Milliarden! Alle Hintergründe zu den neuen EU-Supercomputern

Die Europäische Union plant den Bau mehrerer EU-Supercomputer. Die Entwicklung der Rechenmonster soll eine Milliarde Euro kosten. [1]

Als einziges Nicht-EU-Land wird auch die Schweiz sich an der Entwicklung der Supercomputer beteiligen. Grund: Die Schweiz hat bereits eine umfangreiche Expertise in der Entwicklung von Hochleistungscomputern.

Koordiniert wird die Entstehung der EU-Supercomputer im italienischen Ort Lugano.

Mit erhofften 7.8 Petaflops sollen die neuen Computer in Zukunft zu den schnellsten Rechengiganten auf dem Planten gehören. Kein Wunder, bei einer Trillion Rechenoperationen pro Sekunde. [1f]

Die Einsatzgebiete der Rechenwunder sollen weit sein und vom Wetter über Regenerative Energien bis hin in den Gesundheitssektor reichen.

Dass die Computer nicht zum Spaß gebaut werden, versteht sich von selbst. So sagte der estnischer Politiker und EU-Vizekommissar Andrus Ansip, 61:

"Supercomputer sind der Motor der digitalen Wirtschaft. Die EU muss in diesem harten Rennen aufholen, denn wir haben noch keine Supercomputer in der weltweiten Top-Ten-Liste." [1ff]

Ansip ist seit dem 1. November 2014 Vizepräsident der Europäischen Kommission und Kommissar für den digitalen Binnenmarkt. Vom 1. Januar bis zum 9. Juli 2017 war er zudem interimistisch Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft. [2]

Doch noch wird es dauern, ehe die EU ganz vorne mitmischen kann bei den Computergiganten. Erst 2023 glaubt man, dieses Ziel erreichen zu können. [1ff]

Die EU-Supercomputer werden neben Deutschland von den folgenden Ländern finanziert:

Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Portugal, Spanien, Belgien, Slowenien, Bulgarien, Griechenland, Kroatien und der Schweiz. [1ff]

Supercomputer stehen bislang - bis auf einen Schweizerischen - alle außerhalb Europas:

Die Sunway TaihuLight und Tianhe-2 in China, der Piz Daint in der Schweiz, Gyoukou und Oakforest-PACS in Japan und Titan sowie Sequoia in den USA. [3]

Eine tabellarische Übersicht der 500 schnellsten Computer der Welt bietet die Seite top500.org. [4]

Die komplette Pressemitteilung der EU zum Supercomputer

Wir geben hier die gesamte Pressemitteilung der EU zum Supercomputer wider (übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche mit Hilfe von Google Translator):

"Die Kommission schlägt vor, 1 Mrd. EUR in erstklassige europäische Supercomputer zu investieren

Brüssel, 11. Januar 2018

Die Europäische Kommission hat heute ihre Pläne vorgestellt, gemeinsam mit den Mitgliedstaaten beim Aufbau einer europäischen Supercomputer-Infrastruktur von Weltklasse zu investieren.

Supercomputer werden benötigt, um immer größere Datenmengen zu verarbeiten und der Gesellschaft in vielen Bereichen von der Gesundheitsversorgung und erneuerbaren Energien bis hin zu Autosicherheit und Cybersicherheit Vorteile zu bringen.

Der heutige Schritt ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit und Unabhängigkeit der EU in der Datenwirtschaft. Heute verarbeiten europäische Wissenschaftler und die Industrie ihre Daten zunehmend außerhalb der EU, da ihre Bedürfnisse nicht durch die Rechenzeit oder Computerleistung in der EU abgedeckt werden. Dieser Mangel an Unabhängigkeit bedroht Privatsphäre, Datenschutz, Geschäftsgeheimnisse und den Besitz von Daten, insbesondere für sensible Anwendungen.

Eine neue Rechts- und Finanzierungsstruktur - das gemeinsame Unternehmen EuroHPC - soll europaweit eine erstklassige HPC-Infrastruktur (High-Performance Computing) erwerben, aufbauen und bereitstellen. Es wird auch ein Forschungs- und Innovationsprogramm unterstützen, um die Technologien und Maschinen (Hardware) sowie die Anwendungen (Software) zu entwickeln, die auf diesen Supercomputern laufen würden.

Der Beitrag der EU in EuroHPC wird sich im Rahmen des derzeitigen mehrjährigen Finanzrahmens auf rund 486 Mio. EUR belaufen, dem ein ähnlicher Betrag aus den Mitgliedstaaten und assoziierten Ländern gegenübersteht. Insgesamt würden bis 2020 rund 1 Mrd. EUR an öffentlichen Mitteln investiert, und private Mitglieder der Initiative würden ebenfalls Sachbeiträge leisten.

Andrus Ansip, Vizepräsident der Europäischen Kommission für den digitalen Binnenmarkt, sagte: "Supercomputer sind der Motor für die digitale Wirtschaft. Es ist ein hartes Rennen und die EU ist heute im Rückstand: Wir haben keine Supercomputer auf der Weltspitze. Mit der EuroHPC-Initiative wollen wir europäischen Forschern und Unternehmen bis 2020 weltweit führende Supercomputer-Kapazitäten zur Verfügung stellen - Technologien wie künstliche Intelligenz entwickeln und die alltäglichen Anwendungen der Zukunft in Bereichen wie Gesundheit, Sicherheit oder Technik aufbauen."

