Investment Airbnb wird auf 29,6 Mrd. Euro nach 1,4 Mrd. Investment geschätzt

Auch das amerikanische Vermittlungsportal für privaten Wohnraum in Wohnungen oder Häusern, Airbnb, reiht sich nun in die Superlative ein. Bei einem geschätzten Umsatz von 806 Millionen Euro (900 Millionen US-Dollar) sei das Portal rund 29,6 Milliarden Euro wert (33 Milliarden US-Dollar), rechnet man hoch. Basis für diese Berechnungen sind Geldbeträge welche Investoren bereit sind für wenige Prozente an dem Unternehmen zu bezahlen. So konnte das Wohnraum-Vermietungsportal Airbnb nun weitere 1,5 Milliarden US-Dollar Venture Capital (1,34 Mrd. Euro) einsammeln.

Bild: Airbnb
Haben gut Lachen: Die drei Gründer von Airbnb, die Amerikaner Joe Gebbia, Nathan Blecharczyk und Brian Chesky (von links).

Die Irrsinn in den Unternehmens-Bewertungen unabhängig vom real erzielten Umsatz oder Gewinn geht in den USA weiter.

Als Geldgeber für Airbnb sollen die Private Equity-Unternehmen General Atlantic, die chinesische Firma Hillhouse Capital Group sowie die alternative Investmentfirma Tiger Global Management fungiert haben. Die zugeteilten Aktien seien je zu einem Drittel auf die drei Investmentfirmen verteilt worden, besagen Marktgerüchte.

Die Transaktion sei unter Hinzuziehung von Morgan Stanley durchgeführt worden. Ebenfalls dabei seien Singapurs Temasek Holdings sowie die Venture Capital-Firmen Kleiner Perkins Caufield & Byers, GGV Capital China Broadband Capital und Horizon Ventures.

Möchte man sich vor Augen führen, wie irrwitzig die Finanzwelt mittlerweile tickt, muss man sich nur den Umsatz von Airbnb vor Augen führen: Nach Angaben des Wall Street Journal werde dieser auf rund 900 Mio. US-Dollar geschätzt. Bis 2020 wolle man diesen, sollen interne Papiere besagen, auf 10 Milliarden Dollar steigern.

Die Airbnb Website hat rund 1,4 Millionen Angebote von Zimmern, Wohnungen, Häusern oder exotischen Schauplätzen im Angebot. Allerdings ist die US-Webseite weltweit umstritten. In Berlin oder Madrid, selbst in New York City, wird es privaten Wohnungsmietern teilweise bereits verboten, ihren Wohnraum über Portale wie Airbnb unterzuvermieten. Das Argument der Stadtverwaltungen:

Es könne nicht sein, dass Bürger, die dringend eine richtige Mietwohnung dauerhaft benötigten, an die Stadtränder oder ins Umland vertrieben würden, da immer mehr Wohnungen für Feriengäste untervermietet würden.

In Berlin gibt es schon eine extra ins Leben gerufene städtische Polizei, die in Zivilkleidung Portale wie Airbnb oder das deutsche Pendant Wimdu (Rocket Internet Beteiligung) scannt, um zu schauen, wer von den Untervermietern gegen städtische Vorschriften verstößt. Auch wurde eine Stasi-Hotline eingeführt, über die Bürger, die den Verdacht haben, dass Wohnraum heimlich über Airbnb oder Wimdu vermittelt wird, melden sollen.

Airbnb kassiert rund 6 bis 12 Prozent Vermittlungs-Gebühr pro vermittelten Wohnraum. Die hohe Bewertung von Airbnb ist vor allem im Hinblick auf einen möglichen IPO, also Börsengang für Investoren von Interesse. Dennoch verwundert viele Anleger die hohe Airbnb Bewertung. So gibt es beispielsweise in Leipzig einen bekannten Reisevermittler, der nach Schätzungen rund 500 Millionen Euro jährlich umsetzt, von Investoren aber - trotz des im Vergleich zu Airbnb relativ hohen Umsatzes - nicht auf 33 Milliarden US-Dollar Bewertung geschätzt wird und ebenfalls projektbezogene Investoren sucht. Das bedeutet aber vor allem eines:

Die großen Investment-Gruppen schielen immer stärker nur noch auf den möglichen Börsenwert, auf fiktives Papiergeld, nicht mehr auf reale Geldwerte wie Umsatz und Gewinn. Da fast alle weltweit aktiven Investoren es vor allem geil finden, in den USA zu investieren, da ihnen dort die Weltaufmerksamkeit gesichert ist, sind vor allem die USA selber der große Profiteur dieses neuen Monopoly-Spiels der Wirtschaft. Firmen in anderen Ländern haben das Nachsehen.

Airbnb wurde von den drei Amerikanern Nathan Blecharczyk, Brian Chesky und Joe Gebbia mitbegründet. Bislang ist nicht bekannt, wer sich alles an Airbnb beteiligt hat. Gerüchte besagen, dass auch das deutsche Medienhaus Burda (Hubert Burda Media) sich möglicherweise direkt oder indirekt an Airbnb beteiligt haben könnte. "Ich finde die redaktionelle Dauer-PR für Airbnb durch Burda-Medien wie Focus zumindest bemerkenswert" sagt ein sehr guter Kenner der Szene.