Wann verdient Google mehr als 30 Dax-Konzerne?

Demnach würden Deutschlands (30) Dax-Konzerne (darunter BMW, SAP, Deutsche Bank, VW) auf einen operativen Gewinn (Ebit) von 27,7 Milliarden Euro im 3. Quartal 2014 kommen. Dies wären 17 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch wenn diese Zahlen sehr gut klingen, so muss man doch wissen: Der amerikanische Suchmaschinen-Gigant Google Inc. kommt bereits jetzt auf einen Jahresgewinn von gut 13 Milliarden Dollar:

Foto: VW
Die Volkswagen Group erzielt unter allen deutschen Dax-Konzernen den größten Umsatz.

Eine Meldung macht derzeit die Runde in den Wirtschafts-Kolumnen: Deutschlands 30 Dax-Konzerne würden im 3. Quartal 2014 so viel verdienen, wie noch nie zuvor. Dies gehe aus einer am Donnerstag von der nicht gerade als günstig verschrienen Wirtschafts-Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) veröffentlichten Studie hervor.

Das ist zwar noch einen guten Schritt von den rund 100 Milliarden Euro Jahresgewinn aller 30 deutschen Dax Konzerne entfernt. Doch als unrealistisch sehen viele in der Internet-Branche es nicht mehr an, dass die Google Inc. eines Tages Dank ihres starken faktischen Monopols als das weltweit größte Tor ins Internet diese Gewinnmarge knacken könnte.

Eher unwahrscheinlich ist allerdings, aber auch nicht nötig, dass Google sich auf den Umsatz aller 30 Dax-Konzerne zubewegt, welcher im dritten Quartal 2014 bei 308 Milliarden Euro lag. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2013 setzte der US-Gigant Google rund 70 Milliarden Dollar um, bewegt sich aber in Siebenmeilenschritten auf 100 Milliarden Dollar Umsatz zu.

Dabei liegt der Vorteil von Google auf der Hand: Als Digitalunternehmen benötigt Google nur einen Bruchteil der Mitarbeiter, um eine Rendite zu erwirtschaften, welche jene der Dax-Konzerne schlägt.

25 Prozent schwächerer Euro sorgt nur für 3 Prozent mehr Export-Umsatz

Ob der schwache Euro nun im vierten Quartal für einen weiteren Umsatzschwung bei Deutschlands größten Konzernen sorgt, ist noch nicht klar. So hatte beispielsweise am Mittwochabend die ARD Sendung Plusminus behauptet, wonach eine rund 25 prozentige Abwertung des Euro gegenüber der Währung Dollar gerade einmal für die gesamte deutsche Exportwirtschaft ein Umsatzplus im Ausland von 3 Prozent besorge.

Unter den großen Gewinnern des 3. Quartals lagen unter anderem die Fresenius SE mit einem Umsatzwachstum von 18 Prozent, Thyssen-Krupp (+ 13), die Daimler AG oder die Deutschen Börse (je + 10).

Zur Überraschung einiger konnte im dritten Quartal 2014 die Daimler AG mit einem Gewinn von 3,7 Milliarden Euro den höchsten Quartalsgewinn aller Dax-Konzerne ausweisen. Das umsatzstärkste Unternehmen im vierten Quartal waren VW (Volkswagen) mit einem Umsatz von 49 Milliarden Euro, gefolgt von Daimler mit 33 Milliarden Euro Umsatz sowie dem Energiekonzern Eon mit 25 Milliarden Euro.

Während der Wirtschafts-Sanktionskrieg der Europäischen Union (EU) gegen Russland deutliche Bremsspuren im Wirtschaftswachstum Deutschlands hinterlassen hat, auch der sonstigen EU, freuen sich die Dax-Konzerne, dass wenigstens das Asiengeschäft noch boomt. Hier konnte ein Umsatzplus von 11 Prozent im dritten Quartal ausgewiesen werden. 8 Prozent mehr absetzen als im Vorjahresquartal konnten die Konzerne zudem in den USA.

Außereuropäische Märkte sorgen für Wachstum

EY-Partner Thomas Harms wird angesichts der nun veröffentlichen Zahlen der Dax-Konzerne mit den Worten zitiert: "Auch wenn sich das weltweite Wirtschaftswachstum spürbar verlangsamt hat: Es sind nach wie vor die außereuropäischen Märkte, die maßgeblich zum Wachstum der deutschen Top-Konzerne beitragen."

Dennoch besteht kein Grund zur Freude: Angesichts des Wirtschaftskrieges zwischen der EU und Russland ging es mit dem so dringend benötigen Wirtschaftswachstum in Europa weiter den Bach hinunter und könnte schon bald in einer Rezession landen: Nur noch 3 Prozent Wachstum innerhalb der Wirtschaft Europas stehen einer Inflationsrate von über 2 Prozent gegenüber.

Doch schon erklärte Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), wonach sie möglicherweise noch stärkere Wirtschaftssanktionen gegen Russland angesichts der Ukraine-Krise verhängen wolle. Gegen eine Ausweitung des Wirtschaftskrieges gegen Russland stellen sich hingegen immer mehr Unternehmer:

So erklärte beispielsweise Mario Ohoven, der Präsident des mächtigen Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft in Leipzig am Mittwoch, man müsse dringend aufhören, die Sanktionsspirale mit Russland weiter anzuziehen. Dies könne ganze Branche in den Abgrund ziehen.

Ohoven war anlässlich des berühmten sächsischen Unternehmertages MUT in Sachsens Metropole Leipzig. Eingeladen hatte der Geschäftsführer des "Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft-Regionalverbund Leipzig", Alexander Lohse. Neben zahlreichen Wirtschaftsverbänden stellten sich bislang als einzige deutsche Parteien zudem die AfD (Alternative für Deutschland) sowie DIE LINKE gegen weitere Wirtschaftssanktionen Deutschlands und der EU gegen Russland.