Mariya Gabriel, Kommissarin für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, fügte hinzu: "Supercomputer sind bereits der Kern wesentlicher Fortschritte und Innovationen in vielen Bereichen, die das tägliche Leben der europäischen Bürger unmittelbar beeinflussen. Sie können uns helfen, personalisierte Medizin zu entwickeln, Energie zu sparen und gegen den Klimawandel zu kämpfen. Es sind effizientere Veränderungen: Eine bessere europäische Supercomputer-Infrastruktur birgt ein großes Potenzial für die Schaffung von Arbeitsplätzen und ist ein Schlüsselfaktor für die Digitalisierung der Industrie und die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft."

Vorteile von Supercomputing

Hochleistungsrechnen ist ein kritisches Werkzeug, um wichtige wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen zu verstehen und darauf zu reagieren, wie z. B. die Früherkennung und Behandlung von Krankheiten oder die Entwicklung neuer Therapien auf der Grundlage personalisierter und präziser Medizin. HPC wird auch zur Vorbeugung und Bewältigung großer Naturkatastrophen eingesetzt, insbesondere für die Vorhersage der Hurrikanpfade oder für Erdbebensimulationen.

Die EuroHPC-Infrastruktur wird der europäischen Industrie und insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen [KMU] einen besseren Zugang zu Supercomputern ermöglichen, um innovative Produkte zu entwickeln. Der Einsatz von High Performance Computing wirkt sich zunehmend auf Branchen und Unternehmen aus, indem Produktdesign und Produktionszyklen deutlich reduziert, das Design neuer Materialien beschleunigt, Kosten minimiert, die Ressourceneffizienz erhöht und Entscheidungsprozesse verkürzt und optimiert werden. Zum Beispiel können die Produktionszyklen von Autos dank Supercomputern von 60 Monaten auf nur noch 24 Monate reduziert werden.

Hochleistungsrechnen ist auch für die nationale Sicherheit und Verteidigung unverzichtbar, zum Beispiel bei der Entwicklung komplexer Verschlüsselungstechnologien, bei der Verfolgung und Reaktion auf Cyberangriffe, beim Einsatz effizienter Forensik oder in nuklearen Simulationen.

Forschung und Innovation gepaart mit Infrastruktur

Die heutige Initiative wird Investitionen bündeln, um führende europäische Supercomputer und Big-Data-Infrastrukturen zu etablieren. Ziel des gemeinsamen Unternehmens EuroHPC ist der Erwerb von Systemen mit einer Leistung vor dem Abbau (100 Millionen Milliarden oder "10 hoch 17" Berechnungen pro Sekunde) sowie die Entwicklung von Exascale-Systemen (eine Milliarde Milliarden oder "10 hoch 18" Berechnungen pro Sekunde), die auf EU-Technologie basieren bis 2022-2023.

Die Tätigkeiten des gemeinsamen Unternehmens umfassen:

Erwerb und Betrieb von zwei erstklassigen Supercomputing-Maschinen und mindestens zwei Mid-Range-Supercomputing-Maschinen (etwa "10 hoch 16" Berechnungen pro Sekunde) und Bereitstellung und Verwaltung des Zugangs zu diesen Supercomputern für eine breite Palette von öffentlichen und privaten Nutzern ab 2020.

Forschungs- und Innovationsprogramm zu HPC: Unterstützung der Entwicklung der europäischen Supercomputertechnologie einschließlich der ersten Generation der europäischen Low-Power-Mikroprozessortechnologie und des Co-Designs europäischer Exascale-Maschinen sowie Förderung von Anwendungen, Kompetenzentwicklung und einer breiteren Nutzung von High -Performance Computing.

Das gemeinsame Unternehmen EuroHPC wird 2019-2026 tätig sein. Die geplante Infrastruktur wird von ihren Mitgliedern, die sich aus den Ländern zusammensetzen, die die EuroHPC-Erklärung unterzeichnet haben, und privaten Mitgliedern aus Wissenschaft und Industrie gemeinsam getragen und betrieben. Andere Mitglieder können dieser Kooperation jederzeit beitreten, wenn sie ihren finanziellen Beitrag leisten.

Hintergrund

Seit 2012 treibt die Kommission EU-Initiativen in diesem Bereich voran, darunter:

Die Europäische Cloud-Initiative vom 19. April 2016 hat im Rahmen ihrer Strategie Digitalisierung der europäischen Industrie die Schaffung eines führenden europäischen Big Data-Ökosystems gefordert, das auf einer erstklassigen HPC-, Daten- und Netzwerkinfrastruktur basiert.

Die EuroHPC-Erklärung, die am 23. März 2017 anlässlich des Digitalen Tags in Rom von sieben Mitgliedstaaten - Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Portugal und Spanien - unterzeichnet wurde. Im Jahr 2017 kamen Belgien, Slowenien, Bulgarien, die Schweiz, Griechenland und Kroatien hinzu. Diese Länder einigten sich darauf, eine gesamteuropäische integrierte exascale Supercomputerinfrastruktur aufzubauen. Andere Mitgliedstaaten und assoziierte Länder werden aufgefordert, die EuroHPC-Erklärung zu unterzeichnen." [5]

Einzelnachweise

[1] Schweiz hilft bei EU-Supercomputer mit, in: 10 Minuten vom 11. Januar 2018.

[2] Andrus Ansip. Ehemaliger Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, In: Wikipedia.

[3] Die EU will in die Top 10 der Supercomputer, von Michael Förtsch, In: Wired.com vom 11. Januar 2018.

[4] TOP500 list of the fastest supercomputers in the world, in: top500.org. Abgerufen am 11. Januar 2018.

[5] Commission proposes to invest EUR 1 billion in world-class European supercomputers, Pressemitteilung der Europäischen Kommission vom 11. Januar 2018.

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