Nassgriff, Alpine-Symbol und Reifengröße gehören gemeinsam in den Kaufvergleich.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland gilt die Winterreifenpflicht situativ: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte müssen die vorgeschriebenen Reifen auf allen Rädern montiert sein.
  • Das EU-Label ordnet Rollwiderstand und Nassgriff von A bis E ein und nennt Außengeräusch sowie Schnee- und gegebenenfalls Eis-Eignung.
  • Ein Label ersetzt keinen Test in der exakten Reifendimension: Der ADAC fand 2026 bei 225/50 R17 mehr als zehn Meter Unterschied beim Nassbremsen.

Beim Winterreifenkauf ist ein guter Buchstabe auf dem EU-Label ein nützlicher Anfang, aber noch keine vollständige Kaufentscheidung. Entscheidend sind die für das Auto freigegebene Dimension, das Alpine-Symbol und ein ausgewogener Test auf trockener, nasser und winterlicher Fahrbahn. Wer nur auf Preis, Marke oder Schneeflocke schaut, übersieht Eigenschaften, die im deutschen Winter häufig wichtiger werden: Bremsen im Regen, Lenkbarkeit auf trockener Straße und berechenbares Verhalten beim gleichzeitigen Bremsen und Ausweichen.

Das zeigt der ADAC-Winterreifentest 2026. Geprüft wurden 32 Produkte in zwei Größen. Die Ergebnisse unterscheiden sich deutlich nach Dimension. Deshalb darf eine Empfehlung für 225/50 R17 nicht einfach auf denselben Modellnamen in einer anderen Größe übertragen werden.

Anzeige

Was gesetzlich vorgeschrieben ist

Deutschland kennt keinen festen Kalenderzeitraum für Winterreifen. Nach der aktuellen Übersicht des Bundesverkehrsministeriums dürfen Kraftfahrzeuge bei den genannten winterlichen Straßenverhältnissen grundsätzlich nur fahren, wenn alle Räder mit geeigneten Winterreifen ausgerüstet sind. Als Winterreifen gelten Reifen mit dem Alpine-Symbol, also dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke nach UN-Regelung Nr. 117.

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt nach § 36 StVZO 1,6 Millimeter im Hauptprofil. Diese Untergrenze sagt jedoch nichts darüber aus, ob ein stark gebrauchter Reifen bei Nässe oder Schnee noch dieselben Reserven wie im Neuzustand bietet. Beim Kauf gebrauchter Räder gehören deshalb Profiltiefe, gleichmäßiger Abrieb, Alter, Beschädigungen und die vollständige Kennzeichnung in die Prüfung.

Vor der Produktauswahl steht die richtige Größe. Prüfen Sie Fahrzeugschein, Bedienungsanleitung und gegebenenfalls die CoC-Papiere. Last- und Geschwindigkeitsindex müssen zum Fahrzeug und zur Nutzung passen. Wer auf eine abweichende Dimension wechseln will, sollte deren Zulässigkeit vor dem Kauf klären.

Anzeige

Was das EU-Label verrät

Die EU-Kommission erklärt das aktuelle Reifenlabel mit sechs Kernelementen. Es zeigt die Rollwiderstandsklasse und die Nassgriffklasse jeweils von A bis E, den gemessenen äußeren Rollgeräuschwert in Dezibel und eine Geräuschklasse von A bis C. Hinzu kommen Symbole für Reifen, die für schwere Schneebedingungen beziehungsweise für sehr schwere Eisbedingungen ausgelegt sind.

Über den QR-Code gelangt man zum Produktdatensatz in der europäischen EPREL-Datenbank. Das hilft, Angaben eines konkreten Reifentyps zu prüfen. Wichtig ist dabei die genaue Typkennung: Innerhalb einer Modellfamilie können Dimensionen und Ausführungen unterschiedliche Labelwerte haben.

Das Label ist kein vollständiges Sicherheitsurteil. Es zeigt keine umfassende Bewertung des Fahrverhaltens auf trockener Straße, der Lenkpräzision, des Aquaplaning-Verhaltens in allen Situationen oder der Ausgewogenheit auf Schnee und Eis. Auch die vom ADAC bewerteten Umweltaspekte wie prognostizierte Laufleistung und Abrieb lassen sich nicht allein aus den drei prominent sichtbaren Labelklassen ableiten.

