TV: Warum der Sony Blu-ray-Player BDP-S5500 ein weiterer Sargnagel auf GEZ Gebühren von ARD und ZDF ist

Es ist schon seit Jahren die immer gleiche Diskussion: Schaffen ARD und ZDF einen journalistischen oder Unterhaltungs-Mehrwert, der GEZ-Gebühren in Höhe von rund 17 Euro monatlich oder jährlich rund 200 Euro rechtfertigt?

Bild: netz-trends
Jetzt gibt es schon bei diversen Blue-ray-Playern oder DVD-Playern vorinstalliert TV-Streaming-Dienste über WiFi-Verbindung. Hier der neue Sony, gefunden bei Media Markt.

Ganz in moderner PR-Manier wurde vor einiger Zeit der negativ besetzte Begriff GEZ nun durch den Begriff "Rundfunkbeitrag" ersetzt, welcher wiederum vom "ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice" erhoben wird. Und da ARD und ZDF nicht genug bekommen, sollen Berufstätige Singles, die eine Hauptwohnung haben und eine beruflich bedingte Zweitwohnung, gleich das doppelte für ARD, ZDF und Deutschlandradio bezahlen: 35 Euro im Monat oder 420 Euro im Jahr - unabhängig von dem Fakt, dass sich ja auch ein Berufstätiger nicht physisch aufteilen kann: Entweder man ist in der einen Wohnung oder der anderen.

Doch ob eine Wohnung oder zwei: Viele GEZ-Zahler ärgert die Gebühr seit Jahren. Und das zu Recht.

Wer im Süden Deutschlands wohnt und Kunde von Unitymedia ist und erstmals einen Fernseher kauft, der volldigital empfängt, wundert sich, wie umfangreich das Fernsehangebot in Deutschland mittlerweile ist - sowohl deutschsprachig wie international.

Weit über 100 TV-Sender bietet Unity-Media seinen Kunden standardmäßig an. Darunter sind Dutzende deutschsprachige, auch lokale, beziehungsweise regionale TV-Sender. Die meisten machen durchaus einen guten Informationsjob.

Ob Sat.1 Gold oder Servus TV, ob RTL Living HD oder RTL Crime HD, Sport 1 HD, Auto Motor und Sport HD, Joiz (deutscher Musiksender), Baden TV, bw family (Baden Württemberg family), Kraichgau TV, HD Campus TV (Heidelberg Campus TV) oder Infokanal:

Das Angebot an deutschsprachigen TV-Sendern ist nicht zu niedrig, sondern mittlerweile eher zu umfangreich. Keiner blickt mehr richtig durch, welche TV-Sender überhaupt noch relevant sind. Dazu gehört: Die Masse sorgt für eine Inflation und das sorgt wiederum zu einer Abwertung etablierter TV-Marken. Dazu gehören natürlich ARD und ZDF, aber auch RTL, Pro7 oder Sat.1.

Für Inflationierung sorgen aber nicht nur private TV-Anbieter sondern auch die öffentlich-rechtlichen ARD und ZDF selber: Neben rund 60 ARD-Radiosendern gibt es noch zahlreiche öffentlich-rechtliche Spartensender im Fernsehen. Hierzu gehören beispielsweise Sender wie ZDF Neo HD oder einsfestival HD (ARD). Fragen sich viele schon heute, wozu überhaupt noch ARD und ZDF, so gilt diese Frage verschärft für diese teuer zu unterhaltenden Mini-Spartensender.

Deutsch als wichtigste Mediensprache in Deutschland gerät zudem in eine gewisse Relativitätskurve. Denn immer mehr internationale Sender werden auch in Deutschland erheblich konsumiert. So steht den rund zwei Millionen in Deutschland lebenden Türken eine ganze Handvoll Fernsehsender über Anbieter wie Unitymedia zur Verfügung - beispielsweise der TV-Sender Türk Canli. Gegen eine leichte monatliche Zuzahlung können türkische Mitbürger mindestens fünf weiteren türkische TV-Sendern empfangen - auch ohne Satellitenschüssel auf dem Dach oder dem Balkon. Die Millionen Flüchtlinge bringen ihrerseits wieder andere Interessen mit. Sie möchten arabische Sender sehen und nicht Bettina Schausten im Röckchen auf dem ZDF.

Doch damit nicht genug: Immer mehr Blu-ray-Player oder DVD-Player sind Wireless-Lan - beispielweise der neue Blu-ray- und DVD-Player Sony BDP-S5500 (derzeit beispielsweise bei MediaMarkt für 95 bis 130 Euro erhältlich). Neu ist, dass auf diesem Blu-Ray-Player standardmäßig über WiFi gleich einige weitere TV-Sender aus den USA enthalten sind.

Auffällig: Auf der Verpackung des WiFi-fähigen Blu-Ray-Players konnten wir - im Gegensatz zu den US-Anbietern YouTube oder Netflix - keine Werbung von RTL NOW ("Video on Demand bei RTL NOW") oder maxdome ("maxdome - Video on Demand"; von der ProSiebenSat.1-Gruppe) finden. Dabei hat der Kampf um Marktanteile beim Streaming längst begonnen. Marketing wäre wichtig. Erst beim Einschalten des Blu-ray-Players fanden wir dann neben Maxdome noch einige andere Apps.

