Das Wichtigste in Kürze
- Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben am Montagvormittag in Wischhafen den Tunnel unter der Elbe gefeiert, durch den die deutsche Gleichstromleitung SuedLink verlegt wird.
- Der Tunnelvortrieb selbst war bereits im Juni beendet – TenneT hatte den Abschluss am 23. Juni 2026 mitgeteilt.
- In Betrieb gehen soll SuedLink nach Angaben der Vorhabenträger Ende 2028. Ursprünglich vorgesehen war 2022.
- Die Baukosten beziffern die Vorhabenträger auf rund zehn Milliarden Euro. Getragen werden sie über die Netzentgelte, also von den Haushalten und Betrieben in Deutschland.
- Das Übertragungsnetzentgelt liegt 2026 bei 2,86 Cent je Kilowattstunde – aber nur, weil der Bund 6,5 Milliarden Euro zuschießt. Für 2027 sieht der Regierungsentwurf eine Milliarde Euro weniger vor.
Am Montagvormittag standen rund 150 Gäste im niedersächsischen Wischhafen an einem Loch im Boden. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther und der niedersächsische Umwelt- und Energieminister Christian Meyer feierten gemeinsam mit dem Übertragungsnetzbetreiber TenneT den Durchbruch des sogenannten ElbX-Tunnels: 5,2 Kilometer Röhre unter der Elbe, von Wewelsfleth in Schleswig-Holstein nach Wischhafen in Niedersachsen. Durch sie sollen die Erdkabel der Stromleitung SuedLink laufen.
Der Bauabschnitt ist tatsächlich bemerkenswert – und der Termin zugleich ein Beispiel dafür, wie weit ein gefeierter Baufortschritt und die tatsächliche Fertigstellung einer Leitung auseinanderliegen können.
Der Vortrieb war schon im Juni zu Ende
Die Tunnelbohrmaschine hat den Zielschacht in Wischhafen nicht am Montag erreicht, sondern im Juni. TenneT hatte das am 23. Juni 2026 selbst mitgeteilt. Die Mitteilung vom Montag beschreibt entsprechend keinen neuen technischen Vorgang, sondern eine Veranstaltung: zwei Bundesländer feiern mit dem Betreiber einen Meilenstein.
Das schmälert die Bauleistung nicht. Der Vortrieb begann am 1. Februar 2025 und führte durch wechselnde sandige und tonige Schichten; unter der Schifffahrtsrinne musste unter erhöhtem Druck gearbeitet werden. Ina Kamps, COO von TenneT Germany, nennt ElbX „einen entscheidenden Baustein für die Realisierung von SuedLink“. Günther spricht von einem „echten Meilenstein für SuedLink und für den Netzausbau in Deutschland“. Meyer verweist darauf, dass rund 320 Kilometer der Trasse und damit fast die Hälfte der Gesamtstrecke durch Niedersachsen führen.
Nur: Im Tunnel liegt noch kein Kabel. Was fertig ist, ist die Hülle.
Was SuedLink ist – und was die Leitung leisten soll
SuedLink besteht aus zwei parallelen Gleichstromverbindungen, die Windstrom aus dem Norden Deutschlands in den Süden bringen sollen: von Brunsbüttel nach Großgartach in Baden-Württemberg und von Wilster nach Bergrheinfeld in Bayern. Die deutsche Bundesnetzagentur hat den letzten Planfeststellungsabschnitt am 10. Oktober 2025 genehmigt; seitdem ist das Vorhaben vollständig genehmigt.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Länge der Gesamtleitung | rund 700 km |
| Technik | Gleichstrom-Erdkabel, 525 Kilovolt |
| Übertragungsleistung | 2 Gigawatt je Leitung |
| Elbquerung ElbX | 5,2 km Tunnel, bis zu rund 40 m tief |
| Tunnelvortrieb | 1. Februar 2025 bis Juni 2026 |
| Genehmigung vollständig seit | 10. Oktober 2025 |
| Geplante Inbetriebnahme | Ende 2028 |
| Baukosten nach Angaben der Vorhabenträger | rund 10 Mrd. Euro |
Rechnerisch, so TenneT, lassen sich mit der übertragenen Leistung rund zehn Millionen Haushalte versorgen. Diese Zahl beschreibt eine Kapazität, keine Zuordnung: Der Strom fließt dorthin, wo er gebraucht wird, nicht in zehn Millionen bestimmte Wohnungen.
