Krankfeiern: 2,1 Mio. deutsche Arbeitnehmer machen blau im Winter

Wo alles so schön weiß ist, fallen ein paar Sonder-Urlaubstage in Form von \"Krankfeiern\" wohl nicht auf - denken sich Millionen Deutsche. Bild: geld.de

Skiurlaub, Karneval oder einfach nur länger im warmen Bett bleiben: Im Winter gibt es viele Anreize, um mal nicht auf Arbeit zu gehen. Doch was macht man, wenn die Urlaubstage bereits für das restliche Jahr verplant sind? Für 2,1 Millionen Deutsche liegt die Antwort klar auf der Hand: Ab zum Arzt und den gelben Urlaubsschein holen:

Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Versicherungs-Vergleichsportals Geld.de. Über 1.000 Arbeitnehmer wurden für eine vom Portal beauftragte Studie zum Thema „Blaumachen“ befragt und die Antworten auf die rund 31,9 Millionen Berufstätigen hochgerechnet.

Volkswirtschaftlicher Schaden geht in die Milliarden

Eine weitere unerfreuliche Konsequenz: Laut Studie entsteht durch die Krankfeierei ein volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von 1,4 Mrd. Euro! Die Summe könnte aber noch steigen. Weitere 2,5 Millionen Beschäftigte überlegen nämlich noch, ob sie von den Sonderferien auf Firmenkosten Gebrauch machen werden. Darunter vor allem viele männliche Kollegen. Denn die Studie zeigt weiter, dass insbesondere die Männer zum Blaumachen neigen. Zwei von drei Krankmachern (62 Prozent) sind nämlich vom vermeintlich "starken Geschlecht", während bei den Frauen nur etwa jede Dritte (38 Prozent) eine Krankheit vortäuschen möchte.

"3-Tage-Sonderurlaub" bei Blaumachern am gefragtesten

Besonders beliebt unter den dreisten Simulanten sind kurze Erholungszeiten vom Job von bis zu drei Tagen. Mehr als 1,1 Millionen Arbeitnehmer (52 Prozent der Blaumacher) genügt dies, um ein wenig Abstand von Chef, Arbeit und Kollegen zu bekommen. Etwa 700.000 Beschäftigte planen eine Auszeit zwischen vier und sechs Arbeitstagen. Weitere sechs Prozent der Krankmacher möchten zwischen sieben und neun Tagen Urlaub auf Firmenkosten machen. Aber es geht auch noch frecher: So wollen fast 200.000 Angestellte mehr als neun Tage zu Hause faulenzen.

Aber Vorsicht: Wird der Betrüger vom Vorgesetzten erwischt, drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen. Denn der Blaumacher täuscht seinen Vorgesetzten bewusst über seine eigene Arbeits(un)fähigkeit. Fliegt die Sache auf, kann der geprellte Arbeitgeber zwischen Abmahnung, ordentlicher Kündigung oder gar fristloser Kündigung wählen.

Vielschichtige Motive fürs Blaumachen

Doch was sind die Gründe der dreisten Kollegen? Der Studie zufolge gaben 22 Prozent (rund 440.000 Beschäftigte) der Befragten an, rein präventiv auf Krank zu machen, weil "sie sich nicht bei den Kollegen anstecken wollen". Weitere 21 Prozent (rund 350.000 Arbeitnehmer) der Blaumacher werden angeblich vom "Winterblues" heimgesucht. Sie bekämen in der dunklen, kalten Jahreszeit "regelmäßig psychologische Probleme".

17 Prozent der geständigen Simulanten meinen, dass ihre kurzen Auszeiten im Winter weniger auffielen, da der Krankenstand in dieser Zeit immer höher liege als zu anderen Jahreszeiten. Immerhin acht Prozent der skrupellosen Kollegen wollen damit ihrem Arbeitgeber "eine auswischen".

Besonders kreativ sind die Blaumacher in der Nutzung ihrer zusätzlichen Freizeit jedoch nicht: Die Mehrheit bleibt nämlich zu Hause und "lässt es sich gut gehen" (61 Prozent). Schließlich kann es ja doch sein, dass die Kollegen vorbeischauen wollen, um Genesungswünsche zu überbringen. 33 Prozent beabsichtigen längst überfällige Hausarbeiten durchzuführen, während weitere 15 Prozent der Krankmacher lieber ihren Hobbys nachgehen möchten. Etwas risikofreudiger:

Ein Prozent der Befragten will mit Freunden "einen drauf machen" und immerhin 8 Prozent wollen sogar in Richtung Sonne verreisen. Drei Prozent zieht es hingegen in den nicht ganz so (wohl)verdienten Skiurlaub in die Berge.

Übrigens: Das Phänomen "Blaumachen" ist keine Frage der Bildung. Egal, ob Abiturient oder Hauptschulabschluss, alle machen gleichermaßen gern krank, so das Ergebnis der Studie.









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