US-Ölindustrie mit Massenentlassungen in EU? Ölpreis sinkt unter 60 Dollar pro Barrel / 45% niedriger

Ab einem Ölpreis von unter 50 US-Dollar pro Barrel gilt die Ölförderung auch in den USA für viele Unternehmen als nicht mehr profitabel. Die Auswirkungen bekommt vor allem die EU zu spüren: Es deutet sich an, dass Ölkonzerne der USA auf den niedrigen Ölpreis "overseas" - also wohl auch in der EU - mit Massenentlassungen reagieren:

Bild: halliburton.com
US-Ölkonzern Halliburton mit Massenentlassungen \"overseas\".

Im Wirtschaftskrieg zwischen den USA, der EU und Russland sinkt der Ölpreis weiter. Er passierte jetzt Mitte Dezember 2014 das Niveau von vor fünf Jahren - also 2009.

Doch Massenentlassungen in der Ölindustrie in Europa sind nur die eine Seite der Medaille. Denn für Reisende wirkt sich der niedrigere Ölpreis positiv aus: Fliegen wird billiger. Flugticketpreise befinden sich in den USA seit Wochen im Sinkflug. Die Reisebranche geht deshalb für weiter sinkende Flugpreise zur Weihnachtszeit und zur wichtigen Jahreswendezeit – also zu Silvester – aus.

Grund: Sinkt der Ölpreis, wird auch der Einkauf von Kerosin für die Flugzeuge mittelfristig billiger. So sank am Donnerstag der durchschnittliche Ölpreis im U.S. Benchmark unter 60 US-Dollar je Barrel auf 59,95 Dollar. Das ist der tiefste Preis an der Ölbörse von New York, der New York Mercantile Exchange, seit fünf Jahren - genaugenommen seit dem 14. Juli 2009:

Auch der internationale Ölpreis befindet sich weiter im Sinkflug und liegt nun beispielsweise in Europa bei 63,68 Dollar je Barrel - das ist der niedrigste Ölpreis in der EU seit 16. Juli 2009. Das bedeutet: Sowohl in den USA wie in Europa liegt der Ölpreis 45% unter dem Niveau des höchsten Ölpreises im Jahr 2014. So mussten Öl-Kunden auf dem höchsten Peak 2014 bis zu 107,26 Dollar pro Barrel bezahlen - beispielsweise am 20. Juni 2014.

Der sinkende Ölpreis hat aber nicht nur Auswirkungen auf sinkende Flugticketpreise, sondern auch auf die Joblage in der Ölindustrie. So geben große amerikanische Ölkonzerne immer öfters Massenentlassungen bekannt. Sie begründen dies damit, wonach sie auf Grund der Ölschwemme viel weniger einnehmen könnten, als noch vor wenigen Monaten.

Ölkonzerne der USA mit Massenentlassungen in der EU?

Kürzlich gab beispielsweise die US-Ölfirma Halliburton aus Texas bekannt, sie müsse 1.000 internationale Mitarbeiter entlassen, da sie diese nicht mehr bezahlen könne. Allerdings sagte Halliburton, wonach die Jobs überwiegend "overseas" wegfallen würden. Man darf also davon ausgehen, dass mit "overseas" auch die EU gemeint ist. In den USA selber sollen derzeit keine Massenentlassungen in der Ölindustrie anstehen.

Auch der britische Ölriese BP, dessen Aktienkurs seit Jahren auf einem eher niedrigen Niveau herumdümpelt und nun weiter absinkt, sagte, man müsse Arbeitsplätze abbauen. Allerdings würde der Arbeitsplatzabbau bei BP im Rahmen eines Sparprogramms in Höhe von 1 Milliarde Dollar stattfinden.

Bereits am Montag hatte zudem der amerikanische Ölkonzern ConocoPhillips bekannt gegeben, wonach man 2015 seine Ausgaben um 20% senken wolle auf 13,5 Milliarden Dollar. Noch nicht bekannt gegeben wurde, wie sich bei wichtigen Ölplayern, wie der Chevron Corp., der sinkende Ölpreis auf die Beschäftigungslage in den USA oder der EU auswirkt.

Ab 50 Dollar pro Barrel könnte der Break-Even bei vielen Ölfirmen unterschritten werden, Verluste drohen

Sicher sind sich Analysten, dass ein weiteres Absinken des Ölpreises auf unter 50 US-Dollar ernsthafte Probleme für weite Teile der Ölindustrie nicht nur in den USA oder der EU mit sich bringen wird, sondern vor allem in Russland.

Doch gehen politische Beobachter davon aus, dass es vor allem das Ziel der USA ist, mit einem Absinken des Ölpreises die Wirtschaft von Russland weiter massiv anzugreifen und in die Rezession zu zwingen. Hinzu kommen die von den USA und der EU erlassenen massiven Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Wirtschaftsembargos gehören traditionell zu beliebten Mitteln der US-Regierung um unliebsamen Regierungen zu schaden und auf US-Linie zu bringen:

Der weltweit sinkende Ölpreis beruht primär auf erheblichen Fortschritten der technologischen Effizienz von Ölförderanlagen in den USA. Vor allem das Fracking gilt in den USA als Hauptgrund für die leichtere und kostengünstigere Ölförderung.

In den USA galt bislang die Formel, dass sich Ölförderung bei einem Preis von über 60 Dollar pro Barrel profitabel gestalten lässt, dass aber ein Abrutschten des Ölpreises auf unter 50 Dollar sich für einige Ölproduzenten wirtschaftlich als problematisch darstellen könne. Interessant dürfte deshalb die Frage sein, inwiefern Investments in Ölfonds – auch in amerikanische - zunehmend riskant werden könnten.

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