Nach den Keksen von Bahlsen macht nun auch der deutsche Waschmittelproduzent HENKEL das Spielchen mit der Verpackungsgröße, ebenso der US-Konzern PROCTER & GAMBLE. Nach einem Test von netz-trends.de ergab sich: Äußerlich ist nicht ohne weiteres zu erkennen, dass der Abfüllbehälter für flüssiges Waschmittel bei HENKEL bei gleicher Höhe faktisch weniger Waschmittel bietet, als bislang. Das heißt, die Füllmenge Waschmittel wurde offensichtlich reduziert.

Statt der bisherigen 1,5 Liter Waschmittel für 20 Waschmaschinen beziehungsweise 20 Kappen, bietet HENKEL nun 1,168 Liter mit 16 Waschmittel-Portionen. Das entspricht also einer Mengenverkleinerung von 22 Prozent. Statt 100 Prozent bekommt der Verbraucher in einer fast gleichen Flasche nur noch 78 Prozent des Waschmittels. Es ist aber kaum glaubhaft, dass Henkel längerfristig gleichzeitig den Preis um 22 Prozent reduziert.

Fast schon an Betrug grenzt, dass HENKEL die Flaschen in gleicher Höhe in die Regale von ROSSMANN & Co stellt und obendrein auf der Flasche mit der geringeren Menge schreibt: „Mehr LEISTUNG, mehr FRISCHE“. Man kann wohl getrost

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Die beiden linken Waschmittel-Flaschen von PERSIL sehen fast gleich groß aus. Doch der Inhalt ist in der zweiten von links um 22 Prozent geringer.

annehmen, dass der Werbespruch MEHR LEISTUNG sich vor allem auf die erhöhten Umsätze von HENKEL bezieht, nicht aber auf einen Mehrwert für die Verbraucher.

Deshalb gibt es von netz-trends.de ein Minus für besonders dreiste Verbraucher-Tricks. Das ist vor allem deshalb bedauerlich, da HENKEL grundsätzlich eine großartige deutsche Traditionsmarke ist, die sich seit Jahrzehnten weltweit im harten Wettbewerbsumfeld gegen solch harte Brocken wie den US-Konzern Procter & Gamble durchsetzt und durchsetzen muss.

Beim Blick in das Regal des Drogerieanbieters ROSSMANN stellte netz-trends.de zudem fest: Es scheint durchaus Absprachen unter den Waschmittelanbietern zu geben: Denn nicht nur HENKEL hat unmerklich den Inhalt für die Waschmittelflaschen verkleinert, sondern auch einige andere Anbieter. Äußerlich merkt der Konsument das nicht oder kaum. Grund: Die meisten Waschmittel-Flaschen wurden nicht in der Höhe verringert, sondern in der Breite. Hier bedarf es aber schon eines besonders geschulten Auges, um diese Tricks zu durchschauen.

Auch ist verwunderlich, dass man wieder das Gefühl hat, dass mehr als ein großer Player im Waschmittelmarkt trickst, obwohl das Bundeskartellamt hier vor etwas mehr als einem Jahr schon einmal eine harte Strafe verhängt hat, in der ausgerechnet PROCTER & GAMBLE nicht zur Kasse gebeten worden war. Neben HENKEL und PROCTER und GAMBLE ist UNILIVER das dritte sehr aktive Unternehmen im Waschmittelmarkt.

+Auch Bahlsen Kekse kennen das Spiel mit der Verpackungsverkleinerung

Übrigens: Weißer Riese gehört auch zu HENKEL, ebenso Spee, Sil, Terra, Vernel, Perwoll oder dato. Am berühmtesten ist aber PERSIL. Während zum Beispiel das Konkurrenzprodukt Dash zum US-Unternehmen Procter & Gamble Germany GmbH & Co Operations oHG gehört, ebenso die Waschmittel ARIEL oder LENOR. Auch die Waschmittel-Falschen von PROCTER & GAMBLE sind denen von HENKEL mehr oder weniger angepasst (oder umgekehrt). Allerdings müssen wir fairerweise sagen: Die Redaktion von netz-trends.de weiß nicht, wer zu Erst im Waschmittel-Bereich mit der Verpackungsverkleinerung – man könnte auch von Verpackungsbetrug sprechen – angefangen hat: PROCTER & GAMBLE oder HENKEL.

Jedenfalls heißt es unter Verpackungsdesignern, dass auch PROCTER & GAMBLE berühmt und berüchtigt sei, sehr kreativ mit kleineren Verpackungsgrößen mehr Umsatz zu machen. So ist es kein Wunder, dass die Waschmittelflaschen von PROCTER & GAMBLE denen von HENKEL erstaunlich gleichen.

Das Spielchen mit weniger Inhalt bei nicht deutlich veränderter Verpackung, kennen wir auch vom Weihnachtsgebäck – beispielsweise bei Keksen von Bahlsen. Tendenziell hatte man auch hier das Gefühl: Es gibt weniger Kekse für mehr Geld bei nahezu unveränderter oder sogar verkleinerter Verpackung.

netz-trends.de-Verbrauchertipp:

Für die Verbraucher heißt es deshalb: Mehr denn je auf den Inhalt – also die Gramm-Angabe oder Liter-Angabe – achten und sich nicht von äußerlichen Verpackungen in die Irre führen lassen. Denn immer öfters könnte man auch von Verpackungsbetrug sprechen. Obendrein sollte sich der Verbraucher ruhig einmal auch ältere Kassenzettel aufheben, um die Preise im Haushaltsbuch auch längerfristig beobachten zu können.

Denn der vom Statistischen Bundesamt verbreitete Inflationsspiegel scheint schon länger nicht unbedingt die Tricks der Industrie bei der Preisbildung transparent zu berücksichtigen. Von dort heißt es seit Jahren: Inflation gibt es kaum. Doch wenn es weniger Inhalt fürs gleiche oder gar für mehr Geld gibt, ist das durchaus eine Inflation.