Urteil So dusselig hat Zalando versucht Kunden an der Nase herumzuführen

Es ist ein beliebtes Mittel der Werbung und das seit über 100 Jahren: Die künstlich vorgegaukelte Verknappung von Waren oder Dienstleistungen in der Werbung. Doch wer sagt, er habe nur noch drei Artikel auf Lager, weshalb sich der Kunde beeilen müsse mit dem Kauf, der muss auch einhalten, was die Werbung androht: Nämlich, dass, wer nicht zuschnappt, leer ausgehen könnte.

Zalando muss seine Werbung ändern.

Doch im Falle der Zalando SE scheint der Spieltrieb im Management größer gewesen zu sein, als das Fingerspitzengefühl. Denn sonst hätte man leicht erahnen können, dass Marketing mit falschen Angaben einem böse auf die Füße fallen kann, wenn es nachgewiesen wird. Dabei scheint der Nachweis für die Verbraucherzentrale, aber auch den öffentlich-rechtlichen Sender NDR (Norddeutscher Rundfunk) recht einfach gewesen zu sein. Den Nachweis dahingehend, dass, wenn Zalando behauptete, nur noch drei Artikel eines Produktes auf Lager zu haben, diese Aussage so falsch war.

Denn tatsächlich war der Warenbestand eines Produktes bei Zalando auch dann höher als drei, selbst wenn der Onlinemodehändler behauptete, man müsse schnell bestellen, da nur noch drei Artikel eines Produktes auf Lager seien.

Jedenfalls konnten die Verbraucherzentrale Hamburg - eine Institution, die auch von Steuergeldern mit finanziert wird - und der Norddeutsche Rundfunk (NDR) belegen, dass Zalando in seinem Marketing ein paar Tricks zu viel angewendet hatten.

So hatten Mitarbeiter des NDR mehr Artikel bestellt, als noch von Zalando als verfügbar angegeben gewesen war und auch erhalten. Ähnlich war die Verbraucherzentrale Hamburg vorgegangen. So hatten Tester mehr Artikel in den digitalen Warenkorb gelegt, als angeblich auf Grund einer Knappheit noch im Lager seien. Tatsächlich aber hatte Zalando die gewünschte Anzahl der Produkte geliefert, selbst wenn das Marketing vorher sagte, man habe "nur noch drei Artikel" auf Lager. Heißt: Zalando hat die Knappheit vorgespielt.

Jetzt möchte Zalando künftig damit werben, dass man "noch mehr als drei Artikel" verfügbar habe. Doch auch darin wittert die Verbraucherzentrale Hamburg wiederum eine nicht gesetzeskonforme Marketing-Form. Zalando selbst sagt, mit einem solchen Marketing bewege man sich im üblichen Rechtsraum.

Aber auch das trifft zu: Zalando ist nicht das einzige Unternehmen, das mit der Anzahl noch vorhandener Waren wirbt. Auch im Reisebereich ist das üblich, aber auch sinnvoll. Denn für den Buchenden ist es durchaus wichtig zu wissen, ob noch drei Zimmer im Hotel buchbar sind oder nur noch eines.

Jedenfalls ist für Zalando jetzt gerichtlich geklärt: Werbung mit nicht zutreffender Knappheit von Produkten ist nicht erlaubt.