Börse Expedia kauft für 3,9 Mrd. Reiseportal Homeaway

Eines der weltgrößten Online-Reisebüros, Expedia aus den USA, kauft nun einen relativ großen Airbnb-Konkurrenten und zwar die börsennotierte HomeAway Inc. für 3,9 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz des amerikanischen Reiseportals Homeaway liegt derzeit geschätzt bei rund 520 Millionen US-Dollar im Jahr.

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Das Geschäft mit der Online-Vermittlung von Reisen boomt und der Ausverkauf unter den Online-Reisebüros an Großkonzerne geht weiter. Jetzt kauft Expedia auch Homeaway.

Das zeigt einmal mehr, dass in den USA nicht, wie in Deutschland so oft, bei Übernahmen korinthenkakkerisch auf den Cent geachtet wird, sondern primär auf Marktanteile in Wachstumsbranchen. Mit dieser Strategie fahren die US-Techgiganten, unterstützt durch Politik und US-Investmentbanken, seit 20 Jahren hegemonial hervorragend. Fast in der gesamten digitalen Welt liegen die USA in allen Segmenten vorne: Ob bei der Internetsuche, den Apps, Maps, Reisebuchungen, dem Onlineshopping, den Smartphones, Computern oder Social Media.

Homeaway steht aber nicht nur zu Airbnb in Konkurrenz, sondern auch zum relativ erfolgreichen deutschen Portal Wimdu, das wiederum zu Rocket Internet in Berlin anteilig gehört. Homeaway konzentriert sich entsprechend wie Wimdu oder Airbnb auf Ferienunterkünfte, spielt in Deutschland bislang allerdings keine Rolle und ist faktisch unbekannt. Entsprechend dünn sind die Angebote in Deutschland.

Expedia, vor allem als Pauschalreise-Portal in den USA sehr erfolgreich - in Deutschland aber tendenziell seit Jahren eher von rückläufiger Bedeutung - sagte, man bezahle die 3,9 Milliarden US-Dollar mit einem Angebot an die Homeaway-Aktionäre von 38,31 Dollar pro Aktie in bar. Dies entspricht faktisch einer Prämie von überschaubaren rund 20 Prozent.

Expedia wurde vor gut 20 Jahren vom US-Softwarekonzern Microsoft gegründet und bringt es an der Börse auf einen Marktkapitalisierung von derzeit rund 17,42 Milliarden Dollar. Bereits im September 2015 hatte Expedia weitere amerikanische Reiseportale übernommen und zwar für 1,6 Milliarden Dollar die ebenfalls in Deutschland, Österreich oder der Schweiz irrelevante Webseiten von Orbitz Worldwide. Im Kaufpreis enthalten waren die Schulden. Des Weiteren übernahm Expedia 2015 für 280 Millionen Dollar Travelocity von der Software-Firma Sabre Corporation.

Auch die deutsche Reise-Metasuchmaschine Trivago gehört zu Expedia

Ebenfalls zu Expedia gehört beispielsweise die von Deutschen aus Düsseldorf und Leipzig gegründete Reise-Metasuchmaschine Trivago. Die Trivago-Zentrale ist zwar in Düsseldorf, verfügt aber auch über ein Büro in Leipzig. Nach netz-trends.de-Informationen solle das Leipziger Büro auf bis zu circa 65 Mitarbeiter aufgestockt werden. Vor allem Teile der Technik sind in Leipzig angesiedelt und besteht nach netz-trends.de-Informationen zu einem großen Teil aus ehemaligen Unister-Mitarbeitern. Das heißt: Leipzig ist in den vergangenen Jahren zu einem heiß umkämpften Markt für Internet-Fachleute geworden.

Weitere Reiseportale, welche von Expedia betrieben werden, sind: Hotels.com oder Hotwire.com. Expedia teilte mit, man wolle, entgegen zur sonstigen weltweit geltenden Expedia-Strategie, Homeaway nahezu autonom von Austin in Texas weiterarbeiten lassen.