Warum die Dimension entscheidet

Im ADAC-Test 2026 wurden je 16 Reifen der Größen 185/65 R15 und 225/50 R17 untersucht. Bei den Kleinwagenreifen erhielten nur zwei Produkte das Gesamturteil „gut“; neun der 16 getesteten Modelle waren laut ADAC nicht empfehlenswert. In der Mittelklassegröße 225/50 R17 erreichten vier Produkte ein „gut“, sechs fielen mit „mangelhaft“ durch.

Besonders anschaulich ist der Nassbremstest der Größe 225/50 R17: Zwischen den besten und dem schwächsten Reifen lagen laut ADAC fast zwölf Meter. Während zwei Spitzenmodelle aus 80 km/h nach rund 35 Metern standen, fuhr das schwächste Modell an dieser Stelle noch ungefähr 40 km/h. Diese Werte gelten für den beschriebenen Testaufbau und die geprüfte Dimension; sie sind keine pauschale Aussage über andere Größen.

Anzeige

Auch ein starkes Einzelergebnis auf Schnee reicht nicht. Ein im Schnee sehr guter Testreifen fiel im Gesamturteil wegen erheblicher Schwächen auf trockener und nasser Fahrbahn durch. Für Käufer folgt daraus: Vergleichen Sie nicht nur die beste Teilnote. Suchen Sie einen Reifen, dessen Schwächen zu Ihren häufigsten Strecken und Wetterbedingungen passen und dessen Gesamtleistung keine kritische Lücke aufweist.

Praktische Kauf-Checkliste

  • Exakte Reifengröße sowie Last- und Geschwindigkeitsindex aus den Fahrzeugunterlagen übernehmen.
  • Alpine-Symbol kontrollieren; eine bloße ältere M+S-Kennzeichnung genügt für die deutsche Winterreifenpflicht nicht.
  • EU-Label und EPREL-Datensatz des konkreten Reifentyps prüfen, besonders Nassgriff und Rollwiderstand.
  • Unabhängigen Test genau dieser Dimension lesen und trockene, nasse sowie winterliche Fahrbahn gemeinsam bewerten.
  • Bei Komplettangeboten Felgenzulässigkeit, Reifendruckkontrollsystem, Montage, Auswuchten und Entsorgung in den Gesamtpreis einbeziehen.
  • Bei Gebrauchtkauf Alter, Profiltiefe, Reparaturen, Risse und gleichmäßigen Abrieb kontrollieren lassen.

Für Vielfahrer kann zusätzlich die prognostizierte Laufleistung wichtig sein. Für überwiegend städtische Fahrten mit viel Regen verdient der Nassgriff besondere Aufmerksamkeit. Wer regelmäßig in schneereiche Regionen fährt, braucht belastbare Wintereigenschaften, darf trockene und nasse Fahrbahn aber nicht ausblenden. Eine seriöse Kaufentscheidung verbindet daher Rechtsanforderungen, Labeldaten und einen dimensionstreuen Vergleichstest.

Häufige Fragen

Reicht das Alpine-Symbol als Kaufkriterium?

Nein. Es bestätigt die vorgeschriebene Kennzeichnung für Winterreifen, ist aber kein vollständiges Qualitätsranking. Nassgriff, Trockenverhalten, Schnee- und Eiseigenschaften sowie Haltbarkeit können sich zwischen Produkten deutlich unterscheiden.

Kann ich Testergebnisse einer anderen Reifengröße übertragen?

Nicht zuverlässig. Konstruktion und Abstimmung können sich je nach Dimension und Ausführung unterscheiden. Nutzen Sie möglichst einen Test Ihrer exakten Größe und kontrollieren Sie die vollständige Typbezeichnung.

Ist ein Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol im Winter zulässig?

Bei den genannten winterlichen Straßenverhältnissen erfüllt ein entsprechend gekennzeichneter Reifen grundsätzlich die Kennzeichnungsanforderung. Ob seine Leistung zu Fahrprofil, Region und Fahrzeug passt, muss trotzdem anhand der konkreten Dimension und unabhängiger Tests bewertet werden.

Welche Reifengröße fahren Sie, und gewichten Sie Nassgriff, Laufleistung oder Schneeeigenschaften am stärksten? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren.

Quellen und Stand

Recherche- und Datenstand: 6. November 2026.

Transparenz: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz recherchiert und formuliert und ist zur menschlichen redaktionellen Prüfung vorgesehen.

Artikel teilen

TelegramiMessage/SMSE-Mail

Kommentar schreiben