Sechs Jahre später als geplant
Der Termin Ende 2028 ist nicht der erste, der für SuedLink genannt wurde. Vorgesehen war die Inbetriebnahme ursprünglich für 2022; auf Ende 2028 datierte TransnetBW den Termin bereits Anfang 2022, wie der Fachdienst Energie & Management damals berichtete. Ausschlaggebend für die Verschiebung war die politische Entscheidung des Jahres 2015, bei den großen Gleichstromtrassen Erdkabel statt Freileitungen vorzusehen. Das erhöhte die Akzeptanz vor Ort – und machte eine komplette Neuplanung der Trassen nötig.
Es machte das Vorhaben auch deutlich teurer. Die Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages (WD 5-3000-136/24 vom 3. September 2024) fasst zusammen, dass Erdverkabelung nach Angaben von TenneT „sechs- bis zehnmal teurer“ ist als der Bau von Freileitungen. Dieselbe Ausarbeitung nennt die von TenneT und TransnetBW angegebenen Gesamtbaukosten für SuedLink: „etwa zehn Milliarden Euro“.
Wer die zehn Milliarden Euro bezahlt
Diese Kosten trägt nicht der Bundeshaushalt. Sie fließen in die Erlösobergrenzen der regulierten Netzbetreiber und werden über die Netzentgelte auf die Netznutzung umgelegt. Die Ausarbeitung des Bundestages formuliert es unmissverständlich: „Damit tragen am Ende die Netznutzer, also Stromkunden, die Investitionskosten.“
Wie groß dieser Block ist, zeigt der Anteil an der Rechnung. Nach Angaben von TransnetBW lagen die Netzentgelte 2025 im Durchschnitt bei rund 10,9 Cent je Kilowattstunde und machten damit etwa 28 Prozent des Strompreises aus. Der deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) beziffert die Entwicklung so: 2015 seien es „noch durchschnittlich rund sechs Cent pro Kilowattstunde“ gewesen, 2025 „bereits fast elf ct/kWh“.
Warum das Netzentgelt gerade billig aussieht
In diesem Jahr sieht die Entwicklung auf den ersten Blick anders aus. Das durchschnittliche Übertragungsnetzentgelt – der Teil des Netzentgelts, der auf das Höchstspannungsnetz entfällt, in dem auch SuedLink liegt – fällt 2026 nach den im Oktober 2025 veröffentlichten vorläufigen Werten auf 2,86 Cent je Kilowattstunde. 2025 waren es 6,65 Cent. Das ist ein Rückgang um 57 Prozent.

Der Rückgang hat nichts damit zu tun, dass das Netz billiger geworden wäre. Er beruht auf einem Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro aus dem deutschen Klima- und Transformationsfonds. Die vier Übertragungsnetzbetreiber sind, wie TransnetBW schreibt, „gesetzlich dazu verpflichtet, den Zuschuss vollständig zur Senkung der Netzentgelte einzusetzen“; als regulierte Unternehmen profitieren sie davon nicht selbst.
Dass diese Konstruktion das Entgelt weitgehend von den tatsächlichen Netzkosten entkoppelt, zeigt der Blick zurück: 2023 lag das Übertragungsnetzentgelt dank eines Zuschusses aus dem damaligen Wirtschaftsstabilisierungsfonds bei 3,12 Cent. Für 2024 entfiel dieser Zuschuss nach dem Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe – das Entgelt verdoppelte sich auf 6,43 Cent.
2027 wird der Zuschuss kleiner
Für das kommende Jahr zeichnet sich die nächste Bewegung ab. Nach dem Regierungsentwurf zum Wirtschaftsplan des Klima- und Transformationsfonds, über den Ende Juli berichtet wurde, soll der Zuschuss 2027 nur noch 5,5 Milliarden Euro betragen – eine Milliarde weniger als 2026.
Rechenbeispiel: eine Milliarde Euro weniger Zuschuss
Das Vergleichsportal Verivox hat die Wirkung überschlagen: Eine Milliarde Euro weniger Zuschuss entspricht rund 0,25 Cent netto je Kilowattstunde mehr, also etwa drei Prozent höheren Netzentgelten und rund einem Prozent höherem Strompreis für Haushalte. Für einen Haushalt mit 3.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch sind das rund 7,50 Euro netto im Jahr – bezogen allein auf diesen einen Effekt. Wie hoch das Übertragungsnetzentgelt 2027 tatsächlich ausfällt, steht erst am 1. Oktober 2026 fest, wenn die Betreiber die vorläufigen Werte veröffentlichen.