Bislang ist Expedia in einigen Ländern – darunter in Deutschland – mit der Strategie auf die Nase gefallen, selbst Marketingkampagnen zentral von den USA aus zu steuern. Obwohl Expedia zu den führenden Reiseportalen auch in Deutschland gehört, werden hierzulande keine nennenswerten hochwertigen Arbeitsplätze geschaffen. Ob Expedia in Deutschland überhaupt nennenswert Steuern bezahlt oder zu den Steuerflüchtlings-Tricks greift, ist ebenso nicht bekannt.

Das Geschäftsmodell von Homeaway soll künftig im wesentlich darauf beruhen, dass private Anbieter, die ihre Zimmer oder Wohnungen an Feriengäste vermieten, nach einem Staffelmodell Gebühren für die erfolgreiche Wohnraumvermittlung an Homeaway bezahlen müssen. Im Gespräch ist, dass im Schnitt Gebühren von 6 Prozent an Homeaway zu entrichten wären. Allerdings darf das eher als Dumping-Preis angesehen werden. Mittelfristig dürfte auch Homeaway versuchen Gebühren von bis zu 15 Prozent am Markt durchzudrücken.

Aktienkurs von Expedia steigt durch Übernahme leicht

Derzeit wird der Marktführer im Vermitteln von privaten Ferienwohnungen, das US-Portal Airbnb, mit rund 20 Milliarden Dollar bewertet. Ob das realistisch ist oder nicht, vermögen wahrscheinlich nicht einmal die Investoren selbst zu sagen.

Dass gerade in der wachsenden Internet-Szene übliche Bewertungsmodelle mit Gewinn- und Umsatz nicht mehr greifen (Kaufpreis = 8 bis 15 Mal Gewinn), zeigt sich einmal mehr an Homeaway. So lag der Umsatz im dritten Quartal gerade einmal bei 130,7 Millionen US-Dollar. Aufs Jahr hochgerechnet dürfte Homeaway also im Schnitt auf einen Umsatz von rund 520 Millionen US-Dollar kommen. Damit läge das Unternehmen in etwa auf dem Niveau der Leipziger Unister Holding (ab-in-den-urlaub.de, fluege.de).

Angesichts der nun bekannt gewordenen Übernahme von Homeaway legte die Aktie bis Donnerstag früh 10 Uhr (mittellateinamerikanische Zeit) um 23,72 Prozent auf 39,65 Dollar zu. Das 52-Wochen-Hoch lag bei 33,73 Dollar. Die Marktkapitalisierung an der Börse liegt derzeit entsprechend bei 3,05 Milliarden Dollar.

Ob HomeAway Gewinn erwirtschaftet oder nicht und wie hoch die Schuldenlast liegt, ist aus den öffentlich zugänglichen Aktien-Indizes nicht ersichtlich. Angesichts der Übernahme von Homeaway durch die Expedia Inc. stieg die Expedia-Aktie und um 3,6 Prozent auf 139 Dollar.

Vor dem Vermieten von privatem Wohnraum an Feriengäste Regeln in Städten beachten

Wer auf Portalen wie Homeaway, Wimdu oder Airbnb seinen privaten Wohnraum an Feriengäste vermieten möchte, muss in zahlreichen deutschen Städten aufpassen. In Berlin ist das beispielsweise umfangreich verboten. Deshalb scannt das Ordnungsamt Berlin automatisch Ferienvermittlungsportale nach Anbietern aus Berlin.

Hinzu kommt, dass das Ordnungsamt auch vor Ort Ausschau nach nicht genehmigten Ferien-Zimmern oder Ferienwohnungen hält. Wird man erwischt - beispielsweise auf Grund des Hinweises eines Nachbarn - müssen saftige Strafen bezahlt werden.

Deshalb: Vor dem Vermieten am besten im Ordnungsamt nachfragen, nach welchen Maßgaben eine befristete Vermietung eines Zimmers oder einer Wohnung an Feriengäste erlaubt ist. Gerade Berlin hat hier eine Jahrzehntelange Tradition.