Cookies: Facebook sollte Browser-Spionage nur im Tausch gegen Werbeeinnahmen-Beteiligung gestattet werden

Die Cookies sollen die Auslieferung von personalisierter Werbung ("targeted advertising") auf den Facebook-Seiten der über einer Milliarde Nutzer von Facebook verbessern. Mit der neuen wohl geplanten Cookie-Offensive von Facebook stellen sich aber zahlreiche Fragen: Die eine beruht einmal mehr auf der grundsätzlichen Frage des Datenschutzes. Die zweite Frage lautet: Warum kassiert eigentlich nur Facebook alle Werbeeinnahmen???

Facebook steht mal wieder wegen des Datenschutzes im Schussfeld.

Nun möchte auch Facebook (Facebook Inc.) in den Internet-Browsern der Nutzer umfangreichere Cookies, sogenannte heimliche Tracking-Tools, für das Surf-Verhalten im Internet auf den Computern der Verbraucher installieren. Das Ziel von Mark Zuckerberg, dem Gründer der US-Social Media-Plattform Facebook:

Nehmen wir zum Beispiel einen Fußballspieler-Star, welcher 20 Millionen Facebook-Fans hat. Die Werbeeinnahmen, die dort erzielt werden, könnten sich leicht auf einige Millionen Euro im Jahr belaufen. Fair wäre es, wenn die Werbeeinnahmen im Minimum 50 zu 50 zwischen dem Facebook-Profil-Inhaber und Facebook geteilt würden. Werden sie aber nicht: Facebook kassiert alles.

Auch private Nutzer, die es schaffen, täglich bis zu 700 Seitenaufrufe auf ihrem Facebook-Profil hinzubekommen (was aber den wenigsten gelingen dürfte), könnten monatlich selbst bei einem 50 zu 50 Share bezüglich der erzielten Werbeeinnahmen mit Facebook gut 100 bis 200 Euro monatlich Werbeeinnahmen erzielen – läge man das Google Adsense-Werbemodell zu Grunde.

Ist das rechtlich akzeptabel?

Doch bislang gilt: Der US-Konzern Facebook will alle und alles abkassieren. Und nun also auch noch die Nutzer-Spionage im Browser. Ist das fair fragen sich immer mehr? Und: Ist das rechtlich akzeptabel?

So gibt es durchaus einen Unterschied, ob jemand im Internet etwas sucht und das parallel über Cookies ausgelesen wird oder wenn eine Webseite aus purem eigenen Interesse gleich umfänglich über Cookies, sogenannte kleine automatische Tracking-Tools, verfolgt, wer wo was im Internet sucht und welche Webseite er oder sie besucht.

Neben dem Ausspionieren der aufgerufenen Webseiten mittels Cookies, welche über den persönlichen Internet-Browser angesteuert werden - zum Beispiel über den Internet Explorer, Google Chrome oder Mozilla Firefox - plant die Facebook Inc. auch das parallele Ausspionieren der Apps. Dabei geht es darum, dass die Facebook Inc. wissen möchte, wer lädt sich welche App auf sein Handy herunter und nutzt diese. Dieses datenschutzrechtlich in der EU eher nicht oder nur in strengen Bahnen erlaubte Tracking machen heute schon zahlreiche Apps und Webseiten.

Das immer größer werdende Problem: Während sich deutsche oder andere EU-Apps an den Datenschutz halten müssen, können ihn Facebook, Whatsapp, Viber & Co recht einfach umgehen, indem sie das Herkunftsland ihrer Webseiten rechtlich ins Feld führen, wo andere Gesetze gelten. Im Falle von Facebook und Whatsapp wären das die USA. Im Falle von Viber wäre es Israel.

Doch statt endlich auch für amerikanische, israelische oder asiatische App-Anbieter und Webseiten-Betreiber einheitliche Zugangs-Voraussetzungen in der EU zu schaffen, sitzen die EU-Abgeordneten im Strassburger EU-Parlament das Problem (meist mangels fachlicher Kenntnis) einfach aus. Sie tun nichts. Wirklich Fachkenntnisse scheinen die meisten EU-Parlamentarier vor allem im Abgreifen von EU-Steuergeldern zu haben.

EU-Parlamentarier lassen Ami-Apps, israelische oder asiatische Apps komplett freien Lauf... selbst wenn der Datenschutz erheblich verletzt wird

So zocken die rund 700 EU-Parlamentarier schon heute nach einer Wahlperiode (fünf Jahre) an "Diäten" und "Zulagen" (Reise, Wohnung) gut eine Millionen Euro pro Abgeordnetem von EU-Bürgern erwirtschaftetes Steuergeld ab. In Summe also pro Wahlperiode gut 700 Millionen Euro. Davon lässt sich komfortabel und königlich leben. Wozu sich also um solch komplexe Themen kümmern, wie Reglemtierung von amerikanischen, israelischen (Viber, Medisafe) oder asiatischen Apps (KakaoTalk, WeChat, Line etc.)?

