde der Landtag, nicht ein Bundesparlament. Die Zuständigkeiten des Landes reichen von Schulen und Polizei über Hochschulen bis zu Teilen der Wirtschaftsförderung; Steuerrecht, Sozialversicherung und Energiepreisregulierung liegen dagegen weit überwiegend beim deutschen Bund oder bei der Europäischen Union.
Was sich an diesem Abend belegen ließ, ist damit weniger, als die Zuspitzung des Wahlsonntags nahelegt – und in einem Punkt mehr: Der amtliche Datensatz weist für Urnen- und Briefwahl zwei sehr unterschiedliche Ergebnisse aus. Wie viel davon auf die Stimmart entfällt und wie viel darauf, dass die noch offenen Briefwahlbezirke regional ungleich verteilt sind, lässt sich aus dem Zwischenstand nicht trennen. Ob der Unterschied das Endergebnis noch spürbar bewegt, entscheidet sich in den Auszählungen, die in dieser Nacht noch laufen.
Wie beurteilen Sie den Unterschied zwischen Urnen- und Briefwahlergebnis? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt: Ergebnisse auf Landesebene, Landtagswahl 2026, Zwischenergebnis vom 6. September 2026, 22:18 Uhr (2.500 von 2.660 Wahlbezirken)
- Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt: Downloads, Zwischenergebnisse für Land, Wahlkreise und Landkreise/kreisfreie Städte (CSV), Abzug vom 6. September 2026, 21:56 Uhr, mit dem Hinweis zum vorläufigen Ergebnis
- Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt: Ergebnisse auf Wahlkreisebene
- phoenix: Vorabmeldungen vom 6. September 2026 zu Interviews mit Ulrich Siegmund, Alice Weidel, Franziska Hoppermann, Claudia Wittig und Martin Reichardt (Pressemitteilungen)
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.
Hier wäre interessant zu wissen, wie sich das Briefwahlergebnis zu 2021 verändert hat. Traditionell gehen Afd-Wähler lieber zur Urne. Das haben sie 2021 auch so gemacht. Also müsste auch 2021 so ein hoher Unterschied zwischen Briefwahl und Urnenwahl erkennbar sein.