IT Test Apple Rechtschreibprogramm: Mangelhaft, nervig

Wer erstmals von einem Windows- und Office-Rechner zu einem iOS-Rechner der Apple Inc. wechselt, muss sich mit vielen neuen Features auseinandersetzen. Das Apple Rechtschreibprogramm gehört dazu.

Bild: netz-trends
Nicht der größte Hit: Das Rechtschreibprogramm in deutsch von Apple.

Ein Kurz-Test von netz-trends zum Apple Rechtschreibprogramm führte zu keinen erfreulichen Erfahrungen. Der Test wurde anhand einer praktischen Anwendung durchgeführt, sprich: Anhand eines realen Artikels, welchen wir geschrieben hatten. Und hier sind unserer Erfahrungen:

Auffallend ist, dass das Rechtschreibprogramm von Apple zwar Fehler erkennt, diese aber oftmals irrelevant und komplett sinnverzerrend automatisch korrigiert oder im späteren manuellen Korrekturvorgang ebenfalls nicht ordentlich zur Korrektur anbietet, beziehungsweise völlig falsche Lösungsvorschläge unterbreitet. Noch schlimmer ist es, wenn Worte richtig geschrieben sind, das Apple Rechtschreibprogramm diese aber fast schon hinterlistig automatisch verändert in völlig falsche Worte. Wer hier nicht aufpasst, findet in seinem Text Wörter, welche er oder sie nie geschrieben hatte.

Die erheblichen qualitativen Defizite des Apple Rechtschreibprogramms sind so eklatant, dass sie meist schon nach wenigen in deutscher Sprache geschriebenen Sätzen auffallen. Im Falle dieses Textes betrifft dies bereits den dritten kurzen Absatz: Das durchaus bekannte deutsche Wort "sinnverzerrend" kennt das Apple Rechtschreibwörterbuch nicht. Stattdessen blendet Apple ein: "Dieses Wort wurde im Rechtschreibwörterbuch nicht gefunden".

Aus Döpfner wird Töpfer

Nehmen wir den bekannten Namen des CEOs der Axel Springer SE, Dr. Mathias Döpfner. Hier bietet uns das "Rechtschreibung und Grammatik"-Korrekturprogramm von Apple an, aus Döpfner, Töpfer zu machen. Beziehungsweise, was heißt "anbieten"? Selbst dann wenn man die automatische Korrektur schon zehn Mal im gleichen Text rückgängig gemacht hat, lernt das angebliche Rechtschreib- und Korrekturprogramm von Apple einfach nicht, dass man dann wohl tatsächlich Döpfner will und nicht Töpfer.

Als nächstes Beispiel kann wieder ein Name aus dem deutschen Medienhause Axel Springer dienen und zwar das Shopping-Portal Idealo. Ein gutes Schreib-Korrekturprogramm müsste ein solch bekanntes deutschsprachiges Portal durchaus automatisch erkennen und nicht einfach überschreiben. Doch auch Idealo kennt die Apple Rechtschreibung nicht und bietet stattdessen "Ideal" an. Also drücken wir auch hier wieder auf den Apple-Button "Lernen".

Doch mit dem "Lernen"-Button macht es sich die Apple Inc. sehr einfach: Die Nutzer müssen selber dem Programm Dinge beibringen, welche man eigentlich als Verbraucher erwarten kann, dass sie der weltgrößte und reichste Konzern, eben die Apple Inc. aus den USA, selber macht. So wird ein Verbraucher zu seinem eigenen Rechtschreibprogramm.

Was uns aufgefallen ist: Oft hat man sogar mehr Arbeit beim Korrekturlesen auf Grund des Apple Rechtschreibprogramms, statt ohne. Da passt ins Bild, dass Apple mit seinem Rechtschreibprogramm auch das Marken-Wort "Immonet" nicht erkennt - wieder ein deutschsprachiges Portal, eine Immobilienbörse, aus dem Hause Springer. Also müssen wir auch hier lästig auf den Button "Lernen" klicken, damit sich das Rechtschreibprogramm von Apple wenigstens beim nächsten Mal an "Immonet" gewöhnt und das alberne rote Unterstreichen lässt.

Unique kennt es nicht

Das gleiche gilt für den Begriff "Unique", bzw. Unique User. Auch dieses Keyword wird in Deutschland in der Medienwelt seit über 15 Jahren verwendet. Das Apple Rechtschreibprogramm erkennt aber auch es nicht und bietet an, im Text aus "Unique" "Zunicke" zu schreiben.

Ein mangelhaft gibt es im Kurz-Test von netz-trends für das Apple Rechtschreibprogramm auch in seiner Unfähigkeit schnell internationale Sprache, welche beispielsweise für ein Zitat in einem deutschen Text eingebaut wird, zu lernen und zu erkennen und es zu belassen oder wenigstens zu erkennen, dass es ein fremdsprachiges Zitat ist und entsprechend in die fremde Sprache - zum Beispiel in Englisch, statt Deutsch - zu wechseln.

So wissen Medien- beziehungsweise Kommunikationswissenschaftler: Der Begriff "General Interest" ist seit Jahrzehnten Bestandteil in der deutschen Medienwelt. Er drückt aus, dass ein bestimmtes Medium - eine Zeitschrift beispielsweise - ein globaleres Themenangebot anbietet, als ein "Special Interest" Medium. Doch auch das Wort "General" - sogar direkt aus dem englischen entlehnt - erkennt das Apple Korrekturprogramm nicht. Standessen fragt es ob es "Interest" überschreiben solle mit "Interesse".

Auch klassische deutsche Abkürzungen wie "bzw." scheint Apple nicht zu kennen

Doch es gibt auch völlig banale Rechtschreibfehler, typische Verdreher, welche Apple nicht erkennt. Dazu gehört zum Beispiel die klassische und weit verbreitete deutschsprachige "bzw.". Wer hier statt "bzw." aus Versehen "bwz" schreibt, erlebt auch hier eine unangenehm negative Apple-Überraschung. Während Microsoft Office hier sofort anbieten würde, ob man statt bwz nicht lieber "bzw.", also die Abkürzung für "beziehungsweise" haben wolle, bietet das Apple Korrekturschreibprogramm "bz", beziehungsweise sogar völlig aberwitzig "Wz" an.

Also bleibt uns auch hier nichts anderes übrig, als manuell das Wort zu korrigieren. Unser Fazit im Kurz-Test: Das Apple Rechtschreibprogramm ist beschämend mangelhaften und ungenügend. Erklären kann man dies sich lediglich damit, dass die Apple Inc. hierfür möglicherweise überwiegend englischsprachige Personen einsetzt, welche das Programm technisch und inhaltlich geschaffen haben, sprich von Amerikanern.

Nicht so Microsoft: Der Konzern hatte schon Mitte der 1990er Jahre bei München ein Büro geschaffen, in welchem gut 50 Mitarbeiter nichts anderes taten, als für Microsoft in deutscher Sprache eine Enzyklopädie zu schaffen. Die damals geplante Enzyklopädie (Encarta) wurde zwar vor wenigen Jahren angesichts der erdrückenden Wikipedia-Übermacht mehr oder weniger eingestellt, doch das Rechtschreibprogramm von Microsoft Office gilt nach wie vor als vorbildlich und ist um Klassen besser, als jenes von Apple.