Allerdings wird Netflix auf der Sony-Fernbedienung so prominent als extra Taste präsentiert, als wäre Netflix eine Schwester-Marke von Sony. Noch aggressiver und nachhaltiger kann Marketing kaum sein. Man wird täglich an Netflix erinnert - an die anderen Apps denkt man gar nicht mehr, die irgendwo im App-Reich des Blu-ray-Players schwirren könnten.

Sony bietet auf seinem neuen Blu-Ray-Player überwiegend die klassischen TV-Anbieter aus den USA über WiFi-Funktion standardmäßig mit an: YouTube (Alphabet, beziehungsweise Google), Netflix oder Facebook (Facebook-TV gibt es sicherlich auch in näherer Zukunft). Euronews gibt es über den Blu-ray-Player von Sony zwar auch, scheint aber eher ein Exot.

Die TV-Angebote werden also nicht weniger, sondern immer mehr und zwar auf immer mehr Channeln: Ob Kabel-TV, Digital-TV, Internet oder jetzt eben direkt über den WiFi-DVD- oder Blu-ray-Player.

Damit stellt sich drückender denn je die Frage: Wozu noch ARD und ZDF in diesem Umfang? Viele der Hunderten-TV-Sender, die es in Deutschland standardmäßig über eine relativ niedrige Zuzahlung von 5 bis 10 Euro im Monat über Digital-Anbieter wie Unitymedia gibt, haben bei Millionen Deutschen eine höhere Relevanz - sonst wären sie nicht bereit, für deren Empfang an die Kabelnetzbetreiber zusätzlich monatlich fünf bis 10 Euro zu bezahlen.

Dass die Deutschen bereit sind auf freiwilliger Ebene für gute journalistische oder unterhaltende Inhalte zu bezahlen, belegt auch der Aufstieg von Sky. Noch vor zehn Jahren war eine solche Erfolgsgeschichte undenkbar. Denn kein Deutscher wollte für Filme, Sport oder Unterhaltung bezahlen. Das ändert sich. Pay-TV ist nicht mehr ein nogo. Aber eben auf freiwilliger Basis. Nur ARD und ZDF glauben nach wie vor, sie hätten ein Anrecht auf Zwangsgebühren.

Warum zwei deutsche Fernsehsender wie ARD und ZDF jährlich Milliarden Euro brauchen, das leuchtet vielen Verbrauchern immer weniger ein. "Ich nutze AmazonPrime oder Maxdome", sagt der Student Benny aus Heidelberg. ARD und ZDF seien für ihn komplett irrelevant. Ein anderer sagt: "Ich surfe auf YouTube und bin auf anderen Streaming-Portalen unterwegs, ARD oder ZDF haben für mich einfach keine Bedeutung, außerdem regt mich die ständige politische Propaganda auf".

Bettina wiederum sagt, "Arte und 3sat sowie Phoenix will ich auf keinen Fall missen". Mit einer Zusatzgebühr für diese Sender wäre sie zufrieden, sofern sie dann nicht mehr für ARD und ZDF bezahlen müsste. Vorstellbar wäre für sie auch, dass sie für bestimmte TV-Angebote auf ARD und ZDF bezahlen muss. Als Beispiel nennt sie den "Tatort" oder "ZDF Aktenzeichen xy ungelöst". Mehr Selektion im Payment könne sie sich also bei den Öffentlich-Rechtlichen vorstellen.

Diese Tendenz, dass Konsumenten selbst entscheiden möchten, für welche TV-Inhalte zu bezahlen möchten und für welche nicht, wird zunehmen. Dass ARD und ZDF im Zusammenspiel mit der Politik dennoch glauben, sie könnten die Rundfunkgebühr wie eine Art Kirchensteuer ohne Austrittsmöglichkeit noch über Jahrzehnte beibehalten, muss sich ändern.

Viel sinnvoller wäre es: Wer ARD und ZDF oder Deutschlandradio haben möchte, der sollte auf freiwilliger Basis die Rundfunkgebühr entrichten. Doch wer die Sender nicht haben möchte, sollte auch die Möglichkeit haben, zu sagen: Ich zahle keine öffentlich-rechtliche Sondergebühr.

Der einzige Bereich, wo ein öffentlich-rechtliches Fernsehen oder Radio auch als politischer Bildungsauftrag noch Sinn macht, ist die mehrsprachige Berichterstattung der Deutschen Welle. Hier ist es durchaus im politischen Interesse, dass auf Kuba, in Brasilien oder den USA nicht nur BBC oder CNN ihre Sicht der Dinge auf das Geschehen weltweit verbreiten, sondern dass auch deutsche Unternehmen und die deutsche Kultur sowie Standpunkte der Politik international bekannt gemacht werden. Alle anderen öffentlich-rechtlichen Sender gehören in der jetzigen Form in Deutschland grundlegend überdacht.

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