Was in der Mitteilung nicht steht
In der TenneT-Mitteilung vom Montag stehen Länge, Bauzeit, Bodenverhältnisse, die Zahl der bis zu 9.000 am Projekt Beschäftigten und die Zahl der Festgäste. Ein Kostenbetrag steht nicht darin, und auch kein Hinweis darauf, über welchen Weg das Vorhaben finanziert wird. Das ist für eine Baustellenmitteilung nicht ungewöhnlich – es bedeutet aber, dass die einzige Zahl, die später auf der Stromrechnung auftaucht, in der Mitteilung selbst nicht vorkommt.
Der vzbv hat dazu am 2. Februar 2026 eine Position veröffentlicht: Er fordert, „die Ausbaukosten für das Übertragungsnetz auf das unbedingt notwendige Maß zu begrenzen und überhöhte Gewinne der Netzbetreiber zu verhindern“, und verweist auf den Netzentwicklungsplan, der Investitionskosten von 360 bis 390 Milliarden Euro bis 2045 vorsieht. SuedLink ist in dieser Größenordnung ein Vorhaben unter vielen.
Gegen den Bau der Leitung selbst spricht das nicht. Das Argument der Befürworter lautet, dass fehlende Nord-Süd-Verbindungen selbst Kosten verursachen: Windstrom im Norden muss abgeregelt und Erzeugung im Süden teurer nachgefahren werden, und diese Kosten landen ebenfalls in den Netzentgelten. Meyer wird in einem Bericht von Euronews vom Montag mit dem Satz zitiert: „Je schneller wir ihn bauen, desto mehr sparen wir.“ Beziffert ist dieser Effekt in den hier ausgewerteten Unterlagen allerdings nicht – eine Gegenrechnung, die den Nutzen des Netzausbaus den Mehrkosten der Erdverkabelung gegenüberstellt, findet sich in ihnen nicht.
Wie es weitergeht
Als Nächstes wird die Tunnelbohrmaschine demontiert, danach folgt die Vorbereitung der Kabelverlegung. Bis die Leitung Strom führt, vergehen nach dem aktuellen Plan noch gut zwei Jahre. Zwei Termine sind vorher konkret: Am 1. Oktober 2026 veröffentlichen die Übertragungsnetzbetreiber die vorläufigen Netzentgelte für 2027; die endgültige Höhe des Bundeszuschusses entscheidet sich im parlamentarischen Verfahren zum deutschen Bundeshaushalt.
Wie stark der Strompreis insgesamt an politischen Entscheidungen hängt, zeigt sich auch an anderer Stelle: Beim nationalen CO₂-Preis hat das deutsche Bundeskabinett den Korridor für 2027 gerade fortgeschrieben. Und dass Netzanschlüsse selbst zum Engpass werden, zeigt der Rechenzentrumsmarkt in Frankfurt am Main, wo neue Anschlüsse zwei Jahre und länger dauern.
Halten Sie den Ausbau des Stromnetzes für gut investiertes Geld – oder stört Sie, dass die Kosten über die Netzentgelte auf der Stromrechnung landen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- TenneT TSO GmbH: Pressemitteilung vom 17. August 2026 zum ElbX-Meilenstein sowie Pressemitteilung vom 23. Juni 2026 zum Abschluss des Tunnelvortriebs
- Bundesnetzagentur: Pressemitteilung vom 10. Oktober 2025 zur vollständigen Genehmigung von SuedLink
- Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: „SuedLink“: Kosten des Übertragungsnetzes, WD 5-3000-136/24 vom 3. September 2024 (PDF)
- TransnetBW: Vorläufige Netzentgelte für 2026, Mitteilung vom 1. Oktober 2025, Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten 2026, Mitteilung vom 1. Dezember 2025 und Netzentgelte für 2024, Mitteilung vom 13. Dezember 2023
- Verbraucherzentrale Bundesverband: Übertragungsnetz: Kosteneffizienz stärken, 2. Februar 2026
- dpa-AFX über den Regierungsentwurf zum Wirtschaftsplan des Klima- und Transformationsfonds: Bericht vom 26. Juli 2026 zu den Netzentgelten 2027
- Euronews: Bericht vom 17. August 2026 zum SuedLink-Tunneldurchbruch
- Energie & Management: Bericht zur Verschiebung der SuedLink-Inbetriebnahme auf Ende 2028
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