Zalando Aktienkurs: Börsengang ermutigt andere Internetunternehmen

Viele Fragen sich: Wie lange wird sich der Aktienkurs von Zalando halten? Die Zalando-Aktionäre konnten mit dürftigen 11% der Anteile immerhin saftige rund 600 Millionen Euro einsammeln. Das ist eine Menge Geld für bislang sehr wenig Gegenwert in der Realwirtschaft, aber viel Wert in einer Markenwirtschaft:

Quelle: google finance
Für Zalando-Großaktionär Kinnevik steht viel auf dem Spiel: Hier der Aktien-Kursverlauf des Unternehmens seit 10 Jahren.

Egal, wie man den Börsengang des Rocket Internet-Projektes Zalando nun bewertet: Der Mittwoch, Tag des Börsendebüts von Zalando, zeigte zumindest, dass Zalando sich am ersten Tag des Börsengangs wacker an der Frankfurter Börse halten konnte. Doch viele zittern nun.

Dennoch muss man realistischer Weise sagen: Zalando ist in Deutschland kein singulärer Erfolgswert im Internet. Vielmehr gibt es vergleichbare E-Commerce-Unternehmen, die ebenfalls an Zalandos Umsatz in Höhe von rund 1,8 Milliarden Euro (im Jahr 2013) kommen – beispielsweise mit dem Vermitteln von Reisen.

Dass die Zalando-Aktionäre sehr zufrieden sein können mit dem ersten Börsentag, ist offensichtlich: Das ist mehr, als Börsen-Realisten zu hoffen wagten. Denn eines ist klar: Zalando ist zwar in 15 Ländern als Fashion-Onlineshop präsent und verkauft 1.500 Marken, doch schwebt Zalando immer noch erstaunlich leicht zwischen den sonstigen deutschen E-Commerce-Marken.

Immerhin: Reuters schreibt, wonach man auf dem Frankfurter Börsenparkett Konfetti gesehen habe, als die große Börsen-Show von Zalando begonnen habe. Jubelstimmung sei gar aufgekommen. Allerdings war auch das zu verzeichnen: Von einem Kursfeuerwerk wie im Falle von Alibaba kann bei Zalando bislang keine Rede sein.

Wenig glücklich formulierte Robert Gentz, Mitbegründer von Zalando, sein Börsendebüt: "Es fühlt sich ein bisschen an wie eine Einschulung", wird er zitiert. Und auch das: "Jetzt müssen wir nur noch gute Noten schreiben".

Das klingt zwar ganz nett, ist aber im Umgang mit Finanzmedien und Investoren eher kontraproduktiv, da es einfach etwas naiv klingt. Oliver Samwer, einer der strengen Paten im Hintergrund von Zalando - und zwar über seine Rocket Internet - wird jedenfalls solche etwas simplen und ernüchternd klingenden Aussagen eher nicht gerne hören.

Der Eröffnungskurs der neuen Zalando SE Aktie war auf recht starke 28 Euro angesetzt und konnte mit einem Spitzenwert von 24,10 Euro am Mittwoch immerhin in die Nähe dieses Wertes kommen. Dennoch: Im Vergleich zum Eröffnungskurs in Höhe von 28 Euro entspricht der jetzige Kurs von 21,84 Euro doch einem Minus von rund 23%.

"Man kann sagen: schwach angefangen und dann stark nachgelassen", zitiert Reuters Oliver Roth, den Chefhändler bei Close Brothers Seydler. Dabei liege der Kurs "deutlich unter den Erwartungen der letzten zwei, drei Tage."

Dass sich einige Anleger mehr von der Zalando-Aktie schon am ersten Tag gewünscht hätten, lässt sich am Kurseinbruch des schwedischen Großaktionärs, der Investment AB Kinnevik (Charmain: Cristina Stenbeck), erkennen.

Für Kinnevik geht es im Falle Zalandos jetzt um alles

Der Aktienkurs dieses Unternehmens sackte um -9,90% ab und bewegt sich nun auf einem Niveau von gerade einmal 25,78 €. Das ist also in etwa das Niveau von Zalando - einem Börsenneuling. Dennoch ist der aktuelle Aktienwert von Kinnevik immer noch fast doppelt so hoch, wie vor zwei Jahren. Damals lag der Wert der Kinnevik-Aktie gerade einmal bei rund 10 bis 12 Euro. Im Jahr 2005 bewegte sich der Aktienkurs von Kinnevik sogar auf einem Niveau, das mehr als vier Mal niedriger war, als heute. Insofern: Die Investitionen von Kinnevik in Online-Unternehmen wie Zalando scheinen von der Börse bislang goutiert worden zu sein.

Doch jetzt geht es für Kinnevik um alles: Entweder das Unternehmen schafft es, die rund 670 Millionen Euro Investitionen alleine in Zalando wieder hereinzuholen - wonach es bislang aussieht - oder das schwedische Unternehmen könnte mittelfristig ein größeres Problem bekommen.

Zalando selbst wurde 2008 gegründet. Die vergangenen Jahre waren durch bilanzielle Verluste und knallrote Zahlen geprägt, die aber für ein Internet-Unternehmen mit einem solchen (auch durch Google AdWords gekauftem Wachstum) normal sind.

Im ersten Halbjahr 2014 konnte Zalando immerhin 200.000 Euro Gewinn ausweisen. Doch noch ist nicht klar, ob es sich um einen strukturellen Gewinn oder einen rechnerischen Gewinn handelt. Ob Zalando es tatsächlich an der Börse auf einen Wert von 5,5 Milliarden Euro schafft, was derzeit kolportiert wird, ist noch nicht klar:

Eines ist aber deutlich: Derzeit sieht es eher so aus, dass der Aktienkurs von Zalando weiter absackt. Doch auch im Falle von Facebook ging es nach dem Börsendebüt ebenfalls erst einmal um mehr als 50 Prozent bergab mit der Aktie. Heute steht Facebook besser da denn je.

Für die deutsche Internetszene ist der Zalando-Start jedenfalls im Großen und Ganzen ein sehr gutes Signal, zeigt es doch: Es gibt wieder Großkapital, das bereit ist, in auch gewagtere Geschäftsmodelle und gewagtere Unternehmen zu investieren. Dabei geht es in der Digitalwirtschaft nicht primär darum, sofort Gewinn zu erwirtschaften, sondern Marktanteile sich einzukaufen, die mittel- bis langfristig monetisiert werden können. Amazon schreibt beispielsweise seit rund 20 Jahren fast durchgängig Verluste – wird dafür aber Jahr um Jahr weltweit immer größer und mächtiger. Für Kleinanleger sind allerdings Aktien, wie jene von Zalando, eher nichts.