Nach dem Plan von Facebook dürfte künftig jedenfalls gelten: Sucht jemand in bing.com oder auf google.com nach neuen Schuhen oder einer günstigen Kamera, zeichnet Facebook das über die heimlich installierten Cookies auf.

Das gilt aber auch für den Umstand, wenn jemand beispielsweise eine Webseite ansteuert. Das Ziel von Facebook & Co durch das Setzen solcher Cookies: Vor allem die anschließend dem Nutzer ausgespielte Werbung kann so näher am Nutzerinteresse orientiert werden, man spricht von "personalisierter Werbung".

Einerseits ist das wichtig und auch im Sinne des Verbrauchers (der Werbung als Informations-Möglichkeit zu Produkten und Dienstleistungen nutzt), auf der anderen Seite stört zunehmend, dass die Browser häufig nur noch das "alles oder nichts"-Prinzip bei Cookies akzeptieren. Das Heißt: Deaktiviert jemand manuell in seinem Web-Browser das Cookie-Setzen, werden kurz darauf Dienste wie Gmail von Google (Google Mail), oder Webseiten mit einem Account-Zugang sagen: Du hast die Cookies deaktiviert, bitte reaktiviere diese, erst dann lassen wir Dich die Webseite wieder nutzen.

Skandalös ist: Einige Webbrowser bieten nicht die Möglichkeit an, selbst zu entscheiden, für welche Webseiten Cookies generell erlaubt werden und für welche nicht. Ein beliebter Trick ist auch: Mit jedem Schließen des Browsers und jedem erneuten Öffnen müssen die angegebenen Einstellungen wieder von neuem aktiviert werden. Das soll die Nutzer mürbe machen und führt dazu, dass Google Chrome & Co letztlich doch ihren datenschutzrechtlich bedenklichen Service immer wieder so auf die PCs bekommen, wie sie es möchten. Man setzt also auf Mürbemachen durch ständig neue Anforderungen an den Nutzer.

Wenn die Cookie-Spionage nicht von der werbungtreibenden Industrie selber stärker reglementiert wird, kommt die Politik und haut drauf

Was ignoriert wird, ist: Wenn die werbungtreibende Industrie sowohl national wie supranational nicht der Politik Vorschläge unterbreitet, wie sie gedenkt, hier verbraucherfreundlicher zu werden und ihre Dienste in den Einklang mit sonst überall geltendem Datenschutz zu bringen, dürfte früher oder später die Politik mit einer Radikallösung kommen. Das schadet dann allen: Den Webseiten-Betreibern wie E-Commerce-Anbietern, Blog-Betreibern oder Nachrichten-Publishern ebenso, wie den Verbrauchern, die nicht jede unsinnige Werbung unspezifisch auf Webseiten vor Augen geführt bekommen möchten.

Deshalb gilt die Kritik an dem Plan von Facebook, nun auch das Browser-Verhalten der Nutzer im Netz mittels Cookies auszuspionieren, nicht nur Facebook, sondern letztlich der gesamten Internet-Szene. Mit Blick auf Facebook sagt jedenfalls beispielsweise Beth Givens, der Direktor der amerikanischen Internet-Verbraucherschutz-Organisation "Privacy Rights Clearinghouse": "Facebook scheint seine Ohren zuzumachen, wenn es zum Thema Datenschutz, also dem Recht auf Privatheit, kommt."

Facebook selber argumentiert, der Browser-Cookie-Plan diene dem Ziel, damit die Facebook-Profilinhaber "Werbung angezeigt bekommen, welche den Nutzer auch interessiert". Dennoch dürfte das oberste Ziel die Erhöhung des eigenen Facebook-Umsatzes sein. So setzte Facebook alleine im Jahr 2013 rund 7 Milliarden US-Dollar mit Online-Werbung um. Das dürfte mehr sein, als alle deutsche Online-Medien zusammen:

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Facebook bezüglich des Datenschutzes negativ auffällt. Auch in den USA selber gibt es Hunderte Online-Artikel, in denen immer wieder die Rede davon ist, wonach Facebook "violating users’ privacy" - also die Privatheit der Nutzer erheblich verletzte.

Gleichzeitig ließ die oberste US-Aufsichtsbehörde für amerikanische Unternehmen, die FTC (Federal Trade Commission) mitteilen, wonach sie "rigoros" erwarte, dass den bereits für die Industrie und Online-Unternehmen erlassenen Anordnungen Folge geleistet werde.